Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit Samstag, Jul 24 2010 

… sowahr unsere politische Integrität uns helfe.

Die erste Pointe schon vor der Einleitung, ist das’n Ding oder was?

Jedenfalls… wenden wir uns mal einer Sache zu, die ganz bestimmt nicht mein Lieblingsthema ist.
Das mag daran liegen, dass ich mich dabei meistens ziemlich aufrege und bei längerer Beschäftigung damit spontane Kopfschmerzen, erhöhten Blutdruck, Übelkeit, einen nicht wirklich kontrollierbaren Hass und einen sehr unangenehmen Juckreiz um den Schließmuskel herum bekomme, als hätte ich mich etwas zu oft von jemandem durchnehmen lassen, der bestückt ist wie ein Pferd.
Was auch der Fall ist.

Im Rahmen einer äußerst geschmacklosen Metapher, natürlich.

Sei es wie es sei, im Umgang mit Politikern verspüre ich irgendwie immer den nicht sehr netten Drang, sie zu behandeln, als hätten sie eine äußerst tödliche, äußerst ansteckende Krankheit.
Oder wie einen Boxsack, je nachdem.

Und ich hatte ja schon das ein oder andere Mal das Vergnügen. Es ist immer so schwer, diesem Impuls zu widerstehen und sich mit Gedanken wie, dass man keine ganze Berufsgruppe pauschal aburteilen kann und derjenige, der vor einem steht, auch einer der wenigen sein könnte, die den gängigen Vorurteilen widersprechen, bei der Stange zu halten.
Of treffen die gängigen Vorurteile nämlich so ziemlich ins Schwarze.

Aber kommen wir zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ich war heute nämlich in der Stadt und bin, wie man das so tut, über den Platz geschlendert, bis mein Blick auf einen blaugelben Informationsstand mit Stehtischen und vielen freundlichen Leuten mit blaugelben Shirts gefallen ist.
Blaugelb… Politik… dem ein oder anderen läuft jetzt vielleicht ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Ich jedenfalls hab‘ mir nichts dabei gedacht und bin weitergegangen, vorsorglich in einem größeren Bogen herum, weil ich solche blöden Informationsstände ja allgemein vermeide. Ich kann mich durchaus selbst informieren und mir eine Meinung bilden, dazu brauche ich keine engagierten, übermotivierten Alltagshelden, danke.
Dummerweise sind allerdings die Helferlein vom Informationsstand aus ausgeschwärmt in alle Richtungen wie Rattenfänger.

Es war schrecklich.
Überall waren sie, wie Geister.
Und ein grausames Szenario entfaltete sich vor meinen Augen – Menschen rannten schreiend davon, als sie die Aufschrift „FDP“ an ihren Hemden sahen, Mütter suchten verzweifelt ihre Kinder, die kreischend in der Menge standen. (Immerhin weiß jeder, was man sich im Flüsterton erzählt – dass FDP-Mitglieder liebend gerne Kinder entführen und sie in ihre Lebkuchenhäuser locken. Die, die Glück haben, werden gefressen, aber einige kommen als Ausgeburt der Hölle zurück zu ihren fassungslosen Eltern, die über diesen Schickssalsschlag verzweifelt in Tränen ausbrechen – als FDP-Wähler.) Selbst gestandene Männer, die sich der dämonischen Horde entgegenstellten, sah ich nach wenigen Minuten weinen wie kleine Kinder. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Unglückliche im allgemeinen Chaos von Flüchtenden niedergetrampelt wurden.

Naja, vielleicht war es nicht ganz SO schlimm.
Die Meisten haben eigentlch nur wortlos die Flyer und Prospekte mitgenommen, die ihnen in die Hand gedrückt wurden, und wenn man sich wie ich den Spaß erlaubte, außer Sichtweite des Stands in ein paar Mülleimer zu blicken, fand man sehr viel blaugelbes Papier.
Aber ICH würde solche Prospekte natürlich nicht ablehnen, wenn man sie mir anbietet (und man hat sie mir überschwänglich angeboten, ja aufgeschwätzt, ich hatte Angst, der rennt mir nach und hechtet mich um, wenn ich einfach weitergehe). Schließlich erfährt man hier etwas über die Parteien, die zur Wahl stehen, man kann sich informieren und so. Immerhin ist das Bürgerpflicht!
Und natürlich ist das alles auch gaaaanz objektiv und sachlich geschrieben und besteht nicht aus schamlosen Halbwahrheiten, Euphemismen, Selbstbeweihräucherung und gehirnaufweichender Propaganda.
Denn wir leben ja in einer modernen, freien, aufgeklärten Demokratie mit mündigen Bürgern, die fähig sind, sich kritisch und differenziert ein Urteil über das zu machen, was sie sehen und hören.

Ja, ihr mich auch.

Jedenfalls habe ich das ganze Zeug mal freundlich lächelnd (es könnte auch spöttisch gewesen sein, ich glaube FDPler erkennen den Unterschied nicht) entgegengenommen, mich am anderen Ende des Stadtplatzes vor mein Stammcafé gesetzt und mit der leisen Ahnung, etwas zum Lachen zu finden, beschlossen, mir das bei einer Tasse Kaffee zu Gemüte zu führen, während ich auf den Menschen wartete, der mich hier treffen wollte. Und da dieser Mensch etwas unzuverlässiger Natur ist, hatte ich durchaus Zeit dazu.

Da hätten wir im Wesentlichen zwei Prospekte, einmal „Liberale Erfolge“ mit zwei Händen, die ein Häufchen Humus in der Hand halten, aus dem eine kleine Pflanze wächst.
Und auf dem Zweiten ein junges Mädchen, das über ein blühendes Rapsfeld läuft. Sie könnte das zum Spaß machen, es könnte auch sein, dass sie um ihr Leben läuft, weil ein Mähdrescher, der aus dem Bild geschnitten wurde, hinter ihr in die selbe Richtung fährt, so genau erkennt man das nicht. Vielleicht rennt sie auch vor einem FDPler davon. Jedenfalls trägt dieses schöne Heftchen den Titel „FDP-Fraktion Im Bayerischen Landtag – Liberale Politik für Bayern“.
Klingt erstmal wie ein fiktives Horrorszenario, das in einer erdachten, nahen Zukunft spielt. Hätten sie auch Chucky die Mörderpuppe abbilden können, das hätte wenigstens harmonisiert.

