Stress. Freitag, Apr 23 2010 

Ah, äh, ja.
Schon wieder lange Zeit nichts passiert hier.
Da fühlt man sich fast unangenehm an die Zeiten erinnert, als Einträge hier in etwa so häufig waren wie Geschlechtsverkehr für reinrassige Nerds.

Naja.
Möglicherweise nicht ganz sooo selten.
Immerhin gab’s den Blog ja zumindest schonmal. Einfach überhaupt.
Und so…
Und er hat damals in 26 Monaten auch sage und schreibe 10 Einträge angesammelt! Jaha!
Von so viel Action kann ein Nerd nur träumen.

Ja…
Jedenfalls wollte ich hiermit nur nochmal bestätigen, dass ich… lebe.
Oder was man eben so nennt.
Und dass es hier auch mal wieder aktiv weitergeht.
… Oder was man eben so nennt.
Zumindest dürften sich die beschissen stressigen Tage, die ich hinter mir habe, langsam ihrem Ende zuneigen.

Aber hey – immerhin bin ich in der Zwischenzeit auch von Blogsporthausen nach WordPressingen umgezogen. Wie man sehen kann.
Das ist doch auch schon mal was.

Aber jetzt wird erst einmal meine Anwesenheit bei einer gesellschaftlichen Festivität gefordert, die im Prinzip nur das maßlose Konsumieren von C2H6O zelebriert.
Wie… intellektuell unterfordernd.
Wenn man mich also entschuldigen würde.

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Der moderne Mastbetrieb: Fast Food und Dauerbeschallung Freitag, Mrz 19 2010 

Ich esse ja allgemein sehr gerne an Plätzen, die ziemlich öffentlich sind.
Ich esse auch gerne zuhause, aber da ich unter der Woche in der Regel ständig irgendwie unterwegs bin, ist das meist nur an Samstagen und Sonntagen der Fall.

Der Grund ist ja auch nicht, dass mir das Zeug bei McDonalds, Burger King, Kantinen oder irgendwelchen Wirtshäusern besser schmeckt als das, was mir zuhause vorgesetzt wird.
Und billiger ist es schon mal gleich gar nicht, das ist vollkommen klar.
Aber ich mag es einfach, während ich auf mein Essen warte oder nachdem ich es gierig wie ein Schwein verschlungen habe, meine Umgebung ein bisschen zu beobachten.
Besonders natürlich die Menschen darin.

Dabei bekommt man vieles mit, von einzelnen Gegebenheiten, Absurditäten und Demonstrationen inhumaner Dummheit über ritualisierte Gewohnheiten, wenn man gewisse Personen immer wieder zur selben Zeit am selben Futtertrog vorfindet, bis hin zu Spiegelbildern ganzer Schicksale.

