Der Pfeifenraucher Dienstag, Aug 24 2010 

So.

Ich weiß.
Hier ist lange nichts mehr gekommen.
Und ich denke ja gar nicht daran, mich dafür zu entschuldigen. Denn meine werten Leser und Leserinnen, sofern ich denn welche habe, sollten sich ja dadurch auszeichnen, dass sie ganz ohne meine Hilfe in den Wirren dieser Welt zurechtkommen.
Zugegebenermaßen, jeder kommt ohne mich in den Wirren dieser Welt besser zurecht als mit mir.
Das scheint ja auch das Problem zu sein – waum niemand einen zynischen, kulturpessimistischen Versager braucht, der nichts fertig bringt, nicht einmal, einen Blog wirklich regelmäßig zu betreiben.

Aber tja…. euer Problem ist, ich bin trotzdem noch da.
Nach einer kaum erwähnenswerten Zeit voll unberichtenswerter Ereignisse und trunkenhafter Geschehnisse, während derer ich mich von der Welt da draußen so gut wie möglich abgekoppelt habe, um mir etwas Ruhe zu gönnen, ist der gute alte Eden wieder da, so mies gelaunt und fies und sarkastisch wie eh und je.
Aber weil ich nunmal ein faules Schwein bin, schlage ich Folgendes vor;

Während ich daran arbeite, die Handschellen von meinem rechten Handgelenk zu entfernen (Fragt nicht, denn diese Geschichte ist viel zu lang und kompliziert und versaut und schmutzig, um sie hier zu berichten…), lest ihr euch in aller Ruhe eine meiner alten Kurzgeschichten durch.
Und vielleicht gefällt sie euch ja.
Und vielleicht kommen dann noch weitere Ergüsse meinerseits.
Ganz sicher sogar, ob sie euch gefallen oder nicht.

Wie dem auch sei.
Viel Spaß.

– –

Der Pfeifenraucher

Auf einer Bank saß er, abseits des Gewimmels der modernen Großstadtmenschen, und dachte nach. Blauer Dunst umschwebte ihn, während er regungslos dort hockte, tänzelte und schlängelte sich um ihn herum wie ein stummer ätherischer Gefährte, der dort seine Zeit mit ihm verbrachte. Wortlos wie jeden Tag beobachtete er das rege Treiben um sich herum, bedächtig an seiner alten Holzpfeife ziehend, während die Bewohner der Stadt ihren alltäglichen Geschäften nachgingen, während die Zeit dahin floss wie ein tosender, unaufhaltsamer Fluss, in dem sie alle nur Treibgut waren.
Doch nicht der alte Pfeifenraucher.
Er saß dort auf seiner Bank, wie jeden Tag, seit die Gesellschaft ihn nicht mehr brauchte, und um ihn herum allein schien die Zeit still zu stehen. Er verharrte an jenem Ort, auf der alten Parkbank, umgeben von einem Teppich aus niedergefallenen Blättern, die ein rotgoldenes Mosaik auf den grauen Pflasterboden zeichneten, rauchte seine alte Holzpfeife, beobachtete die Menschen, die an ihm vorübereilten ohne ihn zu beachten, und hing seinen eigenen melancholischen Gedanken nach.
Jeden Tag saß er hier, der alte Mann. Was sollte er auch sonst tun? Die Gesellschaft brauchte ihn nicht mehr. Sein Leben lang hatte er gearbeitet, und nun lebte er einsam und allein in seinen Ruhestand hinein, Tag für Tag seine Pfeife auf dieser Bank rauchend. Niemand brauchte die alten Menschen heutzutage noch, niemand wollte noch etwas von ihnen wissen. Die Welt gehörte den Anderen. Die Welt gehörte einer Gesellschaft, die ganz vergänglichen Schönheitsidealen und ewiger Jugend verfallen war. Niemand hatte mehr Verwendung für die Lebensweisheiten eines alten Mannes.
Die Menschen hasteten an ihm vorüber, gingen ihren Geschäften und Berufen nach, erledigten ihre Einkäufe und hetzten gedankenlos von Ort zu Ort. Niemand hielt inne, um den alten Pfeifenraucher auf seiner einsamen Bank anzusehen, die groß genug für mehrere Menschen wäre, niemand setzte sich, um sich selbst ein paar Minuten Ruhe und dem alten Mann etwas Gesellschaft zu leisten. Alle gingen sie vorüber, verschwendeten keinen Gedanken an den grauhaarigen Menschen, der nur wortlos dort saß, die Beine übereinander geschlagen und nachdenklich an seiner Pfeife ziehend.
Das war es, dachte der alte Mann traurig, das war es, was mit der Gesellschaft heutzutage nicht stimmte.
Alle eilten sie vorüber, von einer Sache zur Nächsten hetzend, ständig in Eile, ständig auf ihre Uhren blickend. Niemand nahm sich die Zeit, sich einfach mal zu setzen und in Ruhe den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Niemand dachte mehr nach, über die Welt, die Menschen, über die Gesellschaft und alle die scheinbar nebensächlichen Probleme, die unausgesprochen ihrer Lösung harrten.
Das war es, was nicht stimmte.
Die Leute, die da an ihm vorübergingen, die Tag für Tag den breiten Bürgersteig vor seiner Bank überschwemmten – Sie alle funktionierten nur noch. Sie funktionierten wie Maschinen in einer mechanisierten Welt, jeder mit seinem Beruf, seinen Aufgaben, seiner ganz bestimmten Funktion, ohne zu denken, ohne die geistige Freiheit, das ungeheure, gewaltige, Normen und Konventionen niederreißende Potenzial der Menschheit zu entfesseln.
Und von der Freiheit des Geistes blieb schließlich nur – der alte Pfeifenraucher auf seiner Bank, den niemand mehr brauchte.

– –

Was dieser Blog-eintrag und die Kurzgeschichte eigentlich bewirken sollen?
Gar nichts.

Außer die Tatsache zu unterstreichen, dass ich wieder da bin, nachdem ich mir zwei Wochen Ruhe von all dieser Scheiße, die man Realität nennt, gegönnt habe.

Und jetzt.. weiß verdammt nochmal irgendjemand einen Trick, wie man Handschellen öffnen kann, ohne den Schlüssel zu besitzen?

Verdammte Scheiße, ich muss die Dinger los werden.

Von Juden und Hartz IV-Empfängern Donnerstag, Aug 5 2010 

Ich weiß ja nicht, wie viele gestandene Bayern sich hier unter meiner werten, überaus schweigsamen, aber laut Blogstatistik doch vorhandenen Leserschaft befinden und wie viele davon mit dem Namen Nockherberg etwas anfangen können.
Zum Starkbierfest am Nockherberg, das sei hier vermittels wikipedia und für die ganz Faulen einer kurzen Erklärung meinerseits gesagt, werden einmal im Jahr diverse namhafte Politiker von Bund und Land geladen und dürfen sich daran erfreuen, dass sie von Kabarettisten auf die Schippe genommen werden.
Nur dass die Kabarettisten im Grunde genommen eigentlich einfach nur die Wahrheit sagen. Irgendwie lustig aufbereitet eben. Aber was ist Kabarettismus im Grunde schon Anderes, als die hässliche Wahrheit lustig zu schminken?
Und dass die Politiker sich nicht wirklich daran erfreuen, sondern es im Gegenteil genug Szenen gibt, wo man deutlich erkennt, dass hinter dem scheinheilig amüsierten Lächeln Emotionen irgendwo zwischen peinlicher Verlegenheit, unterdrückter Wut und Scham zirkulieren.
Das macht das Ganze natürlich in der Regel umso amüsanter für den Zuschauer, weil er durchaus in der Lage sein dürfte, zu sehen, dass seinen „Volksvertretern“ in diesem Moment alles andere als wohl in ihrer Haut ist bei all den schönen Tatsachen, mit denen sie hier konfrontiert werden.
Aber man kann ja nicht einfach der Veranstaltung fernbleiben, wenn man mehr oder weniger öffentlich eingeladen wird. Denn das erweckt ja den Anschein, als verstehe man keinen Spaß und vertrage es nicht, von Kabarettisten ein bisschen vorgeführt zu werden.
Was man natürlich in der Regel beides nicht tut – aber man kann ja wenigstens den schönen Schein wahren. Das kommt auch bestimmt gut bei den Wählern an!
Und so dürfen wir uns wenigstens einmal im Jahr daran erfreuen, dass mehr oder weniger Tacheles geredet wird und die werten Damen und Herren nicht viel mehr tun können, als dazusitzen, zu lachen und zu klatschen.

Mehr oder weniger Tacheles?
Ja, genau.
Denn seht ihr, wenn man als Kabarettist am Nockherberg zu sanft mit seinem hochprominenten Publikum umspringt, erntet man zwar dessen Wohwollen, ist im Gegenzug aber meist nicht besonders beliebt bei den Zuschauern. Weil die es, man höre und staune, doch recht gut finden wenn mal Tacheles geredet und den Politikern der Marsch geblasen wird.
Wenn man aber zu scharf an die Sache rangeht, dann reagieren besagte Politiker anscheinend in etwa so wie ein Fünfjähriger, dem offenbart wird, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, seine Eltern sich trennen und er daran schuld ist und sein Hund, der gerade den Osterhasen gefangen und totgebissen hat, dabei überfahren wurde.
Und das alles an seinem Geburtstag.
Mit anderen Worten, sie fangen an, gewaltig rumzuzicken.
Und noch viel schlimmer, denn das Kind in dem genannten (hoffentlich!) fiktiven Beispiel hätte sogar allen Grund, gewaltig rumzuzicken, ich denke, da sind wir uns einigermaßen einig.
Bei unseren Politikern sieht es da schon ein bisschen anders aus.

Jedenfalls ist es ein sehr schönes Beispiel dafür, was mit Leuten passiert, die der herrschenden Machtelite wirklich unangenehm werden.
Denn da gibt es die sogenannte Fastenpredigt, bei der einer der Kabarettisten in die Rölle des Mönchs Bruder Barnabas schlüpft und von seiner Kanzel herab so ziemlich einen politischen Rundumschlag liefert bei dem er alles, was sich da im letzten Jahr so geleistet wurde, humoristisch abstraft.
Und der derzeitige Redner Michael Lerchenberg war den werten Damen und Herren dabei wohl ein ganzes Stück zu ehrlich und direkt.
Beziehungsweise, der ehemalige Redner Michael Lerchenberg.

Jaha, so schnell kann das nämlich gehen.
Der Herr Lerchenberg machte nämlich den Fehler, in seiner Rede etwas zu sagen, was man, wenn man jetzt mal ganz frei in der Wortauslegung ist, als „KZ-Vergleich“ bezeichnen könnte.
Und, wir wissen es alle, bei so was bricht sofort die Hölle los, wie harmlos der Vorfall auch sein mag.
Wer sich die Fastenpredigt in ihrer ganzen Länge zu Gemüte führen will, der gehe auf youtube und suche nach „Nockherberg 2010 Fastenpredigt unzensiert“.

„Unzensiert“?
Ja, das war nämlich das Erste, was sich der Bayerische Rundfunk erlaubte, als er die Wiederholung der Live-Übertragung des Starkbierfestes am Nockherberg ausstrahlte. Und dabei wurde nicht, wie man jetzt vermuten könnte, nur der besagte „KZ-Vergleich“ (Ich muss es einfach in Anführungszeichen setzen, weil es viel zu hoch gegriffen ist.) herausgeschnitten, nein, es fehlten diverse Abschnitte, in denen Herr Lerchenberg mit seinem Publikum etwas härter umsprang – zum Beispiel ein zwei Minuten langer Teil, in dem es um Korruption in politischen Ämtern ging.

Hier kann man dem zum Glück noch lauschen, und genau so kann man sich den bösen, bösen „KZ-Vergleich“, der so weitreichende Folgen hatte, in all seiner menschenverachtenden Humorlosigkeit zu Gemüte führen.
Nicht, dass irgendjemand im Publikum WÄHREND der Rede auf die Idee gekommen wäre, dass diese Ausführungen zu weit gehen könnten. Da hat man nur leicht gelacht und sich bemüht, den Schein von guter Laune weiterhin aufrecht zu halten.
Erst nach der Sendung hat die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch nach reiflicher Überlegung mal kurz gehustet – und wie das so üblich ist, breitete sich wie ein Tsunami eine Welle der Empörung und Entrüstung über diesen bösartigen Vergleich in den Reihen der Politiker aus, die davor noch leise darüber gelacht und den guten Schein gewahrt hatten.
Nicht, weil man empört oder entrüstet über den Vergleich wäre.
Nein!
Aber hier hat man etwas, an dem man sich aufhängen und es dem fiesen Kabarettisten heimzahlen kann, und dabei hat man garantiert noch die Öffentlichkeit auf seiner Seite!

Das kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Nun, ich will hier einmal die entsprechende Stelle (im Video ab 3:06 zu sehen) wortwörtlich und dialektbereinigt zitieren.

(Nur der Vollständigkeit halber, er bezog sich hierbei auf die zu dieser Zeit um sich greifenden Disskusionen über Guido Westerwelles Äußerungen über Hartz IV-Empfänger, Leistungsgerechtigkeit und „spätrömische Dekadenz“.)