Nun, wenden wir uns dem Inhalt zu, ob dem des ersten oder zweiten Prospekts ist sowieso egal, da steht so ziemlich das Gleiche drin, nur dass das Erste abhandelt, was sie davon schon realisiert haben. Wenn man ihnen glauben darf, so ziemlich alles. Wonach ich sie eigentlich nicht mehr wählen bräuchte.

Ich bringe einfach mal ein paar Zitate, das ganze Heftchen wäre zu lang, um es vollständig zu zitieren und zu kommentieren, also reiße ich eben ein paar Sätze ganz fies aus dem Kontext und stampfe sie ein.
Wobei ich euch versichern kann, mit oder ohne Kontext steht da zum größten Teil nur Schwachsinn.

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger, vor fast zwei Jahren hat Bayern den Neuanfang geschafft: Nach über vier Jahrzehnten der Alleinregierung haben Sie die FDP in die Verantwortung gewählt (Anm.: ICH?! Neee. Den schwarzen Peter lass‘ ich mir nicht zuschieben.). Seitdem arbeiten wir in Landtag und Staatsregierung für ein modernes, liberales und wirtschaftlich erfolgreiches Bayern.

Ich finde irgendwie, Bayern hat da vorher ohne euch auch nen relativ guten Job gemacht, so in punkto Moderne, Liberalität und wirtschaftlicher Erfolg. Ich muss zwar klarstellen, dass ich CSU/CDU abgrundtief hasse, aber bei euch ist der Abgrund noch ein Stück tiefer.
Als Neustart würde ich das irgendwie auch nicht bezeichnen, eher, naja… als der Anfang vom Ende?

Wir wollen Bayerns mittelständisch geprägte Wirtschaft stärken, damit Arbeitsplätze und Wohlstand auch künftig sicher sind.

TOLL!
Wie wollt ihr denn das anstellen? Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und werfe das Schlagwort „Lohnnebenkosten“ in den Raum, deren Senkung, wir wissen es alle, ein „alternativloser Sachzwang“ ist.
Aber wenigstens sind sie ehrlich. Dass die meisten von ihnen auch lukrative Nebenbeschäftigungen in diversen Unternehmen haben, wo sie wenig tun und viel verdienen, wissen wir ja mittlerweile, da ist es nur natürlich, dass sie diesen Gefallen an die Wirtschaft erwidern wollen. Senkung der Lohnnebenkosten aka beispielsweise der Arbeitgeberbeitrag zu Renten- und Krankenversicherung, Lockerung des Kündigungsschutzes und Beschränkung der Rechte und Sicherheiten des Arbeitnehmers wären ein guter Anfang.
Dabei hört sich das mit deren Formulierung doch so toll an!
Ihr Schlingel ihr – da hättet ihr mich fast drangekriegt! =D

Pioniersinn und Heimatverbundenheit, Mut und Verantwortungsefühl – diese mittelständischen Tugenden sind heute gefragt, um unser Land nach vorne zu bringen.

Halbgare, sich im Kreis drehende Reformen und Globalisierung, Feigheit davor, irgendetwas zu sagen, was die Leute NICHT hören wollen und Verantwortungslosigkeit – das sind die Tugenden, die ich immer wiede sehe, so lange und gründlich ich mich auch umschaue.
Wo soll unser Land übrigens hin? Das ist festgewachsen. (Ich weiß, ich weiß, der war flach. Ich konnte nicht anders.)

Aber das wird ja auch gleich gesagt, in welchem Bereich wir nach vorne wollen.

Deutschland muss seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten und die wirtschaftliche Dynamik steigern. Eine Steuerstrukturreform ist dafür unverzichtbar. Gerade in der Krise brauchen wir ein einfaches und faires Steuersystem. Ein Steuersystem, das die Wirtschaft ankurbelt, Investitionen ermöglicht und Arbeitsplätze schafft.

Also im Klartext, Belastungen weg von den Unternehmen, damit die mehr Kohle haben. Weil, wenn sie mehr Kohle haben, stellen sie mehr Leute ein.
Ist klar. Wirtschaftsnote 6.
Wer das Geld locker machen darf, dass durch die Entlastungen für die Wirtschaft fehlt, überlasse ich eurer Vorstellungskraft. Denkt mal scharf nach.

Allgemein kommt in jedem zweiten Satz „Arbeitsplätze“ vor und in jedem Absatz mindestens einmal eine Formulierung à la „Dies und das schafft Arbeitsplätze.“. So zum Beispiel Mobilität, Innovationen, Investitionen, Bildung und so weiter. Jaja, wenn ich auf nem öffentlichen Klo pissen gehe und daneben ziele schafft das auch Arbeit für die Putzfrau, ich geb‘ aber nicht damit an.
… Nicht, dass ich das schon mal getan hätte. Gerade weil die meisten öffentlichen Klos ja nur noch alle Jahrhunderte mal immer wieder geputzt werden.

Worauf ich im Großen und Ganzen eigentlich hinaus will, ist etwas, das mir und vielen anderen eigentlich immer wieder auffällt, auffallen muss, so drastisch wie diese Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist.
Ich rede von der Verflachung politischer Inhalte, Disskusionen und Programme.
Egal, welche der großen Parteien ich mir ansehe, überall sehe ich nur oberflächlichen Schund, Arschlöcher die versuchen, sich der Öffentlichkeit irgendwie gut zu präsentieren, als würden sie sich als Produkt selbst verkaufen wollen. Imagepolitur, ein falsches strahlendes Lächeln der gebleichten Zähne, ein bisschen Händeschütteln hier und da und sich grinsend vor jede Kamera schmeißen, die irgendwo auftaucht. Psychische Prostitution für Wählerstimmen.
Gleichzeitig werden die Inhalte nach meinem Empfinden immer gehaltloser. Was habt ihr uns schon alle noch groß zu sagen? „Wir brauchen Arbeitsplätze, wir müssen wettbewerbsfähig sein, wir müssen sparen, wir müssen der Wirtschaft helfen. Das und das ist ist böse, richtig scheiße, die anderen sind die Hitlers der Moderne und wir sind die Guten!“
Jaja, schön auswendig gelernt. Und das rattert jeder Politiker jedweder Partei runter, immer schön die anderen diffamieren und sich selbst positiv präsentieren, immer schön palavern, was alles zurechtgerückt werden muss in diesem Land.
Aber WIE ihr das anstellen wollt, das sagt mir irgendwie kein Schwein. Und das will ich wissen, bevor ich auch nur drüber NACHDENKE, euch zu wählen.
Ehrlich gesagt würde ich es dann wahrscheinlich immer noch nicht tun, weil ich euch dann trotzdem noch nicht vertraue – Das müsstet ihr euch erstmal verdienen.
Und soll ich euch was sagen?
Davon seid ihr weit entfernt. Und ihr rast im Eiltempo noch weiter weg.
Womit ausdrücklich nicht nur die FDP gemeint ist, die ich zwar für ein Pack von verlogenen Lobbyisten halte, aber die auch nur als Prügelknabe herhalten musste, weil sie das Pech hatte, mir in die Quere zu kommen.
Ob CSU/CDU, ob Grüne, SPD oder Linke, am Ende kommt ihr eh alle auf den gleichen Schwachsinn, ihr verkauft ihn uns nur anders.
Ernsthaft, wenn ihr die Machtelite seid, wenn ihr unsere Spitzenpolitiker seid, dann müssen wir uns ja schämen vor anderen Nationen. Und vor uns selbst, weil wir euch immer wieder wählen.

