Der Erzfeind ist tot, es lebe der Erzfeind. Mittwoch, Mai 4 2011 

Jah, alle reden sie zur Zeit davon, und überall in den Nachrichten hört man es, man kann der weltbewegenden Meldung kaum entkommen. Sender wie Phoenix, N24 und N-TV widmen ganze Tage der Berichterstattung darüber, immer mehr Details werden offen gelegt und der interessierte Staatsbürger sitzt staunend mit offenem Mund und glasigem Blick da, während er zu verarbeiten versucht, was ihm da so eingeprügelt wird.

Ist schon wirklich ne große Sache, so ne Hochzeit eines Adelshauses, eines Personenkreises, der per Geburtsrecht irgendwie was Besonders zu sein scheint.

Nein, war natürlich nur ein Witz.

Ich meinte selbstverständlich den DSDSD-Skandal um Fanpost, die einfach im Müll landet, err, um Beschuldigungen der Manipulation und Ausnutzung der Kandidaten (O RLY?!)… oder…

Ach, fangen wir nochmal an.

Also. Osama Bin Laden.

Krasse Sache, das. Wow. Ich bin überwältigt.
Beflügelt.
Voller Hoffnung bin ich.
Voll zittriger Erwartung eines besseren, friedlicheren Morgens.

Wie gerne wäre ich da auch im Situation Room des Weißen Hauses gesessen, neben Obama und all den anderen Terroristen Politikern, und hätte mir per Satellitenübertragung den Einsatz und die Ermordung Bin Ladens persönlich reingezogen.
Mit nem großen Eimer Popcorn, einer eiskalten Cola, so ein richtiger Actionkracher der alten Schule, den man sich mit guten Freunden reinzieht, wo die Statisten im Sekundentakt krepieren.
Schönes Trinkspiel dazu: Immer, wenn amerikanische Soldaten einen Unbewaffneten erschießen, müsst ihr nen Kurzen wegkippen.

DAS ist live, Leute! Qualitätsfernsehen vom Feinsten!

Danach ein bisschen Party, sich ein bisschen selbst beweihräuchern, dann die Meldung verkünden.
Und dann geht die Party ja erst richtig los. Zuhause, in den Büros, auf den Straßen. Jubelnde Menschen, Flaggen, Massenchöre, die immer wieder die berüchtigten drei Buchstaben in die Nacht hinausbrüllen.
America, fuck yeah.

Bildschnitt.
Vidoaufnahmen aus einem arabischen Dorf, Menschen auf der Straße, dieselben Flaggen, diesmal brennend, das zertrümmerte Wrack eines Militärfahrzeugs, Leute, die mit Knüppeln und dergleichen auf bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen von US-Soldaten einschlagen.
Jubel. Freude. Siegesgeschrei.

Es ist doch schön, zu sehen, dass wir trotz aller kulturellen Differenzen scheinbar doch nicht sooo verschieden sind.
Wenn’s hart auf hart kommt, sind wir scheinbar so oder so einfach alle pietätlose, barbarische, gefühllose Bastarde.

Und so freuen wir uns, freuen uns, dass dieser ganze Schwachsinn, den man „Krieg gegen den Terror“ nennt, scheinbar doch noch einen Sinn hatte. Dass all die Soldaten aus den verschiedensten Ländern der Welt, arme Schweine, die von rückgratlosen Arschlöchern in den Tod geschickt werden, all die Zivilisten, die irgendwie doch geschützt und gerettet, deren Leben doch irgendwie hätten verbessert und sicherer gemacht werden sollen, die aber dummerweise eben einfach im Weg waren, dass all diese Leute nicht so ganze ohne Sinn verreckt sind.
Und Nachrichtensender stellen Fragen wie „Osama Bin Laden tot – Ist das das Ende des Terrors?“
Nachrichtenkonsumenten dagegen bekommen dabei Lust, den Fernseher vom Dach zu werfen.

Wirklich?
Denkt irgendjemand, das wäre so einfach? Denkt irgendjemand, die bösen bösen Terroristen, die uns so sehr hassen – und die, abgesehen von lächerlichem religiösem Fanatismus, übrigens gar nicht mal die abwegigsten Gründe dafür haben – denken sich jetzt „Tjo, Mist, der Osama ist hinüber. Lassen wir’s lieber erstmal bleiben, mit dem Terror und so.“? Denkt irgendjemand, die hätten sich nicht möglicherweise zeitig mal mit der Frage beschäftigt, was sie machen oder wer seinen Platz einnimmt, wenn der freundliche bärtige alte Mann weg ist – wo doch die Hälfte der Welt hinter ihm her war und so?
Von dem Terror, den wir produzieren, mal ganz abgesehen. Werden wir aufhören? Was denkt ihr? Wie lange halten wir noch zwei Länder besetzt, die uns rein gar nichts getan haben und riskieren dabei weiterhin jeden Tag Verluste, sowohl an Soldaten als auch an Zivilisten?
Und was dann?
Wann brauchen wir den nächsten Sündenbock für irgendwas – oder wann geht diese interessante Sache mit den Rohstoffen wohl wieder los?

Davon mal abgesehen. Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal, vor der Todesmeldung, in den Nachrichten was von Osamalein gehört? Vor Monaten, Jahren oder so? War ja ziemlich ruhig drum geworden, die Leute schienen es gerade irgendwie langsam zu vergessen. Und jetzt scheint es wieder, als wäre das alles erst gestern gewesen, all das Geschwafel um Terrorismus und internationale Sicherheit ist wieder da, und Obama kann sich feiern lassen, weil er was erreicht hat.
Weil am anderen Ende der Welt so ein Typ umgebracht wurde.
Dafür sind natürlich noch ne ganze Menge mehr andere Typen draufgegangen. Frauen auch. Zivilisten. Unschuldige. Kinder.
Da hat er wirklich was erreicht.

Ich halte mich an dieser Stelle mal fern von all den „Verschwörungstheorien und -szenarien“, die zu diesem Themenkomplex schon seit Jahren, und gerade jetzt wieder verstärkt, zirkulieren.
Solche Ideen wie, Osama sei schon seit Jahren tot und die ganze Sache nur inszeniert, ebenso wie die Ermordung vor einigen Tagen, womit die Grundlage für die Besetzung von Afghanistan wegfällt und man sich langsam mal von dort verziehen kann. Ist ja teuer das alles. Krieg und so. Auch finanziell. Und finanziell haben’s die USA gerade nicht so.
Gibt gar nicht mal wenige Indizien für dieses Szenario. Ich will es an dieser Stelle nicht als Tatsache vertreten, weil ich es am Ende eben doch einfach nicht wissen kann.
Ebenso habe ich allerdings jede Menge Zweifel an der offiziellen Version, und wer die Berichterstattung auch nur ein bisschen verfolgt hat, dem werden da ohnehin entsprechende Fragen in den Sinn kommen.
So oder so tendiere ich also dazu, dem Fall, wie er zur Zeit in den Massenmedien geschildert wird, wenig Glauben zu schenken.
Da scheinen mir sogar einige der Überlegungen, die man allgemein mit dem negativ behafteten und lächerlich wirkenden Begriff „Verschwörungstheorien“ abschmettert, damit irgendwie zusammen mit Ufo- und Elvis-Sichtungen in einen Topf wirft und jeder Glaubwürdigkeit beraubt, sehr viel stichhaltiger.