Nachdem sich aber Leistung richtigerweise lohnen muss, so rutscht die FDP von 15 auf 11, 8, 6 Prozent runter – Wenn ihr so weiter macht, dann seid ihr die erste Partei, die in Berlin regiert, obwohl sie unter fünf Prozent ist!
Zehn Jahre will er regieren, der Herr Westerwelle, oh mei! Wenn ihr alle miteinander mit eurem Saustall so weitermacht, dann reicht’s ja nicht mal für 365 Tage!
Und darum dreht er jetzt durch, der Herr Guido, und schwingt seine sozialpolitische Abrissbirne. Alle Hartz IV-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein Stacheldraht – Hatten wir schon mal.
Dann gibt’s jeden Tag eine Wassersuppe und ein Stück Brot, statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover und über’m Eingang steht, bewacht von neoliberalen Ichlingen im Gelbhemd in eisernen Lettern „LEISTUNG MUSS SICH WIEDER LOHNEN!“

Jetzt bin ich ja allgemein eher der Meinung, dass im Humor und in der Kunst so ziemlich alles erlaubt sein muss. Genau so wie mir auch die vorprogrammierte Welle der zumeist scheinheiligen Entrüstung, die durch Deutschland geht, wenn irgendjemand etwas auch nur unabsichtlich zweideutig formuliert und man es als NS-Vergleich auslegen KÖNNTE, absolut zuwider ist und ich denke, dass man sich von dieser langsam lächerlich werdenden politischen Gewohnheit lösen sollte.
Aber jetzt mal ehrlich, lest euch den fett geschriebenen Abschnitt durch – Ist das ein KZ-Vergleich, der über die Stränge schlagt? Ist das, wie Frau Knobloch denkt, eine Herabwürdigung der Leiden von Häftlingen während der NS-Zeit? Oder geht es hier vielmehr darum, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal als Schmarotzer diffamiert wurde?
Natürlich ist das eine humoristische Übertreibung, vollkommen klar, aber eben genau, um das herauszustellen.
Nicht zuletzt zitiert er direkt danach aus der bayerischen Verfassung und stellt den Anspruch jedes Bürgers, der nicht für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen kann, auf Sozialleistungen durch den Staat heraus.
Ein bösartiger KZ-Vergleich sieht nach meinem Verständnis anders aus.

Aber nun, zum Leidwesen von Herr Lerchenberg war der Aufhänger gefunden und es wurde sich im großen Stil empört, und gerade weil ja sofort alle Deutschen auf die Knie fallen, wenn es um dieses Thema geht, fand er auch entsprechend wenig Rückhalt.
Da wäre zum einen die angesprochene Zensur des BR, die sich, ich erwähne es nochmal, NICHT auf diese Stelle beschränkte und der seltsamerweise, obwohl es ja nur darum ging, die Sendung auf eine Länge zu bringen, dass sie ins Programm des BR passt, gerade die für die Politik unangenehmsten Abschnitte zum Opfer gefallen sind.
Und da wäre natürlich zum anderen auch jede Menge öffentliche Entrüstung über seine Worte, sobald die entsprechenden Personen mitbekommen haben, das Charlotte Knobloch gehustet hat.
Und das, kombiniert mit mangelndem Rückhalt beim Veranstalter selbst (Paulaner) führte dazu, dass Herr Lerchenberg, nun, wie soll ich sagen – „freiwillig gegangen wurde“.

Das wiederum nahm Helmut Schleich, einer der anderen Kabarettisten, oben zu sehen als von den Toten auferstandener Franz Josef Strauß, der über seine Nachfolger richtet, zum Anlass, indirekt zum Boykott aufzurufen und sich damit so ziemlich als Einziger auf die Seite des gefallenen (oder hinabgestoßenen?) Fastenpredigers zu stellen.
Womit er meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf trifft.

Ich glaube keine Sekunde lang, dass es denen, die sich am meisten darüber empören, auch nur im Entferntesten um eine mögliche Herabwürdigung der KZ-Opfer geht (die ich absolut nicht erkennen kann), sondern dass hier, simpel formuliert, einfach der Umstand zelebriert wurde, dass etwas gefunden war, mit dem man zurückfeuern konnte.
Nicht zuletzt stößt mir eine derartige Zensur einfach gewaltig auf und ich frage mich, was für einen Mangel an Klasse wir unseren „Volksvertretern“ angesichts solcher Verhaltensweisen attestieren müssen.
Weniger schlimm wäre das alles wie gesagt vielleicht, wenn bei der Wiederholung tatsächlich nur die betreffende Stelle herausgeschnitten worden wäre – aber so? Da muss ich mich doch ernsthaft fragen, mit welchem Selbstbild die Verantwortlichen hier an die Arbeit gehen. Nicht zuletzt handelt es sich hier um eine Meinungsäußerung, und obwohl überspitzt formuliert, spricht Michael Lerchenberg eben doch sehr viele Umstände aus, die sich nicht wenige Menschen auch schon denken – nur dass sie in der angenehm höflichen, angenehm schöngefärbten, angenehm „politisch korrekten“ Alltagswelt außerhalb des Nockherbergs praktisch nie ausgesprochen, quasi totgeschwiegen werden.
Und über kurz oder lang auch am Nockherberg, wenn man sich derartige Methoden gefallen lässt.
Und falls irgendwelche Vergleiche mit unrühmlichen Perioden der deutschen Geschichte vordem nicht angebracht waren, so sind sie es jetzt allemal. Ich fühle mich sehr geneigt, hier selbst mal loszulegen und wirklich harte Vergleiche anzustellen – und ich geb’n Scheiß auf politische Korrektheit.
Bei einem solchen Publikum, bei solchen Politikern, ist weder Kabarettismus noch eine wirklich ernste Opposition oder freie Meinungsbildung wirklich möglich.

Jedenfalls werde ich das alles weiter beobachten, obwohl sich diese Ereignisse ja schon vor einiger Zeit abgespielt haben – Ich wurde erst vor Kurzem von einem Bekannten darauf aufmerksam gemacht. Es bleibt abzuwarten, was sich auf dem Nockherberg 2011 so abspielt. Und sollte es der Fall sein, dass die Fastenpredigt des nächsten Kandidaten, wer auch immer sich dessen annehmen mag, handzahm ausfällt, kann ich euch jetzt schon jede Menge WIRKLICH böse Vergleiche auf diesem Blog ankündigen.

Übrigens, noch ein kleiner Witz zum Schluss: Der werte Herr Westerwelle, dessen Äußerungen ja indirekt Ursprung des ganzen Chaos waren, distanzierte sich danach in einem öffentlichen Brief entschieden vom Nockherberg, an dem er „mehrfach gern teilgenommen“ habe (obwohl er dieses Jahr aus ominösen Gründen verhindert war) und forderte die Verantwortlichen auf, wegen dieser Vergleiche in Zukunft von Einladungen an seine Person abzusehen.
Jaaaa.
Ist klar.
„Deswegen“.

Bei so viel Scheinheiligkeit und, auf gut bayerisch, Hinterfotzigkeit, wird mir einfach nur schlecht.

Nur für Genießer. Freitag, Jul 30 2010 

Als passionierter Filmliebhaber und -sammler bin ich ja im Großen und Ganzen mit dem heutigen Fernsehprogramm nicht wirklich einverstanden.
Zugegeben, in der Beziehung wäre ich wahrscheinlich früher auch nicht wirklich mit dem einverstanden gewesen, was den Leuten da vorgesetzt wurde.
Und zugegeben, „nicht wirklich einverstanden“ ist eine schamlose Untertreibung und verdient wohl mindestens eine Nominierung für den krassesten Euphemismus meines Lebens.
Dann wiederum haue ich solche krassen Euphemismen allerdings so oder so im Minutentakt heraus. Ganz einfach, weil ich ganz schnell jede Menge Klagen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und mehr Feinde als ich zahlen könnte am Hals hätte, wenn ich meine Meinung auch immer genau so formulieren würde, wie sie mir durch den Kopf geht.

Sei es wie es sei, das Gezetere um die Medien ist ja nichts Neues, bringt irgendwie auch gar nichts, trotz der stellenweise argen Verbitterung, mit der es geführt wird und obwohl es an sich durchaus oft der Wahrheit entspricht.

Leuten wie mir (und womöglich auch vielen von euch) bleibt angesichts dieses Zustands ohnehin nur, sich auf Sender wie arte zu flüchten und sich dort seine letzte Bastion zu errichten. Wenn man den Fernseher überhaupt noch für etwas anderes als gute Filme ab und zu anmacht. Oder zum zocken.
Was ich nicht tue.

Man kann ja inzwischen nicht einmal mehr die öffentlich-rechtlichen Sender ernst nehmen, die sich aus der nackten Angst um ihre Quoten mit ihrem Programm auch lieber an die Masse mit weniger Niveau als an die wenigen Menschen mit etwas Anspruch richten, um ihre bitter offensichtliche Niederlage gegen das Privatfernsehen vielleicht doch noch mit etwas weniger Abstand zu erleiden.
Denn das ist ja der Witz daran. Wir können uns aufregen wie wir wollen, letztlich können wir den Medien NICHT die Schuld daran geben, dass es ist, wie es ist. Die tun ihren Job. Die zeigen das, was die meisten Leute sehen wollen, unterhalten eine möglichst große Zielgruppe, um möglichst viel Profit zu machen.
Das kann man einem erfolgsorientierten Unternehmen schlecht zum Vorwurf machen. Höchstens die Art und Weise, wie sie es tun – Aber auch damit sind sie nur ein Zahnrad im großen Getriebe.
Denn niemand hat heute noch Verantwortung für irgendwas. Weil keiner sie haben will. Nicht mal die, die sie haben sollten.
Der Punkt ist, die Leute wollen das eben sehen. Die Leute wollen immer wieder neue Tabubrüche, ein immer schamloseres Ausleben von Prominentenobsession, Bouledvardschwachsinn, seichter Unterhaltung, öffentlicher Entwürdigung von Personen und auf alle Fälle immer mehr nach dem platten Prinzip „Sex sells“.
Also bitte, so sei es.
Ihr wollt Paris Hilton und „Brangelina“, ihr wollt die neusten Trends und Flops kennenlernen, ihr wollt wissen, was irgendein unbedeutendes, narzisstisches, sich viel zu wichtig nehmendes Arschloch irgendwo ganz weit weg von irgendeinem banalen Thema hält, ihr wollt langweilige Gameshows nach ernüchtend simplen Prinzipien, ihr wollt sehen, was ganz normale Menschen sich auf offener Straße alles antun, wie sie freiwillig ihre Würde verkaufen, wenn der Reporter dabei mit einem Fünfziger winkt.
Und ihr sollt es haben.

Mir wird nicht bei dem Gedanken schlecht, dass so etwas gezeigt wird, vielmehr aber wenn ich daran denke, dass es immer wieder so erfolgreich ist und ganze Heerscharen von Menschen immer weiter ausufernder Verdummung fröhnen.
Aber so ist das eben. Ich kann es ihnen nicht verbieten, ich würde es auch nicht tun, wenn ich es könnte, aber ich kann auch nicht ändern, dass ich es irgendwie maßlos schade finde und es mich zugleich verdammt wütend macht.
Wie das halt immer so ist, wenn ich über gewisse Themen nachdenke.

Zum Beispiel wollte ich noch etwas anmerken, was ich schon vor längerer Zeit gelesen habe;

23. Juni 2010: Das ZDF hat eine „Lena-Soap“ in Auftrag gegeben: Anfang Juli beginnen die Dreharbeiten zu „Lena – Liebe meines Lebens“! In den geplanten 240 Folgen dreht sich alles um die junge Lena, die sich in David, einen Musiker aus reichem Hause verliebt. Während er ihr musikalisches Talent entdeckt und sie durch ihn Karriere macht, lässt er sich zum ersten Mal ganz auf die Liebe ein. Wie in jeder guten Seifenoper gibt es natürlich Menschen, die dem Paar das Glück nicht gönnt ..

Na, ist das scharf oder was?
Das ZDF, das Öffentlich-Rechtliche, einer der Sender mit dem Privileg und der Aufgabe, die Informationsfreiheit des Bürgers zu wahren (haha…), Kultur zu vermitteln (HA!) und anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten (HAHAHA!).
Und jetzt denkt mal daran, für diesen Zweck zahlt der durchschnittliche Bürger Rundfunkgebühren. Und wehe, er tut das nicht oder erweckt auch nur den Anschein, dann geht’s nämlich rund.
Für… Soaps.
Na – Wie fühlt sich diese Erkenntnis an?
Wenn ihr euch jetzt unwillkürlich vorkommt, als hätte euch jemand einen Faustschlag in die Magengrube versetzt und noch ein paar Minuten lang auf auch eingetreten, nachdem ihr zu Boden gegangen seid – dann geht’s euch so wie mir.

Jedenfalls…
Wollte ich eigentlich vorhin nur irgendetwas Anderes, ganz Banales sagen, bevor ich mich spontan dazu hinreißen habe lassen, mich hier ein bisschen auszutoben. =P
Denn ab und zu gibt es Hoffnungsschimmer.
Auch für den Filmliebhaber und -sammler.
Und wenn sie noch so selten und winzig sind.
Immerhin besser als überhaupt nichts.

Kommenden Samstag zum Beispiel strahlt das ARD nämlich um 22.15 „Zwei glorreiche Halunken aus“. Ja, ganz recht, das ist ein pöhser pöhser Italo-Western, ihr Frauen. Und ich wette mit euch, er ist immer noch tausend Mal besser als all die platte, ewig gleiche Lovestory-scheiße, die man euch heutzutage zum Fraß vorwirft.
Weil er aus einer Zeit und einer Welt fern aller maßgeschneiderten und akribisch im Vorfeld auf den Massengeschmack zugeschnittenen Hollywoodblockbuster stammt, aus einer Zeit, als Filme noch Ecken und Kanten hatten.
Und natürlich auch, weil er in einer Zeit SPIELT, in der zwischenmenschliche Probleme noch nicht durch verständnisvolle und kompromissbereite Gespräche gelöst wurden, sondern mittels sinnloser, in jeder Form ausufernder Gewalt.

Also scheißt auf Robert Pattinson und gebt euch den jungen Clint Eastwood in seiner meiner Meinung nach besten Rolle (Ja, das schließt Dirty Harry mit ein.), führt euch ein Stück Filmgeschichte zu Gemüte, dessen Einfluss bis zu heutigen Leinwandkrachern reicht (Quentin Tarantino *hust) und seht euch an, was Stil und Coolness wirklich bedeuten. =P

Denn, seht ihr … in dieser Welt, in dieser Gesellschaft gibt es zwei Arten von Menschen. Die einen, die alles verkaufen und verraten, was ihr Potenzial ihnen schenken könnte, und die anderen, die den Namen verdienen.

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit Samstag, Jul 24 2010 

… sowahr unsere politische Integrität uns helfe.

Die erste Pointe schon vor der Einleitung, ist das’n Ding oder was?