Wir können ja auch kaum aus. Was sollen wir auch machen, wenn jede der großen Parteien sich in das gleiche oberflächliche, inhaltlose, populistische Gelaber verrennt und darüber hinaus kein wirkliches Programm mehr zu bieten hat?
Ihr alle, ihr seid mir viel zu gleich. Ihr habt mir zu wenig Courage. Zu wenig Mut, auf den Tisch zu hauen und endlich mit der Schwarzweißmalerei und der ganzen Schönfärberei aufzuhören, zu wenig Integrität, auch mal unschöne Dinge klar und deutlich auszusprechen und nicht zu verschleiern, mal abzuweichen von der Einheitsmeinung, die möglichst alle politischen Zielgruppen ansprechen und befriedigen soll, weil euch die Analysten das sagen.
Ihr seid mir einfach viel zu wenig echt.
Und ich mag naiv sein, vielleicht sogar ein bisschen utopisch – aber ich glaube, das würde vielen, sehr vielen Leuten inzwischen gefallen, wenn sich das mal ändern würde.

Für’s Erste, begnügen wir uns mit einem kleinen gemeinen Scherz:
Wenn ihr mal auf jemanden trefft, der für die FDP Werbung macht, fragt ihn doch lächelnd, was er davon hält, dass bayerisches Starkbier inzwischen mehr Prozent hat als seine Partei.
Und macht ein Foto von seinem Gesichtsausdruck, damit ich mitlachen kann.

Ich brauch‘ jetzt jedenfalls erstmal ein Glas Whisky.

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Werbung, die Zweite. Samstag, Jun 26 2010 

Weil mir grade so unglaublich langweilig ist und ich irgendwie mal wieder auf das Thema gebracht wurde – und nicht zuletzt weil wir hier Aktivität brauchen – habe ich mich entschlossen, den ursprünglichen Artikel, wo ich mich über diverse gehirnzellenvernichtende Werbeideen auslasse, um eine Episode zu erweitern.
Vielleicht wird da ja sogar eine Serie draus.
Weiß nicht, ob sich irgendjemand regelmäßig audiovisuellen Durchfall und unverkennbare Zurschaustellung der morbiden Werte einer verfallenden Gesellschaft zu Gemüte führen will.
Aber immerhin schauen sich ja auch immer noch diverse Bevölkerungskreise Casting-shows an.
Ich bin also optimistisch.

Legen wir los… und zwar mit einem meiner persönlichen Lieblinge;

Ja, ProSieben.
Die mit ihrer erbarmungslosen Selbstbeweihräucherung und wiederkehrender Inszenierung langweiliger B-prominenz (als da wären „Topmodels“, „Popstars“ oder Moderatoren von Sendeformaten wie taff oder dem immer tiefer sinkenden Galileo) mittlerweile selbst dem geneigtesten Zuschauer gehörig auf den Sack gehen sollten.
Wobei dieser Werbespot für mich einen weiteren traurigen Höhepunkt an Dummheit, Arroganz und Niveaulosigkeit darstellt.
Oder, um die Zitate zu benutzen, die eigentlich keines bissigen Kommentars mehr bedürfen, um sie lächerlich zu machen (was mich nicht davon abhalten wird, es trotzdem zu tun);

Brilliantere Farben für mehr Leidenschaft!
Bessere Kontraste für höhere Spannung!
Deutlich mehr Pixel für stärkere Gefühle!

Wow! Nicht wahr? Was HD nicht alles kann. Da werden sogar mittelmäßige bis bodenlos schlechte Filme nur durch die Optik zum Kracher!
Kein Wunder, dass dann selbst so begähnenswerte Hollywoodprodukte wie „Hitch – Der Date Doktor“ in der Werbung drei Wochen im Voraus großspurig als MEGABLOCKBUSTER angekündigt werden müssen, um dem gerecht zu werden.
Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo der Begriff „Blockbuster“ Filmen vorbehalten war, die WIRKLICH herausragend erfolgreich waren. Die alten Star Wars-Filme. Indiana Jones (natürlich auch nur die alten Teile).
Filme eben, die zu ihrer Zeit wirklich für leere Straßenblocks gesorgt haben.
Wenn dann sogar Hitch durch HD-TV zum MEGABLOCKBUSTER wird, muss das ja wirklich eine große Sache sein.
Ich frage mich, wie sie das bei der inflationären Nutzung dieses Wortes noch toppen wollen. ULTRABLOCKBUSTER – HYPERBLOCKBUSTER – M-M-M-MONSTERBLOCKBUSTER?

Ich bleib‘ dann einfach bei „guten Filmen“, danke.

Mal ganz davon abgesehen, muss ich wirklich noch sagen, was ich an den zitierten Zeilen so beklagenswert finde?
Nehmen wir mal als Beispiel einen Haufen Scheiße am Straßenrand. Ihr könnt alle nach draußen gehen und euch einen Haufen Scheiße suchen, wenn ihr wollt. Oder ihr macht selber einen.
Jetzt fragt euch, wenn ihr zwei Fotos von diesem Haufen Scheiße hättet, das eine undeutlich und verpixelt, das andere gestochen scharf – würde das was daran ändern, dass ihr euch gerade einen Haufen Scheiße anseht? Bietet der Haufen Scheiße auf dem qualitativ besseren Foto mehr Leidenschaft? Mehr Spannung? Oder mehr Gefühle?

