Einigkeit und Recht und Freiheit Sonntag, Okt 17 2010 

Kennt ihr diese wunderbaren, segensreichen Tage, an denen man aufsteht, die Vorhänge öffnet, der Welt einen fröhlichen Gruß entbietet und dafür einen Schlag in die Fresse bekommt?
Diese Tage, an denen man in einer Sphäre irgendwo zwischen dem Künstlerisch-Göttlichen, dem Idealismus, den ureigenen Träumen und Vorstellungen, wie die Welt sein KÖNNTE, und der grausam niederschmetternden, ernüchternden Erkenntnis, wie sie wirklich ist, schwebt, und sich weder dem Einen noch dem Anderen wirklich zugehörig fühlt?
Diese Tage, wo man sich von etwas Größerem inspiriert fühlt und von so ungreifbaren, schwer definierbaren, fernen Dingen wie Freiheit oder Gerechtigkeit träumt, während einen der Alltag mit all seinen banalen Belanglosigkeiten herunterdrückt, wo man in den Spiegel blickt und zum ungezählten Mal erkennt, dass alles nicht mehr ist als eben genau das?

Ein Traum?

Diese Tage, an denen einen die Welt einfach nur noch ankotzt?
Weil man unter die Oberfläche all dessen taucht, wofür sich unsere Gesellschaft hält und wofür sie zu stehen glaubt – Oder glaubt sie es überhaupt noch selbst?
Selbst die größten Arschlöcher und Flachwichser können sich selbst einreden, sie seien eigentlich ganz in Ordnung, um weiterhin Arschlöcher und Flachwichser bleiben zu können.
Ich habe des Gefühl, irgendwie so ist es oft auch mit dem, was wir unsere Gesellschaft oder Kultur nennen.
Wir wollen anderen weismachen, wir stünden für irgendwelche Ideale, drehen uns um und treten sie mit Füßen.
Wir reden davon, eine Sache zu verteidigen und spucken im nächsten Moment darauf.
Wir machen uns selbst vor, für die Menschen zu kämpfen – und kämpfen gegen sie.

Alles nur Lippenbekenntnisse, Populismus, Selbstbeschwichtigung. Die Titanic sinkt, die Kapelle spielt weiter.
Wir schminken ein Monster und reden uns ein, eine Schönheit vor uns zu haben.

Wir sprechen von Einigkeit, von Einheit, von Loyalität, wir diskutieren über Integration und sind selbst noch nicht einmal ein Volk. Wir sind entweder Westdeutsche oder Ostdeutsche, Bayern oder „Preußen“, Katholiken oder Protestanten, Arme oder Reiche.
Wir zerbrechen an Belanglosigkeiten und wollen anderen weismachen, sie sollten sich in ein Gesamtwesen integrieren, das nichts weiter als eine Illusion ist, aus nichts weiter als Gegensätzen und Konflikten besteht.

Wir sprechen von Recht und meinen Gesetz, wir sprechen von Moral und meinen Pflicht. Dabei ist unsere Gerechtigkeit nichts weiter als ein fahler, oberflächlicher Anstrich über den selben Makeln, die wir seit Jahrhunderten mit uns schleppen. Menschen stehlen etwas im Supermarkt und wir nennen es Ungerechtigkeit, Politiker beziehen Nebeneinkünfte von Unternehmen, in deren Namen sie denken, reden und handeln, und wir nennen es das System. Wir nennen es normal.
Unabänderlich.

Denn so läuft es nun mal, und was kann man als Einzelner schon dagegen tun.

Wir reden von Freiheit und meinen damit den kümmerlichen Rest von Möglichkeiten, die uns bleiben, wenn wir „sicher“ sein wollen. Wir machen uns vor, sie zu verteidigen, und schränken sie ein, um uns vor illusionären, ungreifbaren Gefahren zu schützen.
Wir führen einen Krieg gegen die Mächte, die die Fundamente unserer Wertvorstellungen bedrohen, und geben sie auf, um zu gewinnen.
Und unser großer Sieg wird sein wie alles andere an uns – eine Niederlage, wenn man nur unter die Oberfläche taucht.