Es gibt da nämlich zum Beispiel eine alte Frau – ich bin nicht gut darin, das Alter von Menschen abzuschätzen, aber ich vermute, sie ist etwa achtzig, so um den Dreh – die man jeden einzelnen Tag der Woche, vom Moment der Öffnung an bis in den späten Nachmittag hinein in einer Filiale von McDonalds im Stadtzentrum sitzen sieht.
Manchmal einfach nur mit abwesendem Blick vor sich hin starrend, manchmal Zeitung lesend, je nach Tageszeit vielleicht mit einem Pappbecher Kaffee, einem anderen Getränk oder einem fein säuberlich zusammengefalteten Packpapier eines Cheeseburgers vor sich auf dem Tisch. Manchmal beobachtet sie auch nachdenklich einige andere Gäste – dann frage ich mich, ob sie am Ende dieselbe Gewohnheit hat wie ich – und manchmal bewegt sie sich so lange einfach überhaupt nicht, dass ich mich unwillkürlich ab und zu frage, ob sie nicht tot ist.
Aber immer ist sie allein.
Natürlich ist es jetzt auch nicht unbedingt sehr fundiert, aus solchen Beobachtungen Vermutungen über das Schicksal einer Person anzustellen, aber ich sehe darin oft das traurige Schicksal nicht weniger alter Menschen reflektiert, die in zunehmender sozialer Isolation und gefühlter Nutzlosigkeit apathisch ihrem Ende entgegenleben.
Von Tag zu Tag.
Dann tut mir diese Frau oft wirklich leid.
Aber wie der Rest der anderen Gäste fresse ich eben meistens doch nur schnell meinen Müll, sitze dann vielleicht noch ein paar Minuten herum und gehe wieder. Wenn nicht, spiele ich zwar tatsächlich ab und zu mit dem Gedanken, sie einfach mal unvermittelt anzusprechen, aber – zugegebenermaßen, ich bin eben wirklich nicht gut darin, auf fremde Menschen zuzugehen und Konversationen zu starten.
Zumal meine Kompetenzen im Smalltalk-bereich, mit dem die Allermeisten so etwas einleiten, tatsächlich erbärmlich sind. Was daran liegen mag, dass mich der übliche Smalltalk auch einen Scheißdreck interessiert.
Liegt vermutlich einfach daran, dass ich im Normalfall eher in meiner eigenen kleinen Welt herumirre und mich durch das gewaltige Chaos in meinem Kopf wühle, statt mich auf soziale Interaktion zu konzentrieren.
Sogar auf Parties. Wo ich meistens der klischeehafte schweigsame Typ bin, der rauchend vor einem Glas Whiskey an der Bar steht und vor sich hinstarrt.
Weshalb ich „normale“ Parties, also Massenbesäufnisse, bei denen die Hemmschwelle für jede Art gesellschaftlicher Reglementierung unter dem Erdboden versinkt und es am Ende irgendwann nur noch um sinnlosen Smalltalk zwischen läufigen Freizeitnutten und denkenden Schwänzen auf Beinen geht, der möglichst zum Ficken führen soll, im Regelfall inzwischen auch sehr erfolgreich meide.
Manchmal zieht das Klischee des schweigsamen rauchenden Typs mit dem Whiskeyglas zwar auch einige Menschen an, ob Männlein oder Weiblein, die dieses Klischee faszinierend finden mögen, ich weiß es nicht. Aber ich selbst mache wirklich fast nie aktiv den Versuch, auf andere Menschen zuzugehen.

Aber egal. Ich schweife ab.
Die alte Frau ist jedenfalls eines der interessanteren – und vielleicht euch etwas melancholisch stimmenden – Beispiele, was ich da so beobachte. Wie gesagt, sehr viel häufiger sind alltägliche Absurditäten, Lächerlichkeiten und offen zur Schau gestellte Dummheit.

Oder Ereignisse, die irgendwie alles miteinander kombinieren.
Wie vor Kurzem geschehen, als ich gegen Mittag an einer anderen Filiale des Restaurants zum goldenen M vorübergefahren bin und mir dachte, ich könnte da ja kurz mal Essen fassen.
Wie in vielen anderen Restaurants dieses Franchises war auch dieses in den letzten Jahren scheinbar stark modernisiert worden, um ihm irgendwie eine moderne Ästhetik zu verleihen.
Falls es so was gibt.
Das ging von verspiegelten Wand- und Deckenflächen über einen in Glas eingefassten Kamin mit einem elektrischen Feuer bis hin zu zahlreichen Flachbildschirmen, die in einem endlosen Stakkato Musikvideos, Promi-news und natürlich Werbung auf die Kundschaft abfeuerten.
Andere Sachen wie echte Nachrichten wären ja auch ungünstig, wie die Verantwortlichen sehr richtig realisiert haben. Das interessiert die Leute eben einfach lange nicht so sehr wie dieser Schwachsinn.
Und so wird der Untergang der Esskultur, der soziale Faktor des Mittagessens, das Familienideal eines gemeinsamen Mahls, durch elektronische Geräte ersetzt, die dir alles über die Leute erzählen, die du wahrscheinlich nie im Leben treffen wirst.
Aber, wie schon mal an anderer Stelle erwähnt… das ist man ja inzwischen alles gewohnt.
Der ganz normale Schwachsinn, sozusagen.