Nein?

Und dieser Haufen Scheiße ist Hitch der Date Doktor.
Und jeder andere Film, der auf HD so viel besser ist.
Optische Qualität ändert einfach nichts an bestenfalls durchschnittlichem oder mangelhaftem Inhalt.
Sollte es jedenfalls nicht.
Wie so oft scheint das aber ein Großteil der Gesellschaft anders zu sehen als ich.

Nunja. Sei’s drum. Was hätten wir denn da noch so…

Zugegebenermaßen wird dieser Spot schon etwas länger nicht mehr gezeigt. Ich fand ihn halt einfach nur so berauschend blöd, dass ich euch damit quälen wollte.
Wo sonst bekommt ihr von einem sprechenden Hasen mit Professorenkomplex die Grundzüge umweltfreundlichen Wirtschaftens so anschaulich erklärt?
Dass die industrielle Revolution in der Landwirtschaft großflächig zur Verschlechterung der Qualität unseres Bodens geführt hat, von Versalzung über Verschmutzung bis zu Nährstoffarmut, und wir damit ein paar interessante Probleme für die nähere Zukunft haben, klammern wir dabei mal aus. Denn unser schlauer Hase erklärt den dummen Menschen: Aus Getreide kann man immer wieder Brot machen! Und es ist unendlich verfügbar!
Zumindest für uns hier. Bei zwei Dritteln der Menschheit sieht’s vielleicht ein bisschen anders aus.
Aber macht euch nichts draus – Auch Menschen sind unendlich verfügbar! Denn sie wachsen nach!

Etwa genau so, wie Bäume im verfickten Sekundentakt voll ausgewachsen aus dem Boden schießen.
Also was regt ihr euch auf, ihr kiffenden ungewaschenen Öko-Fuzzis? So schnell kommt kein Holzfäller mit seiner Kettensäge nach wie das hier überall wuchert.
Deshalb ja auch immer wieder die erschreckenden Berichte über den Regenwald, der sich jeden Tag weiter ausbreitet und die natürlichen Lebensräume von Menschen zerstört.
Ich finde ja irgendwie allgemein, Gewalt ist keine gute Sache und so. Gegen Menschen nicht, gegen Tiere erst recht nicht – vielleicht höchstens gegen Franzosen.
Aber ich würde diesem Hasen so gerne einfach nur in die Fresse hauen.

Man beachte übrigens auch die interessante Wortwahl, wo unser Hase stolz erklärt, dass Tetrapacks „überwiegend“ aus Holz bestehen.
Zu 50,0001% etwa. Der Rest sind hochgiftige synthetische Klebstoffe, geschredderte Tierknochen und wiederverwertete Brennstäbe.

Und schließlich möchte ich zum Abschluss noch die kleine Geschichte erzählen, wie ich neulich durch eine Seitengasse vom Stadtplatz Richtung Auto flanierte und an einem Musikgeschäft vorüberging, in dessen Schaufenster diverse Plakate hingen – unter anderem eines mit einem voller Enthusiasmus Saxophon spielenden etwa Acht- bis Zehnjährigen und der Aufmerksamkeit heischenden Überschrift „WIR BILDEN IHRE KINDER ZUM ERFOLG AUS!“

So ist das nämlich.
Lassen wir doch das ganze Gelaber von wegen Persönlichkeitsentfaltung und Talentförderung oder von Musik als einer Kunstform zum Ausdruck von Emotionen. Das wollen Eltern heutzutage doch alles gar nicht mehr hören.
Mein Kind soll doch nicht irgendein blödes Instrument lernen, weil es das will! Oder weil es Spaß daran hat!
Es soll Erfolg haben! Es soll Geld verdienen! Es soll berühmt werden! Es soll heroinsüchtig werden und jede Menge billige Groupies mit Geschlechtskrankheiten flachlegen, für die Unterwäsche ein Fremdwort ist! Und dann soll es sich erschießen und mir alles vermachen!
Damit ich sagen kann, ich hab‘ dieses traurige Genie gezeugt.
Kann ich mir mal ganz großzügig selbst auf die Schulter klopfen.
Auch wenn ich damals eigentlich nur besoffen und rattenscharf war und mich auf die „Ich zieh‘ ihn vorher raus.“-verhütungsmethode verlassen habe, um das Geld für’s Kondom zu sparen.

Danke, ich hab‘ genug.
Ich gehe jetzt E-gitarre spielen.

Vielleicht setz‘ ich mir auch ’nen Schuss und treib’s mit drei Schlampen gleichzeitig.

Über die moderne Prominentenobsession, Part 2. Freitag, Mai 21 2010 

Ja, da war noch was.
Die unglaublich schnell größer werdende, eingeschworene „Eden Uncensored“-Leserschaftet wartet ja schon seit Wochen sehnsüchtig auf den zweiten Artikel über die moderne Prominentenobsession.
Und ja, ich versuche hier gerade mit selbstironischen Bemerkungen meine Minderwertigkeitskomplexe als chronisch unbeachtete Attention-whore zu überspielen.
Ich bin auch nur ein Monster, das geliebt werden will.

Aber zum Thema – Prominentenobsession.
Das scheint ja allgemein so eine Sache der Moderne zu sein, eine scheinbar unvermeidliche Begleiterscheinung des Zeitalters der digitalen Massenmedien, das inzwischen absurde Ausmaße erreicht – mit Müttern, die ihren Töchtern auch ein Blackberry schenken, wenn diese sich darüber beschweren, dass sie die ganze Zeit nur an ihrem Smartphone hänge und zu wenig Zeit mit ihr verbringe (wie Wolfgang Hantel-Quitman in seinem Buch „Schamlos!“ zu berichten weiß.).
Nicht nur, dass wir dadurch inzwischen von allen Seiten konstant mit allerlei schwachsinnigen, vollkommen irrelevanten Informationen zugeballert werden, im Fernsehen absolut bescheuerte Formate über uns ergehen lassen müssen, nicht genug, dass ein immer weiter anschwellendes Heer von Pseudoprominenten die Medienlandschaft okkupiert oder dass sogar Nachrichten durch so etwas Erbärmliches wie die Prosieben oder RTL2-news korrumpiert werden, die einen kleinen Teil aktuelles Weltgeschehen auf Bild-niveau aufbereiten und mit Promi-news und ein bisschen Sex mischen. Oder dass die hinterletzten Flachwichser aus Musik und Fernsehen seit Neuestem sogar regelmäßig die Buchbranche unterwandern, die inzwischen ja sowieso zum großen Teil auch nur noch aus Schwachsinn besteht.
Nein.

