Die wahre Ursache für Klimakatastrophen Montag, Jul 12 2010 

So, die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei, die Welt wird langsam wieder nüchtern, und wir alle schauen uns um und stellen fest, wie beschissen unser normales Leben uns jetzt wieder hämisch entgegengrinst.
Und was da so alles abgegangen ist, während wir nicht aufgepasst haben, weil unser Fokus ganz darauf lag, was sich so in Südafrika abspielt. Natürlich nicht außerhalb der Stadien. Das wäre ja keine Unterhaltung.
Über Sparpakete mit einem lächerlich dünnen Anstrich sozialer Gerechtigkeit über einem bittersüßen Kern aus schmackhaftem Lobbyismus und cremigem Neoliberalismus, über Rauchverbote in Bayern, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass sämtliche Shisha-Bars und -Cafés und damit auch meine Stammbar nach derzeitigem Stand der Dinge am 1. August schließen müssen (Vielen Dank, ihr Schweine.) oder ein Gesundheitsreförmchen, das als politisches Unterfangen von gewaltiger Brillianz propagiert wird und doch nicht mehr als ein Zeit und Geld verschlingender Rohrkrepierer ist, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter reden.
Ich unterstelle euch nämlich einfach mal genug Intelligenz, um diese Punkte ohne ausschweifende Erklärung zu verstehen und trotz der am anderen Ende der Welt ausgetragenen Weltmeisterschaft einer Sportart davon gehört zu haben.
Um es zusammenzufassen: Wir sind am Arsch.
Echt am Arsch.
Einem fetten, haarigen, schlecht geputzten Arsch.
Immer noch, immer wieder und immer mehr.
Aber das kennen wir ja alles schon zur Genüge, und ich werde euch nicht wieder und wieder vorjammern, warum genau und wie sehr wir im Arsch sind.
Sind wir nämlich.
Richtig.
Richtig hart.
Natürlich werde ich euch schon von Zeit zu Zeit ein bisschen daran erinnern, wann, wo und wie wir unsere Nase ein Stück weiter zwischen die Backen drücken und Vorschläge machen, was man tun sollte/könnte/müsste, um sie wieder ein bisschen rauszuziehen und normale Luft zu atmen.
Aber ab und zu braucht der Mensch ja auch etwas, über das er lachen kann. Es sei denn, ihr gehört zu der seltenen Gruppe der sehr begabten Menschen, die darüber lachen können, wie sehr wir alle, sie eingeschlossen, am Arsch sind (Und das sind wir.) – in dem Fall beneide ich euch.
Ich nämlich brauche dafür andere Dinge. Sonst dreh‘ ich wirklich nochmal durch und hau alles kurz und klein, was mich an dieser Welt aufregt.
Und dann ist nicht mehr wirklich viel übrig. Nicht mal ich selbst.

Und ich habe für diesen Zweck – und jetzt kommt’s – soulsaver.de für mich entdeckt.
Ihr wisst schon, diese Seite der ultrakonservativen Christen, für die ACDC des Teufels Advokaten sind, die euch nur vom Pfad der Erlösung abbringen wollen.
Die Zeit, in der man sich gegenseitig Links zu witzigen youtube-videos geschickt hat, ist endgültig vorüber, Lolcats und der Pedobear sind Schnee von gestern – heutzutage geht man auf soulsaver.de und liest sich einige Artikel durch, um sich den Arsch abzulachen!

Deshalbe richte ich hiermit auch höchst feierlich und extra zu diesem Zweck den soulsaver-tag ein und liefere euch den ersten Artikel einer in Zukunft hoffentlich beständigen Serie mit persönlichen Kommentaren zu den geistigen Ergüssen, die mir dabei so unterkommen.

Und das erste, was ich da für euch ausgegraben habe, ist gleich Bullshit von allerfeinster Qualität und Konsistenz. Damit lege ich mir die Latte von Anfang an extrem hoch, aber ich bin zuversichtlich, dass diese Leute es schaffen, noch dämlicheren Schwachsinn zu verzapfen.

Nämlich ein schon etwas betagterer Artikel vom 03.09.2005, in dem es unter anderem um die Flutkatastrophe geht, die damals New Orleans getroffen hat. Ihr erinnert euch?
Schön.
Es geht los mit dem einprägsamen Titel –

Tut Buße!

Ja, ganz recht.

Was muss eigentlich noch alles geschehen, damit ihr aufwacht?

Keine schlechte Einleitung, das könnte von mir sein.