Jedenfalls… wenden wir uns mal einer Sache zu, die ganz bestimmt nicht mein Lieblingsthema ist.
Das mag daran liegen, dass ich mich dabei meistens ziemlich aufrege und bei längerer Beschäftigung damit spontane Kopfschmerzen, erhöhten Blutdruck, Übelkeit, einen nicht wirklich kontrollierbaren Hass und einen sehr unangenehmen Juckreiz um den Schließmuskel herum bekomme, als hätte ich mich etwas zu oft von jemandem durchnehmen lassen, der bestückt ist wie ein Pferd.
Was auch der Fall ist.

Im Rahmen einer äußerst geschmacklosen Metapher, natürlich.

Sei es wie es sei, im Umgang mit Politikern verspüre ich irgendwie immer den nicht sehr netten Drang, sie zu behandeln, als hätten sie eine äußerst tödliche, äußerst ansteckende Krankheit.
Oder wie einen Boxsack, je nachdem.

Und ich hatte ja schon das ein oder andere Mal das Vergnügen. Es ist immer so schwer, diesem Impuls zu widerstehen und sich mit Gedanken wie, dass man keine ganze Berufsgruppe pauschal aburteilen kann und derjenige, der vor einem steht, auch einer der wenigen sein könnte, die den gängigen Vorurteilen widersprechen, bei der Stange zu halten.
Of treffen die gängigen Vorurteile nämlich so ziemlich ins Schwarze.

Aber kommen wir zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ich war heute nämlich in der Stadt und bin, wie man das so tut, über den Platz geschlendert, bis mein Blick auf einen blaugelben Informationsstand mit Stehtischen und vielen freundlichen Leuten mit blaugelben Shirts gefallen ist.
Blaugelb… Politik… dem ein oder anderen läuft jetzt vielleicht ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Ich jedenfalls hab‘ mir nichts dabei gedacht und bin weitergegangen, vorsorglich in einem größeren Bogen herum, weil ich solche blöden Informationsstände ja allgemein vermeide. Ich kann mich durchaus selbst informieren und mir eine Meinung bilden, dazu brauche ich keine engagierten, übermotivierten Alltagshelden, danke.
Dummerweise sind allerdings die Helferlein vom Informationsstand aus ausgeschwärmt in alle Richtungen wie Rattenfänger.

Es war schrecklich.
Überall waren sie, wie Geister.
Und ein grausames Szenario entfaltete sich vor meinen Augen – Menschen rannten schreiend davon, als sie die Aufschrift „FDP“ an ihren Hemden sahen, Mütter suchten verzweifelt ihre Kinder, die kreischend in der Menge standen. (Immerhin weiß jeder, was man sich im Flüsterton erzählt – dass FDP-Mitglieder liebend gerne Kinder entführen und sie in ihre Lebkuchenhäuser locken. Die, die Glück haben, werden gefressen, aber einige kommen als Ausgeburt der Hölle zurück zu ihren fassungslosen Eltern, die über diesen Schickssalsschlag verzweifelt in Tränen ausbrechen – als FDP-Wähler.) Selbst gestandene Männer, die sich der dämonischen Horde entgegenstellten, sah ich nach wenigen Minuten weinen wie kleine Kinder. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Unglückliche im allgemeinen Chaos von Flüchtenden niedergetrampelt wurden.

Naja, vielleicht war es nicht ganz SO schlimm.
Die Meisten haben eigentlch nur wortlos die Flyer und Prospekte mitgenommen, die ihnen in die Hand gedrückt wurden, und wenn man sich wie ich den Spaß erlaubte, außer Sichtweite des Stands in ein paar Mülleimer zu blicken, fand man sehr viel blaugelbes Papier.
Aber ICH würde solche Prospekte natürlich nicht ablehnen, wenn man sie mir anbietet (und man hat sie mir überschwänglich angeboten, ja aufgeschwätzt, ich hatte Angst, der rennt mir nach und hechtet mich um, wenn ich einfach weitergehe). Schließlich erfährt man hier etwas über die Parteien, die zur Wahl stehen, man kann sich informieren und so. Immerhin ist das Bürgerpflicht!
Und natürlich ist das alles auch gaaaanz objektiv und sachlich geschrieben und besteht nicht aus schamlosen Halbwahrheiten, Euphemismen, Selbstbeweihräucherung und gehirnaufweichender Propaganda.
Denn wir leben ja in einer modernen, freien, aufgeklärten Demokratie mit mündigen Bürgern, die fähig sind, sich kritisch und differenziert ein Urteil über das zu machen, was sie sehen und hören.

Ja, ihr mich auch.

Jedenfalls habe ich das ganze Zeug mal freundlich lächelnd (es könnte auch spöttisch gewesen sein, ich glaube FDPler erkennen den Unterschied nicht) entgegengenommen, mich am anderen Ende des Stadtplatzes vor mein Stammcafé gesetzt und mit der leisen Ahnung, etwas zum Lachen zu finden, beschlossen, mir das bei einer Tasse Kaffee zu Gemüte zu führen, während ich auf den Menschen wartete, der mich hier treffen wollte. Und da dieser Mensch etwas unzuverlässiger Natur ist, hatte ich durchaus Zeit dazu.

Da hätten wir im Wesentlichen zwei Prospekte, einmal „Liberale Erfolge“ mit zwei Händen, die ein Häufchen Humus in der Hand halten, aus dem eine kleine Pflanze wächst.
Und auf dem Zweiten ein junges Mädchen, das über ein blühendes Rapsfeld läuft. Sie könnte das zum Spaß machen, es könnte auch sein, dass sie um ihr Leben läuft, weil ein Mähdrescher, der aus dem Bild geschnitten wurde, hinter ihr in die selbe Richtung fährt, so genau erkennt man das nicht. Vielleicht rennt sie auch vor einem FDPler davon. Jedenfalls trägt dieses schöne Heftchen den Titel „FDP-Fraktion Im Bayerischen Landtag – Liberale Politik für Bayern“.
Klingt erstmal wie ein fiktives Horrorszenario, das in einer erdachten, nahen Zukunft spielt. Hätten sie auch Chucky die Mörderpuppe abbilden können, das hätte wenigstens harmonisiert.

Nun, wenden wir uns dem Inhalt zu, ob dem des ersten oder zweiten Prospekts ist sowieso egal, da steht so ziemlich das Gleiche drin, nur dass das Erste abhandelt, was sie davon schon realisiert haben. Wenn man ihnen glauben darf, so ziemlich alles. Wonach ich sie eigentlich nicht mehr wählen bräuchte.

Ich bringe einfach mal ein paar Zitate, das ganze Heftchen wäre zu lang, um es vollständig zu zitieren und zu kommentieren, also reiße ich eben ein paar Sätze ganz fies aus dem Kontext und stampfe sie ein.
Wobei ich euch versichern kann, mit oder ohne Kontext steht da zum größten Teil nur Schwachsinn.

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger, vor fast zwei Jahren hat Bayern den Neuanfang geschafft: Nach über vier Jahrzehnten der Alleinregierung haben Sie die FDP in die Verantwortung gewählt (Anm.: ICH?! Neee. Den schwarzen Peter lass‘ ich mir nicht zuschieben.). Seitdem arbeiten wir in Landtag und Staatsregierung für ein modernes, liberales und wirtschaftlich erfolgreiches Bayern.

Ich finde irgendwie, Bayern hat da vorher ohne euch auch nen relativ guten Job gemacht, so in punkto Moderne, Liberalität und wirtschaftlicher Erfolg. Ich muss zwar klarstellen, dass ich CSU/CDU abgrundtief hasse, aber bei euch ist der Abgrund noch ein Stück tiefer.
Als Neustart würde ich das irgendwie auch nicht bezeichnen, eher, naja… als der Anfang vom Ende?

Wir wollen Bayerns mittelständisch geprägte Wirtschaft stärken, damit Arbeitsplätze und Wohlstand auch künftig sicher sind.

TOLL!
Wie wollt ihr denn das anstellen? Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und werfe das Schlagwort „Lohnnebenkosten“ in den Raum, deren Senkung, wir wissen es alle, ein „alternativloser Sachzwang“ ist.
Aber wenigstens sind sie ehrlich. Dass die meisten von ihnen auch lukrative Nebenbeschäftigungen in diversen Unternehmen haben, wo sie wenig tun und viel verdienen, wissen wir ja mittlerweile, da ist es nur natürlich, dass sie diesen Gefallen an die Wirtschaft erwidern wollen. Senkung der Lohnnebenkosten aka beispielsweise der Arbeitgeberbeitrag zu Renten- und Krankenversicherung, Lockerung des Kündigungsschutzes und Beschränkung der Rechte und Sicherheiten des Arbeitnehmers wären ein guter Anfang.
Dabei hört sich das mit deren Formulierung doch so toll an!
Ihr Schlingel ihr – da hättet ihr mich fast drangekriegt! =D

Pioniersinn und Heimatverbundenheit, Mut und Verantwortungsefühl – diese mittelständischen Tugenden sind heute gefragt, um unser Land nach vorne zu bringen.

Halbgare, sich im Kreis drehende Reformen und Globalisierung, Feigheit davor, irgendetwas zu sagen, was die Leute NICHT hören wollen und Verantwortungslosigkeit – das sind die Tugenden, die ich immer wiede sehe, so lange und gründlich ich mich auch umschaue.
Wo soll unser Land übrigens hin? Das ist festgewachsen. (Ich weiß, ich weiß, der war flach. Ich konnte nicht anders.)

Aber das wird ja auch gleich gesagt, in welchem Bereich wir nach vorne wollen.

Deutschland muss seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten und die wirtschaftliche Dynamik steigern. Eine Steuerstrukturreform ist dafür unverzichtbar. Gerade in der Krise brauchen wir ein einfaches und faires Steuersystem. Ein Steuersystem, das die Wirtschaft ankurbelt, Investitionen ermöglicht und Arbeitsplätze schafft.

Also im Klartext, Belastungen weg von den Unternehmen, damit die mehr Kohle haben. Weil, wenn sie mehr Kohle haben, stellen sie mehr Leute ein.
Ist klar. Wirtschaftsnote 6.
Wer das Geld locker machen darf, dass durch die Entlastungen für die Wirtschaft fehlt, überlasse ich eurer Vorstellungskraft. Denkt mal scharf nach.

Allgemein kommt in jedem zweiten Satz „Arbeitsplätze“ vor und in jedem Absatz mindestens einmal eine Formulierung à la „Dies und das schafft Arbeitsplätze.“. So zum Beispiel Mobilität, Innovationen, Investitionen, Bildung und so weiter. Jaja, wenn ich auf nem öffentlichen Klo pissen gehe und daneben ziele schafft das auch Arbeit für die Putzfrau, ich geb‘ aber nicht damit an.
… Nicht, dass ich das schon mal getan hätte. Gerade weil die meisten öffentlichen Klos ja nur noch alle Jahrhunderte mal immer wieder geputzt werden.

Worauf ich im Großen und Ganzen eigentlich hinaus will, ist etwas, das mir und vielen anderen eigentlich immer wieder auffällt, auffallen muss, so drastisch wie diese Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist.
Ich rede von der Verflachung politischer Inhalte, Disskusionen und Programme.
Egal, welche der großen Parteien ich mir ansehe, überall sehe ich nur oberflächlichen Schund, Arschlöcher die versuchen, sich der Öffentlichkeit irgendwie gut zu präsentieren, als würden sie sich als Produkt selbst verkaufen wollen. Imagepolitur, ein falsches strahlendes Lächeln der gebleichten Zähne, ein bisschen Händeschütteln hier und da und sich grinsend vor jede Kamera schmeißen, die irgendwo auftaucht. Psychische Prostitution für Wählerstimmen.
Gleichzeitig werden die Inhalte nach meinem Empfinden immer gehaltloser. Was habt ihr uns schon alle noch groß zu sagen? „Wir brauchen Arbeitsplätze, wir müssen wettbewerbsfähig sein, wir müssen sparen, wir müssen der Wirtschaft helfen. Das und das ist ist böse, richtig scheiße, die anderen sind die Hitlers der Moderne und wir sind die Guten!“
Jaja, schön auswendig gelernt. Und das rattert jeder Politiker jedweder Partei runter, immer schön die anderen diffamieren und sich selbst positiv präsentieren, immer schön palavern, was alles zurechtgerückt werden muss in diesem Land.
Aber WIE ihr das anstellen wollt, das sagt mir irgendwie kein Schwein. Und das will ich wissen, bevor ich auch nur drüber NACHDENKE, euch zu wählen.
Ehrlich gesagt würde ich es dann wahrscheinlich immer noch nicht tun, weil ich euch dann trotzdem noch nicht vertraue – Das müsstet ihr euch erstmal verdienen.
Und soll ich euch was sagen?
Davon seid ihr weit entfernt. Und ihr rast im Eiltempo noch weiter weg.
Womit ausdrücklich nicht nur die FDP gemeint ist, die ich zwar für ein Pack von verlogenen Lobbyisten halte, aber die auch nur als Prügelknabe herhalten musste, weil sie das Pech hatte, mir in die Quere zu kommen.
Ob CSU/CDU, ob Grüne, SPD oder Linke, am Ende kommt ihr eh alle auf den gleichen Schwachsinn, ihr verkauft ihn uns nur anders.
Ernsthaft, wenn ihr die Machtelite seid, wenn ihr unsere Spitzenpolitiker seid, dann müssen wir uns ja schämen vor anderen Nationen. Und vor uns selbst, weil wir euch immer wieder wählen.

Wir können ja auch kaum aus. Was sollen wir auch machen, wenn jede der großen Parteien sich in das gleiche oberflächliche, inhaltlose, populistische Gelaber verrennt und darüber hinaus kein wirkliches Programm mehr zu bieten hat?
Ihr alle, ihr seid mir viel zu gleich. Ihr habt mir zu wenig Courage. Zu wenig Mut, auf den Tisch zu hauen und endlich mit der Schwarzweißmalerei und der ganzen Schönfärberei aufzuhören, zu wenig Integrität, auch mal unschöne Dinge klar und deutlich auszusprechen und nicht zu verschleiern, mal abzuweichen von der Einheitsmeinung, die möglichst alle politischen Zielgruppen ansprechen und befriedigen soll, weil euch die Analysten das sagen.
Ihr seid mir einfach viel zu wenig echt.
Und ich mag naiv sein, vielleicht sogar ein bisschen utopisch – aber ich glaube, das würde vielen, sehr vielen Leuten inzwischen gefallen, wenn sich das mal ändern würde.