So erheben wir sie, stellen sie auf ein Podest, unsere Ideale, lassen uns immer mal wieder von unseren Politikern erzählen, wie großartig wir sie verfolgen und verteidigen, wie viel wir für sie getan haben, fühlen uns dann geschmeichelt und stimmen ihnen zu, denn wir haben sie ja verdient, diese Lobgesänge.
Danach drehen wir uns um und treten sie weiter mit Füßen.

Denn heute kämpft jeder für sich, aber kaum jemand mehr für etwas darüber hinaus.
Wir wollen immer mehr und sehen nicht, dass wir immer weniger haben.

Und diejenigen, die sich bemühen, das Wenige zu erhalten, stehen viel zu oft auf verlorenem Posten.

Und was ist das Ende der Geschichte?
Gibt es eines?
Schreiben wir es gerade?
Ist es schon geschrieben und muss sich nur noch ereignen?

Denkt ihr, ihr bekommt jetzt am Ende dieses Eintrags einen Hoffnungsschimmer, eine Lösung, ein Happy End?

Negativ. So sieht’s nämlich aus.
Das ist der Stand der Dinge.

Und heute ist so einer dieser Tage, wo mich das richtig ankotzt.

Ende.

Flaute. Flaute überall. Samstag, Jun 19 2010 

Äh…

Ja.

Hier läuft momentan nicht viel, nicht wahr?

Aber ich hab‘ ein paar halbwegs gute Entschuldigungen parat, ausnahmsweise. Wenn ich mich für irgendwas, was ich tue, entschuldigen würde.
Was ich nicht tue.

Es ist auf jeden Fall nicht so wie früher, wo die Motivation nach kurzer Zeit steigender Aktivität wieder brutal absackte, bis ich den Blog quasi vergessen habe.
Eigentlich hätte ich schon noch einige Ideen im Hinterkopf, die abgearbeitet und niedergeschrieben wollen, aber irgendwie bin ich derzeit hin und hergerissen zwischen diversen banalen Tätigkeiten, die meine ach so kostbare Freizeit verschlingen wie Tine Wittler das Süßigkeitenlager, dass die psychischen Exhibitionisten auf RTL in ihren vier Wänden versteckt haben.
Meine Tine Wittler ist eine Mischung aus vielerlei mehr oder weniger interessanten Beschäftigungen.
Zum einen steht in meinem Zimmer seit Neuestem eine E-Gitarre herum, die ich mir nach längeren Zweifeln, ob ich dafür wirklich die nötige Langzeitmotivation aufbringen kann, zugelegt habe. Und wenn ich gezwungen werde, zwischen euch und meiner E-Gitarre zu entscheiden… diesen Kampf könnt ihr einfach nur verlieren.
Dann wollen wir natürlich nicht verschweigen, dass ich die letzten Wochen mit Arbeit in jedweder Form förmlich überhäuft wurde – Jaja, cry cry so sad, ich weiß, aber ich will ja gar kein Mitleid erschleimen. Ich habe nur einfach, wenn ich abends entweder mit Muskelkater und Ganzkörpersonnenbrand wie vor zwei Wochen oder pochenden Kopfschmerzen und scheißschlechter Laune wie die letzten Tage auf dem Zahnfleisch nach Hause krieche, meistens nicht mehr viel Lust auf etwas anderes als fressen und schlafen.
Und E-Gitarre spielen.
Und vielleicht Fußball schauen. Denn das raubt einem ja momentan auch einen bemerkenswerten Anteil der Freizeit. Selbst wenn man mit dem allgemeinen Hype nicht viel am Hut hat und nicht heulend in der Ecke sitzt, wenn Deutschlands Weltmeisterambitionen ins Wanken geraten.
Dann wäre da auch noch ein bisschen zeitintensives Rumwerkeln in den zukünftigen eigenen vier Wänden. Denn der Eden dürfte ja in etwa einem halben Jahr umziehen. Und wenn man ohnehin in seiner Jugend als Sohn eines Zimmerermeisters das ein oder andere gelernt hat, was gibt es da Näherliegenderes, als sein eigenes Zimmer auch selbst herzurichten?
Es nicht zu tun natürlich.
Aber ich bin immerhin die billigste Arbeitskraft, die mein alter Herr hat.
Der Pole der Familie, sozusagen.
Nur mit Fachwissen.