Fällt euch nicht auf, wie sich die Naturkatastrophen häufen und immer schlimmer werden? Das Jahr fing mit der schlimmsten Flutwelle aller Zeiten an, und jetzt wird wahrscheinlich eine ganze Stadt durch die Fluten vom Erdboden vertilgt werden. Und zwar nicht irgendein Städtchen in einem Dritte-Welt-Land, sondern eine Metropole der mächtigsten Nation der Welt! Das sind im wahrsten Sinne des Wortes biblische Ausmaße!

… das wiederum nicht, schon alleine, weil ich nie das Wort „biblisch“ benutzen würde.
Kann übrigens irgendjemand bestätigen, dass sich Naturkatastrophen in Häufigkeit und Schwere wirklich häufen/steigern? Hat da jemand Statistiken zur Hand oder so etwas? Würde mich interessieren – mir wurde nämlich immer wieder überzeugend dargelegt, dass das nicht der Fall ist, sondern ein Eindruck, der den Menschen dadurch suggeriert wird, dass inzwischen praktisch immer irgendwo ein Kamerateam in der Nähe ist, wenn ein Kamel in der Wüste etwas zu laut furzt.
Wir sehen Klimakatastrophen von überall, rund um die Welt in den Nachrichten. Schon klar, dass da ab und zu mal etwas passiert.
Mit „schlimmste Flutwelle aller Zeiten“ ist übrigens der Tsunami in Thailand vom 26.12.2004 gemeint, der ohne Zweifel verheerende Folgen hatte. Die Formulierung dieser Superlative an sich ist allerdings eine Übertreibung… im wahrsten Sinne des Wortes „biblischen Ausmaßes“.

New Orleans wurde „The Big Easy“ („Die große Leichtlebige“) genannt. Ausgelassenheit prägte die Atmosphäre der Stadt.

Oh yeah. Was für eine Stadt.

Aber nicht eine erfrischende, saubere Ausgelassenheit, sondern eine, in der Sünde toleriert und sogar gutgeheißen wurde.

… Ich hab’s kommen sehen.
Ich frage mich, was die Leute von soulsaver.de als „erfrischende, saubere Ausgelassenheit“ bezeichnen würden. Ich muss gerade an alte Frauen in der Kirche denken, die Feuerzeuge in die Höhe halten und „Wenn das Brot, das wir teilen“ mitgröhlen, sich die Kleider vom Leib reißen und dem Priester ihre Stützstrümpfe gegen Krampfadern auf den Altar werfen.
Da sind mir Besoffene und Prostituierte wirklich lieber.
Aber halt!
Denn wenn sie von Sünde schreiben, meinen sie ja gar nicht das!
Sondern…

Genau in der Zeit, in der der Hurrikan „Katrina“ zuschlug, nämlich vom 31.08. bis 05.09., sollte in New Orleans das Homosexuellenfest „Südliche Dekadenz“ mit Zehntausenden Teilnehmern stattfinden.

Ja!
Lasst euch das auf der Zunge zergehen!
Im wahrsten Sinne des Wortes göttliches Timing, was?

Wurde die Stadt deswegen verwüstet? Dieses Urteil zu fällen, steht uns nicht zu. Wir können natürlich die Experten fragen „Ist es wegen der Klimapolitik der USA?“ oder „Ist es wegen der schlechten Koordination der Katastrophenhilfe“? und schnell ein paar Schuldige suchen. Aber was bringt das? Wie soll das die Not der Betroffenen lindern? Fragen wir doch nicht soviel „Warum“, sondern mehr „Wozu?“, um wirklich tiefgreifende Lektionen für die Zukunft zu lernen!

Die Schuldigen haben wir doch – die Schwulen waren’s! Hängt sie auf!
Und das Warum und Wozu ist dann ja in diesem Fall auch klar – Um die Schwulen wegzuspülen!
Case closed.

Aber das „Wozu?“ macht nur Sinn, wenn es einen Gott gibt. Einen Gott, der das Unglück zugelassen hat, damit wir etwas lernen. Was sollten wir daraus lernen? Die Bibel gibt uns Antwort! Das biblische Buch mit den meisten Naturkatastrophen ist die Offenbarung. Hier wird immer wieder das Augenmerk darauf gelenkt, dass die Menschen daraufhin nicht Buße taten:

„Und die übrigen der Menschen, welche durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten nicht Buße von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht anbeteten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die ehernen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können.“ (Offenbarung 9,20)

„Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offenbarung 16,9)

„…und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offenbarung 16,11)

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht ist, die Menschen durch solche Katastrophen zur Buße zu bewegen! Und Buße (griech. metanoia) bedeutet nicht, mal schnell religiös zu werden und Gott nur in der Not um ein bißchen Linderung anzuflehen. Es bedeutet, von Grund auf umzudenken, deine ganze Einstellung Gott gegenüber zu verändern, nicht mehr frech von Ihm zu fordern, sondern dich Seinem Urteil über dein Leben zu stellen und dich unter Seinen Willen zu demütigen!