Nach kurzer Zeit saß ich dann also auf meiner Kunstlederbank vor meinem Kuntsstofftisch mit dem Kunststofftablet und dem Kunststoffessen darauf.
Und wie ich das eben gerne tue, beobachtete ich nebenbei, was so um mich herum geschah.
Dabei konnte selbst ich irgendwann nicht mehr verhindern, dass meine Aufmerksamkeit sich zeitweise den Bildschirmen zuwandte.
Zumal sie einfach ÜBERALL waren, verfluchte Scheiße.
Und da erfuhr ich dann so nützliche Sachen, wie das im lokalen Kino bald ein Film laufen würde, der tatsächlich „LOL“ heißt, dass es in Hollywood rumorte, Nicole Richie würde bald heiraten… und natürlich dass man nicht mal mehr beim Fressen von Werbung verschont wird.

Wieder mal blieb mir da Germany’s next Topmodel als herausragendes Negativbeispiel in Erinnerung.
Wir stellen uns folgende Szenerie vor:
Eine modisch gekleidete Frau mit Topfigur, professionell geschminkt und wahrscheinlich zudem digital überarbeitet, sitzt auf einer Bank in einem friedlichen Park und fummelt an ihrem Nintendo DS herum, wobei man ihr ansieht, dass sie fünf Minuten vor Drehbeginn nicht wusste, dass es so etwas überhaupt gibt.

Was sie spielt? „America’s Next Topmodel“, erhältlich für Wii und DS.

Und wie auf Kommando bricht plötzlich Chaos um sie herum aus. Journalisten, Kameramänner und Fotografen stürmen von allen Seiten ins Bild und umringen sie, Blitzlichtgewitter, Stimmengewirr, das Knipsen von Fotoapparaten. Sie sitzt da mit einem überraschten Gesichtsausdruck, den ich mit zwei Promille noch besser spielen könnte und fängt nach kurzer Zeit an, sich in Pose zu werfen, räkelt sich auf der Bank und spielt ihre Rolle an dieser Stelle zum ersten Mal wirklich überzeugend.
Es folgt der Übergang, das Spiel wird gezeigt und irgendeine verschlafene Praktikantin liest einen Text ab, an den ich mich nicht mehr erinnere, der aber wohl auf „Werde zum Topmodel blahblub sei ein Star wargh!“ hinausläuft.

Tja, da sitzt man dann, und vergisst fast, dass man eigentlich zum Essen hier ist.
Man wendet den Blick ab und beobachtet seine Umgebung, vornehmlich bevölkert von Menschen, über die genau die Leute, die diese Werbung erdacht haben, wohl die Nase rümpfen würden; Ungepflegte Unterschichtler, Handwerker mit Schweißgeruch der nicht mehr im ignorierfähigen Rahmen liegt, Menschen, die Klamotten anhaben, die aussehen, als wären sie von der Altkleidersammlung aus Afrika zurücktgeschickt worden.
Und alle tapsen sie durch den modernen Mastbetrieb, sitzen zufrieden grunzend um ihre Plastikfuttertröge herum und stopfen das billige Fressen in sich hinein, dass ihnen vorgeworfen wird, während der Bauer ihnen mit einem Megafon von einer Empore aus zuschreit, immer weiter zu fressen und sich vollzustopfen, weil sie nur schön sind, wenn sie so fett werden, dass sie aus allen Nähten platzen. „Fressen und schlafen, das ist euer Idealzustand, euer Paradies, und wir geben euch alles was ihr braucht in unserem grenzenlosen Altruismus!“
Und im Hinterraum wetzt der Schlächter schon seine Messer.

Nicht weit von mir, ein paar Tische weiter, zwei Weibchen der Gattung Homo sapiens, denen man auf den ersten Blick an ihrer hautengen, glitzernden und blinkenden, pelzigen Bekleidung und dem bröckelnden Putz auf ihren Gesichtern ansieht, dass sie die Beine schon breit machen würden, wenn man mit einem frisch gewaschenen, tiefergelegten Fiat Cinquecento vorführe.
Warum frisch gewaschen?
Weil er dann so krass glänzt.

Jedenfalls erkannte man sofort an dem glasigen Blick, mit dem eine von ihnen den Bildschirm fixierte, während die andere sich genüsslich und auf nicht gerade appetitliche Weise Nahrung zuführte, dass das System funktionierte.
Als sie dann auch noch mit einem Stupser, den ich persönlich als Kinnhaken definieren würde, die Aufmerksamkeit ihrer Freundin forderte, dem Bildschirm zunickte und wohl so etwas sagte wie „Schau mal, geil ey!“, musste ich einen Moment überlegen, ob ich jetzt weinen, aufstehen und die ganze Einrichtung zerlegen oder lachen sollte.