Den ganzen anderen Mist wie aufmerksamkeitsbedürftige neoamazonische Rasurfaschistinnen, ab und zu mal was Entspannendes wie Pokerrunden, DVD-abende und/oder Alkoholkonsum mit anderen Menschen, lesen, schreiben und so weiter erwähne ich nur mal am Rande.

Ihr seht – mein Leben dümpelt momentan so ein bisschen vor sich hin ohne nennenswerte Erkenntnisse, Erfahrungen oder Gedankengänge, über die sich zu berichten lohnen würde. Oder die Zeit, das zu tun.
Da kann ich nur sagen, die Hypothese, dass steigende Arbeitslosigkeit – trotz Sicherung der Existenz durch den „Sozialstaat“ – zu politischer Instabilität führt und gesellschaftliche Betäubungsmittel wie Lena, die WM oder andere verlockende Aktivitäten ohne bemerkenswerte Tiefgeistigkeit der Regierung eine dringend benötigte Verschnaufpasse vor Unzufriedenheit in der Bevölkerung verschaffen, hat mit Sicherheit was für sich.
Ich bin der lebende Beweis.
Ich warte ohnehin schon darauf, dass der Bevölkerung irgendein politischer Knüppel des John Holmes-Kalibers in den Arsch geschoben wird, während sie so beschäftigt damit ist, Jogi Löws Schwanz zu lutschen, dass sie das gar nicht merkt. Bis sie geschluckt hat und wieder auf der Straße steht, um auf den nächsten Freier zu warten.
Ich gebe zu, obszöne Fickmetaphern haben auch ihre Grenzen.

Jedenfalls ist das der Grund, warum hier momentan mit einer kleinen Flaute gekämpft wird. Weil einfach Flaute IST. In meinem Leben. Irgendwie.
Aber naja, auch das ändert sich wieder.
Und immerhin ist morgen ja auch Sonntag.
Und sonntags hat man frei. Normalerweise.

Außerdem habe ich gerade Meinhard Miegels EXIT – Wohlstand ohne Wachstum zu Ende gelesen und halte den Inhalt und die dort entwickelten Gedankengänge durchaus für erwähnenswert.
Vielleicht eine kleine Buchrezension also.

Wir werden sehen.

Die Krone der Evolution Donnerstag, Mrz 19 2009 

So.

Das hat lange gedauert.

Ich wollte das zwar an einem einzelnen Wochenende durchziehen, aber zum einen wurde ich durch eine Vielzahl anderer Dinge davon abgehalten, und zum anderen gestaltet die ganze Sache sich weitaus schwieriger, als ich angenommen hatte. Mit Logik und Sachverstand komme ich gegen dieses Chaos sehr viel schlechter an als erwartet.

Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sich das mit der Zeit zu legen scheint und es mir insgesamt besser geht.

Nunja, die ganze Sache wird trotzdem durchgezogen. Aber vorerst, als Einschub, eine kleine KG, die ich vor wenigen Tagen spontan geschrieben habe. Nichts Weltbewegendes, aber zumindest kommt die Lust am Schreiben nach der ganzen Sache langsam wieder zurück.

Bitte.

– –

Die Krone der Evolution

Sind Sie schon einmal abends auf dem Nachhauseweg stehen geblieben, um einen Betrunkenen zu beobachten, der sich auf dem Boden wimmernd in seinem eigenen Erbrochenen windet, während zwei andere nicht minder Betrunkene lachend um ihn herumtorkeln und an dem Versuch scheitern, ihm wieder auf die Beine zu helfen?

Haben Sie sich schon einmal die Zeit genommen, zu zählen, wie viele Menschen in teuren Anzügen und mit gekaufter Liebe im Arm wortlos an Bettlern vorbeigehen, die flehend ein Foto ihrer Familie hochhalten?

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie gleichgültig ihre Mitmenschen auf Nachrichten über Selbstmordanschläge mit mehreren Toten und Schwerverletzten reagieren und sich dann dem sinnentleerten Abendprogramm zuwenden?

Sind Sie schon einmal schweigend in der Nähe gestanden, als Mitmenschen jemand anderen verbal und mitunter sogar körperlich drangsaliert haben?

Haben Sie schon einmal einen Bericht im Fernsehen gesehen, über einen Jugendlichen, der seine Mutter krankenhausreif geschlagen hat?