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht war, Schwule umzubringen.
Gott ist irgendwie echt ein ziemlich fieses Arschloch.
Aber wenn Gott nun diese paar Schwulen umbringt und sie in ihrer Sündigkeit tötet, womit sie ja in die ewige Hölle fahren, um uns alle zum Umdenken zu bewegen und uns den Weg ins Paradies zu gewähren…
… ist er dafür irgendwie immer noch ein Arschloch.

Im Übrigen demütige ich mich vor niemandem. So ein lächerlich minderwertiges Selbstbild habe ich dann doch nicht.

Und was habe ich dann davon? Weißt du, Gott schickt diese Katastrophen über die Menschen, um sie vor der allergrößten Katastrophe zu bewahren: einer Ewigkeit ohne Ihn.

Außer die Schwulen natürlich, die bringt er um und schickt sie damit genau in die andere Richtung.

Könnte er ja auch alles einfacher haben, wenn er akzeptieren würde, dass manche Männer andere Männer mehr liebhaben als andere Frauen.
Kämen auch mehr Leute in den Himmel. Und alle wären wir glücklicher. Die Schwulen und Gott, weil er sie ja eigentlich im Himmel haben will.

enn am Ende der Offenbarung heißt es:

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.[…] Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offenbarung 20,12.15)

Da sitzt dann Gott und liest in seinem Buch, und unter DEINEM Namen steht nur in Schriftgröße 72 „SCHWUL“. Jesus zu seiner Rechten zieht an einem Hebel und du stürzt hinab direkt in die Hölle.
Der Nächste tritt vor, und Gott liest in seinem allwissenden Buch des Lebens, wie viele Weiber der so flachgelegt hat, gibt ihm High Five und öffnet ihm die Himmelstore.
Danach tritt ein katholischer Priester vor – Gott liest in seinem Buch, Jesus zieht am Hebel und er stürzt in die Tiefe…

Wach endlich auf aus deiner Leichtlebigkeit, in der du Gott einen guten Mann hast sein lassen und die Ewigkeit nicht ernst genommen hast!

Wach endlich auf ist gut, auf den Rest dürft ihr meinetwegen scheißen.
Und wenn Gott kein guter Mann ist, der nicht will, dass ihr euer Leben hier und jetzt ernst nehmt und das Beste daraus macht, für euch und eure Mitmenschen, ganz egal, was danach kommt…
Dann ist Gott echt ein ziemlich fieses Arschloch.

Und wir treffen uns dann hoffentlich in der Hölle.
Ich werde nämlich auf jeden Fall da sein.

Was also lernen wir aus der ganzen Geschichte?
Kurz und knackig: Klimaerwärmung gibt es nicht, wir haben keinen Einfluss auf die Natur, wir sind nicht schuld daran, wenn sich solche verheerenden Ereignisse (vermeintlich) häufen.

Klimakatastrophen sind einfach, wenn Gott versucht, Schwule umzubringen.

Denkt nur mal darüber nach! Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann!
Deepwater Horizon – mit Sicherheit war da ein schwuler Arbeiter auf der Ölbohrplattform, und Gott lenkt das Öl jetzt an alle Küsten, an denen sich fröhliche freilaufende Schwule genüsslich in ihrer Sündigkeit tummeln.
Der Tsunami von 2004 – Irgendwo war da bestimmt ein Schwuler! Oder auch einer von denen, die hinfahren, um sich mal für ein paar Euro ein vierzehnjähriges thailändisches Mädchen zu gönnen.
Wie viele katholische Priester sind bei dem Tsunami damals eigentlich umgekommen?

Und nicht zuletzt natürlich The Big Easy.
Überlegt mal, ihr könnt da eine klare Linie durch die ganze Menschheitsgeschichte ziehen, seit Adam und Eva.
Und in Zukunft heißt es dann Sodom, Gomorrha und New Orleans.

Das ist ein gutes Motto, das skandieren wir das nächste Mal, wenn wir den ersten Schwulen am Baum in der Dorfmitte aufhängen.
Denn was riefen schon die Kreuzritter, als sie in die Schlacht ritten?