Ich entschied mich zu lachen.

Einfach, weil’s am angenehmsten ist.

Und man auf lange Sicht nicht überleben wird, wenn man sich für eine der anderen Alternativen entscheidet. So berechtigt sie auch erscheinen mögen.

Und man kann ja zum Beispiel auch darüber lachen – oder sich zumindest, gemein wie man ist, schadenfroh darüber freuen – dass die neue Staffel GNTM Berichten zufolge äußerst schlechte Quoten einfährt.
Vielleicht ist man sogar so optimistisch, zu hoffen, dass dies das Ende dieses Formats bedeuten könnte.

Womit man sich aber am Ende selbst belügen würde.

Denn der nächste Schwachsinn kommt bestimmt.

Nockherberg 2010 Samstag, Mrz 13 2010 

Als kleine Unterbrechung des schnöden Text-marathons zwei Videos vom Starkbierfest am Nockherberg 2010, einer bayrischen Veranstaltung, bei der Politgrößen einiges an Satire über sich ergehen lassen müssen – und dabei nichts anderes tun können, als hemmungslos falsch und gekünstelt zu lachen, um den schönen Schein zu wahren.

Helmut Schleich richtet als verstorbener Franz Josef Strauß über seine Nachfolger.
… und das Ende des von ihm angekündigten Singspiels „Bavaria sucht den Superpolitiker“.

Nach der Wiederholung der Live-übertragung des Starkbierfests am Nockherberg im bayrischen Rundfunk gab es übrigens einige totgeschwiegene Kritik daran, dass Stellen, die der Politik nicht gefallen haben, gestrichen wurden. Natürlich nur, um die Sendung auf eine angebrachte Länge zu reduzieren, die in das Programm des Senders passt.
Die Pointe eines Witzes, über den ich schon lange nicht mehr lachen kann.

Wer jetzt übrigens den Gedanken, dass es sich hier gerade um eine Verzögerungstaktik handelt, um irgendwelchen Inhalt ohne besonders viel eigene Arbeit anzubieten, nicht verdrängen kann… der hat damit durchaus recht. Ich habe derzeit etwas wenig Zeit, aber ich hoffe, den nächsten Eintrag noch dieses Wochenende fertig stellen zu können.

Werbung. Freitag, Feb 5 2010 

Ich muss etwas gestehen.
Etwas Ungeheuerliches. Etwas, das jedes bewusstseinsfähige Lebewesen umhauen wird.

Ich sehe mir Werbung an.
Freiwillig.
Wirklich.
Wie es dazu kam, ist eine Geschichte voller kaputter Fernbedienungen und fauler Edens, die jedoch an dieser Stelle nur als Prolog für etwas viel Interessanters dienen soll und von daher ihren Zweck mit der Erwähnung an dieser Stelle bereits erfüllt hat.
Anfangs bin ich tatsächlich noch bei jeder Werbung aufgestanden und habe per Hand umgeschaltet, weil ich diesen Schwachsinn wie die meisten halbwegs intelligenten Menschen schon nicht mehr ertragen kann. Allerdings bin ich eben einfach von Natur aus faul, und irgendwann habe ich dann eben, hauptsächlich um die Zeit totzuschlagen, angefangen, mich mal auf Werbeinhalte einzulassen und sie zu bewerten.