Für’s Erste, begnügen wir uns mit einem kleinen gemeinen Scherz:
Wenn ihr mal auf jemanden trefft, der für die FDP Werbung macht, fragt ihn doch lächelnd, was er davon hält, dass bayerisches Starkbier inzwischen mehr Prozent hat als seine Partei.
Und macht ein Foto von seinem Gesichtsausdruck, damit ich mitlachen kann.

Ich brauch‘ jetzt jedenfalls erstmal ein Glas Whisky.

Die wahre Ursache für Klimakatastrophen Montag, Jul 12 2010 

So, die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei, die Welt wird langsam wieder nüchtern, und wir alle schauen uns um und stellen fest, wie beschissen unser normales Leben uns jetzt wieder hämisch entgegengrinst.
Und was da so alles abgegangen ist, während wir nicht aufgepasst haben, weil unser Fokus ganz darauf lag, was sich so in Südafrika abspielt. Natürlich nicht außerhalb der Stadien. Das wäre ja keine Unterhaltung.
Über Sparpakete mit einem lächerlich dünnen Anstrich sozialer Gerechtigkeit über einem bittersüßen Kern aus schmackhaftem Lobbyismus und cremigem Neoliberalismus, über Rauchverbote in Bayern, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass sämtliche Shisha-Bars und -Cafés und damit auch meine Stammbar nach derzeitigem Stand der Dinge am 1. August schließen müssen (Vielen Dank, ihr Schweine.) oder ein Gesundheitsreförmchen, das als politisches Unterfangen von gewaltiger Brillianz propagiert wird und doch nicht mehr als ein Zeit und Geld verschlingender Rohrkrepierer ist, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter reden.
Ich unterstelle euch nämlich einfach mal genug Intelligenz, um diese Punkte ohne ausschweifende Erklärung zu verstehen und trotz der am anderen Ende der Welt ausgetragenen Weltmeisterschaft einer Sportart davon gehört zu haben.
Um es zusammenzufassen: Wir sind am Arsch.
Echt am Arsch.
Einem fetten, haarigen, schlecht geputzten Arsch.
Immer noch, immer wieder und immer mehr.
Aber das kennen wir ja alles schon zur Genüge, und ich werde euch nicht wieder und wieder vorjammern, warum genau und wie sehr wir im Arsch sind.
Sind wir nämlich.
Richtig.
Richtig hart.
Natürlich werde ich euch schon von Zeit zu Zeit ein bisschen daran erinnern, wann, wo und wie wir unsere Nase ein Stück weiter zwischen die Backen drücken und Vorschläge machen, was man tun sollte/könnte/müsste, um sie wieder ein bisschen rauszuziehen und normale Luft zu atmen.
Aber ab und zu braucht der Mensch ja auch etwas, über das er lachen kann. Es sei denn, ihr gehört zu der seltenen Gruppe der sehr begabten Menschen, die darüber lachen können, wie sehr wir alle, sie eingeschlossen, am Arsch sind (Und das sind wir.) – in dem Fall beneide ich euch.
Ich nämlich brauche dafür andere Dinge. Sonst dreh‘ ich wirklich nochmal durch und hau alles kurz und klein, was mich an dieser Welt aufregt.
Und dann ist nicht mehr wirklich viel übrig. Nicht mal ich selbst.

Und ich habe für diesen Zweck – und jetzt kommt’s – soulsaver.de für mich entdeckt.
Ihr wisst schon, diese Seite der ultrakonservativen Christen, für die ACDC des Teufels Advokaten sind, die euch nur vom Pfad der Erlösung abbringen wollen.
Die Zeit, in der man sich gegenseitig Links zu witzigen youtube-videos geschickt hat, ist endgültig vorüber, Lolcats und der Pedobear sind Schnee von gestern – heutzutage geht man auf soulsaver.de und liest sich einige Artikel durch, um sich den Arsch abzulachen!

Deshalbe richte ich hiermit auch höchst feierlich und extra zu diesem Zweck den soulsaver-tag ein und liefere euch den ersten Artikel einer in Zukunft hoffentlich beständigen Serie mit persönlichen Kommentaren zu den geistigen Ergüssen, die mir dabei so unterkommen.

Und das erste, was ich da für euch ausgegraben habe, ist gleich Bullshit von allerfeinster Qualität und Konsistenz. Damit lege ich mir die Latte von Anfang an extrem hoch, aber ich bin zuversichtlich, dass diese Leute es schaffen, noch dämlicheren Schwachsinn zu verzapfen.

Nämlich ein schon etwas betagterer Artikel vom 03.09.2005, in dem es unter anderem um die Flutkatastrophe geht, die damals New Orleans getroffen hat. Ihr erinnert euch?
Schön.
Es geht los mit dem einprägsamen Titel –

Tut Buße!

Ja, ganz recht.

Was muss eigentlich noch alles geschehen, damit ihr aufwacht?

Keine schlechte Einleitung, das könnte von mir sein.

Fällt euch nicht auf, wie sich die Naturkatastrophen häufen und immer schlimmer werden? Das Jahr fing mit der schlimmsten Flutwelle aller Zeiten an, und jetzt wird wahrscheinlich eine ganze Stadt durch die Fluten vom Erdboden vertilgt werden. Und zwar nicht irgendein Städtchen in einem Dritte-Welt-Land, sondern eine Metropole der mächtigsten Nation der Welt! Das sind im wahrsten Sinne des Wortes biblische Ausmaße!

… das wiederum nicht, schon alleine, weil ich nie das Wort „biblisch“ benutzen würde.
Kann übrigens irgendjemand bestätigen, dass sich Naturkatastrophen in Häufigkeit und Schwere wirklich häufen/steigern? Hat da jemand Statistiken zur Hand oder so etwas? Würde mich interessieren – mir wurde nämlich immer wieder überzeugend dargelegt, dass das nicht der Fall ist, sondern ein Eindruck, der den Menschen dadurch suggeriert wird, dass inzwischen praktisch immer irgendwo ein Kamerateam in der Nähe ist, wenn ein Kamel in der Wüste etwas zu laut furzt.
Wir sehen Klimakatastrophen von überall, rund um die Welt in den Nachrichten. Schon klar, dass da ab und zu mal etwas passiert.
Mit „schlimmste Flutwelle aller Zeiten“ ist übrigens der Tsunami in Thailand vom 26.12.2004 gemeint, der ohne Zweifel verheerende Folgen hatte. Die Formulierung dieser Superlative an sich ist allerdings eine Übertreibung… im wahrsten Sinne des Wortes „biblischen Ausmaßes“.

New Orleans wurde „The Big Easy“ („Die große Leichtlebige“) genannt. Ausgelassenheit prägte die Atmosphäre der Stadt.

Oh yeah. Was für eine Stadt.

Aber nicht eine erfrischende, saubere Ausgelassenheit, sondern eine, in der Sünde toleriert und sogar gutgeheißen wurde.

… Ich hab’s kommen sehen.
Ich frage mich, was die Leute von soulsaver.de als „erfrischende, saubere Ausgelassenheit“ bezeichnen würden. Ich muss gerade an alte Frauen in der Kirche denken, die Feuerzeuge in die Höhe halten und „Wenn das Brot, das wir teilen“ mitgröhlen, sich die Kleider vom Leib reißen und dem Priester ihre Stützstrümpfe gegen Krampfadern auf den Altar werfen.
Da sind mir Besoffene und Prostituierte wirklich lieber.
Aber halt!
Denn wenn sie von Sünde schreiben, meinen sie ja gar nicht das!
Sondern…

Genau in der Zeit, in der der Hurrikan „Katrina“ zuschlug, nämlich vom 31.08. bis 05.09., sollte in New Orleans das Homosexuellenfest „Südliche Dekadenz“ mit Zehntausenden Teilnehmern stattfinden.

Ja!
Lasst euch das auf der Zunge zergehen!
Im wahrsten Sinne des Wortes göttliches Timing, was?

Wurde die Stadt deswegen verwüstet? Dieses Urteil zu fällen, steht uns nicht zu. Wir können natürlich die Experten fragen „Ist es wegen der Klimapolitik der USA?“ oder „Ist es wegen der schlechten Koordination der Katastrophenhilfe“? und schnell ein paar Schuldige suchen. Aber was bringt das? Wie soll das die Not der Betroffenen lindern? Fragen wir doch nicht soviel „Warum“, sondern mehr „Wozu?“, um wirklich tiefgreifende Lektionen für die Zukunft zu lernen!

Die Schuldigen haben wir doch – die Schwulen waren’s! Hängt sie auf!
Und das Warum und Wozu ist dann ja in diesem Fall auch klar – Um die Schwulen wegzuspülen!
Case closed.

Aber das „Wozu?“ macht nur Sinn, wenn es einen Gott gibt. Einen Gott, der das Unglück zugelassen hat, damit wir etwas lernen. Was sollten wir daraus lernen? Die Bibel gibt uns Antwort! Das biblische Buch mit den meisten Naturkatastrophen ist die Offenbarung. Hier wird immer wieder das Augenmerk darauf gelenkt, dass die Menschen daraufhin nicht Buße taten:

„Und die übrigen der Menschen, welche durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten nicht Buße von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht anbeteten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die ehernen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können.“ (Offenbarung 9,20)

„Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offenbarung 16,9)

„…und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offenbarung 16,11)

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht ist, die Menschen durch solche Katastrophen zur Buße zu bewegen! Und Buße (griech. metanoia) bedeutet nicht, mal schnell religiös zu werden und Gott nur in der Not um ein bißchen Linderung anzuflehen. Es bedeutet, von Grund auf umzudenken, deine ganze Einstellung Gott gegenüber zu verändern, nicht mehr frech von Ihm zu fordern, sondern dich Seinem Urteil über dein Leben zu stellen und dich unter Seinen Willen zu demütigen!

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht war, Schwule umzubringen.
Gott ist irgendwie echt ein ziemlich fieses Arschloch.
Aber wenn Gott nun diese paar Schwulen umbringt und sie in ihrer Sündigkeit tötet, womit sie ja in die ewige Hölle fahren, um uns alle zum Umdenken zu bewegen und uns den Weg ins Paradies zu gewähren…
… ist er dafür irgendwie immer noch ein Arschloch.

Im Übrigen demütige ich mich vor niemandem. So ein lächerlich minderwertiges Selbstbild habe ich dann doch nicht.

Und was habe ich dann davon? Weißt du, Gott schickt diese Katastrophen über die Menschen, um sie vor der allergrößten Katastrophe zu bewahren: einer Ewigkeit ohne Ihn.

Außer die Schwulen natürlich, die bringt er um und schickt sie damit genau in die andere Richtung.

Könnte er ja auch alles einfacher haben, wenn er akzeptieren würde, dass manche Männer andere Männer mehr liebhaben als andere Frauen.
Kämen auch mehr Leute in den Himmel. Und alle wären wir glücklicher. Die Schwulen und Gott, weil er sie ja eigentlich im Himmel haben will.

enn am Ende der Offenbarung heißt es:

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.[…] Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offenbarung 20,12.15)

Da sitzt dann Gott und liest in seinem Buch, und unter DEINEM Namen steht nur in Schriftgröße 72 „SCHWUL“. Jesus zu seiner Rechten zieht an einem Hebel und du stürzt hinab direkt in die Hölle.
Der Nächste tritt vor, und Gott liest in seinem allwissenden Buch des Lebens, wie viele Weiber der so flachgelegt hat, gibt ihm High Five und öffnet ihm die Himmelstore.
Danach tritt ein katholischer Priester vor – Gott liest in seinem Buch, Jesus zieht am Hebel und er stürzt in die Tiefe…

Wach endlich auf aus deiner Leichtlebigkeit, in der du Gott einen guten Mann hast sein lassen und die Ewigkeit nicht ernst genommen hast!

Wach endlich auf ist gut, auf den Rest dürft ihr meinetwegen scheißen.
Und wenn Gott kein guter Mann ist, der nicht will, dass ihr euer Leben hier und jetzt ernst nehmt und das Beste daraus macht, für euch und eure Mitmenschen, ganz egal, was danach kommt…
Dann ist Gott echt ein ziemlich fieses Arschloch.

Und wir treffen uns dann hoffentlich in der Hölle.
Ich werde nämlich auf jeden Fall da sein.

Was also lernen wir aus der ganzen Geschichte?
Kurz und knackig: Klimaerwärmung gibt es nicht, wir haben keinen Einfluss auf die Natur, wir sind nicht schuld daran, wenn sich solche verheerenden Ereignisse (vermeintlich) häufen.

Klimakatastrophen sind einfach, wenn Gott versucht, Schwule umzubringen.

Denkt nur mal darüber nach! Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann!
Deepwater Horizon – mit Sicherheit war da ein schwuler Arbeiter auf der Ölbohrplattform, und Gott lenkt das Öl jetzt an alle Küsten, an denen sich fröhliche freilaufende Schwule genüsslich in ihrer Sündigkeit tummeln.
Der Tsunami von 2004 – Irgendwo war da bestimmt ein Schwuler! Oder auch einer von denen, die hinfahren, um sich mal für ein paar Euro ein vierzehnjähriges thailändisches Mädchen zu gönnen.
Wie viele katholische Priester sind bei dem Tsunami damals eigentlich umgekommen?

Und nicht zuletzt natürlich The Big Easy.
Überlegt mal, ihr könnt da eine klare Linie durch die ganze Menschheitsgeschichte ziehen, seit Adam und Eva.
Und in Zukunft heißt es dann Sodom, Gomorrha und New Orleans.

Das ist ein gutes Motto, das skandieren wir das nächste Mal, wenn wir den ersten Schwulen am Baum in der Dorfmitte aufhängen.
Denn was riefen schon die Kreuzritter, als sie in die Schlacht ritten?

„Gott will es!“

Konzertrückblick: ACDC in Wels, 22.05.2010 Freitag, Jul 2 2010 

Ja, ich weiß.