„Gott will es!“

Werbung, die Zweite. Samstag, Jun 26 2010 

Weil mir grade so unglaublich langweilig ist und ich irgendwie mal wieder auf das Thema gebracht wurde – und nicht zuletzt weil wir hier Aktivität brauchen – habe ich mich entschlossen, den ursprünglichen Artikel, wo ich mich über diverse gehirnzellenvernichtende Werbeideen auslasse, um eine Episode zu erweitern.
Vielleicht wird da ja sogar eine Serie draus.
Weiß nicht, ob sich irgendjemand regelmäßig audiovisuellen Durchfall und unverkennbare Zurschaustellung der morbiden Werte einer verfallenden Gesellschaft zu Gemüte führen will.
Aber immerhin schauen sich ja auch immer noch diverse Bevölkerungskreise Casting-shows an.
Ich bin also optimistisch.

Legen wir los… und zwar mit einem meiner persönlichen Lieblinge;

Ja, ProSieben.
Die mit ihrer erbarmungslosen Selbstbeweihräucherung und wiederkehrender Inszenierung langweiliger B-prominenz (als da wären „Topmodels“, „Popstars“ oder Moderatoren von Sendeformaten wie taff oder dem immer tiefer sinkenden Galileo) mittlerweile selbst dem geneigtesten Zuschauer gehörig auf den Sack gehen sollten.
Wobei dieser Werbespot für mich einen weiteren traurigen Höhepunkt an Dummheit, Arroganz und Niveaulosigkeit darstellt.
Oder, um die Zitate zu benutzen, die eigentlich keines bissigen Kommentars mehr bedürfen, um sie lächerlich zu machen (was mich nicht davon abhalten wird, es trotzdem zu tun);

Brilliantere Farben für mehr Leidenschaft!
Bessere Kontraste für höhere Spannung!
Deutlich mehr Pixel für stärkere Gefühle!

Wow! Nicht wahr? Was HD nicht alles kann. Da werden sogar mittelmäßige bis bodenlos schlechte Filme nur durch die Optik zum Kracher!
Kein Wunder, dass dann selbst so begähnenswerte Hollywoodprodukte wie „Hitch – Der Date Doktor“ in der Werbung drei Wochen im Voraus großspurig als MEGABLOCKBUSTER angekündigt werden müssen, um dem gerecht zu werden.
Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo der Begriff „Blockbuster“ Filmen vorbehalten war, die WIRKLICH herausragend erfolgreich waren. Die alten Star Wars-Filme. Indiana Jones (natürlich auch nur die alten Teile).
Filme eben, die zu ihrer Zeit wirklich für leere Straßenblocks gesorgt haben.
Wenn dann sogar Hitch durch HD-TV zum MEGABLOCKBUSTER wird, muss das ja wirklich eine große Sache sein.
Ich frage mich, wie sie das bei der inflationären Nutzung dieses Wortes noch toppen wollen. ULTRABLOCKBUSTER – HYPERBLOCKBUSTER – M-M-M-MONSTERBLOCKBUSTER?

Ich bleib‘ dann einfach bei „guten Filmen“, danke.

Mal ganz davon abgesehen, muss ich wirklich noch sagen, was ich an den zitierten Zeilen so beklagenswert finde?
Nehmen wir mal als Beispiel einen Haufen Scheiße am Straßenrand. Ihr könnt alle nach draußen gehen und euch einen Haufen Scheiße suchen, wenn ihr wollt. Oder ihr macht selber einen.
Jetzt fragt euch, wenn ihr zwei Fotos von diesem Haufen Scheiße hättet, das eine undeutlich und verpixelt, das andere gestochen scharf – würde das was daran ändern, dass ihr euch gerade einen Haufen Scheiße anseht? Bietet der Haufen Scheiße auf dem qualitativ besseren Foto mehr Leidenschaft? Mehr Spannung? Oder mehr Gefühle?

Nein?

Und dieser Haufen Scheiße ist Hitch der Date Doktor.
Und jeder andere Film, der auf HD so viel besser ist.
Optische Qualität ändert einfach nichts an bestenfalls durchschnittlichem oder mangelhaftem Inhalt.
Sollte es jedenfalls nicht.
Wie so oft scheint das aber ein Großteil der Gesellschaft anders zu sehen als ich.