Aber nicht zuletzt ist es doch eine interessante Frage momentan… nicht, ob das hier den Terror beendet (Ahahaha…), nicht, ob man sich über den Tod eines solchen Mannes freuen „darf“… sondern, wo jetzt da groß der Unterschied ist, wenn ein Mann einen anderen aus welchen Gründen auch immer erschießt – Das nennen wir Mord. – , wenn Fanatiker US-Soldaten entführen und hinrichten – Das nennen wir Terrorismus. – oder bewaffnete Spezialeinheiten einen Unbewaffneten erschießen.

Das nennen wir den Sieg der Freiheit.

Einen Sieg in diesem ominösen Krieg gegen den Terror.

Schöne Name für etwas, das ich eigentlich am ehesten auch einfach nur als Terror bezeichnen würde.

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Die Geschichte von Danny Ellsberg Dienstag, Dez 21 2010 

Nachdem ich den Kommentar von KenFm über WikiLeaks jetzt relativ lange unkommentiert habe stehen lassen, sehe ich mich doch gezwungen, mich mal zu der ganzen Geschichte um Herrn Assange und die Freiheit der Informationen zu äußern.
Prinzipiell wurde zu diesem Thema ja von verschiedenen Parteien beinahe schon alles gesagt, und wer mich kennt oder auch nur ab und zu liest, der wird die Position, die ich dazu vertrete, ohnehin schon vorausahnen können.

Zugegeben, der Videokommentar im letzten Artikel trieft ja geradezu vor Pathos und schießt gerade am Ende damit ziemlich über’s Ziel hinaus.
Das ändert aber nichts daran, dass er im Grunde eine meiner Meinung nach sehr unterstützenswerte Position vertritt.

Machen wir’s mal kurz und prägnant (So kurz und prägnant wie das bei einem Laberkopf wie mir möglich ist);
Ich denke, das demokratische System ist bei uns, wenn nicht gar bei einem Großteil der westlichen Zivilisationen, mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit untergraben und ausgehöhlt.
Das hat vielerlei Ursachen und ist eine Entwicklung, deren genauer Verlauf natürlich ganze Enzyklopädien füllen könnte, aber letzlich führe ich es auf eine Bevölkerung zurück, der es am Ende einfach egal ist.
Auf eine Bevölkerung, die so überfüttert ist mit banaler Information, dass sie nicht mehr dazu fähig ist, zu begreifen, was wirklich wichtig ist. Dass sie nicht mehr dazu in der Lage ist, alles, was ohne Bedeutung ist, weggleiten zu lassen. Auf eine Bevölkerung, die nach Mentalitäten lebt, die sich mit den Sätzen „Aber was kann ich als Einzelner schon tun?“ und „Es hilft doch sowieso nichts.“ einwandfrei zusammenfassen lässt, die aus Individuen besteht, die sich nicht darum scheren, solange sie persönlich nicht betroffen sind. Und die sich selbst in diesem Fall mit belangloser Scheiße ablenken und besänftigen lassen, die irgendwann das Interesse verliert, wenn man sie nur lange genug mit belanglosem Mist zumüllt.
Das gibt allen, die genug Macht und Verstand und zu wenig moralische Standfestigkeit haben, die Möglichkeit, sie nach Strich und Faden zu verarschen.
Als Resultat ist politische Korruption, ist Lobbyismus, ist Wählerverarschung in Deutschland schlicht und ergreifend Alltag. Als Resultat sind Verflechtungen zwischen Medien, Politik und Wirtschaft, die nach meinem persönlichen Verständnis mit Kriminalität gleichzusetzen sind, Realität. Als Resultat sind kartellartige Zustände, Politik im Namen der Wirtschaft und der Arbeitgeber, Medien, die gezielt Desinformation streuen und ihre selbst so hoch gepriesene Unabhängigkeit längst verloren haben, Normalzustand.
Für mich ist die Demokratie in diesem Land und in vielen anderen, die sich als freiheitlich, liberal, rechtsstaatlich ausgeben, längst derart ausgehöhlt, dass sie den Namen nicht mehr verdient.

Und ein nicht unwesentlicher, wenn nicht vielleicht sogar der ausschlaggebende Punkt daran ist, dass uns eine ganze Flut von Informationen vorenthalten wird, weil den Massenmedien bezüglich ihrer Pflicht, den Bürger umfassend und ausgewogen zu informieren, nur noch ein beschämendes totales Versagen attestiert werden kann.

Ich bin ja persönlich sehr an Geschichte interessiert, man könnte sagen, das ist eines meiner Lieblingsthemen.
Was ich dabei zu meiner Schulzeit irgendwie immer witzig und absurd fand ist die Naivität, mit der die breite Masse der Bevölkerung ihren Regierungen gegenüber steht.
In unseren Geschichtsbüchern haben wir Quellen und Dokumente als Beweisgrundlage, die zur damaligen Zeit völlig unbekannt waren, und die oft belegen, wie viel hinter den Kulissen geschah, wovon die Zeitgenossen außerhalb des entsprechenden Dunstkreises herzlich wenig Ahnung hatten. Wie viel im Endeffekt manipuliert und inszeniert wurde, um eine öffentliche Meinung zu erzeugen und zu erhalten, die den persönlichen Zielen diente. Diese Quellen reichen in einen Zeitraum bis vor wenigen Jahrzehnten, sie zeigen, dass solche Politik seit jeher Normalität war, und dass sich auch mit Machtwechseln oft genug nur der Personenkreis verändert hat, der sie verfolgt.
Und dennoch glaubt die überwältigende Mehrheit aller modernen Menschen, dass es heutzutage anders wäre. Denn wir sind ja fortschrittlich, wir haben eine humanitäre, soziale Verfassung, wir haben Kontrollinstitutionen, freie Medien und den ganzen Quatsch, von dem wir uns einbilden, dass er dem entgegenwirken würde.
Aber lasst euch sagen, auch diese Mechanismen lassen sich durch diverse Methoden derart effektiv aushebeln, dass ihre Existenz am Ende ohne Bedeutung ist. Die Verfassung lässt sich durch Wortspielerei und Haarspalterei umgehen, die Medien werden entweder von privaten, wirtschaftlichen oder politischen Interessen der Kapitalgeber korrumpiert, und die Politik ist heute nur noch der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dennoch glauben wir, dass etwas anders wäre als früher, dass unsere Regierungen heute ehrlicher und moralischer sind als die Beispiele von früher, über die wir in den Geschichtsbüchern lesen.
Mag es Optimismus sein, oder ein Schutzmechanismus, den wir uns selbst aufbauen, um unser Weltbild aufrecht zu erhalten. Aus Bequemlichkeit oder Angst. Weil wir sonst erkennen und akzeptieren müssten, dass die Guten nicht unbedingt bei uns in der Regierung sitzen und die Bösen da irgendwo ganz weit weg sind.