Das hat verdammt lange gedauert und es ist mittlerweile ewig her, trotzdem liefere ich jetzt doch mal meinen kleinen Rückblick auf das ACDC-Konzert in Wels am… 22.05.2010, wenn ich mich richtig erinnere.
Einerseits, weil mir langweilig ist und ich heute zu fertig und abgewrackt bin, um noch großartig etwas zu unternehmen, andererseits, weil ich zu faul bin, etwas Anspruchsvolles zu schreiben… und weil ich mich grade mit ACDC-songs zudröhne und in süßen Erinnerungen schwelge.
Außerdem habe ich vor Kurzem erst die Fotos und Videos bekommen, die meine Schwester gemacht hat… und die sind zum großen Teil scheiße, deshalb werd‘ ich ein bisschen mit youtube-videos von anderen Konzertbesuchern aushelfen. ;]

Unsere Geschichte, meine Freunde, beginnt am 24.12.2009.
An jenem Weihnachtsabend nämlich, als ein festlich-zynisch gestimmter Eden zusammen mit seiner zugehörigen parasitären Lebensform Freundin in deren Elternhaus das Fest der Nächstenliebe beging.
Was besagter Eden nicht wusste und auch nicht im Geringsten erwartete, war, dass die Eltern seiner Freundin ihm nicht nur irgendwie Socken oder irgendetwas aus dem 1-Euro-Laden schenken würden, sondern sich über besagte Freundin mit seinen Eltern und Geschwistern abgesprochen und zusammengelegt hatten, um eine Karte für das ACDC-Konzert in Wels zu kaufen, samt Gutschein für „Verpflegung“ (Damit ist natürlich ausdrücklich flüssige Verpflegung gemeint.).
Entsprechend fiel auch Edens Reaktion aus. Ich glaube, ich war noch nie so kurz davor, den Satz „Ich liebe dich.“ in den Mund zu nehmen.
Den ich bis zum heutigen Zeitpunkt nur in Bezug auf… naja, ACDC, bestimmte Italo-Western und seit Kurzem Thomas Müller verwendet habe.
Noch besser wurde das Fest der materialistischen Nächstenliebe dann, als der werte Herr Eden zusammen mit Freundin in der Einfahrt des eigenen Elternhauses vorfuhr, um den Rest des Abends dort zu verbringen – und sein sichtlich alkoholisierter Bruder aus der Tür stürzte und „ACDC!“ schrie.
Stellte sich heraus, dass man nicht nur ihm, sondern dass seine Freundin, meine Schwester und ihr Ehemann sich bei dieser Gelegenheit gleich selbst ebenfalls Karten bestellt hatten.
Damit war also eine unheilige Allianz aus HardRock-Fanatikern und Säufern geboren, die Monate später in die tiefen, unzivilisierten Weiten Österreichs aufbrach.

An diesem Punkt spulen wir einfach mal vorwärts.
Damit verpassen wir ohnehin nur die Autofahrt mit vielen absurden Gesprächen über schlechte österreichische Autobahnen, Transsexualität bei Kleinkindern (ich sehe mich außer Stande, den Ursprung dieses Gesprächsthemas zu erklären… ) und unzähligen unsäglich schlechten regionalpatriotischen Witzen von Bayern über Österreicher.

Wir stoppen also einfach mal an dem Punkt, wo wir uns auf dem Parkplatz unweit des Konzertgeländes befinden und die drei Vorbands nacheinander ihre Auftritte hinlegen.
Dazu muss ich sagen, die habe ich allenfalls im Hintergrund gehört, während wir uns auf dem Parkplatz etwas Alkohol zugeführt, mit österreichischen Fans darüber gestritten haben, warum ihr „Bier“ nicht mal den Namen verdient, wenn man es mit dem bayrischen Repertoire vergleicht, unsäglich zugerichtete Dixie-klos bestaunt, darüber diskutiert haben, was passiert wäre, wenn Frauen den zweiten Weltkrieg geführt hätten…


… oder uns gefragt haben, wie blöd man sein muss, mehr als achtzig Euro für eine Karte zu blechen, wenn man sich unmittelbar vor dem Auftritt der Band ins Koma säuft.

Übrigens waren die Bewohner von Wels sehr einfallsreich, was das Unterfangen anging, mit dem Konzert Geld zu verdienen oder es auch ohne Karten zu erleben.
Mein persönlicher Favorit:

Erst als die dritte Vorband sich seit etwa einer Viertelstunde abmühte, etwas Leben in das Publikum zu bringen, das zum größten Teil nur stoisch auf den Auftritt von Angus und Co. wartete, setzten auch wir uns langsam in Bewegung und boxten uns durch zunehmend dichter werdende Fanmassen (Ihr könnt das ruhig als zweideutige Formulierung verstehen.).
Dabei kamen wir dann zum Beispiel auch hieran vorbei:


Und jetzt stellt euch vor, ihr wärt eine billige Schlampe, die sich da drin von einem der Bandmitglieder flachlegen lässt.
Totally worth it.

Naja, jedenfalls mussten wir nicht mehr lange warten, als wir uns bis zu einer akzeptablen Position vorgekämpft hatten.
Dazu muss ich allerdings noch eine Erkenntnis aussprechen, die zwar alles andere als neu ist, sich mir auf dem Weg dorthin aber wieder einmal bestätigt hat;

Rockbands haben die absolut schärfsten weiblichen Fans der ganzen Musikbranche. Hautenge Lederkleidung und blinkende Teufelshörner sind eine unschlagbare Kombination.
Da kann jeder Rapper mit seinen billigen fettärschigen Nutten einpacken.
Wenn ich nicht so ein moralisches Weichei wäre, hätte die Tatsache, dass meine Freundin sich selbst keine Karte für das Konzert gekauft hat, ganz schnell nach hinten losgehen können.
Oder um es mit den Worten meines Bruders und meines Schwagers auszudrücken:

„Schau dir diese Schlampen an. Würden normalerweise alle nur fünf Euro kosten.“
„Und sie wären jeden Cent wert.“

Den Blick meiner Schwester nach dieser Antwort überlasse ich eurer Fantasie.

Nunja.
Nach einigen amüsanten Darstellungen, was exzessiver Alkoholkonsum so alles anrichten kann – wie zum Beispiel von jemandem, der mitten in einer Menschenmenge seinen Schwanz auspackt und einem anderen ans Hosenbein pisst, oder ein anderer, der auf den Dächern einer Reihe Dixie-klos herumspringt und sich sehr ästhetisch brutal auf die Fresse gelegt hat (ich weiß, das ist gemein, aber mein Bruder und ich haben uns bei dem Anblick kaputtgelacht.) – kam dann auch schon das, worauf ich… nunja… daran gemessen, dass mein Bruder mir mit sechs Jahren damals die erste selbst zusammengestellte Kassette mit ACDC-songs vorspielte… dreizehn Jahre lang gewartet hatte;


Und hier nochmal das Intro bei einem anderen Konzert, schöner zu sehen, für diejenigen unter euch, die’s nicht kennen. (Und ja, schämt euch was.)

Ich werde jetzt nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, dazu ist meine Erinnerung zu verwaschen, auch ohne wirklich exzessiven Alkoholkonsum.
Zudem ist Stimmung und Atmosphäre hier ohnehin nicht in Worte zu fassen für diejenigen, die nicht anwesend waren. Das wäre ja, wie einem Blinden ein farbenprächtiges expressionistisches Gemälde zu erklären.
Oder Gott in Worte zu fassen. Denn „Gott“ ist ja letztendlich auch nur ein Wort, ein Versuch des Menschen, einer Hypothese, die seine Vorstellungskraft übersteigt, irgendetwas Greifbares aufzuzwingen.
Letztlich wäre beides irgendwie unvollständig, ein Abglanz, nicht vergleichbar mit dem Objekt der Beschreibung.

Ich kann euch allerdings zum Beispiel erzählen, dass gerade zu Beginn des Konzerts das wechselhafte Wetter noch einmal stark umschlug und es wie aus Eimern zu pissen begann.
Und ich kann euch erzählen, dass das die Stimmung, zumindest in meiner Umgebung, keineswegs gedrückt, sondern nur noch mehr angeheizt hat. Ich könnte auch sagen, dass es zwischenzeitlich ein – zwei Minuten tatsächlich gehagelt hat. Ich könnte hinzufügen, dass auch das die Fans nur noch mehr dazu gebracht hat, auszurasten und sich die Seele aus dem Leib zu schreien.
Ich könnte beschreiben, wie es war, als nach „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ kurz die Bühne verdunkelt wurde und mitten in die Pause hinein ein Blitz die Szenerie erhellte, man Donnergrollen hörte und DANN Thunderstruck begann, als wäre Gott persönlich in Wels gewesen und hätte mitgerockt (Erklär mir das mal, soulsaver.)
Ich könnte versuchen, in Worte zu fassen, wie das Publikum ausgerastet ist, als Angus Young zu „The Jack“ seinen Striptease hingelegt hat oder wie dieser sich während seines minutenlangen Solos wie so oft regelrecht in einen Rausch spielte.

Ich könnte auch über die absolut geile Bühnenshow besonders beim traditionell letzten Song „For Those About To Rock“ philosophieren.

Aber wenn ihr nicht dabei wart, dann vermittelt euch auch das alles nur einen völlig unzureichenden Eindruck, den höchstens die Videos ein klitzekleines Bisschen wettmachen können.

Stattdessen… hm.
Stellt euch einfach vor, ihr reitet auf einer gen Boden rasenden Atombombe, zwischen euren Beinen Megatonnen an Zerstörungskraft, euer Ziel eine zusammengepferchte Menschenmasse in der Einöde, wo alle verhassten Dummschwätzer, gehirnlosen mediengeilen Affen und egozentrischen Narzissten dieser Gesellschaft versammelt sind, wo Dieter Bohlen, Detlef D Soost und Heidi Klum sich zusammen mit der ganzen B-Prominenz-schar versammelt haben, die sie aus der Unterwelt ins Rampenlicht dieser Existenzebene beschworen haben, wo populistische und offen bestechliche Politiker zusammen mit denjegen, die ihnen das Geld in den Arsch schieben, darüber lachen, wie sie uns verarschen, wo Tausende und Abertausende für das Programm der Fernsehsender Verantwortliche und alle Redakteure, Journalisten und Fotografen der BILD zusammentreffen – und alle zusammen von einer gewaltigen Schar der hirnlosen Zombies bejubelt werden, deren flachgeistige Unterhaltungssucht, Gleichgültigkeit und Sensationsgeilheit uns immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben.
Und während ihr singend und jubelnd und kreischend auf der Atombombe gen Ziel rast, lässt Gott selbst, zu seiner Rechten der grinsende Bonn Scott, aus den Wolken, seinen himmlischen Subwoofern, wie eine zynische Ankündigung „Highway to Hell“ in trommelfellzerfetzender Lautstärke ertönen.

Jetzt stellt euch vor, wie ihr euch in diesem Moment fühlt, kurz bevor ihr aufschlagt und all diese hirnlosen Zombies, die darauf aus sind, euer Hirn zu fressen, mit einem Schlag niedergemäht und pulverisiert werden.
So ungefähr dürft ihr euch meine Stimmung während dieses Konzerts vorstellen.
Wenn ihr das könnt, ohne das euer Kopf explodiert vor so viel Geilheit.

Das ist jedenfalls der treffendste Vergleich, dessen ich fähig bin.

Von so einem Erlebnis wieder runterzukommen ist ungefähr genau so schwer wie nach so einem Hauptteil jetzt auf einen würdigen Schluss überzuleiten.
Ich könnte nämlich noch vieles über dieses Konzert sagen, obwohl es schon so lange her ist. Ich könnte von Schlammschlachten auf dem Konzertgelände erzählen und vom Versuch, am Schluss raus zu kommen, ohne bis zu den Knien im Morast zu versinken, oder davon, wie am Ende noch das Ergebnis das Champions-League-Finales durchgegeben wurde und die Österreicher in kollektiven Jubel über die Niederlage der Bayern ausgebrochen sind.
Zum Glück bin ich ja kein Bayern München-Fan.

Das Meiste davon würde euch allerdings überhaupt nicht interessieren, denn ich würde nur in eine Wiederholung überdrehter Metaphern und Vergleiche und fortlaufende Beteuerung der Geilheit des Konzerts verfallen.
Also lassen wir das, denn ich denke, davon beherbergt dieser Artikel genug.

Und ihr könnt sicher sein, wenn sich das nächste Mal die Gelegenheit bietet, ACDC live zu sehen (Ich vermute, dass es in naher Zukunft irgendwann auch mal die letzte Gelegenheit sein wird.) – Ich werde da sein.
Und verdammt nochmal, nächstes Mal werde ich meine Schwester überreden, ihren achtjährigen Sohn mitzunehmen, den mein Bruder und ich schon zu einem kleinen ACDC-Fan erzogen haben.
Immerhin ist das ja auch ein durchaus pädagogischer Zweck.

Wenn der einmal auf so einem Konzert war, dreht ihn kein Tokio Hotel-Song der Welt mehr um.

Werbung, die Zweite. Samstag, Jun 26 2010 

Weil mir grade so unglaublich langweilig ist und ich irgendwie mal wieder auf das Thema gebracht wurde – und nicht zuletzt weil wir hier Aktivität brauchen – habe ich mich entschlossen, den ursprünglichen Artikel, wo ich mich über diverse gehirnzellenvernichtende Werbeideen auslasse, um eine Episode zu erweitern.
Vielleicht wird da ja sogar eine Serie draus.
Weiß nicht, ob sich irgendjemand regelmäßig audiovisuellen Durchfall und unverkennbare Zurschaustellung der morbiden Werte einer verfallenden Gesellschaft zu Gemüte führen will.
Aber immerhin schauen sich ja auch immer noch diverse Bevölkerungskreise Casting-shows an.
Ich bin also optimistisch.

Legen wir los… und zwar mit einem meiner persönlichen Lieblinge;

Ja, ProSieben.
Die mit ihrer erbarmungslosen Selbstbeweihräucherung und wiederkehrender Inszenierung langweiliger B-prominenz (als da wären „Topmodels“, „Popstars“ oder Moderatoren von Sendeformaten wie taff oder dem immer tiefer sinkenden Galileo) mittlerweile selbst dem geneigtesten Zuschauer gehörig auf den Sack gehen sollten.
Wobei dieser Werbespot für mich einen weiteren traurigen Höhepunkt an Dummheit, Arroganz und Niveaulosigkeit darstellt.
Oder, um die Zitate zu benutzen, die eigentlich keines bissigen Kommentars mehr bedürfen, um sie lächerlich zu machen (was mich nicht davon abhalten wird, es trotzdem zu tun);

Brilliantere Farben für mehr Leidenschaft!
Bessere Kontraste für höhere Spannung!
Deutlich mehr Pixel für stärkere Gefühle!