Denn als würde das alles an Blödheit und Schwachsinn noch nicht reichen, gibt es vor allem verbunden mit der Prominentenobsession etwas, das uns nicht nur in allerlei Medien den letzten Nerv raubt, sondern mitunter sogar im Alltag.
Eine Gefahr, die mitten unter uns weilt.
Vielleicht in diesem Moment ganz in deiner Nähe. In deinem Haus. Möglicherweise sogar im Zimmer nebenan.
Und sie schleicht sich an, überall. Unbemerkt. Leise. Hinter jedem Menschen, den wir treffen.
Pass auf!
HINTER DIR!
AAAAAH!

Ja.
Was ich meine, ist eine Verhaltensweise, die ich selbst am liebsten als Idealisierung oder Vergöttlichung von Prominenten umschreibe.
Ich bin sicher, jeder kann so ungefähr umreißen, was ich damit meine, und jeder kennt Beispiele.
Denkt an Tokio Hotel.
Denkt an Twilight.
Denkt an Robert Pattinson.
Oder was weiß ich, an allerlei vergötterte Schauspieler und Stars der Musikbranche, es gibt ohnehin zu beinahe jedem WIRKLICH Prominenten die dazugehörigen fanatischen Verehrer.
Und nicht nur zu denen.
Teilweise ja auch zu GEGENSTÄNDEN.
Ich denke da an den in seiner Lächerlichkeit kaum mehr zu übertreffenden „Konsolenkrieg“, bei welchem es auf jeder Seite Vertreter gibt, die nicht nur regelmäßig die Grenzen angemessenen/sozialen Verhaltens überschreiten, sondern solche Grenzen schon gar nicht mehr wahrzunehmen scheinen.
Oder auch schwelende Konflikte zwischen Nerds der Microsoft oder Apple-fraktion.

Aber primär denke ich, und das mag daran liegen, dass es medial viel mehr Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, an Prominente.
Der Einfachkeit halber werde es also an halbwegs aktuellen Beispielen aus diesem Bereich deutlich gemacht.
Zumal ich denke, dass jeder noch die Tokio Hotel-Fanhorden in grausamer Erinnerung hat oder Weibchen der Gattung Homo Sapiens, die während eines Twilight-trailers oder auch nur angesichts eines Posters von Robert Pattinson so feucht werden wie sonst nur beim Duschen.
Besonders peinlich wird so etwas natürlich bei Frauen, die rein biologisch gesehen als volljährig angesehen werden MÜSSTEN. Bei Pubertätsopfern könnte man es entwicklungspsychologisch als Abkehr von den Eltern hin zu anderen Idolen/Idealen sogar noch irgendwie verstehen.
Was einem auch nicht unbedingt hilft, wenn man Zimmer sieht, die mit Postern von Tokio Hotel oder Twilight tapeziert sind. Mit Tokio Hotel oder Twilight-bettwäsche. Einem Bücherregal, dass neben allerlei „niedlicher, knuffiger“ Scheiße gerade mal die drei Twilight-teile beherbergt.
Gibt’s inzwischen schon Stoffpuppen von Bill oder Robert Pattinson?
So’n kleiner Edward zum Knuddeln? In Lebensgröße? Um zu kompensieren, dass jedes halbwegs zurechnungsfähige männliche Wesen bei so etwas die Flucht ergreift?
Mit aufpumpbarem Penis?
So käme die Erotikindustrie an die weibliche Zielgruppe ran.

Aber natürlich ist so etwas generell noch verschmerzbar. Visuell grausam, augenkrebserregend und für jeden Menschen mit Intelligenz über Zimmertemperatur äußerst beschämend angesichts der Tatsache, dass man biologisch zur selben Lebensform gehört.
Aber hinnehmbar.
Zwar nicht bei meiner Familie oder meinen Freunden, denen ich gerne etwas reiferes Verhalten attestieren würde (und teilweise auch kann), aber von mir aus bei Fremden. Ganz weit weg. Irgendwo da in Mecklenburg-Vorpommern.
Dummerweise werden allerdings durch das Internet Vertreter aus allen menschlichen Siedlungsgebieten praktisch willkürlich durcheinander gewürfelt.
So oder so kann man solchen Menschen einfach nicht entkommen, ob es jetzt im Alltag ist oder im Netz. Was für mich ja quasi von gleichrangiger Bedeutung ist.

Denn von mir aus können die ja mit ihrem Zimmer oder ihrer Wohnung machen, was sie wollen – solange ich sie nicht betreten muss.
Und ich werde sie nicht betreten.
Aber das Ganze drückt ja auch nur etwas aus und ist im Prinzip Teil eines größeren, allgemeiner gehaltenen Phänomens und – für mich – Problems.
Und das ist der Sachverhalt, den ich mit „Ideailisierung und Vergöttlichung“ umschreibe.
Denn ich bin durchaus kein Verfechter der Anti-bewegung, die sich wie zu Tokio Hotel so auch zu Twilight entwickelt hat, wenn auch in geringerem Umfang.
Von mir aus sollen die machen und mögen, was sie wollen. Aber die ganze Einstellung großer Fankreise ist für mich nicht nur höchst fragwürdig, sondern regelrecht nervtötend. Tokio Hotel ist nur eine Band. Twilight ist nur ein Film. Und Robert Pattinson nur ein Schauspieler. Und nicht mal einer der wirklich Guten, wenn man noch ETWAS Vertrauen in diverse Filmkritiker setzen darf.
Deal with it.