Um nun den Bogen zu WikiLeaks zu schlagen – Tatsache ist, hier wird uns gezeigt, wohin uns diese Naivität, dieses ausufernde Desinteresse und die Gleichgültigkeit bringen.
Wer sich mit den Dokumenten beschäftigt, die veröffentlicht wurden, realisiert sehr schnell, dass heuzutage noch genau so fleißig vertuscht, inszeniert, gelogen und verleumdet wird wie vor einigen Jahrzehnten.
Und ich will damit sagen, wer sich WIRKLICH mit diesen Dokumenten beschäftigt. Wir alle haben über die Depeschen des US-Außenministeriums erfahren, wo viele unserer Politiker mit witzigen Begriffen bedacht und ein kleines Bisschen verspottet wurden.
Ja, toll, interessant, amüsant, unterhaltsam.

Und absolut unwichtig.

Aber wie ausgiebig wurde in den Massenmedien darüber berichtet, dass die Dokumente auch belegen, dass Hillary Clinton, US-Außenministerin, ihre Diplomaten beauftragt hat, UN-Abgeordnete auszuspionieren? Dass hier auch Informationen wie Fingerabdrücke, Iris-Scans und Kreditkartennummern angefordert wurden?
Quelle

Nicht mehr ganz so amüsant.

Hat davon jemand was in den einschlägigen Massenmedien gesehen?

Irgendwie nicht so wirklich, allenfalls am Rande.
Sagt das nicht eine Menge über den Zustand unserer Medien und unserer Definition von Pressefreiheit?

Wir lachen lieber über „Teflon-Merkel“.

Und genau das ist für mich der Punkt an WikiLeaks. Wo eine dem Papier nach freie Presse in ihrer Aufgabe, die Bürger zu informieren, vollkommen versagt, sich nicht mehr darum schert oder gar gezielt dagegen arbeitet, weil sie von diversen Interessen aus Politik und Wirtschaft beeinflusst ist, wird eine Organisation notwendig, die die eigentlich journalistische Arbeit übernimmt – nämlich die Bevölkerung über all das zu informieren, was von Bedeutung ist. Über all das, was Personenkreise, die in zweifelhafte Machenschaften verstrickt sind, lieber vom öffentlichen Interesse fernhalten wollen.
Diese Sache, die man investigativen Journalismus nennt, und die sich nicht mit einer Seite der Medaille, mit öffentlichen Statements zufrieden gibt.
Diese Sache, die eigentlich normal sein sollte.

Ich kann nur lachen über Argumentationen, die immer wieder vorgebracht werden, dass Veröffentlichungen von WikiLeaks die nationale Sicherheit von Staaten und das Leben von zahlreichen Menschen gefährden würden.
An dieser Stelle sei gesagt, dass beispielsweise dem Pentagon angeboten wurde, die Dokumente des US-Außenministeriums durchzusehen und entsprechende Stellen zu markieren, damit WikiLeaks diese berücksichtigen kann. Das Pentagon hat diese Möglichkeit ausgeschlagen.
Und – nur ein Gedankenanstoß – wer ist der Schuldige, der Verbrecher oder derjenige, der die Tat aufdeckt?
Jeden, der diese Argumentation vorbringt, fordere ich an dieser Stelle auf, mir Beweise vorzulegen, dass durch die veröffentlichten Dokumente Leben in Gefahr gebracht wurden.

Das einzige Leben, dem möglicherweise Gefahr droht, scheint ironischerweise das von Julian Assange, dem Sprecher von WikiLeaks zu sein;

Kruder Sinn für Humor.
Ich dachte immer, wir hier in der unfehlbaren westlichen Hemisphäre mögen keine Leute, die die Liquidation unliebsamer Personen und politischer Gegner für ein angemessenes Mittel der Politik halten.
Kommt wohl immer auf den Blickwinkel an.

In diesem Zusammenhang möchte ich nämlich, um dem Titel gerecht zu werden, auch einmal auf die bewegte Geschichte eines Mannes namens Danny Ellsberg hinweisen.
Ich vermute, dass den Allermeisten dieser Name nicht besonders viel sagen wird, aber das ist ja nicht schlimm – Wikipedia ist unser Freund;

Daniel „Dan“ Ellsberg (* 7. April 1931) ist ein US-amerikanischer Ökonom und ehemaliger Informant über rechtswidrige Handlungen des Pentagons und des Weißen Hauses. Durch die Veröffentlichung der von ihm an die Öffentlichkeit gebrachten Pentagon-Papiere deckte er einen Skandal im Umfeld des Vietnamkrieges auf.

Ein wunderschönes Beispiel dafür, dass solche Machenschaften mitnichten der Vergangenheit angehören, vielmehr auch heute noch gängige Praxis sind, von der der Großteil der Bevölkerung nicht das Geringste ahnt.
Und der springende Punkt daran ist NICHT, irgendeiner Nation zu schaden, diplomatische Beziehungen zu belasten oder Menschenleben zu gefährden. Es geht darum, dass wir ein Recht haben, solche Dinge zu erfahren, es geht um Transparenz, es geht darum, dass Staaten und ihre Behörden keine Allmachtsfantasien entwickeln. Es geht um die Idee eines transparenten Staates als Gegenmodell zum heute viel eher verfolgten transparenten Bürger. Denn Kontrolle bedingt Transparenz, bedingt die Information der Bürger und deren Reaktion auf inakzeptable Methoden der modernen Politik.
Ihr wisst schon, das, was die Medien eigentlich tun sollten, wenn sie ihrer gottverdammten Pflicht nachkommen würden.