Nunja. Sei’s drum. Was hätten wir denn da noch so…

Zugegebenermaßen wird dieser Spot schon etwas länger nicht mehr gezeigt. Ich fand ihn halt einfach nur so berauschend blöd, dass ich euch damit quälen wollte.
Wo sonst bekommt ihr von einem sprechenden Hasen mit Professorenkomplex die Grundzüge umweltfreundlichen Wirtschaftens so anschaulich erklärt?
Dass die industrielle Revolution in der Landwirtschaft großflächig zur Verschlechterung der Qualität unseres Bodens geführt hat, von Versalzung über Verschmutzung bis zu Nährstoffarmut, und wir damit ein paar interessante Probleme für die nähere Zukunft haben, klammern wir dabei mal aus. Denn unser schlauer Hase erklärt den dummen Menschen: Aus Getreide kann man immer wieder Brot machen! Und es ist unendlich verfügbar!
Zumindest für uns hier. Bei zwei Dritteln der Menschheit sieht’s vielleicht ein bisschen anders aus.
Aber macht euch nichts draus – Auch Menschen sind unendlich verfügbar! Denn sie wachsen nach!

Etwa genau so, wie Bäume im verfickten Sekundentakt voll ausgewachsen aus dem Boden schießen.
Also was regt ihr euch auf, ihr kiffenden ungewaschenen Öko-Fuzzis? So schnell kommt kein Holzfäller mit seiner Kettensäge nach wie das hier überall wuchert.
Deshalb ja auch immer wieder die erschreckenden Berichte über den Regenwald, der sich jeden Tag weiter ausbreitet und die natürlichen Lebensräume von Menschen zerstört.
Ich finde ja irgendwie allgemein, Gewalt ist keine gute Sache und so. Gegen Menschen nicht, gegen Tiere erst recht nicht – vielleicht höchstens gegen Franzosen.
Aber ich würde diesem Hasen so gerne einfach nur in die Fresse hauen.

Man beachte übrigens auch die interessante Wortwahl, wo unser Hase stolz erklärt, dass Tetrapacks „überwiegend“ aus Holz bestehen.
Zu 50,0001% etwa. Der Rest sind hochgiftige synthetische Klebstoffe, geschredderte Tierknochen und wiederverwertete Brennstäbe.

Und schließlich möchte ich zum Abschluss noch die kleine Geschichte erzählen, wie ich neulich durch eine Seitengasse vom Stadtplatz Richtung Auto flanierte und an einem Musikgeschäft vorüberging, in dessen Schaufenster diverse Plakate hingen – unter anderem eines mit einem voller Enthusiasmus Saxophon spielenden etwa Acht- bis Zehnjährigen und der Aufmerksamkeit heischenden Überschrift „WIR BILDEN IHRE KINDER ZUM ERFOLG AUS!“

So ist das nämlich.
Lassen wir doch das ganze Gelaber von wegen Persönlichkeitsentfaltung und Talentförderung oder von Musik als einer Kunstform zum Ausdruck von Emotionen. Das wollen Eltern heutzutage doch alles gar nicht mehr hören.
Mein Kind soll doch nicht irgendein blödes Instrument lernen, weil es das will! Oder weil es Spaß daran hat!
Es soll Erfolg haben! Es soll Geld verdienen! Es soll berühmt werden! Es soll heroinsüchtig werden und jede Menge billige Groupies mit Geschlechtskrankheiten flachlegen, für die Unterwäsche ein Fremdwort ist! Und dann soll es sich erschießen und mir alles vermachen!
Damit ich sagen kann, ich hab‘ dieses traurige Genie gezeugt.
Kann ich mir mal ganz großzügig selbst auf die Schulter klopfen.
Auch wenn ich damals eigentlich nur besoffen und rattenscharf war und mich auf die „Ich zieh‘ ihn vorher raus.“-verhütungsmethode verlassen habe, um das Geld für’s Kondom zu sparen.

Danke, ich hab‘ genug.
Ich gehe jetzt E-gitarre spielen.

Vielleicht setz‘ ich mir auch ’nen Schuss und treib’s mit drei Schlampen gleichzeitig.

„Zeit der Amateure“ oder die Eigendynamik der Verdummung Donnerstag, Jun 3 2010 

Ab und zu empfinde ich ja trotz meiner unfassbaren Abneigung gegen des Verhalten des Homo Sapiens innerhalb größerer Herden so etwas wie Hoffnung.
Oder zumindest weniger Verzweiflung, könnte man sagen.