Traurigerweise konnte ich dadurch keine signifikanten Verbesserungen hinsichtlich des Unterhaltungswertes feststellen. Vielmehr müsste man eigentlich, wenn man darüber nachdenkt, die Welt den ganzen Tag fröhlich lachend mit einem appetitlichen Strahl Kotze eindecken.
Feuer mit Feuer bekämpfen.
Aber man kann ja in seinem ganzen verdammten Leben gar nicht so viel fressen, wie man in diesem Moment kotzen will.
Anders ausgedrückt: Für wie blöd halten uns eigentlich die verantwortlichen Unternehmen und Werbeagenturen inzwischen? Oder haben sie mit ihrer Beurteilung sogar recht (was den von Natur aus fröhlichen Eden dann doch sehr, sehr traurig machen würde)?
Da erzählen uns wildfremde Menschen ohne jedes schauspielerische Talent, die vermutlich nach der letzten Gerichtsshow so dankbar waren, überhaupt nochmal Arbeit zu bekommen, dass sie den Job für eine Flasche Wodka angenommen haben, wie toll doch ein bestimmer Augenoptiker ist.
„Ich sag‘ das nicht nur so, das ist wirklich so! Achja, hey, Mama, ich bin im Fernsehen!“
Schön ist auch, wenn unter diesen Laiendarstellern dann ein Mensch ist, der in der grausamen Realität allzuschnell zur Randgruppe der gar nicht coolen Streber und Nerds abgeschoben werden würde, und mir erzählt, wie hübsch doch die weiblichen Angestellten bei besagtem Augenoptiker sind.
Unterschwellige Botschaft: „Freaks, Versager und Streber versammelt euch, sogar IHR könnt eine abkriegen. Ihr braucht nur ne Brille von uns (solange SIE keine hat…)!“
Thema Partnervermittlung durch die Wirtschaft – da denkt man dann natürlich sofort an Axe.
Wo selbst der hässlichste, abgefuckteste Freak plötzlich zur Beute von sabbernden, kreischenden Frauen mit Traummaßen wird, bei denen jeder höhere Denkprozess unterbrochen wird, wenn man sich nur irgendeine Scheiße unter die Achseln sprüht, die so kraftstrotzende Namen wie „Dark Temptation“ oder „Hot Fever“ hat. Aber Scheiße bleibt nun mal Scheiße und riecht auch immer wie Scheiße, auch wenn ich „Nahrung 2.0“ dazu sage.
Die grausame Wahrheit ist, auch wenn euer Deo cool ist und einen kraftstrotzenden Namen hat, ihr bleibt hässlich, ihr bleibt abgefuckt und vor allem bleibt ihr Freaks.
Es gibt kein tolles paradiesisches Produkt, dass auf einen Schlag plötzlich all eure kleinen Versagerprobleme löst und euch zu intelligenten, erfolgreichen, vermögenden Frauenhelden macht.
Das will man nämlich auch gar nicht.
Denn wenn die Käuferschicht mit dem zufrieden wäre, was sie hat, würde sie sich ja zwangsläufig fragen, warum sie die ganze sinnlose Scheiße überhaupt brauchen sollte, die ihr da angepriesen wird.
Nein, nein, ihr seid Versager, vergesst das bloß nicht! Weil ihr kein Axe benutzt. Und weil ihr keine Brille von Fielmann tragt. Auch wenn ihr vielleicht perfekte Augen habt, ihr seid einfach scheiße!
Kauft Zeug von uns! Kauft nur weiter den Mist, den ihr eigentlich gar nicht braucht, in der Hoffnung, eure dämlichen, eingebildeten kleinen Probleme zu lösen, die ihr gar nicht hättet, wen ihr sie euch nicht einreden lassen würdet – das ist der Weg zu wahrer Glückseligkeit!

Das widerlichste Beispiel und vorläufiger Höhepunkt medialer Massenverblödung ist für mich allerdings diese unsägliche Media Markt-werbung mit jenem Menschen namens Mario Barth, den ich nach diesen Auftritten einfach nur noch als humoristischen Schwerverbrecher bezeichnen kann.
Nicht nur dass sein gehirnzellenvernichtender Pauschalklischeehumor jeder Informationsgrundlage entbehrt, – zwei Typen spielen mit Milchaufschäumern rum! Das ist ein unwiderlegbares Argument dafür, dass Media Markt jedem Konkurrenzunternehmen überlegen ist! – er scheitert auch grandios daran, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Zumindest nehme ich persönlich das als Indiz für mangelnde Qualität, wenn ich den Auftritt eines „Comedians“ eher als hinterhältige Foltermethode empfinde.
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht pauschalisieren. Vielleicht gibt es Leute, die finden das witzig.
Kann sein.
Wie es ja auch irgendwo Leute gibt, die der letzten Massenhysterie namens „Schweinegrippe“ gefolgt sind.
Ich frage mich nur immer – wo sind die? Denn genau wie ich bei der Schweinegrippe in meinem Umfeld niemanden finden konnte, der nicht in Gelächter ausbrach, als man ihn fragte, ob er sich impfen lassen wolle, kenne ich niemanden, der bei dieser Werbung nicht das Gesicht vor seelischen Schmerzen verzieht.
Also bitte, wo seid ihr? Wo versteckt ihr euch? Meldet euch endlich mal, ich will’s doch nur verstehen!