Denn, um mal auf den Vorwurf des Datendiebstahls zurück zu kommen, der von Seiten der geschädigten Behörden vielfach vorgebracht wird;
Ich sehe das etwas anders. Ich denke nämlich, durch WikiLeaks fallen diese Dokumente überhaupt erstmal in die Hände derer, denen sie eigentlich gehören – unsere. Sie sind nicht alleiniger Besitz dieser Behörden, einzelner Personen oder des Staates. Ihre Erhebung erfolgte mit Mitteln aus dem staatlichen Haushalt, mit Steuergelden – letztlich mit einem Teil UNSERES Geldes, dem, was wir täglich erwirtschaften und verdienen und von dem wir einen Großteil abdrücken, damit der Staat seinen Verpflichtungen uns gegenüber nachkommen kann.
Ja, es ist eine Schande, dass WikiLeaks diese Dokumente im Geheimen zugespielt wurden, damit sie veröffentlicht werden.
Es ist eine verfluchte Schande, dass so etwas überhaupt notwendig ist, damit wir über das informiert werden, das zu wissen unser Recht ist.
Und es ist mehr als eine unaussprechliche Schande, ein Skandal und ein erbärmliches Beispiel dreister Verlogenheit, die nicht in Worte zu fassen sind, dass Regierungen, die sich vordergründig damit brüsten, Ideale wie Demokratie und Pressefreiheit global zu verteidigen, auf Unterstützer von WikiLeaks Druck ausüben, um ihre Aktivitäten zu behindern – Ich weise an dieser Stelle nur darauf hin, dass Konzerne wie PayPal und Amazon ihre Unterstützung auf massiven Druck der US-Regierung und aus Angst vor juristischen Konflikten mit dieser eingestellt haben.

Die Geschichte von WikiLeaks und Julian Assange, das ist für mich irgendwie auch die Geschichte von Daniel Ellsberg und seiner Tätigkeiten rund um die Pentagon-Papiere.
Wer daran Interesse hat, auf youtube lässt sich die gesamte Dokumentation „Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere“ finden, die den damaligen Ablauf der Geschehnisse schildert.

Für die ganz Faulen liste ich hier mal alle Teile auf:

Part 1
Part 2
Part 3
Part 4
Part 5
Part 6
Part 7
Part 8
Part 9

So was schlägt einem irgendwie auf den Magen.
Zumindest, wenn man noch ein kleines Bisschen auf Gerechtigkeit gibt.

Und was übrigens diese interessanten Vorwürfe aus Schweden angeht, mit denen sich Julian Assange derzeit konfrontiert sieht – die sind ja auch sehr amüsant und unterhaltsam, wenn man sich über die Hintergründe informiert.
Dazu möglicherweise im nächsten Artikel mehr, das hier soll für’s Erste reichen.

KenFm über Wiki Leaks Mittwoch, Dez 8 2010 

Etwas zu viel Pathos für meinen Geschmack, dennoch, ohne viel Einleitung, weil das Video für sich selbst spricht:

Meine Gedanken dazu in nächster Zeit.
Wenn ich mal wieder Zeit finde.
Ansonsten hör‘ ich einfach wieder mal für ein paar Tage auf, zu schlafen.
Meh.

Mütter und andere minderwertige Wesen Donnerstag, Sep 2 2010 

Feminismus ist ja immer so eine Sache.
So eine Sache, über die sich oft keine abschließende oder allgemeine Meinung formulieren lässt, weil das, was unter dem Terminus „Feminismus“ zusammengefasst wird, inzwischen so komplex und unüberschaubar ist, dass man mit dem Hang, sich am Ende eine möglichst simple Meinung „zum Feminismus“ zurechtzulegen, immer irgendwo ungerecht pauschalisiert.

Jetzt mal abgesehen von den wirklichen Ultrafeministinnen – Wer schon einmal wie ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit entsprechenden Verfechterinnen zu diskutieren (und/oder den Fehler gemacht hat, zu erwähnen, dass ein Schwellkörper zwischen seinen Beinen hängt) wird wissen, dass man dabei oftmals dazwischen schwankt, lieber gleich vom Dach zu springen oder sich zu fragen, ob auf der anderen Seite nicht doch ein übergewichtiges, hornbrillentragendes Kellerkind mit langen fettigen Haaren sitzt, das einen nur verarschen will.
Solche Gespräche erinnern oft vielmehr an eine überzogene Parodie des Feminismus als an Kommunikation zwischen intelligenzbegabten Lebewesen.
Ich erinnere mich da zum Beispiel mit Schrecken an eine Begebenheit, als ich etwa eine Dreiviertelstunde lang von einer Kämpferin für modernes Amazonentum zugeschwallt wurde, was denn so alles falsch läuft in dieser Welt – und das ist viel mehr als wir alle glauben! Ihr wisst ja gar nicht, in welch banalen Dingen sich überall der männliche Sexismus wiederspiegelt!
Und wie von Natur aus böse und tyrannisch wir Männer in allem sind, was wir tun.
Was mich zu vielerlei verschiedenen Fragen geführt hat;

Warum erzählt die mir das, während ich neben ihr stehe, als ob ICH KEIN Mann wäre? Das kratzt irgendwie bis heute an meinem Selbstbewusstsein.
Warum sind Gerichte in Phallusform zwangsläufig Sexismus? Ich meine… Hot Dogs, Würstchen, sogar die meisten Nudeln, Baguettes? Alles nur, damit wir Frauen beim Essen zusehen und uns vorstellen können, das wären unsere Schwänze?
Seltsamerweise kam sie auf dieses ganze Geschwafel von Phallusformen, als ich mir eine Zigarette angezündet habe – Was wiederum andere Fragen aufwirft: Was will ich denn dann damit erreichen, dass ich an einer Phallusform „lutsche“? Bin ich etwa unterbewusst schwul? Sind alle männlichen Raucher in Wahrheit schwul? Oder versuche ich nur, Frauen in meiner Umgebung zum Rauchen zu animieren, um mich dann daran aufzugeilen, wie sie an der Zigarette ziehen? Und wenn es so wäre, was für ein krankes minderbemitteltes Selbstbewusstsein habe ich bitte, mir das bei einer ZIGARETTE vorzustellen?
Das ist ja eher eine Beleidigung als irgendwie erregend… so von der Größe her.
Und wie sollte denn eigentlich Essen in Vaginaform aussehen? Donots? Und wäre das dann nicht auch wieder sexistisch, wenn wir Männer genüsslich Vaginas verputzen?
Und, um eine Brücke zur Thematik zu schlagen – wusstet ihr, dass wir Männer auch die Sprache als eine Art der Unterdrückung über Jahrtausende kultiviert haben? Selbst die ist nämlich sexistisch.
Weil es zum Beispiel im Deutschen viel mehr Wörter mit maskulinem Genus gibt als mit femininem.
Ich weiß zwar nicht mal, ob diese Behauptung so stimmt, aber wenn das wahr ist – Skandal!
Da hätte sie mich ja fast überzeugt, wie sie selbst ab sofort so seltsame Worte wie „Fernseherin“ und „Salzstreuerin“ zu benutzen.