Manchmal geschieht so etwas, wenn irgendein politischer Sonderschülervorstoß im Keim erstickt wird, sei es durch Protest der Bevölkerung, durch Widerstand der regierenden Parteien oder durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.
Selten betrifft es auch Dinge, Situationen, Begebenheiten, wo unsere Gesellschaft beweist, dass außer Lifestyle- und Prominentenobsession, Ficken und Saufen und seichter Unterhaltung auch noch andere Werte vorhanden sind.
Ab und zu sind das auch persönliche Sachen.

Dann kommt es durchaus vor, dass ich mich ein paar Momente zurücklehne und vor mich hingrinse wie ein bettnässendes Balg.
Manchmal hab‘ ich dann sogar den Rest des Tages gute Laune!
Man stelle sich vor!
In einer Vielzahl von Fällen ist es dann zwar meistens so, dass der kleine Funken Hoffnung unter einem massiven Haufen Scheiße begraben wird und erlischt.
Aber so ist das Leben eben.

Zugegeben, beim Zeitung lesen kommt das alles wirklich selten vor, da finde ich mit viel höherer Wahrscheinlichkeit mehrere Nachrichten, bei denen ich mir unwillkürlich so ein aufblasbares Stehaufmännchen zum Verprügeln wünsche.
Aber auch das gibt es noch.

Nämlich zum Beispiel in der heutigen Zeitung auf Seite 2, ein Leitartikel verfasst von einem gewissen Prof. Dr. Martin Balle, der darin ein Thema behandelt, über das ich so oder so demnächst schreiben wollte.
Und wenn das jemand anders schon treffend formuliert hat, umso besser.
Immerhin gewinne ich da doppelt – ich sage, was ich sagen will, und ich muss selbst nicht so viel schreiben.
Fuck yeah.
Zudem trifft es der werte Prof. Dr. Balle meiner Meinung nach ziemlich gut und umreißt ein unglaublich komplexes Thema doch sehr präzise, was mir nicht so leicht gefallen wäre, vermute ich.
Aber immerhin ist er ja ein Prof.
Und dazu noch ein Dr.!

Wie dem auch sei, wer Augen hat, der lese:

Zeit der Amateure

In seiner zauberhaften Erzählung „Narziss und Goldmund“ lässt Schriftsteller Hermann Hesse seine Figur Goldmund, der entgegen dem im Geistprinzip stehenden Narziss die Lust am Leben verkörpert, auch der Kunst begegnen. In einer Kirche sieht der Landstreicher und Streuner Goldmund eine wunderbar geschnitzte Marienfigur und so verdingt sich der Hochbegabte für drei Jahre bei deren Schöpfer, dem Meister Niklaus, um auch selbst die Schnitzerei zu erlernen. Das Gesellenstück Goldmunds, eine Figur nach dem inneren Bilde seines Freundes Narziss, ist zugleich sein Meisterstück. Goldmund liebt das Leben aber zu sehr, um beim Leisten des Schnitzers zu bleiben, er zieht weiter, und doch weiß er am Schluss: „In der Kunst und im Künstlersein lag für Goldmund die Möglichkeit einer Versöhnung seiner tiefsten Gegensätze, oder doch eines herrlichen, immer neuen Gleichnisses für den Zwiespalt seiner Natur. Aber die Kunst war kein reines Geschenk, sie war nicht umsonst zu haben, sie kostete sehr viel, sie verlangte Opfer.“
Wie ein Märchen mutet dagegen die Geschichte unserer Lena an, die mit einem einzigen Lied ohne jede musikalische Auzsbildung, nicht in drei Jahren, sondern in drei Monaten, ins Rampenlicht einer europäischen Öffentlichkeit gestoßen wurde. Dabei ist es nicht nur außergewöhnlich, wie sympathisch dieses 19-jährige Mädchen im Gesangswettbewerb des Grand Prix d’Eurovision den ersten Platz errang, sondern vor allem auch, mit welcher intuitiven Souveränität sie auf die anschließende Massenbegeisterung in Deutschland reagierte.
Solches darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, welche Bürde ihr so von unserer hysterisierten Medien-Öffentlichkeit auf ihren Lebensweg mitgegeben wird. Es ist kaum zu glauben, in welcher Art dieses junge Mädchen von den Medien in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wird: Da werden bei Lenas Rückkehr nach Hannover Sondersendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen anberaumt und selbst die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet ihren Leitartikel vom Montag dem neuen Superstar unter dem Titel „Unser Mädchen“, die Sonderseite im Innenteil trägt die BILD-ähnliche Überschrift „Du bist Deutschland“, während das Feuilleton auf seiner ersten Seite beschwört: „Herkules oder Die Marke Raab: Jetzt müssen wir ihn ernst nehmen.“
Eher trägt da freilicht der an anderer Stelle gebrachte Vergleich von Lenas Promoter Stefan Raab mit dem sagenhaften König Midas, dem sich alles zu Gold verwandelt, was er berührt. Denn diese Sage erzählt immerhin auch von der Kehrseite solchen Vorzugs, nämlich der Seelenlosigkeit, zu der diese Verwandlungskunst führt. Der überehrgeizige Stefan Raab, der nach erfolgreicher Berufsausbildung und abgebrochenem Jura-Studium erst beim Musiksender Viva seine scheinbar feinsinnigere Bestimmung fand, erscheint dabei als der typische Repräsentant eines Teils unserer Gesellschaft, die im vergnügten, aber doch immer bloß vordergründigen Spiel alle tieferen Sinnbezüge des Lebens vor sich selbst verbirgt. Der Ansatz von Raabs Show ist so immer konsumptiv, er verbraucht Leben, niemals wird es wirklich von innen her in seiner eigentlichen Bedeutungsfülle erfasst. Dazu passt auch gut Lenas eigener Satz: „Vor einem halben Jahr war noch nichts, und jetzt ist Es (!) so groß“, der die Ausgangsfrage der Philosophie: „Warum ist nicht nichts, sondern vielmehr etwas?“ ins blanke Gegenteil verkehrt. Es war nie nichts, und es ist auch jetzt nicht so groß, möchte man dem lieben Mädchen zurufen, aber das allgemeine Mediengetöse würde einen schnell zum Schweigen bringen. „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ war vor Jahren ein schöner Filmtitel, den man als einfaches Gegenbild vor solches Treiben stellen wollte. Aber wo am Montagmorgen gleichzeitig Angela Merkels fernseh-besorgter Blick auf die anschwellenden Fluten der Oder die einzige politische Botschaft aus Berlin in denselben Zeitungen war, ist es nicht ganz unverständlich, dass in Krisenzeiten die Menschen zu den kleinen Freuden des Alltags immer hysterischer Zuflucht nehmen. Spätestens wenn Deutschlands Fußballer in der Vorrunde Australiens Zwergenmannschaft in Grund und Boden gespielt haben werden, werden in München wieder die Massen über die Leopoldstraße ziehen, als habe man im Endspiel gerade gegen Maradonnas Argentinien gewonnen.
Es gibt schon einen Zusammenhang zwischen der Oberflächlichkeit der Politikangebote heute, einer von innen her erodierenden Gesellschaft, die sich immer schwerer tut, das Maß für ein gelungenes Leben zu finden, und einer Medienwelt, die diesen Prozess wechselseitiger Erosion verstärkt, statt ihn kritisch zu hinterfragen. Es ist ein merkwürdiges Paradox, dass in den Sonntagsreden der Politik eine Wissensgesellschaft und nachhaltige Ausbildung regelmäßig beschworen werden, während der gesellschaftliche Trend ganz gegenteilig zu einer Instant-Kultur verkommt, die in bewusstloser Unmittelbarkeit Leben bloß noch genießen will. Als der 17-jährige Boris Becker vor gefühlten 2000 Jahren im Aktuellen Sportstudio in wunderbarer Unbefangenheit nach seinem ersten Wimbledon-Sieg dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker so großartig begegnete, hatte er immerhin seine ganze Kindheit der asketischen Strenge einer Ausbildung zum Tennisspieler unterworfen und empfing jetzt den berechtigten Lohn für solche entbehrungsreiche Zeiten. Wo Angela Merkel und Christian Wulff sich heute fernsehgerecht über Lenas Erfolg freuen, dienen sie sich auch in schönen Bildern einer Gesellschaft an, an deren Entfremdungsprozess sie nicht unbeteiligt sind und der ihnen am Ende ihre Wiederwahl sichern soll. Wenigstens verhinderte der überraschende Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler Angela Merkels Besuch im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol nur zwei Tage nach ihrem bedeutungsschweren Blick auf die Hochwasser führende Oder.
Auch wie jetzt bei der Kandidatenauswahl für das Bundespräsidentenamt verfahren wird, macht da keine Ausnahme. Ursula von der Leyen ist für die Koalition vor allem deshalb von Vorteil, da sie sich medial bestens zu inszenieren versteht. Es wirft aber auch ein seltsames Licht auf die Politik, dass nach gerade erfolgtem Wechsel der Politikerin in ein neues wichtiges Ministerium, vom Familienministerium ins Arbeitsressort, der jetzt wieder vorzeitige Abschied nach kurzer Einarbeitungsphase gar kein Thema ist.
Interessant ist auch, dass unsere Medienwelt sich teilweise genauso ihrer professionellen und ernsthaften Vorbedingungen entledigt wie Politik und Gesellschaft. Wo das Internet mit seinen Blogs (Anm.: Welch Ironie.) und Chats immer mehr Aufmerksamkeit erhält, wird auch die Messlatte unserer Informationskultur tiefergelegt. Wo jeder alles ins Netz stellt und Aufmerksamkeit für sich einfordert, spricht die „Süddeutsche Zeitung“ ironisch vom „Web 0.0“ und der Journalist Nicholas Carr von einem „Kult der Amateure“. Für unseren derzeitigen Lieblingsamateur Lena aber wollen wir hoffen, dass der Kult um sie für sie gut ausgeht.