Der entsetzliche Höhe- und zugleich Schlusspunkt des Gehirnzellenmassenmordes tritt übrigens dann ein, wenn der werte Herr Barth uns auch gleich noch die persönliche Rechtfertigung für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachschiebt, indem er ins Mikrofon brüllt:
„Dit habta euch vadient!“

Ich will ja nicht stellvertretend für andere sprechen, aber ich erinnere mich nicht, irgendetwas derart Verwerfliches getan zu haben, dass ich SO ETWAS verdient hätte.
Vielleicht als juristisches Strafmaß für Schwerstverbrecher.
Aber wir sind ja nicht alle Schwerstverbrecher.
Und Folter und Todesstrafe haben wir ja immerhin inzwischen auch abgeschafft.
Also warum?

Eden’s Odyssees # 1 Montag, Jan 28 2008 

Es gibt so Tage, da funktioniert einfach gar nichts.

Da beginnen Kriege. Da ereignen sich Terroranschläge. Da verabschiedet sich die halbe Welt mal ganz spontan von ihren zivilisierten Eigenschaften. Oder man tritt einfach nur auf dem Bürgersteig direkt in einen fetten Haufen Hundescheiße.

So Tage halt, wo man sich fragt, ob die Menschheit angesichts ihrer unglaublichen Ignoranz und Dummheit überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat.

Oder warum diese verdammten Hunde nicht dreißig Zentimeter weiter links in den Rasen scheißen können.

Gestern war so ein Tag.

Kurz zusammengefasst, ich ging spät nachts aus dem Haus, wanderte in die Dunkelheit, und kam mit einer blutenden Beule am Schädel und einigen sehr schmerzhaften rektalen Verletzungen wieder zurück.

Jaja, ich weiß schon – aber bleibt da, in der Geschichte ist weit weniger homoerotischer Inhalt zu finden als man jetzt vielleicht denken mag.

Deshalb präsentiere ich jetzt, voller Stolz und mit einem unangenehmen Juckreiz um den Schließmuskel herum, den ersten Teil einer neuen Serie, die in Zukunft vermutlich sehr oft Zuwachs bekommt:

Eden’s Odyssees # 1:

Es war ein Samstag wie jeder andere. Nämlich ein beschissener.

Irgendwann im Laufe meines Lebens war meine Mutter der Meinung gewesen, dass ich an allen Wochenenden bis zu meiner Volljährigkeit Zeitungen austragen sollte. Um mir etwas Geld dazu zu verdienen. Um zu lernen, was Arbeit heißt. Um Verantwortungsbewusstsein zu erlangen. Die ganzen Schwachsinnsgründe, die einem Erziehungsberechtigten in dieser Hinsicht einfallen können. Denn ich habe samstags ja auch nichts anderes zu tun.

Ich tat es also für das Geld.

Und ich tue es für gewöhnlich nachts. Nicht, weil ich nur schwarz trage, so tue, als würde ich mich mit Satanismus auskennen und jedem, der es nicht hören will, erzähle, dass ich Sonnenlicht hasse. Nein, der Grund ist einfach – nachts trifft man keine Menschen.

Nicht, dass ich Menschen nicht mögen würde. Nein!

Nur gibt es in unserem Kaff nur diese ganz besondere Art von ländlichen Menschen. Rentner, Arbeitslose und noch Schlimmeres – Kinder! – die einen dann immer anschauen. Einen grüßen. Mit einem reden. Unsäglich schlechte Witze machen, über die man dann künstlich lachen muss, nur um möglichst schnell wegzukommen.