Und ich hoffe, ihr lacht jetzt darüber oder findet es wenigstens echt merkwürdig, dass jemand das wirklich tun sollte.
Und wenn ihr das tut – DANN HÖRT SOFORT AUF IHR SEXISTISCHEN SCHWEINE!

Jedenfalls wurde mir gerade etwas Interessantes zu der Thematik geschickt, ein Artikel der MSN-Nachrichten, die ja allgemein eher nicht zu meinen Informationsquellen gehören.
Denn scheinbar ist es wieder einmal an der Zeit, einen Vorstoß gegen derlei Sexismus und geschlechterspezifische Diskriminierung in der Sprache zu unternehmen.
Da heißt es nämlich unter anderem „Der in Straßburg tagende Rat empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Behörden eine „nicht sexistische Sprache“ zu verwenden. Die Darstellung von „Frauen zu Hause“ sei ein traditionelles Rollenbild, das die Gleichstellung der Geschlechter hemme, heißt es in einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Rates.“

In der Tat. Furchtbar.
Das erinnert mich an die Kataloge für Werkzeug und Zimmereibedarf, die hier bei uns oft im Büro herumliegen. Ich finde es ja schrecklich, dass da praktisch nur Männer auf der Baustelle abgebildet sind.
Findet ihr das in Ordnung?

Auf diese Idee gekommen ist übrigens ursprünglich eine Schweizerin. Weil Muslime diskriminieren geht klar, aber bei Frauen hört der Spaß auf:

Die sozialistische Schweizer Nationalrätin Doris Stump verlangte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wörtlich, dass Frauen nicht mehr „als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte“ dargestellt werden sollten.

Jetzt nehmen wir uns einen Moment Zeit und lassen uns dieses Zitat genüsslich auf der Zunge zergehen.
„Passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte.“
Finde den Begriff, der nicht dazupasst!

Denn genau das ist ein Punkt, den ich bei Vertretern des Feminismus irgendwie oft etwas seltsam finde. Jetzt mal ganz barsch formuliert, Mütter auf die Stufe von „passiven oder minderwertigen Wesen“ zu stellen, ist das eines der Ziele des Feminismus im Sinne von Gleichberechtigung?
Sollte das nicht irgendwie… ich weiß nicht, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber… vielmehr die Vertretung der Interessen von Frauen sein, die unterdrückt werden?
Oder andersrum: MUSS eine Frau sich für Studium, Karriere, finanziellen Erfolg und so fort entscheiden, um von diesen Feministinnen überhaupt als Frau, als emanzipiert anerkannt zu werden? Ist das Dasein als Mutter automatisch gleichzusetzen mit Unterdrückung oder Sich-freiwillig-unterdrücken-lassen?
Wenn ich daraus keine Wertigkeit ableite – Was ich als Ziel des Feminismus definieren würde – ist genau das die absolut falsche Einstellung. Die Rolle der Frau in einer Beziehung als minderwertig zu bewerten, weil der Mann arbeitet und sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, war nicht genau das einer der Gründe, die das Ganze ins Rollen gebracht haben?
So gesehen scheinen sich manche Vertreter geradezu ins Gegenteil verrannt zu haben.
Ich will ja nicht sagen, dass es so sein muss. Aber sofern eine Frau sich freiwillig dafür unterscheidet, würde, werde und kann ich zwischen ihr und einer arbeitenden Frau gar keinen unterschiedlichen Wert unterstellen.
Den man meiner Meinung nach ohnehin nicht unterstellen kann zwischen einem Menschen und einem anderen, aber das würde jetzt wirklich zu weit gehen.

Was die werte Frau Stump hieraus jedoch ableitet, bringt mich allerdings ehrlich gesagt noch mehr zum Kopfschütteln, was an meiner Tätigkeit als passioniertem Schreiber liegen mag.
Wenn es nach ihr geht, dann sollen die Staaten nämlich mit gutem Beispiel vorangehen und in der Öffentlichkeit grundsätzlich nur noch geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwenden – Angeblich ist die Schweiz in dieser Beziehung sogar Vorreiter.

Beispiele?

Buchhalterdiplom wird zu Buchhaltungsdiplom.
Fahrausweis statt Führerschein.
Nicht mehr Fußgänger-, sondern Flanierzone.
Das Lehrerzimmer heißt dann Pausenraum.
Die böse böse „Mann“ (!) – schaft bezeichnen wir besser als Team/Gruppe.
Und meine zwei persönlichen Favoriten:
Besucherparkplatz heißt dann Gästeparklatz. (BITTE?! Wo ist denn da jetzt der Unterschied?)
Und statt Mutter/Vater werden wir dann wohl tatsächlich „Elter“ sagen.

Also, wenn’s nach ihr geht.
Ich werde weder meine Mutter noch meinen Vater Elter nennen. Bevor das passiert, würdet ihr noch eher von mir hören, dass Dieter Bohlen einen wertvollen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft leistet.
Und sollte ich irgendwann ein Kind haben und nicht bei dessen Geburt schon seit acht Monaten nach Kuba geflohen sein, und es nennt mich „Elter“… dann gibt’s ein bisschen gute altmodische erzieherische Gewalt.

Hier der Artikel der MSN-News, wer es nachlesen will.

An dieser Stelle, falls sich hier einige Leser aus der Schweiz einfinden (von ein oder zweien weiß ich ja), muss ich einfach fragen – Sind die Behörden in eurem Land wirklich so geistesgestört, das umzusetzen?
Mein Beileid, falls es so ist.