Ahja.
Nun, da steckt viel drin.
Über Lena Meyer-Landrut und Stefan Raab schweige ich mich aus, ich denke, von denen haben wir die letzten Tage genug gehört.
Mir geht es vielmehr um die Aspekte bezüglich Gesellschaft, Medien und Politik, die er anspricht.
Und wo ich jetzt irgendwie gerade scharf überlegen muss, wie ich richtig formuliere, hoffe ich, dass die Leserschaft begreift, was ich meinte, als ich eingangs die unüberschaubre Komplexität der Thematik erwähnt habe.
Da wären zum einen die Medien, über deren Entwicklung und aktuelles Erscheinungsbild ich in vergangenen Einträgen genug Worte verloren habe, denke ich.
Da wäre andererseits auch die Politik, die sich in der Öffentlichkeit ebenfalls immer flacher und inhaltsloser präsentiert. Wo es immer mehr darum geht, den Gegenspieler in ein negatives und sich selbst in ein postives Licht zu rücken, wo Polit-talkshows immer trivialer und wie ihre Gäste immer niveauloser werden, nimmt die Bedeutung der wirklichen Inhalte immer weiter ab. Zunehmend fällt einem da auf, dass die verschiedenen Parteien sich trotz aller Versprechen und verbalen Konfrontationen bei Prinzipienfragen inhaltlich doch überraschend ähnlich sind.
Von ihnen vertreten fühlt sich dann irgendwann kein Schwein mehr.
Da spricht man dann von „Politikverdrossenheit“, von mangelndem Interesse.
Ich würde eher von Desillusionierung und einem durchaus berechtigten Mangel an Vertrauen sprechen.

Und in der Mitte zwischen beiden, der Politik und den Medien, steht dann natürlich noch die Gesellschaft, sprich die Menschen, die sich irgendwo zwischen apathischer Hoffnungslosigkeit und der Zuwendung zu seichter, anspruchsloser Unterhaltung widerfinden, weil sie die Angewohnheit haben, sich früher oder später sowieso mit allem abzufinden.
Nicht nur erodiert diese Gesellschaft, wie Balle es so treffend formuliert, hinsichtlich ihrer Tiefsinnigkeit und Feingeistigkeit, sie verfällt auch hinsichtlich Allgemeinbildung und vor allem Moral.
Hinsichtlich ihrer Grundwerte.
Wo Politik und Medien immer von gewaltigen Herausforderungen und nahenden Katastrophen kreischen, schaltet die Gesellschaft irgendwann ab und wendet sich den letzten Bastionen von Spaß und Zerstreuung zu, die ihr bleiben. Die Medien unterstützen und bekräftigen diese Entwicklung, die Politiker passen sich der Flachgeistigkeit an und leisten oberflächliche Öffentlichkeitsarbeit, um sich gut darzustellen.
Und so bekräftigen sich alle Seiten gegenseitig, nur immer tiefer zu sinken.
Alle ziehen wir so unseren Vorteil daraus.
Alle gewinnen wir.
Und alle verlieren wir dadurch am Ende.

Und wer mir jetzt sagt, wie diese wechselseitige Spirale der Hirnlosigkeit aufgehalten oder wenigstens daran gehindert werden könnte, sich weiterzudrehen, dem blas‘ ich sofort einen.
Oder lecke sie.
Je nachdem.

Das wäre nämlich mein ganz persönlicher Heiliger Gral.

Aber vermutlich bleibt es, wie auch beim Echten, dabei immer nur bei einem Traum.