Wow! Nicht wahr? Was HD nicht alles kann. Da werden sogar mittelmäßige bis bodenlos schlechte Filme nur durch die Optik zum Kracher!
Kein Wunder, dass dann selbst so begähnenswerte Hollywoodprodukte wie „Hitch – Der Date Doktor“ in der Werbung drei Wochen im Voraus großspurig als MEGABLOCKBUSTER angekündigt werden müssen, um dem gerecht zu werden.
Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo der Begriff „Blockbuster“ Filmen vorbehalten war, die WIRKLICH herausragend erfolgreich waren. Die alten Star Wars-Filme. Indiana Jones (natürlich auch nur die alten Teile).
Filme eben, die zu ihrer Zeit wirklich für leere Straßenblocks gesorgt haben.
Wenn dann sogar Hitch durch HD-TV zum MEGABLOCKBUSTER wird, muss das ja wirklich eine große Sache sein.
Ich frage mich, wie sie das bei der inflationären Nutzung dieses Wortes noch toppen wollen. ULTRABLOCKBUSTER – HYPERBLOCKBUSTER – M-M-M-MONSTERBLOCKBUSTER?

Ich bleib‘ dann einfach bei „guten Filmen“, danke.

Mal ganz davon abgesehen, muss ich wirklich noch sagen, was ich an den zitierten Zeilen so beklagenswert finde?
Nehmen wir mal als Beispiel einen Haufen Scheiße am Straßenrand. Ihr könnt alle nach draußen gehen und euch einen Haufen Scheiße suchen, wenn ihr wollt. Oder ihr macht selber einen.
Jetzt fragt euch, wenn ihr zwei Fotos von diesem Haufen Scheiße hättet, das eine undeutlich und verpixelt, das andere gestochen scharf – würde das was daran ändern, dass ihr euch gerade einen Haufen Scheiße anseht? Bietet der Haufen Scheiße auf dem qualitativ besseren Foto mehr Leidenschaft? Mehr Spannung? Oder mehr Gefühle?

Nein?

Und dieser Haufen Scheiße ist Hitch der Date Doktor.
Und jeder andere Film, der auf HD so viel besser ist.
Optische Qualität ändert einfach nichts an bestenfalls durchschnittlichem oder mangelhaftem Inhalt.
Sollte es jedenfalls nicht.
Wie so oft scheint das aber ein Großteil der Gesellschaft anders zu sehen als ich.

Nunja. Sei’s drum. Was hätten wir denn da noch so…

Zugegebenermaßen wird dieser Spot schon etwas länger nicht mehr gezeigt. Ich fand ihn halt einfach nur so berauschend blöd, dass ich euch damit quälen wollte.
Wo sonst bekommt ihr von einem sprechenden Hasen mit Professorenkomplex die Grundzüge umweltfreundlichen Wirtschaftens so anschaulich erklärt?
Dass die industrielle Revolution in der Landwirtschaft großflächig zur Verschlechterung der Qualität unseres Bodens geführt hat, von Versalzung über Verschmutzung bis zu Nährstoffarmut, und wir damit ein paar interessante Probleme für die nähere Zukunft haben, klammern wir dabei mal aus. Denn unser schlauer Hase erklärt den dummen Menschen: Aus Getreide kann man immer wieder Brot machen! Und es ist unendlich verfügbar!
Zumindest für uns hier. Bei zwei Dritteln der Menschheit sieht’s vielleicht ein bisschen anders aus.
Aber macht euch nichts draus – Auch Menschen sind unendlich verfügbar! Denn sie wachsen nach!

Etwa genau so, wie Bäume im verfickten Sekundentakt voll ausgewachsen aus dem Boden schießen.
Also was regt ihr euch auf, ihr kiffenden ungewaschenen Öko-Fuzzis? So schnell kommt kein Holzfäller mit seiner Kettensäge nach wie das hier überall wuchert.
Deshalb ja auch immer wieder die erschreckenden Berichte über den Regenwald, der sich jeden Tag weiter ausbreitet und die natürlichen Lebensräume von Menschen zerstört.
Ich finde ja irgendwie allgemein, Gewalt ist keine gute Sache und so. Gegen Menschen nicht, gegen Tiere erst recht nicht – vielleicht höchstens gegen Franzosen.
Aber ich würde diesem Hasen so gerne einfach nur in die Fresse hauen.

Man beachte übrigens auch die interessante Wortwahl, wo unser Hase stolz erklärt, dass Tetrapacks „überwiegend“ aus Holz bestehen.
Zu 50,0001% etwa. Der Rest sind hochgiftige synthetische Klebstoffe, geschredderte Tierknochen und wiederverwertete Brennstäbe.

Und schließlich möchte ich zum Abschluss noch die kleine Geschichte erzählen, wie ich neulich durch eine Seitengasse vom Stadtplatz Richtung Auto flanierte und an einem Musikgeschäft vorüberging, in dessen Schaufenster diverse Plakate hingen – unter anderem eines mit einem voller Enthusiasmus Saxophon spielenden etwa Acht- bis Zehnjährigen und der Aufmerksamkeit heischenden Überschrift „WIR BILDEN IHRE KINDER ZUM ERFOLG AUS!“

So ist das nämlich.
Lassen wir doch das ganze Gelaber von wegen Persönlichkeitsentfaltung und Talentförderung oder von Musik als einer Kunstform zum Ausdruck von Emotionen. Das wollen Eltern heutzutage doch alles gar nicht mehr hören.
Mein Kind soll doch nicht irgendein blödes Instrument lernen, weil es das will! Oder weil es Spaß daran hat!
Es soll Erfolg haben! Es soll Geld verdienen! Es soll berühmt werden! Es soll heroinsüchtig werden und jede Menge billige Groupies mit Geschlechtskrankheiten flachlegen, für die Unterwäsche ein Fremdwort ist! Und dann soll es sich erschießen und mir alles vermachen!
Damit ich sagen kann, ich hab‘ dieses traurige Genie gezeugt.
Kann ich mir mal ganz großzügig selbst auf die Schulter klopfen.
Auch wenn ich damals eigentlich nur besoffen und rattenscharf war und mich auf die „Ich zieh‘ ihn vorher raus.“-verhütungsmethode verlassen habe, um das Geld für’s Kondom zu sparen.

Danke, ich hab‘ genug.
Ich gehe jetzt E-gitarre spielen.

Vielleicht setz‘ ich mir auch ’nen Schuss und treib’s mit drei Schlampen gleichzeitig.

Flaute. Flaute überall. Samstag, Jun 19 2010 

Äh…

Ja.

Hier läuft momentan nicht viel, nicht wahr?

Aber ich hab‘ ein paar halbwegs gute Entschuldigungen parat, ausnahmsweise. Wenn ich mich für irgendwas, was ich tue, entschuldigen würde.
Was ich nicht tue.

Es ist auf jeden Fall nicht so wie früher, wo die Motivation nach kurzer Zeit steigender Aktivität wieder brutal absackte, bis ich den Blog quasi vergessen habe.
Eigentlich hätte ich schon noch einige Ideen im Hinterkopf, die abgearbeitet und niedergeschrieben wollen, aber irgendwie bin ich derzeit hin und hergerissen zwischen diversen banalen Tätigkeiten, die meine ach so kostbare Freizeit verschlingen wie Tine Wittler das Süßigkeitenlager, dass die psychischen Exhibitionisten auf RTL in ihren vier Wänden versteckt haben.
Meine Tine Wittler ist eine Mischung aus vielerlei mehr oder weniger interessanten Beschäftigungen.
Zum einen steht in meinem Zimmer seit Neuestem eine E-Gitarre herum, die ich mir nach längeren Zweifeln, ob ich dafür wirklich die nötige Langzeitmotivation aufbringen kann, zugelegt habe. Und wenn ich gezwungen werde, zwischen euch und meiner E-Gitarre zu entscheiden… diesen Kampf könnt ihr einfach nur verlieren.
Dann wollen wir natürlich nicht verschweigen, dass ich die letzten Wochen mit Arbeit in jedweder Form förmlich überhäuft wurde – Jaja, cry cry so sad, ich weiß, aber ich will ja gar kein Mitleid erschleimen. Ich habe nur einfach, wenn ich abends entweder mit Muskelkater und Ganzkörpersonnenbrand wie vor zwei Wochen oder pochenden Kopfschmerzen und scheißschlechter Laune wie die letzten Tage auf dem Zahnfleisch nach Hause krieche, meistens nicht mehr viel Lust auf etwas anderes als fressen und schlafen.
Und E-Gitarre spielen.
Und vielleicht Fußball schauen. Denn das raubt einem ja momentan auch einen bemerkenswerten Anteil der Freizeit. Selbst wenn man mit dem allgemeinen Hype nicht viel am Hut hat und nicht heulend in der Ecke sitzt, wenn Deutschlands Weltmeisterambitionen ins Wanken geraten.
Dann wäre da auch noch ein bisschen zeitintensives Rumwerkeln in den zukünftigen eigenen vier Wänden. Denn der Eden dürfte ja in etwa einem halben Jahr umziehen. Und wenn man ohnehin in seiner Jugend als Sohn eines Zimmerermeisters das ein oder andere gelernt hat, was gibt es da Näherliegenderes, als sein eigenes Zimmer auch selbst herzurichten?
Es nicht zu tun natürlich.
Aber ich bin immerhin die billigste Arbeitskraft, die mein alter Herr hat.
Der Pole der Familie, sozusagen.
Nur mit Fachwissen.

Den ganzen anderen Mist wie aufmerksamkeitsbedürftige neoamazonische Rasurfaschistinnen, ab und zu mal was Entspannendes wie Pokerrunden, DVD-abende und/oder Alkoholkonsum mit anderen Menschen, lesen, schreiben und so weiter erwähne ich nur mal am Rande.

Ihr seht – mein Leben dümpelt momentan so ein bisschen vor sich hin ohne nennenswerte Erkenntnisse, Erfahrungen oder Gedankengänge, über die sich zu berichten lohnen würde. Oder die Zeit, das zu tun.
Da kann ich nur sagen, die Hypothese, dass steigende Arbeitslosigkeit – trotz Sicherung der Existenz durch den „Sozialstaat“ – zu politischer Instabilität führt und gesellschaftliche Betäubungsmittel wie Lena, die WM oder andere verlockende Aktivitäten ohne bemerkenswerte Tiefgeistigkeit der Regierung eine dringend benötigte Verschnaufpasse vor Unzufriedenheit in der Bevölkerung verschaffen, hat mit Sicherheit was für sich.
Ich bin der lebende Beweis.
Ich warte ohnehin schon darauf, dass der Bevölkerung irgendein politischer Knüppel des John Holmes-Kalibers in den Arsch geschoben wird, während sie so beschäftigt damit ist, Jogi Löws Schwanz zu lutschen, dass sie das gar nicht merkt. Bis sie geschluckt hat und wieder auf der Straße steht, um auf den nächsten Freier zu warten.
Ich gebe zu, obszöne Fickmetaphern haben auch ihre Grenzen.

Jedenfalls ist das der Grund, warum hier momentan mit einer kleinen Flaute gekämpft wird. Weil einfach Flaute IST. In meinem Leben. Irgendwie.
Aber naja, auch das ändert sich wieder.
Und immerhin ist morgen ja auch Sonntag.
Und sonntags hat man frei. Normalerweise.

Außerdem habe ich gerade Meinhard Miegels EXIT – Wohlstand ohne Wachstum zu Ende gelesen und halte den Inhalt und die dort entwickelten Gedankengänge durchaus für erwähnenswert.
Vielleicht eine kleine Buchrezension also.

Wir werden sehen.

Red Dead Redemption Mittwoch, Jun 9 2010 

Videospiele, die mich wirklich mitreißen, sind ja tatsächlich sehr selten.
Überraschenderweise ändert sich das bis jetzt auch nicht dadurch, dass sie ja generell mit dem Fortschritt der technischen Möglichkeiten (Aspekte der Grafik mal außen vor gelassen, der optische Fetischismus nicht weniger Videospieler in meinem Bekanntenkreis bleibt mir nach wie vor unverständlich) immer komplexer werden und die Grenze des Machbaren immer weiter nach oben verschoben wird.
Alles in allem kann ich da für den Zeitraum der jüngeren Vergangenheit eigentlich nur Bioshock 2 und Mass Effect 2 nennen.
Und seit Kurzem Red Dead Redemption.

Das mag daran liegen, dass ich ein offensichtliches Faible für das Genre der Italo-Western habe, zugegeben.
Aber vor allem liegt das, wie bei den beiden anderen Beispielen, glaube ich, an Story und Inszenierung, an einer Botschaft, die vielleicht vermittelt wird, an einer Umsetzung, die qualitativ an gute Filme und Bücher heranreicht, an vielen kleinen Details und Besonderheiten, die sich zusammenfügen und in meinen Augen eine großartige Geschichte ergeben.
Und damit sehe ich in diesem Fall Grund genug, euch seit meinen Gedanken zu Bioshock 2 mit meiner zweiten persönlichen Rezension zu einem Videospiel zu langweilen.

Dabei lässt sich RDR am Anfang Zeit, viel Zeit, um auf Touren zu kommen. Nachdem die Credits am Spieler vorüberziehen, während er beobachtet, wie sich eine Eisenbahn, in der der Protagonist John Marston sitzt und die Gespräche der anderen Passagiere verfolgt, ihren Weg durch die Landschaft bahnt, wird man von einem herrlich skurrilen alten Mann nach Fort Mercer geführt.
Kurz gesagt, wird man dort dann nach einer höflichen Konversation mit einem alten Kumpel niedergeschossen und liegengelassen.
Da wäre das Spiel dann also vorbei, wenn’s im alten Westen neben Outlaws, Nutten und jeder Menge grenzdebiler Gestalten nicht auch noch ein paar ehrliche Menschen gäbe, wie die Farmerin Bonnie MacFarlane, die Marston kurzerhand auf ihre Kutsche wirft und zu ihrer Ranch bringt.