Worum es mir allerdings eigentlich geht;
Ich bin doch wohl nicht der Einzige, der solcherlei Ansätze nicht nur für vollkommen schwachsinnig sondern auch für eine Vergewaltigung der Sprache hält, oder? Bitte, BITTE! Gebt mir ein bisschen Hoffnung und sagt mir, dass es nicht so ist.
Erstens brauche ich diesen ganzen Unfug von „geschlechtsneutraler Sprache“ nicht, wenn ich zwischen den Geschlechtern, wie weiter oben schon erwähnt, keinen unterschiedlichen Wert unterstelle. Und das ist eine Sache der gesellschaftlichen Mentalität – Wenn dieses Bewusstsein herausgebildet wird, und das muss durch eine humanitäre, moralische Bildung zum Beispiel durch die Schule geschehen, werden solche pseudogerechten Maßnahmen unnötig. Und wisst ihr was? Wenn das nicht passiert, wird DAS auch nichts ändern.
Und ein paar Idioten und Arschlöcher wird es sowieso immer geben, auf beiden Seiten der Hermaphroditengrenze.
Und zweitens geht mir das als eine Art sprachlicher Zensur sowieso gewaltig auf den Sack (Meine Fresse, was für eine böse sexistische Redensart das schon wieder ist!). Wie gesagt, das mag an meinen Tätigkeiten als Schreiber und Literaturliebhaber liegen, aber ich sehe nicht ein, warum sich unsere Sprachen von ihren Genus-Systemen verabschieden sollten, die über Jahrtausende kultiviert wurden. Wenn überhaupt, sollte das aus einem Wechsel der Mentalität heraus entstehen und nicht aufgrund staatlicher Initiative.
Das Genus eines Substantivs hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, wer ist denn auf diese absurde Idee gekommen?
Außerdem haben wir nun einmal, von Ausnahmen abgesehen, ein Geschlecht. Wir sind ja nicht alle Zwitter. Das Geschlecht ist auch ein grundsätzlicher Teil der Individualität und der Herausbildung einer Persönlichkeit – inwiefern bestimmte Geschlechterrollen durch kulturelle Prägung hervorgehen oder sogar zu einem gewissen Teil genetisch veranlagt sein mögen, ist sowieso eine andere Frage.
Und ich muss es an dieser Stelle noch einmal sagen – wenn ich aus unterschiedlichem Geschlecht nicht automatisch einen unterschiedlichen Wert ableite, ist all das ohnehin vollkommen unnötig.
Es gibt doch Unterschiede zwischen uns, nicht nur allein durch die Geschlechter, sondern individuell noch durch so viele andere Eigenschaften. Aber dass wir unterschiedlich sind, muss ja nicht heißen, dass der eine mehr wert ist als der andere.
DAS ist die Mentalität, die wir brauchen, die Mentalität, die gefördert werden muss – statt einfach zu versuchen, uns sozusagen mit dem Brecheisen alle „gleich“ zu MACHEN.

Für mich scheint das wieder mal eines der typischen Beispiele zu sein, wo die Verantwortlichen allesamt viel zu simpel und oberflächlich denken, vielleicht auch um des blanken Populismus willen – „Wir tun was dagegen.“

Ohnehin habe ich von diesem ganzen Unfug, wenn ich ehrlich sein darf, einfach die Fresse dick.
Wenn ich schon den Begriff „Geschlechterkampf“ höre, wird mir ganz anders. Als hätten wir nichts Besseres zu tun, als uns in billiger, fruchtloser und destruktiver Konkurrenz gegenüber zu stehen.
Ich habe da nämlich so eine kleine Sache im Biologieunterricht gelernt, wisst ihr.
Wollt ihr’s hören?
Ich sag’s euch.
Aber psssst, nicht weitersagen.

Wir sind gemacht, um uns zu ergänzen.
Und das sollten wir auch tun.

Also abgesehen von lustigen kleinen Extrembeispielen beider Geschlechter, die irgendwie das richtige Maß komplett vermissen lassen (siehe zum Beispiel hier, was zum Lachen für euch) sollten wir uns einfach mal wieder daran erinnern.
Was ja nicht heißt, dass wir nicht weiter fiese sexistische Witze machen dürfen.
Seltsam wird’s erst, wenn das über bloßen Humor hinausgeht.

Denn, um das Ganze abzuschließen, ein kleines Zitat aus einer unfertigen Geschichte von mir namens „Legion“:

Keine Reichen oder Bettler.
Keine Jungen oder Alten.
Keine Männer oder Frauen.
Keine Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hinduisten oder Atheisten.
Nur Menschen.

Einfach nur Menschen.

Über die faulen Ouzo-säufer „da unten“ Montag, Mai 10 2010 

Ich muss erst einmal schon von vornherein sagen, ich bin im Großen und Ganzen entsetzt von der Berichterstattung der deutschen Medien über die Geschehnisse in Griechenland.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie leichtgläubig und gedankenlos diese Berichterstattung von den Meisten akzeptiert und unreflektiert übernommen wird.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie unsere werte Frau Merkel es genießt, Druck auszuüben und zu welchen absurden Sparmaßnahmen wir die Griechen genötigt haben.

Wo wir es doch auf der anderen Seite lieben, astronomische Summen zu verschleudern, die im Nichts verpuffen und ihren Zweck vollkommen verfehlen, weil keinerlei Konsequenzen aus vergangenen Fehlern gezogen werden.
Ich kenne den genauen Betrag nicht, mein letzter Stand ist, dass der Staat den Banken inzwischen um die 400 Milliarden Euro in den Arsch geblasen hat.
Weil sie „systemrelevant“ sind. (Was eine Unzahl an Analysten und Wirtschaftsexperten als absurd zurückweist.)
Weil das ein „alternativloser Sachzwang“ ist, etwas, dass man nun mal einfach tun MUSS. (Was ich persönlich für eine dreiste Lüge halte. Alternativen gibt es immer, Alternativen hätte es auch damals gegeben.)
Zumal ich es einfach zum Kotzen finde, wie schnell diejenigen Vertreter aus der Wirtschaft, die sich zu Zeiten des Aufschwungs jede staatliche Einmischung strengstens verbieten, angerannt kommen und um Staatshilfe betteln, wenn die Kacke am Dampfen ist. Und sogar in der Situation bleiben sie zumeist arrogant und überheblich.
Und nicht zuletzt hätte es doch viel mehr dem Prinzip der freien Marktwirtschaft entsprochen, marode Banken, die sich pauschal gesagt durch schlechtes Wirtschaften und hirnrissige Spekulationen selbst in die Scheiße geritten haben, dem zu überlassen, was das System nun einmal für solche Unternehmen vorsieht: Konkurs.
Es gibt lauter werdende Stimmen, die die berechtigte Meinung äußern, dass andere Banken und das System, für dass diese „Bankster“ (toller Neologismus!) ach so relevant sind, deren Untergang relativ gut überstanden hätten, der Schaden wäre überschaubar gewesen, die übrigen Banken hätten vermutlich expandiert, Lücken gefüllt.
Damit wären eigentlich genau diejenigen, die diesen Schwachsinn verschuldet haben, vom System selbst bestraft worden.
…Oder auch nicht, denn ihr Gehalt haben sie ja so oder so sicher, am Arsch sind nur die, die weiter unten stehen.
Und irgendwie frage ich mich, wie viel ein System wert sein kann, dass von solchen Leuten abhängt.

Aber halt. Durchatmen. Konzentrieren, Eden. Nicht reinsteigern.
Denn es soll ja um die faulen, korrupten, arroganten, ignoranten und sowieso von Kopf bis Fuß BÖSEN Griechen gehen.
Und genau vor diesem Hintergrund finde ich es merkwürdig, nachdem wir jetzt einer Riege von faulen, korrupten, arroganten, ignoranten Idioten mit Handküsschen unzählige Milliarden geschenkt haben, und das verbunden mit lächerlichen Auflagen voller Hintertüren, damit sie auch ja weitermachen können wie bisher, bei den Griechen die Daumenschrauben anzulegen.