Es war also ein Samstag wie jeder andere. Nämlich ein beschissener.

Um zwei Uhr morgens verließ ich mein trautes Heim, leicht bis mittelstark alkoholisiert, wie ich es eigentlich generell etwas oft bin. Gehört in Bayern ja quasi zum guten Ton. Wie immer ging – oder torkelte – ich meine Runden, warf die Prospekte ein, ohne die die Leute anscheinend nicht leben können, denn wenn ich einmal ein Haus vergesse, ist die Hölle los.

Nur gab es ein Problem.

Winter. Kälte. Glatteis. Alkohol. Schlechte Kombinationen.

Außerdem ist es nachts generell nicht sehr angenehm, vor allem, wenn man sich beständig von Rammstein zudröhnen lässt und dann neben stockfinsteren Wäldern vorbeistolpert. Gar nicht auszudenken, was einer so attraktiven, wehrlosen Frau wie mir da zustoßen könnte!

Zudem scheinen die wenigstens Leute damit zu rechnen, dass um zwei Uhr morgens ein betrunkener Jugendlicher die Straßen abklappert und bei ihnen Werbung für Hundefutter mit Hühnchengeschmack einwirft. (Mögen Hunde eigentlich Hühnerfleisch? Davon hab’ ich noch nie gehört.)

Was sie dazu verleitet, die Tore zu ihren Einfahrten zu verschließen und zu verriegeln, einen Stacheldrahtzaun zu ziehen und die Selbstschussanlagen zu aktivieren.

Oder zumindest eins von dreien.

Was den vollkommen betrunkenen Jugendlichen wiederum dazu verleitet, sich mit dem Elan und der anmutigen Grazie eines vollkommen betrunkenen Jugendlichen über ihre Zäune und Tore zu hieven.

Was auf Dauer natürlich nicht gut gehen kann.

Vor allem bei Glatteis.

Denn früher oder später passiert ein Unglück – und wenn man dann bei diesem Unglück von einem scheiß hölzernen Zaunpfosten beinahe anal vergewaltigt wird, hört der Spaß irgendwo einfach auf.

Auch, wenn man vollkommen betrunken ist.

Aber man rafft sich natürlich auf. Man ist immerhin Werbeprospekte-austräger. Eine verdammt harte Sau -die Elite. Der Beste der Besten. Man bringt den Leuten jedes Wochenende ihre wertvollen kleinen Heftchen, bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Man ist ja schließlich ein Held des Alltags.

Außerdem ist man vollkommen betrunken.

Was man allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, und auch eine Viertelstunde später noch nicht, wenn man die Strecke schon fast durchhat und sich auf den Weg nach Hause machen will, ist etwas sehr Interessantes: Viele Menschen sind selbst im Januar noch zu faul, ihren verfickten Weihnachtsschmuck abzuhängen.

Und wenn man dann um zwei Uhr morgens mit dem Tunnelblick eines vollkommen betrunkenen Jugendlichen nach Hause torkelt, ist das Letzte, womit man rechnet, ein fetter Stoffweihnachtsmann, der an einem Balkon über einem hängt und einen mit dem psychopathischsten Blick eines Weihnachtsmannes anstarrt.

Glaubt mir, damit rechnet man einfach nicht.

Natürlich erschrickt man, man rutscht beinahe aus, fängt sich gerade noch, erkennt den Weihnachtsmann. Man lacht noch recht dreckig über seine eigene Dummheit.

Dann dreht man sich um und rennt gegen den Laternenpfahl.

Und endlich bekommt das Glatteis doch noch seine Chance. Während man sich noch an die schmerzende Stirn greift, kracht man schon mit dem Hinterkopf auf den Bürgersteig.

Und dann bleibt man erstmal liegen, um diese unglaubliche Szenerie auf den Leser dieses Blogs wirken zu lassen. Ich meine, früher dachte ich immer, so was gäbe es nur in den schlechtesten Cartoons für die dümmsten Kinder. Aber ich schwöre hoch und heilig, man möge mir beide Eier abschneiden und zum Verzehr braten, wenn ich lüge – es war wirklich so.

Da lag ich also nun, und tat erstmal das, was jeder in meiner Situation machen würde.