John Marston: Natürlich, und nochmals danke, dass Sie mir das Leben gerettet haben.
Bonnie MacFarlane: Beim nächsten Mal, Mr. Marston, möchte ich Ihnen dringend empfehlen, nicht ganz so ernsthaft zu versuchen, es einfach wegzuwerfen.
John Marston: Werde es mir merken.

Immer noch befinden wir uns nach diesem Einstieg prinzipiell im Tutorial, denn nachdem der Spieler erwacht, wird er neben der erfreulichen Tatsache, dass er am Leben ist, auch mit der Erkenntnis konfrontiert, dass Miss MacFarlane sage und schreibe fünfzehn Dollar hingeblättert hat, um das Blei aus ihm rausholen zu lassen.
Und weil man ihr dafür ja dankbar und ein eigentlich grundanständiger Kerl ist, macht man sich daran, auf der Ranch ein bisschen auszuhelfen und lernt nebenbei viele der Dinge, die man später im Spiel so braucht – Reiten, schießen, Pferde zähmen, Kuhherden treiben, solche Sachen eben.
Erst nach und nach erfährt Bonnie, erfahren andere Charaktere, die man während des Spiels trifft – und damit der Spieler, so weit er es noch nicht durch Trailer und allerlei Informationen im Vorfeld weiß – was es mit der Begegnung im Intro auf sich hat. Warum ein Mann lebensmüde genug ist, allein vor die Tore des Verstecks einer Bande zu treten, die die ganze Region terrorisiert, und ihren Anführer herauszufordern.
Es ist eine Geschichte, die zugleich den Untergang des „alten Westens“ widerspiegelt. Man erfährt von der Vergangenheit Marstons, von seiner Mitgliedschaft in einer zu ihrer Zeit berüchtigten Bande von Gesetzlosen, die ihr Handeln mit einer Art verdrehter Robin Hood-Moral gerechtfertig haben – den Reichen nehmen, den Armen geben. Dabei scheint ihr Anführer zunehmend in Verbitterung und Misanthropie verfallen, das Ganze immer mehr von ausufernder Gewalt geprägt worden zu sein.
Schließlich kommt es dazu, dass Marston bei einem verpatzten Überfall niedergeschossen und liegen gelassen wird, da man ihn für tot hält.
Dieser wiederum, desillusioniert durch die Taten seiner Freunde und dadurch, zurückgelassen worden zu sein, beschließt, dies als Chance zu nutzen und sich zusammen mit seiner Frau, eine ehemaligen Prostituierten und ebenfalls Mitglied der Bande und dem gemeinsamen Sohn einem ehrlichen Leben zu widmen.

Doch die Illusion, die Vergangenheit einfach abschließen und hinter sich lassen zu können, wird schließlich eindrucksvoll als solche bloßgestellt, als Agenten einer Regierungsbehörde, eine Art Vorgänger des modernen FBI, Frau und Kind gefangennehmen und Marston für ihre Zwecke einspannen – das Leben deiner ehemaligen Freunde für das deiner Familie und deine eigene Existenz.
Weigert er sich, sind sie tot. Und er selbst würde für seine Taten in der Vergangenheit zur Rechenschaft gezogen.

Diese Geschichte führt den Charakter zuerst nach Fort Mercer, wo einer seiner ehemaligen Freunde inzwischen selbst eine Bande gegründet hat, und nach der ersten missglückten Begegnung von der Ranch aus durch den gesamten Staat, über die Grenze nach Mexiko und wieder zurück.
Hier nimmt das Spiel nach dem gemächlichen, aber durchaus nicht langweiligen Einstieg so richtig Fahrt auf. Marston selbst wird innerhalb seines Ziels, seine ehemaligen Freunde zu finden und gefangen zu nehmen oder zu töten, in immer größere Ereignisse verwickelt, bis hin zu einer Revolution im krisengeschüttelten Mexiko, die sich schlussendlich als genau so fruchtlos herausstellen sollte wie „die zwei oder drei davor“. Skurille, abgedrehte Charaktere drücken sich die Klinke in die Hand und gehen Marston meist schwer auf die Nerven, bevor er von ihnen bekommt, was er braucht; Da wäre der notorische Betrüger Nigel West Dickens, der von Stadt zu Stadt reist und den Menschen ein Wunderelixier andreht, das angeblich von Impotenz über Verdauungsstörungen bis hin zu Depressionen alle menschlichen Gebrechen heilt, der heruntergekommene Seth, der auf der Jagd nach einem ominösen Schatz Frau, Kind, Beruf und Verstand verloren hat und eine sehr fragwürdige Einstellung zum Umgang mit Toten hat, der Alkoholiker Irish, der quasi nie nüchtern anzutreffen ist oder Abraham Reyes, der pseudopoetische Frauenheld und Revolutionär, der es liebt, in der Begeisterung der Masse zu baden und sich später als nicht wesentlich besser als die Tyrannen herausstellt, gegen die er anfänglich kämpft.
„Normale“ Charaktere sind in Red Dead Redemption quasi eine Rarität, gerade häufig genug, dass der Spieler es genießen kann, ab und zu auch mit Menschen zu tun zu haben, die einen Verstand haben und diesen benutzen. Vielleicht gerade deshalb auch meine Lieblingscharaktere – namentlich Bonnie MacFarlane, Marshall Leigh Johnson und der alternde Revolverheld Landon Ricketts.

Während man sich also so durch den Wilden Westen schlägt und mit solcherlei Personen verbündet, um Hilfe bei der Jagd auf seine alten Freunde zu erhalten, werden nicht selten auch einige nachdenklichere Töne angeschlagen, die sich wohltuend von den Kampfhandlungen während der Missionen abheben und vielleicht auch ein bisschen Bezug zu unserer Zeit haben.
Ich denke da zum Beispiel an Marshall Johnson, ein fähiger und – selten genug – ehrlicher Gesetzeshüter, der sich über die stetig zunehmende Einmischung der amerikanischen Bundesregierung in lokale Angelegenheiten erbost oder an der Benutzung eines Telefons verzweifelt.
Dieser Widerstreit zwischen dem alten Westen und der Modernisierung und fortschreitenden Zivilisierung ist ein Thema, das immer wieder mal, auch gegen Ende hin, als man den Anführer seiner ehemaligen Bande, Dutch van der Linde, in die Enge gedrängt hat, aufgegriffen wird. Hier muss man beachten, dass der Handlungszeitraum mit dem Jahr 1911 für einen Western doch reichlich spät angesiedelt ist, was dem Konflikt zwischen Moderne und althergebrachter Lebensweise aber sehr zugute kommt.
Man sieht diesen Konflikt nicht nur an Marshall Johnson, der mit den neueren Entwicklungen nicht mehr ganz Schritt halten will und kann, sondern auch an der Eisenbahn, vielleicht wie in „Spiel mir das Lied vom Tod“ DAS Symbol für die Zivilisierung des Westens und das Einläuten der Moderne.
Denn sie ermöglicht nicht nur viel schnelleres und bequemeres Reisen, sondern verdrängt auf einer viel emotionaleren Basis gewissermaßen das Gefühl der Freiheit der ansässigen Bevölkerung und der Endlosigkeit des Westens.
Letzten Endes sind es aber nur wenige, die sich dagegen zur Wehr setzen und/oder auf der Strecke bleiben. Der Großteil findet sich mit diesen Entwicklungen ab und akzeptiert auch die Tatsache, dass der Fortschritt nicht nur Vorteile bringt, wie am Beispiel von Tumbleweed zu sehen ist, einer ehemals florierenden Stadt, die verlassen wurde und zugrunde ging, nachdem sie im Schienennetzwerk nicht berücksichtigt wurde.
Genau so offensichtlich wird dieser Kontrast, wenn der Spieler vom Prärienest Armadillo nach Blackwater, der Hauptstadt des fiktiven US-Staates New Austin reist. Wo staubige Trampelpfade durch gepflasterten Straßen ersetzt werden, Verladekräne am Hafen die ersten Automobile absetzen und vollautomatische Waffen verfügbar sind. (Ich persönlich bin immer bei den Revolvern geblieben, trotz eventueller Nachteile bei Reichweite und Durchschlagskraft etc pp. Alles andere fühlte sich einfach nicht richtig an. =P)

Und nicht zuletzt verleiht das Ende des Spiels dieser ganzen Thematik bis zur letzten Konsequenz einen würdigen Abschluss.
Denn John Marstons Weg endet nicht, nachdem alle seine ehamligen Freunde tot sind und er zurück bei seiner Familie ist. Wie am Anfang des Spiels reihen sich nun diverse friedlichere Missionen aneinander, die das Leben als Rancher thematisieren – Kuhherden treiben, Pferde zähmen, auf die Jagd gehen, mit der Kutsche zur Ranch der MacFarlanes aufbrechen und ihnen Vorräte liefern.
Hier lernt der Spieler die Familie Marstons, für die dieser die ganze Handlung über gekämpft hat, überhaupt erst kennen, seine Frau, seinen Sohn, den alten schrulligen Kerl namens Uncle, der vielleicht ein kleines bisschen wie eine Vaterfigur für John Marston ist. Konflikte sind unübersehbar und verständlich, aber es wird deutlich, dass die verschiedenen Personen dabei sind, sich zusammenzuraufen und ihr neues Leben aufzubauen.
Hier könnte das Spiel durchaus ein sentimentales Happy End abliefern, aber gerade diese Ruhe und Friedlichkeit der letzten Missionen führt ein bisschen zu dem unwohligen Gefühl, das noch ein Höhepunkt kommt, ein letzter Paukenschlag sozusagen.
Und er kommt.
Denn das, wovor praktisch alle Charaktere John Marston gewarnt haben, tritt irgendwann unweigerlich ein. Mit der Vergangenheit einfach abzuschließen, ist eine Illusion, an die er sich bis zuletzt festgeklammert hat, ohne auf die Stimmen zu hören, die ihn überzeugen wollten, dass er sich durch seine Taten während der Spielhandlung nicht einfach davon loskaufen kann.
Am Ende holt sie ihn ein, und die selben Bundesagenten, die damals seine Familie festgehalten haben, rücken mit einem ganzen Trupp der US-Kavallerie an, um den letzten großen Outlaw der alten Zeit zur Rechenschaft zu ziehen.
Erst nachdem Uncle im darauffolgenden Schusswechel auf dem Gelände der Ranch getötet wird und er sich mit Frau und Sohn in die Scheune zurückzieht, scheint auch John Marston selbst zu erkennen, was ihm der Anführer seiner ehemaligen Bande zuvor noch zu erklären versucht hatte – dass die Zeit der Outlaws vorbei ist, dass der alte Westen mit der Modernisierung untergeht und die Orte, an denen er sich dem Zugriff der Regierung entziehen und sich verstecken kann, immer seltener werden. Er erkennt in letzter Instanz, dass sie ihn immer jagen werden, und dass es für ihn kein neues Leben und keine zweite Chance geben kann.
So verhilft er seiner Frau und seinem Sohn zur Flucht, schickt sie mit dem Pferd durch den Hinterausgang der Scheune, und die Tatsache, dass sie nicht angegriffen werden, scheint seinen Gedankengang zu bestätigen. Es geht nur um ihn.
Besser ohne ihn leben, als mit ihm hier zu sterben.
Er selbst zieht daraus den Schluss, dass es nur eine Möglichkeit gibt, es zu beenden – Er tritt durch das Scheunentor nach draußen, wo sein Exekutionskommando schon mit den Waffen im Anschlag wartet, und stellt sich damit dem, was früher oder später sowieso eintreten würde, wie lange er auch zu fliehen versucht.

John Marstons letzter Gang und Tod sind in dieser Hinsicht nicht nur fantastisch inszeniert und profitieren davon, dass man im Laufe des Spiels wirklich eine starke Verbindung zu ihm aufbaut, es ist in gewisser Weise auch ein Symbol, dass die ganze Thematik rund um das einbrechende Zeitalter der Moderne zum Abschluss bringt – mit dem Tod einer der letzten Legenden des damaligen Westens durch die Hand von Agenten, die den Einfluss der Bundesregierung immer weiter zu stärken versuchen. Es ist ein Abgesang auf eine Ära und die Konflikte, die so ein Wechsel der Zeitalter mit sich bringt.
Denn natürlich hält der zivilisatorische Fortschritt allerlei Segnungen für die Menschen bereit, aber es wird im Spiel auch immer wieder angedeutet, dass das Misstrauen der lokalen Bevölkerung gegenüber der Bundesregierung nicht von ungefähr kommt, dass sich ihr Leben trotz aller Fortschritte nicht entscheidend verbessert hat.
Und nicht zuletzt stellt sich die Frage nach einer moralischen Revolution – denn am Ende sind die Bundesagenten, die die Familie eines Mannes entführen, ihn zwingen, ihre Arbeit zu erledigen und ihn danach hintergehen, kaum besser als die Banditen, die an anderer Stelle des Spiels Bonnie MacFarlane entführen und die Herausgabe eines ihrer gefangenen Brüder fordern.
Ist es also eine Verbesserung, oder am Ende nur die selbe morbide Doppelmoral in schönerem Gewand?
Darüber könnte man vermutlich endlos philosophieren, aber das würde den Rahmen hier sprengen und soll ja auch nicht Zweck einer Rezension sein.

Noch tragischer wird das Ende, wenn man die allerletzte Mission des Spiels mit einbezieht, in dem man einige Jahre später – nach dem Tod auch seiner Mutter – John Marstons Sohn Jack spielt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den für den Tod seines Vaters verantwortlichen Bundesagenten, inzwischen im Ruhestand, aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.
Als er ihn stellt, findet er weder Reue noch Verständnis für seinen Zorn vor, ganz im Gegenteil. Der Bundesagent Edgar Ross ist das Sinnbild eines Menschen, der seine moralische Verantwortung an höhere Instanzen abgibt und sich im Nachhinein keiner Schuld bewusst ist.

Mit seinem Tod endet Red Dead Redemption und die Credits setzen ein. Dabei wird die Stimmung in diesem Moment von dem Stück „Dead Man’s Gun“ hervorragend getroffen und bildet für mich den Höhepunkt eines genialen Soundtracks;

In gewisser Weise tritt Rockstar damit dem Spieler nach dem Schlag in die Eier, der John Marstons Tod war, noch einmal in die Rippen, wenn er am Boden liegt.
Denn hier wird offensichtlich, dass Jack am Ende genau den Weg einschlägt, vor den sein Vater ihn bis zu seinem Tod mit allen Mitteln bewahren wollte.
Ein entschiedeneres Gegenteil zu einem Happy End kann ich mir nur schwer vorstellen.