Und wenn ich Menschen sehe, die beim bloßen Anblick von Bill in Kreischorgien verfallen und alle höheren Denkfunktionen einbüßen oder solche, die ein sogenanntes Reaction Video von sich selbst zum Twilight-trailer aufnehmen, wo sie… naja, in Kreischorgien verfallen und alle höheren Denkfunktionen einbüßen, dann kommt mir auf gut deutsch gesagt einfach das Kotzen.
Menschen, bei denen die Verehrung dieser unerreichbaren Lichtfiguren einen bedeutenden Aspekt des Lebens (und auch des sozialen Umgangs, mit anderen ähnlich grenzdebilen Subjekten) ausmacht, die in den Medien alles darüber verfolgen, was ihnen unterkommt und jedwede Äußerung dieser Person wie ein Schwamm aufsaugen und als eigene Meinung wiedergeben, die dogmatische Ausmaße erreicht – sprich wer die nicht mag oder nicht der selben Meinung ist, der ist eh nur plöd und totaaaal neidisch, mit dem muss man sich auch nicht abgeben – sind mir einfach nur derart zuwider, dass ich es nicht mit Worten ausdrücken kann.
Und dabei ist mein Wortschatz das verbale Pendant zu John Holmes‘ Schwanz.
Am ehesten würden es wohl einfach nur lautstarke Würggeräusche treffen.

Und nicht zuletzt glaube ich, dass gerade das oft der stärkste motivatorische Aspekt für die entsprechenden Gegenbewegungen ist, die das zugehörige Objekt der Verehrung dann kategorisch ablehnen.
Was verständlich ist, aber genau so wenig richtig – zumal sie selbst dabei nicht selten in Dogmatismus verfallen.
Solcherlei Verhalten ist der Konfliktlösung eben in keinem Fall hilfreich, sondern verschäft und verkompliziert ihn viel eher.

Letztlich ist so etwas meiner Meinung nach, egal auf wen oder was es sich bezieht und wie es sich konkret äußert, ein Zeichen für mangelnde geistige Reife und Fähigkeit zur differenzierten Beurteilung.
Menschlich ist es möglicherweise bis zu einem gewissen Rahmen verständlich, allgemein gesprochen sucht sich eben fast jeder Leitfiguren, Vorbilder, als Orientierungshilfe für’s Leben – das können ja auch Schriftsteller oder Philosophen sein, die durchaus über eine gewisse Kompetenz in Lebensfragen verfügen (wobei das heutzutage vermutlich eher selten ist). Ich persönlich lehne das zwar ab und orientiere mich lieber an Idealen als an Idolen, aber bitte.
Aber es ist einfach absoluter Schwachsinn, die Aussagen eines Prominenten wie das Wort Gottes zu behandeln, zu welchem Thema auch immer er befragt wird. Zum einen, weil es auch nur Menschen sind, die sich irren und Fehler machen, zum anderen, weil es schlicht und ergreifend Idiotie ist, zu glauben, die hätten in jedem Bereich fachliche Kompetenz aufzuweisen. Das sind genauso armselige Idioten wie ihr und ich. Manchmal haben sie vermutlich von etwas sogar weniger Ahnung als man selbst und erzählen totalen Bullshit.
Ich bin ja zum Beispiel auch sehr angetan von Helmut Schmidt. Einerseits davon, wie er das Leben allgemein betrachtet und andererseits auch bei vielen politischen Themen.
In letzterem Fall bin ich aber in etwa genau so vielen Fällen einer deutlich anderen Meinung.
Und das ist auch gut so. Denn ich bin ja nicht Helmut Schmidt. Und ich will auch nicht so sein wie er. Ich bin ich und ich will so sein wie ich will, dass ich bin.
Oder irgendwie so.
Und ich mag auch ACDC. Trotzdem ist mir abseits der Musik eigentlich scheißegal, was Angus Young zu anderen Themen zu sagen hat. Trotzdem mag ich auch andere Bands und trotzdem ist deswegen nicht jede andere Musik scheiße oder minderwertig.
Ich liebe einfach nur die Musik. Mehr ist da nicht dran.

Wie gesagt, ohnehin finde ich es deutlich vernünftiger, sein Denken und Handeln mehr an Idealen auszurichten, die man für erstrebendswert hält, als an Vorbildern, die letzlich Menschen und damit genau so fehlbar sind wie jeder andere.
Und wenn ihr in euren Idolen etwas Bewundernswertes seht, dann fragt euch einfach, was das ist – schon habt ihr eure Ideale oder erstrebenswerten Charaktereigenschaften.

Aber verdammt nochmal, man müsste doch von einem denkenden Wesen erwarten können, dass es zu einer differenzierteren Beurteilung in der Lage ist als mit dem alten Schwarzweißraster. Sowohl was Personen als auch was Handlungen und Situationen angeht, ach, einfach was ALLES angeht.
Gute oder böse Menschen gibt’s einfach nicht. Auch keine klugen und keine dummen. Man kann nicht alles kategorisieren, den Charakter und die Psyche eines Menschen schon gar nicht. Ein Mensch hat nicht nur zwei oder drei, sondern unzählbar viele verschiedene Eigenschaften und Züge, die man persönlich als gut oder als schlecht beurteilen kann.
Wobei gut oder schlecht ja schon wieder Kategorien sind. Denn auch solche Eigenschaften und Züge haben ja mehrere Seiten, Vorteile und Nachteile.
Man sieht, das ist alles kompliziert. Und in der Realität auch gar nicht so leicht umzusetzen, solange man sich nicht daran macht, aktiv an seinem Verhalten zu arbeiten.
Was wahrscheinlich unter anderem ein schwerwiegender Grund ist, warum viele Menschen im Allgemeinen ins genaue Gegenteil gehen – zu kategorisieren. Macht eben alles einfacher, alles ist schön simpel vorgegeben und man hat eine deutliche Orientierung.
Nur richtig ist es in den allermeisten Fällen eben doch nicht.

Für den Anfang sollten sich solche Menschen einfach mal genau daran erinnern und versuchen, diese Tatsache kognitiv und emotional anzunehmen und in ihr Handeln einzubeziehen.
Die Mitglieder von Tokio Hotel sind einfach nur Musiker. Robert Pattinson ist einfach nur Schauspieler. So wie jeder Prominente eben diese eine Fähigkeit hat, die ihn prominent gemacht hat (wobei’s da bei B- und C-prominenz jetzt schon wieder schwierig wird…). Ob das jetzt ein Musiker, Schauspieler, Autor, Politiker oder was weiß ich ist.
Klüger als ihr sind die deswegen nicht. Die sind einfach nur prominent. Deswegen stimmt nicht automatisch alles, was die sagen, wenn sie zu irgendwelchen Themen befragt werden, die überhaupt nicht in ihr Fachgebiet fallen. Man sollte ja in der heutigen Medienlandschaft ohnehin immer vorsichtig sein und sich fragen, ob die Meinung, die jemand öffentlich vertritt, durch Fachwissen fundiert ist und welche Intention wohl dahinter stehen könnte, DASS er diese Meinung vertritt.