Ich zündete mir eine Zigarette an und blieb liegen, um zu warten, bis die Welt aufhören würde, sich zu drehen. Was sie nicht tat. Ob das nun am Alkohol lag oder an dem Blut, das wohltuend wärmend in unglaublichen Massen aus meinem Hinterkopf strömte, ich weiß es nicht.

Na gut, eigentlich waren es nur ein paar Tropfen.

Jedenfalls stand ich irgendwann wieder auf.

Ich glaube zumindest, dass ich aufstand, denn als ich wieder aufwachte, war ich zu Hause, mit gleich zwei schmerzhaften Beulen am Schädel und einem unangenehmen Kratzen um den Schließmuskel herum.

Oder vielleicht ist das auch alles nur ein kranker Traum, den mein Unterbewusstsein sich ausgedacht hat, um mich vor der viel grausameren Wahrheit zu schützen.

Jedenfalls ein ganz normaler Samstag. Nämlich ein beschissener.

Will mich jemand heiraten? Mittwoch, Okt 31 2007 

Ich habe hier gerade Post vom Kreiswehrersatzamt Regensburg neben mir auf dem Tisch liegen.
Das macht mich traurig.
Zum einen, weil mich der Reichsadlerverschnitt vom Faltblatt seit mittlerweile zwei Tagen ständig böse anstarrt, während ich am PC sitze – und ich wäre kein Nerd, wenn ich nicht oft am PC sitzen würde.
Zum anderen, weil ich irgendwie nicht so recht Lust darauf habe, mich nach dreizehn Jahren geistiger Vergewaltigung in der Schule danach auch noch wirklich vergewaltigen zu lassen. Naja…ich meine – ihr wisst schon.
Nicht, weil ich Pazifist wäre. Im Gegenteil, ich denke, Gewalt sollte ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens sein; Gegen Kinder, gegen Frauen, gegen Minderheiten, gegen Sony-Fanboys und wenn es möglich ist, gegen jeden, der sich nicht wehren kann. Machen die Guten in den Videospielen doch auch.
Aber halt nicht gegen mich.

Allerdings sieht es düster aus.

Denn dummerweise bin ich kerngesund.
Mist aber auch! Dabei hatte ich Möglichkeiten!
Wie ich durch das tolle vorgefertigte Formular festgestellt habe, bin ich nämlich weder schwerbehindert noch arbeitslos, Spätaussiedler oder beim Katastrophenschutz.

Also was tun?
Na, wenn kein Fall bis jetzt zutrifft, ändern wir das halt spontan.
Und da steht ja auch was:
“ [ ] Ich bin verheiratet/eingetragener Lebenspartner und möchte vom Wehrdienst befreit werden.“

Na also, das ist doch mal was. Ich muss nur in den nächsten zwei Jahren irgendwann mal heiraten und schon bin ich aus dem Schneider.
Also, gibt’s Interessenten?
Vielleicht jemanden, der sich auch drücken will?
Nur keine falsche Schüchternheit, meldet euch in den Comments!
Natürlich wären Frauen bevorzugt, aber manchmal muss man halt Opfer bringen.
Ich denke, ich frage auch einfach mal quer durch die elfte Jahrgangsstufe, irgendwo findet sich schon eine, die mir auf die Frage nicht direkt eine schmiert.
Vielleicht mache ich ja Urlaub in Las Vegas.
Wir werden sehen…

Ich könnte übrigens auch meine böse Saat in die Welt setzen und mich dann als Erziehungsberechtigter vor dem Wehrdienst drücken.
…gibts‘ Interessenten?

Der König ist tot! Es lebe der König! Montag, Okt 22 2007 

Tja, still und heimlich habe ich zugeschlagen – und bin umgezogen.
Aus der Hölle von myblog.de sozusagen direkt in das feuchtfröhliche Nerdparadies blogspot.com.
In Zukunft erwarten euch also hier Einträge strotzend vor Intelligenz, Action, Humor und Sex – und dem ganzen anderen Schwachsinn, den ich im alten Blog angekündigt und nie durchgeführt habe. Aber ich kann mich ändern.
Versprochen.
Nur für euch.

In diesem Sinne: Willkommen in den tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.