Tja, die sind eben nicht „systemrelevant“, hat es den Anschein.
Dumm gelaufen, Stavros.
Wobei es doch sehr fraglich ist, ob ein totaler Zusammenbruch Griechenlands nicht doch sehr interessante Folgen für die Währungsunion hätte.
Aber viel entzückender ist doch wieder einmal die Tatsache, dass die, die am wenigsten dafür können, am meisten von allen abbekommen.
Da wird in deutschen Medien munter von den faulen, arbeitsscheuen und korrupten Griechen berichtet, und in der Öffentlichkeit mokiert man sich, dass man diesen Faulpelzen, die doch eh den ganzen Tag nur Ouzo saufen, jetzt noch Geld in den Rachen schieben darf.
Und dann besitzen diese Schweine auch noch die Frechheit, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren und zu randalieren, wo man ihnen doch so großzügig hilft.

Wie können Sie nur?!
Wo es doch nur um IHR Leben und IHRE Existenz geht und darum, dass SIE genug Geld haben, um noch über die Runden zu kommen?
Aber natürlich verstehen Deutsche das nicht. Denn Deutsche lieben es ja anscheinend, lethargisch vor sich hin zu leben und Moos anzusetzen, während sie fortwährend in immer größerem und dreisterem Stil verarscht werden.
Wir würden ja erst auf die Straßen gehen, wenn man uns DSDS, Popstars und GNTM wegnimmt, wenn die Bild verboten und der Alkohol seinen Stand als gesellschaftlich akzeptierte Droge einbüßen würde.
Dann wäre hier rambazamba, aber gehörig.

Kopfpauschale im Gesundheitswesen? – Pfff.
Massenentlassungen trotz wirtschaftlichen Aufschwungs entgegen aller Versprechen à la „Wachstum bringt Arbeitsplätze!“ – Scheiß drauf, solang’s nicht ich bin.
Abbau des Sozialstaats und zunehmende Umverteilung von unten nach oben? – Egal, noch kann ich gut leben.

Aber wenn Dieter Bohlen, Heidi Klum und Detlef D!!! Soost inhaftiert würden, dann käm’s wohl zum Barrikadenkampf.

Und alle, denen zunehmende soziale Ungerechtigkeit nicht am Arsch vorbeigeht, spinnen doch sowieso und übertreiben maßlos.
Und die Griechen gleich sowieso und überhaupt!
Wenn ich da teilweise lese, sehe oder höre, was die deutschen Medien an hirnrissiger Scheiße verbreiten, wird mir schlecht.
Von wegen die Korruption, die durchweg in der ganzen griechischen Bevölkerung so normal ist wie die zwei Liter Ouzo zum Frühstück, rächt sich jetzt.
Seht euch mal um, ihr Pflaumen, was bei uns alles vonstatten geht. Welcher Politiker bei welchem Unternehmen für wie viel Kleingeld im Betriebs- oder Aufsichtsrat sitzt, wer für Interviews oder Vorträge wie viel bekommt, von welchen Instituten mit eindeutig wirtschaftlichen Interessen welcher Wissenschaftler samt seiner Studien „finanziert“ wird, um was zu sagen, wer die Öffentlich-Rechtlichen wirklich kontrolliert, welche Konzerne welchen „Volksvertreter“ schmieren, um an Aufträge von Vater Staat zu kommen, was da bei der Bankenkrise alles hinter den Kulissen abgegangen ist, wie hoch die Prämie ist, die ein Krankenhaus an einen Arzt zahlt, wenn dieser im Gegenzug einen Patienten dorthin überweist, ob der jetzt dort eine Behandlung braucht oder nicht und was die alle von Pharma-konzernen zugesteckt bekommen – und ihr wollt mir sagen, es ist die Korruption in der breiten Masse, die Griechenlands Finanzen in Schieflage gebracht hat?
So ein Schwachsinn – wenn überhaupt ist es die Korruption, die sehr viel weiter oben in der Hierarchie und in unvergleichlich größerem Maßstab stattfindet. Wenn überhaupt, dann ist es die soziale Ungerechtigkeit, eine bestenfalls schockierende Arbeitslosenversicherung, Politik, die nur noch im Namen von Lobbyisten geführt wird und ein Lohnniveau, dass die Leute am unteren Ende der Leiter praktisch ZWINGT, einer inoffiziellen Nebentätigkeit nachzugehen, um irgendwie über die Runden zu kommen, die Griechenland in die Scheiße geritten haben.

In diesem Bezug an der Stelle eine Mail von einer Betroffenen aus Griechenland, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Alles Schall und Rauch:

Hallo aus Hellas,

wo sich die Situation weit mehr zuspitzt, als in den deutschen Medien auch nur Ansatzweise berichtet wird.

Immer wieder lese ich beim Durchforsten der deutschen Berichterstattungen, dass „die Mehrheit der Griechen“ trotz aller Demonstrationen und trotz allen Widerstandes eben doch mit den Schritten der Regierung einverstanden sei. Das ist nicht einmal mehr eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge, wie ich sie selten gehört habe!!!

Viele kleine Geschäftsinhaber in den Städten geben auf, bevor sie zu weit in die roten Zahlen gerutscht sind, Ladenketten wie Lidl, Aldi, Praktiker und Media Markt können sich darüber freuen. Doch die Griechen sind bei den wahnsinnigen Einsparungen gezwungen, in Billigdiscounter zu gehen – wenn sie es auch gar nicht gern machen.

Einverstanden sind hier bestenfalls diejenigen, die von den Wahnsinnsschritten profitieren werden, das sind dann Geschäftsinhaber, die weniger Lohnkosten haben werden und die Oberschicht, die weder von den Steuererhöhungen (weil sie weiterhin ALLES werden absetzen können) noch von den erhöhten Lohnabzügen (weil sie davon nicht betroffen sein werden) profitieren werden.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Mein Mann ist Grundschullehrer im elften Dienstjahr. Wir haben ein 12-jähriges Kind. Bis einschliesslich April dieses Jahres hat mein Mann ein monatliches Nettoeinkommen von etwa 1.450 Euro gehabt, das meiste davon waren Beamtenzuschläge, das Lehrergrundgehalt ist sehr niedrig. Das enthaltene Kindergeld liegt bei um die 40 Euro, wenn ich mich nicht täusche, es ist sehr schwer, das alles aus der Gehaltsabrechnung herauszurechnen.

In diesem Monat nun wurden 140 Euro weniger überwiesen, denn die Lehrer müssen die seit Januar 2010 erhaltenen Zuschläge zurückzahlen. Dasselbe dann noch im Juni. Also liegt das Nettoeinkommen in diesen beiden Monaten bei etwa 1.310 Euro. Danach soll sich das monatliche Einkommen bei etwa 1.370 bis 1.400 Euro einpendeln, so wurden wir von der zuständigen Stelle informiert – aber ganz klar sei das im Moment noch nicht.