Sind Sie schon einmal im Internet auf eine Seite gestoßen, in der reale Vergewaltigungsszenen, von Überwachungsvideos oder Mittätern gefilmt, als Pornographie vertrieben werden?

Haben Sie schon einmal zugesehen, wie der Fahrer eines Schneeräumers über die Bordsteinkante gelenkt hat, um eine über die Straße rennende Katze noch zu erwischen?

Haben Sie schon einmal mit angehört, wie sich jemand über die Schäden an seinem Auto aufgeregt hat, während das Tier, das er überfahren hat, keine zehn Meter entfernt lag?

Waren Sie schon einmal anwesend, als erwachsene Menschen sich an Bildern von zerfetzten Menschen aufgegeilt haben?

Haben Sie schon einmal in einer Fernsehdokumentation mit angesehen, wie ein lebender Hund an den Hinterbeinen die Straße hinuntergezerrt und in eine Müllpresse geworfen wurde, weil er unerwünscht war?

Haben sie schon einmal ein Video gesehen, in dem einem amerikanischen Soldaten von Extremisten der Kopf mit einem Küchenmesser sorgfältig langsam abgeschnitten wird?

Haben Sie aufgepasst, wie lange er geschrien hat?

Haben Sie bemerkt, wie gleichgültig seine Mörder darauf reagiert haben?

Haben Sie sich schon einmal den zweifelhaften Spaß erlaubt, die Kriege zu zählen, die aus bloßer Gier um Macht geführt wurden, gleichgültig wie viele Menschen dabei zugrunde gehen?

Haben Sie schon einmal Bilder gesehen, in denen nackte Leichen zu meterhohen Haufen vor den Häusern gestapelt worden sind?

Und haben Sie bemerkt, wie wir uns selbst nennen?

Die Krone der Evolution.

Will mich jemand heiraten? Mittwoch, Okt 31 2007 

Ich habe hier gerade Post vom Kreiswehrersatzamt Regensburg neben mir auf dem Tisch liegen.
Das macht mich traurig.
Zum einen, weil mich der Reichsadlerverschnitt vom Faltblatt seit mittlerweile zwei Tagen ständig böse anstarrt, während ich am PC sitze – und ich wäre kein Nerd, wenn ich nicht oft am PC sitzen würde.
Zum anderen, weil ich irgendwie nicht so recht Lust darauf habe, mich nach dreizehn Jahren geistiger Vergewaltigung in der Schule danach auch noch wirklich vergewaltigen zu lassen. Naja…ich meine – ihr wisst schon.
Nicht, weil ich Pazifist wäre. Im Gegenteil, ich denke, Gewalt sollte ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens sein; Gegen Kinder, gegen Frauen, gegen Minderheiten, gegen Sony-Fanboys und wenn es möglich ist, gegen jeden, der sich nicht wehren kann. Machen die Guten in den Videospielen doch auch.
Aber halt nicht gegen mich.

Allerdings sieht es düster aus.

Denn dummerweise bin ich kerngesund.
Mist aber auch! Dabei hatte ich Möglichkeiten!
Wie ich durch das tolle vorgefertigte Formular festgestellt habe, bin ich nämlich weder schwerbehindert noch arbeitslos, Spätaussiedler oder beim Katastrophenschutz.

Also was tun?
Na, wenn kein Fall bis jetzt zutrifft, ändern wir das halt spontan.
Und da steht ja auch was:
“ [ ] Ich bin verheiratet/eingetragener Lebenspartner und möchte vom Wehrdienst befreit werden.“

Na also, das ist doch mal was. Ich muss nur in den nächsten zwei Jahren irgendwann mal heiraten und schon bin ich aus dem Schneider.
Also, gibt’s Interessenten?
Vielleicht jemanden, der sich auch drücken will?
Nur keine falsche Schüchternheit, meldet euch in den Comments!
Natürlich wären Frauen bevorzugt, aber manchmal muss man halt Opfer bringen.
Ich denke, ich frage auch einfach mal quer durch die elfte Jahrgangsstufe, irgendwo findet sich schon eine, die mir auf die Frage nicht direkt eine schmiert.
Vielleicht mache ich ja Urlaub in Las Vegas.
Wir werden sehen…

Ich könnte übrigens auch meine böse Saat in die Welt setzen und mich dann als Erziehungsberechtigter vor dem Wehrdienst drücken.
…gibts‘ Interessenten?