Der Gipfel des Nonsens ist in dieser Beziehung dann übrigens, was man bei Wahlkämpfen in Amerika und wohl auch hierzulande in geringerem Maße beobachtet, dass sich diverse Popstars für die eine oder andere Seite stark machen.
Zum Kotzen.
An diesem Punkt wird nämlich angefangen, genau diesen Sachverhalt der Idealisierung von Prominenten auszunutzen.
Dass das zu politischen Zwecken missbraucht wird, ist in meinen Augen das Letzte, aber DASS es missbraucht wird, ist beileibe nicht das einzige Beispiel.
So kommen wir nämlich ein bisschen zum Anfang zurück, zu Sachen wie Twilight-bettwäsche. Oder Shirts. Oder Federmäppchen. Oder Rucksäcken.
Und was der Merchandising-abteilung nicht alles für Dreck einfällt, wo man das Logo oder Robert Pattinson Fresse noch abdrucken könnte.
Jetzt sind Sachen wie Shirts und dergleichen ja vielleicht noch annehmbar, besonders was Bands angeht ist das ja halbwegs normal, aber wie überall ist es hier das gesunde Maß, dass eine fließende Grenze zum Schwachsinn bildet.
Ich habe mir früher ja auch Bandshirts gekauft. Heute nicht mehr, aber naja, von mir aus.
Dass es das Ganze allerdings mittlerweile auch zu Filmen gibt, habe ich erst heute schockiert im Saturn (!) feststellen müssen, als da tatsächlich über dem DVD-regal ein Plastiktorso mit einem Twilight-shirt ausgestellt war.
Jedem, der sich so etwas kauft und es trägt, möchte ich an der Stelle dann allerdings die Frage stellen:
Euch ist aber schon klar, dass ihr in der Hinsicht dann sozial und intellektuell etwa auf der selben Stufe steht wie der picklige Nerd mit Hornbrille und… was weiß ich, Star Wars-shirt, der von Sackhaaren noch nicht einmal GEHÖRT hat?
Nur im Hauptfall weiblich und mit anderen Klischeemerkmalen, eben.
Habt ihr auch ne Zahnspange? Wie wär’s mit einem Twilight-handtäschchen?
Und habt ihr eure Jungfräulichkeit mit vierzehn an den blassen, schweigsamen, komischen Außenseiter verloren, der euch weis machen wollte, er sei ein Vampir?

Schlussendlich bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass viele, wenn nicht gar die Meisten, in diesem Punkt – und in so vielen anderen – endlich begreifen müssen, dass der massive Fortschritt der Informationstechnologien nicht nur mit Vorteilen verknüpft ist, sondern dass wir genauso seine Nachteile, seine Begleiterscheinungen, seine Versuchungen erkennen und aktiv darauf achten müssen, wie wir mit ihnen umgehen.

Ende der Durchsage.

Über die faulen Ouzo-säufer „da unten“ Montag, Mai 10 2010 

Ich muss erst einmal schon von vornherein sagen, ich bin im Großen und Ganzen entsetzt von der Berichterstattung der deutschen Medien über die Geschehnisse in Griechenland.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie leichtgläubig und gedankenlos diese Berichterstattung von den Meisten akzeptiert und unreflektiert übernommen wird.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie unsere werte Frau Merkel es genießt, Druck auszuüben und zu welchen absurden Sparmaßnahmen wir die Griechen genötigt haben.

Wo wir es doch auf der anderen Seite lieben, astronomische Summen zu verschleudern, die im Nichts verpuffen und ihren Zweck vollkommen verfehlen, weil keinerlei Konsequenzen aus vergangenen Fehlern gezogen werden.
Ich kenne den genauen Betrag nicht, mein letzter Stand ist, dass der Staat den Banken inzwischen um die 400 Milliarden Euro in den Arsch geblasen hat.
Weil sie „systemrelevant“ sind. (Was eine Unzahl an Analysten und Wirtschaftsexperten als absurd zurückweist.)
Weil das ein „alternativloser Sachzwang“ ist, etwas, dass man nun mal einfach tun MUSS. (Was ich persönlich für eine dreiste Lüge halte. Alternativen gibt es immer, Alternativen hätte es auch damals gegeben.)
Zumal ich es einfach zum Kotzen finde, wie schnell diejenigen Vertreter aus der Wirtschaft, die sich zu Zeiten des Aufschwungs jede staatliche Einmischung strengstens verbieten, angerannt kommen und um Staatshilfe betteln, wenn die Kacke am Dampfen ist. Und sogar in der Situation bleiben sie zumeist arrogant und überheblich.
Und nicht zuletzt hätte es doch viel mehr dem Prinzip der freien Marktwirtschaft entsprochen, marode Banken, die sich pauschal gesagt durch schlechtes Wirtschaften und hirnrissige Spekulationen selbst in die Scheiße geritten haben, dem zu überlassen, was das System nun einmal für solche Unternehmen vorsieht: Konkurs.
Es gibt lauter werdende Stimmen, die die berechtigte Meinung äußern, dass andere Banken und das System, für dass diese „Bankster“ (toller Neologismus!) ach so relevant sind, deren Untergang relativ gut überstanden hätten, der Schaden wäre überschaubar gewesen, die übrigen Banken hätten vermutlich expandiert, Lücken gefüllt.
Damit wären eigentlich genau diejenigen, die diesen Schwachsinn verschuldet haben, vom System selbst bestraft worden.
…Oder auch nicht, denn ihr Gehalt haben sie ja so oder so sicher, am Arsch sind nur die, die weiter unten stehen.
Und irgendwie frage ich mich, wie viel ein System wert sein kann, dass von solchen Leuten abhängt.

Aber halt. Durchatmen. Konzentrieren, Eden. Nicht reinsteigern.
Denn es soll ja um die faulen, korrupten, arroganten, ignoranten und sowieso von Kopf bis Fuß BÖSEN Griechen gehen.
Und genau vor diesem Hintergrund finde ich es merkwürdig, nachdem wir jetzt einer Riege von faulen, korrupten, arroganten, ignoranten Idioten mit Handküsschen unzählige Milliarden geschenkt haben, und das verbunden mit lächerlichen Auflagen voller Hintertüren, damit sie auch ja weitermachen können wie bisher, bei den Griechen die Daumenschrauben anzulegen.