Ich selbst arbeite als Privatlehrerin für Deutsch als Fremdsprache, kann jedoch nicht offiziell arbeiten, da ein Gesetz verbietet, dass der Ehepartner eines staatlichen Lehrers im selben Landkreis, wo der Lehrer angestellt ist, als Privatlehrer tätig ist.

So haben wir also zwei Möglichkeiten: Entweder wir versuchen, uns bei den steigenden Lebenshaltungskosten und dem niedrigeren Einkommen meines Mannes irgendwie zu dritt durchzuwurschteln, oder aber ich arbeite ebenso, wie es die meisten Griechen machen …

Die Sicherheit des Einkommens, und sei es auch noch so niedrig, ist übrigens auch der Grund dafür, warum die meisten Griechen schon immer versucht haben, Beamte zu werden – und sei es auch durch Beziehungen. Denn hier gibt es kein Arbeitslosengeld, das auch nur mit Hartz V vergleichbar wäre – nach einem Jahr Arbeitslosigkeit hören die ohnehin schon niedrigen Zahlungen ganz einfach auf, das war hier schon immer so. Und dann … na ja, meistens springt die Familie ein und hilft, anders geht´s halt nicht.

Uns geht es jedoch noch verhältnismässig gut, wir werden sogar beneidet, denn zumindest kann ein Lehrer seinen Job nicht verlieren. Es gibt genug Griechen, die mit einem monatlichen Gehalt von um die 700 bis 1.000 Euro eine Familie durchzubringen haben, was schon jetzt kaum mehr machbar ist. Nicht wenige versuchen jetzt, mit ihren Familien bei den Eltern unterzukommen, damit sie sich wenigstens die Miete sparen.

Andere denken darüber nach, in eine der Grossstädte zu ziehen, weil sie sich dort eine bessere Arbeit erhoffen – ein Trugschluss, denn es gibt schlicht und einfach kaum Arbeit in Griechenland, das industriell kaum entwickelt ist. Also bleibt nur noch … die Schwarzarbeit. Und dabei geht es in den wenigsten Fällen um einen Zuverdienst, es geht wirklich nur ums nackte Überleben.

Und nun lese ich in deutschen Schmierenblättern, dass die Mehrheit der Griechen mit den Einsparungsplänen einverstanden sei!

Ein kleines bisschen logisches Denken müsste einem schon klarmachen, dass das nicht der Wahrheit entsprechen kann.

Klar, den Profiteuren der Sache ist alles Recht, aber der Durchschnittsgrieche ist langsam bereit, sein Überlebensrecht mit allen Mitteln zu verteidigen und von Zustimmung kann keine Rede sein.

Ausserdem hat die Erfahrung dieses Volk gelehrt, dass kein einziger Cent, der ins Land fliessen wird, auch nur irgendetwas ändern wird – die Korruption hat nach Meinung der meisten Griechen das zu erwartende Geld bereits unter ihren Kindern aufgeteilt und das, was TATSÄCHLICH in den Staatssäckel fliessen wird, ist ebenso schon verplant.

Der einfache Mensch auf der Strasse weiss also ganz genau, dass die wahnsinnigen finanziellen Mehrbelastungen, die ihn ja ohnehin bereits getroffen haben, noch weiter steigen werden, aber das nur, um „die Reichen und Einflussreichen“ noch ein Stück nach oben zu schieben – und er, der einfache Grieche, soll das finanzieren.

Von einer Zustimmung kann in meinen Augen in keinem Fall die Rede sein, denn dann wären die Griechen entweder komplett blöde oder ganz einfach alle Selbstmörder.

Ich denke, die Schwarzarbeit wird im selben Masse aufblühen, wie der Konsum zurückgehen und die Verschuldung des Einzelnen steigen wird.

Mit freundlichen Grüssen aus Hellas

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich keineswegs versuche, Ausbrüche von willkürlichem Vandalismus und Gewalt mit Verletzten und Toten zu rechtfertigen.
Soweit sollte es nie kommen, bei aller berechtigten Wut.
Aber ich kann das hier zugrunde liegende Gefühl eines breiten Teils der griechischen Bevölkerung nur zu gut verstehen, zumal wir uns bei aller sozialen Ungerechtigkeit, die auch hier bei uns zunehmend um sich greift, vermutlich nicht einmal annähernd vorstellen können, was Armut in Griechenland bedeutet.
Und weil alles Geld der Welt nichts hilft, wenn es irgendwo versickert, wo es nicht hin sollte – Die Änderung muss an anderer Stelle herbeigeführt werden, aber ohne jetzt die griechischen Verhältnisse allzu genau zu kennen, würde ich vermuten, dass ein bemerkenswerter Anteil der dortigen Machtelite aus vollkommen schleierhaften Gründen nicht sonderlich einverstanden damit wäre, wenn Korruption und Lobbyismus im großen Stil der Kampf angesagt wird.

Aber die, die ihr jetzt in den Nachrichten demonstrieren und randalieren seht, das sind die, die ohnehin schon Probleme haben, ihre bloße Existenz zu finanzieren, das sind auch die, die von den rigorosen Sparmaßnahmen betroffen sein werden, die wir den Griechen abgepresst haben, und das sind vor allem die, die verdammt nochmal einfach die Fresse dick davon haben, von allen ständig verarscht zu werden.
Und jetzt sogar noch von uns, die wir so blind sind, nicht zu sehen, dass wir uns auf dem besten Weg befinden, ihnen zu folgen.

Aber tja, tut uns leid, wir haben schon alles Geld, das wir sowieso nicht haben, für unsere Banken verpulvert.
Ist ja auch naheliegend.
Immerhin scheinen einige Politiker ja richtig dicke mit denen zu sein.
Man kennt sich, man trifft sich, man hält zusammen, und wenn zum Beispiel Josef Ackermann das sechzigste Jubiläum seiner verhängnisvollen Geburt feiert, dann schmeißt Frau Merkel im Kanzleramt natürlich eine Sause auf Kosten des Steuerzahlers.
Nach den hunderten von Milliarden Euro macht das bisschen Kleingeld schließlich auch nichts mehr aus, nicht wahr?

Angesichts solcher Arroganz, Überheblichkeit und Selbstvergessenheit gepaart mit einem unfassbaren Mangel an moralischen Prinzipien bleibt mir nichts anders, als mich vor den betreffenden Vertretern in den Schaltzentralen der deutschen Wirtschaft, Politik und Medien zu verbeugen.
Gegen euch ist die Mafia ein Scheißdreck.