Alles in allem, wenn mich das Spiel nicht schon vorher gefesselt und vollends überzeugt hätte, würde es spätestens nach diesem Ende einen Ehrenplatz in meiner Sammlung erhalten.
Den hat es jetzt allemal sicher.

„Zeit der Amateure“ oder die Eigendynamik der Verdummung Donnerstag, Jun 3 2010 

Ab und zu empfinde ich ja trotz meiner unfassbaren Abneigung gegen des Verhalten des Homo Sapiens innerhalb größerer Herden so etwas wie Hoffnung.
Oder zumindest weniger Verzweiflung, könnte man sagen.

Manchmal geschieht so etwas, wenn irgendein politischer Sonderschülervorstoß im Keim erstickt wird, sei es durch Protest der Bevölkerung, durch Widerstand der regierenden Parteien oder durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.
Selten betrifft es auch Dinge, Situationen, Begebenheiten, wo unsere Gesellschaft beweist, dass außer Lifestyle- und Prominentenobsession, Ficken und Saufen und seichter Unterhaltung auch noch andere Werte vorhanden sind.
Ab und zu sind das auch persönliche Sachen.

Dann kommt es durchaus vor, dass ich mich ein paar Momente zurücklehne und vor mich hingrinse wie ein bettnässendes Balg.
Manchmal hab‘ ich dann sogar den Rest des Tages gute Laune!
Man stelle sich vor!
In einer Vielzahl von Fällen ist es dann zwar meistens so, dass der kleine Funken Hoffnung unter einem massiven Haufen Scheiße begraben wird und erlischt.
Aber so ist das Leben eben.

Zugegeben, beim Zeitung lesen kommt das alles wirklich selten vor, da finde ich mit viel höherer Wahrscheinlichkeit mehrere Nachrichten, bei denen ich mir unwillkürlich so ein aufblasbares Stehaufmännchen zum Verprügeln wünsche.
Aber auch das gibt es noch.

Nämlich zum Beispiel in der heutigen Zeitung auf Seite 2, ein Leitartikel verfasst von einem gewissen Prof. Dr. Martin Balle, der darin ein Thema behandelt, über das ich so oder so demnächst schreiben wollte.
Und wenn das jemand anders schon treffend formuliert hat, umso besser.
Immerhin gewinne ich da doppelt – ich sage, was ich sagen will, und ich muss selbst nicht so viel schreiben.
Fuck yeah.
Zudem trifft es der werte Prof. Dr. Balle meiner Meinung nach ziemlich gut und umreißt ein unglaublich komplexes Thema doch sehr präzise, was mir nicht so leicht gefallen wäre, vermute ich.
Aber immerhin ist er ja ein Prof.
Und dazu noch ein Dr.!

Wie dem auch sei, wer Augen hat, der lese:

Zeit der Amateure

In seiner zauberhaften Erzählung „Narziss und Goldmund“ lässt Schriftsteller Hermann Hesse seine Figur Goldmund, der entgegen dem im Geistprinzip stehenden Narziss die Lust am Leben verkörpert, auch der Kunst begegnen. In einer Kirche sieht der Landstreicher und Streuner Goldmund eine wunderbar geschnitzte Marienfigur und so verdingt sich der Hochbegabte für drei Jahre bei deren Schöpfer, dem Meister Niklaus, um auch selbst die Schnitzerei zu erlernen. Das Gesellenstück Goldmunds, eine Figur nach dem inneren Bilde seines Freundes Narziss, ist zugleich sein Meisterstück. Goldmund liebt das Leben aber zu sehr, um beim Leisten des Schnitzers zu bleiben, er zieht weiter, und doch weiß er am Schluss: „In der Kunst und im Künstlersein lag für Goldmund die Möglichkeit einer Versöhnung seiner tiefsten Gegensätze, oder doch eines herrlichen, immer neuen Gleichnisses für den Zwiespalt seiner Natur. Aber die Kunst war kein reines Geschenk, sie war nicht umsonst zu haben, sie kostete sehr viel, sie verlangte Opfer.“
Wie ein Märchen mutet dagegen die Geschichte unserer Lena an, die mit einem einzigen Lied ohne jede musikalische Auzsbildung, nicht in drei Jahren, sondern in drei Monaten, ins Rampenlicht einer europäischen Öffentlichkeit gestoßen wurde. Dabei ist es nicht nur außergewöhnlich, wie sympathisch dieses 19-jährige Mädchen im Gesangswettbewerb des Grand Prix d’Eurovision den ersten Platz errang, sondern vor allem auch, mit welcher intuitiven Souveränität sie auf die anschließende Massenbegeisterung in Deutschland reagierte.
Solches darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, welche Bürde ihr so von unserer hysterisierten Medien-Öffentlichkeit auf ihren Lebensweg mitgegeben wird. Es ist kaum zu glauben, in welcher Art dieses junge Mädchen von den Medien in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wird: Da werden bei Lenas Rückkehr nach Hannover Sondersendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen anberaumt und selbst die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet ihren Leitartikel vom Montag dem neuen Superstar unter dem Titel „Unser Mädchen“, die Sonderseite im Innenteil trägt die BILD-ähnliche Überschrift „Du bist Deutschland“, während das Feuilleton auf seiner ersten Seite beschwört: „Herkules oder Die Marke Raab: Jetzt müssen wir ihn ernst nehmen.“
Eher trägt da freilicht der an anderer Stelle gebrachte Vergleich von Lenas Promoter Stefan Raab mit dem sagenhaften König Midas, dem sich alles zu Gold verwandelt, was er berührt. Denn diese Sage erzählt immerhin auch von der Kehrseite solchen Vorzugs, nämlich der Seelenlosigkeit, zu der diese Verwandlungskunst führt. Der überehrgeizige Stefan Raab, der nach erfolgreicher Berufsausbildung und abgebrochenem Jura-Studium erst beim Musiksender Viva seine scheinbar feinsinnigere Bestimmung fand, erscheint dabei als der typische Repräsentant eines Teils unserer Gesellschaft, die im vergnügten, aber doch immer bloß vordergründigen Spiel alle tieferen Sinnbezüge des Lebens vor sich selbst verbirgt. Der Ansatz von Raabs Show ist so immer konsumptiv, er verbraucht Leben, niemals wird es wirklich von innen her in seiner eigentlichen Bedeutungsfülle erfasst. Dazu passt auch gut Lenas eigener Satz: „Vor einem halben Jahr war noch nichts, und jetzt ist Es (!) so groß“, der die Ausgangsfrage der Philosophie: „Warum ist nicht nichts, sondern vielmehr etwas?“ ins blanke Gegenteil verkehrt. Es war nie nichts, und es ist auch jetzt nicht so groß, möchte man dem lieben Mädchen zurufen, aber das allgemeine Mediengetöse würde einen schnell zum Schweigen bringen. „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ war vor Jahren ein schöner Filmtitel, den man als einfaches Gegenbild vor solches Treiben stellen wollte. Aber wo am Montagmorgen gleichzeitig Angela Merkels fernseh-besorgter Blick auf die anschwellenden Fluten der Oder die einzige politische Botschaft aus Berlin in denselben Zeitungen war, ist es nicht ganz unverständlich, dass in Krisenzeiten die Menschen zu den kleinen Freuden des Alltags immer hysterischer Zuflucht nehmen. Spätestens wenn Deutschlands Fußballer in der Vorrunde Australiens Zwergenmannschaft in Grund und Boden gespielt haben werden, werden in München wieder die Massen über die Leopoldstraße ziehen, als habe man im Endspiel gerade gegen Maradonnas Argentinien gewonnen.
Es gibt schon einen Zusammenhang zwischen der Oberflächlichkeit der Politikangebote heute, einer von innen her erodierenden Gesellschaft, die sich immer schwerer tut, das Maß für ein gelungenes Leben zu finden, und einer Medienwelt, die diesen Prozess wechselseitiger Erosion verstärkt, statt ihn kritisch zu hinterfragen. Es ist ein merkwürdiges Paradox, dass in den Sonntagsreden der Politik eine Wissensgesellschaft und nachhaltige Ausbildung regelmäßig beschworen werden, während der gesellschaftliche Trend ganz gegenteilig zu einer Instant-Kultur verkommt, die in bewusstloser Unmittelbarkeit Leben bloß noch genießen will. Als der 17-jährige Boris Becker vor gefühlten 2000 Jahren im Aktuellen Sportstudio in wunderbarer Unbefangenheit nach seinem ersten Wimbledon-Sieg dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker so großartig begegnete, hatte er immerhin seine ganze Kindheit der asketischen Strenge einer Ausbildung zum Tennisspieler unterworfen und empfing jetzt den berechtigten Lohn für solche entbehrungsreiche Zeiten. Wo Angela Merkel und Christian Wulff sich heute fernsehgerecht über Lenas Erfolg freuen, dienen sie sich auch in schönen Bildern einer Gesellschaft an, an deren Entfremdungsprozess sie nicht unbeteiligt sind und der ihnen am Ende ihre Wiederwahl sichern soll. Wenigstens verhinderte der überraschende Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler Angela Merkels Besuch im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol nur zwei Tage nach ihrem bedeutungsschweren Blick auf die Hochwasser führende Oder.
Auch wie jetzt bei der Kandidatenauswahl für das Bundespräsidentenamt verfahren wird, macht da keine Ausnahme. Ursula von der Leyen ist für die Koalition vor allem deshalb von Vorteil, da sie sich medial bestens zu inszenieren versteht. Es wirft aber auch ein seltsames Licht auf die Politik, dass nach gerade erfolgtem Wechsel der Politikerin in ein neues wichtiges Ministerium, vom Familienministerium ins Arbeitsressort, der jetzt wieder vorzeitige Abschied nach kurzer Einarbeitungsphase gar kein Thema ist.
Interessant ist auch, dass unsere Medienwelt sich teilweise genauso ihrer professionellen und ernsthaften Vorbedingungen entledigt wie Politik und Gesellschaft. Wo das Internet mit seinen Blogs (Anm.: Welch Ironie.) und Chats immer mehr Aufmerksamkeit erhält, wird auch die Messlatte unserer Informationskultur tiefergelegt. Wo jeder alles ins Netz stellt und Aufmerksamkeit für sich einfordert, spricht die „Süddeutsche Zeitung“ ironisch vom „Web 0.0“ und der Journalist Nicholas Carr von einem „Kult der Amateure“. Für unseren derzeitigen Lieblingsamateur Lena aber wollen wir hoffen, dass der Kult um sie für sie gut ausgeht.

Ahja.
Nun, da steckt viel drin.
Über Lena Meyer-Landrut und Stefan Raab schweige ich mich aus, ich denke, von denen haben wir die letzten Tage genug gehört.
Mir geht es vielmehr um die Aspekte bezüglich Gesellschaft, Medien und Politik, die er anspricht.
Und wo ich jetzt irgendwie gerade scharf überlegen muss, wie ich richtig formuliere, hoffe ich, dass die Leserschaft begreift, was ich meinte, als ich eingangs die unüberschaubre Komplexität der Thematik erwähnt habe.
Da wären zum einen die Medien, über deren Entwicklung und aktuelles Erscheinungsbild ich in vergangenen Einträgen genug Worte verloren habe, denke ich.
Da wäre andererseits auch die Politik, die sich in der Öffentlichkeit ebenfalls immer flacher und inhaltsloser präsentiert. Wo es immer mehr darum geht, den Gegenspieler in ein negatives und sich selbst in ein postives Licht zu rücken, wo Polit-talkshows immer trivialer und wie ihre Gäste immer niveauloser werden, nimmt die Bedeutung der wirklichen Inhalte immer weiter ab. Zunehmend fällt einem da auf, dass die verschiedenen Parteien sich trotz aller Versprechen und verbalen Konfrontationen bei Prinzipienfragen inhaltlich doch überraschend ähnlich sind.
Von ihnen vertreten fühlt sich dann irgendwann kein Schwein mehr.
Da spricht man dann von „Politikverdrossenheit“, von mangelndem Interesse.
Ich würde eher von Desillusionierung und einem durchaus berechtigten Mangel an Vertrauen sprechen.

Und in der Mitte zwischen beiden, der Politik und den Medien, steht dann natürlich noch die Gesellschaft, sprich die Menschen, die sich irgendwo zwischen apathischer Hoffnungslosigkeit und der Zuwendung zu seichter, anspruchsloser Unterhaltung widerfinden, weil sie die Angewohnheit haben, sich früher oder später sowieso mit allem abzufinden.
Nicht nur erodiert diese Gesellschaft, wie Balle es so treffend formuliert, hinsichtlich ihrer Tiefsinnigkeit und Feingeistigkeit, sie verfällt auch hinsichtlich Allgemeinbildung und vor allem Moral.
Hinsichtlich ihrer Grundwerte.
Wo Politik und Medien immer von gewaltigen Herausforderungen und nahenden Katastrophen kreischen, schaltet die Gesellschaft irgendwann ab und wendet sich den letzten Bastionen von Spaß und Zerstreuung zu, die ihr bleiben. Die Medien unterstützen und bekräftigen diese Entwicklung, die Politiker passen sich der Flachgeistigkeit an und leisten oberflächliche Öffentlichkeitsarbeit, um sich gut darzustellen.
Und so bekräftigen sich alle Seiten gegenseitig, nur immer tiefer zu sinken.
Alle ziehen wir so unseren Vorteil daraus.
Alle gewinnen wir.
Und alle verlieren wir dadurch am Ende.

Und wer mir jetzt sagt, wie diese wechselseitige Spirale der Hirnlosigkeit aufgehalten oder wenigstens daran gehindert werden könnte, sich weiterzudrehen, dem blas‘ ich sofort einen.
Oder lecke sie.
Je nachdem.

Das wäre nämlich mein ganz persönlicher Heiliger Gral.

Aber vermutlich bleibt es, wie auch beim Echten, dabei immer nur bei einem Traum.

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