Tja, die sind eben nicht „systemrelevant“, hat es den Anschein.
Dumm gelaufen, Stavros.
Wobei es doch sehr fraglich ist, ob ein totaler Zusammenbruch Griechenlands nicht doch sehr interessante Folgen für die Währungsunion hätte.
Aber viel entzückender ist doch wieder einmal die Tatsache, dass die, die am wenigsten dafür können, am meisten von allen abbekommen.
Da wird in deutschen Medien munter von den faulen, arbeitsscheuen und korrupten Griechen berichtet, und in der Öffentlichkeit mokiert man sich, dass man diesen Faulpelzen, die doch eh den ganzen Tag nur Ouzo saufen, jetzt noch Geld in den Rachen schieben darf.
Und dann besitzen diese Schweine auch noch die Frechheit, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren und zu randalieren, wo man ihnen doch so großzügig hilft.

Wie können Sie nur?!
Wo es doch nur um IHR Leben und IHRE Existenz geht und darum, dass SIE genug Geld haben, um noch über die Runden zu kommen?
Aber natürlich verstehen Deutsche das nicht. Denn Deutsche lieben es ja anscheinend, lethargisch vor sich hin zu leben und Moos anzusetzen, während sie fortwährend in immer größerem und dreisterem Stil verarscht werden.
Wir würden ja erst auf die Straßen gehen, wenn man uns DSDS, Popstars und GNTM wegnimmt, wenn die Bild verboten und der Alkohol seinen Stand als gesellschaftlich akzeptierte Droge einbüßen würde.
Dann wäre hier rambazamba, aber gehörig.

Kopfpauschale im Gesundheitswesen? – Pfff.
Massenentlassungen trotz wirtschaftlichen Aufschwungs entgegen aller Versprechen à la „Wachstum bringt Arbeitsplätze!“ – Scheiß drauf, solang’s nicht ich bin.
Abbau des Sozialstaats und zunehmende Umverteilung von unten nach oben? – Egal, noch kann ich gut leben.

Aber wenn Dieter Bohlen, Heidi Klum und Detlef D!!! Soost inhaftiert würden, dann käm’s wohl zum Barrikadenkampf.

Und alle, denen zunehmende soziale Ungerechtigkeit nicht am Arsch vorbeigeht, spinnen doch sowieso und übertreiben maßlos.
Und die Griechen gleich sowieso und überhaupt!
Wenn ich da teilweise lese, sehe oder höre, was die deutschen Medien an hirnrissiger Scheiße verbreiten, wird mir schlecht.
Von wegen die Korruption, die durchweg in der ganzen griechischen Bevölkerung so normal ist wie die zwei Liter Ouzo zum Frühstück, rächt sich jetzt.
Seht euch mal um, ihr Pflaumen, was bei uns alles vonstatten geht. Welcher Politiker bei welchem Unternehmen für wie viel Kleingeld im Betriebs- oder Aufsichtsrat sitzt, wer für Interviews oder Vorträge wie viel bekommt, von welchen Instituten mit eindeutig wirtschaftlichen Interessen welcher Wissenschaftler samt seiner Studien „finanziert“ wird, um was zu sagen, wer die Öffentlich-Rechtlichen wirklich kontrolliert, welche Konzerne welchen „Volksvertreter“ schmieren, um an Aufträge von Vater Staat zu kommen, was da bei der Bankenkrise alles hinter den Kulissen abgegangen ist, wie hoch die Prämie ist, die ein Krankenhaus an einen Arzt zahlt, wenn dieser im Gegenzug einen Patienten dorthin überweist, ob der jetzt dort eine Behandlung braucht oder nicht und was die alle von Pharma-konzernen zugesteckt bekommen – und ihr wollt mir sagen, es ist die Korruption in der breiten Masse, die Griechenlands Finanzen in Schieflage gebracht hat?
So ein Schwachsinn – wenn überhaupt ist es die Korruption, die sehr viel weiter oben in der Hierarchie und in unvergleichlich größerem Maßstab stattfindet. Wenn überhaupt, dann ist es die soziale Ungerechtigkeit, eine bestenfalls schockierende Arbeitslosenversicherung, Politik, die nur noch im Namen von Lobbyisten geführt wird und ein Lohnniveau, dass die Leute am unteren Ende der Leiter praktisch ZWINGT, einer inoffiziellen Nebentätigkeit nachzugehen, um irgendwie über die Runden zu kommen, die Griechenland in die Scheiße geritten haben.

In diesem Bezug an der Stelle eine Mail von einer Betroffenen aus Griechenland, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Alles Schall und Rauch:

Hallo aus Hellas,

wo sich die Situation weit mehr zuspitzt, als in den deutschen Medien auch nur Ansatzweise berichtet wird.

Immer wieder lese ich beim Durchforsten der deutschen Berichterstattungen, dass „die Mehrheit der Griechen“ trotz aller Demonstrationen und trotz allen Widerstandes eben doch mit den Schritten der Regierung einverstanden sei. Das ist nicht einmal mehr eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge, wie ich sie selten gehört habe!!!

Viele kleine Geschäftsinhaber in den Städten geben auf, bevor sie zu weit in die roten Zahlen gerutscht sind, Ladenketten wie Lidl, Aldi, Praktiker und Media Markt können sich darüber freuen. Doch die Griechen sind bei den wahnsinnigen Einsparungen gezwungen, in Billigdiscounter zu gehen – wenn sie es auch gar nicht gern machen.

Einverstanden sind hier bestenfalls diejenigen, die von den Wahnsinnsschritten profitieren werden, das sind dann Geschäftsinhaber, die weniger Lohnkosten haben werden und die Oberschicht, die weder von den Steuererhöhungen (weil sie weiterhin ALLES werden absetzen können) noch von den erhöhten Lohnabzügen (weil sie davon nicht betroffen sein werden) profitieren werden.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Mein Mann ist Grundschullehrer im elften Dienstjahr. Wir haben ein 12-jähriges Kind. Bis einschliesslich April dieses Jahres hat mein Mann ein monatliches Nettoeinkommen von etwa 1.450 Euro gehabt, das meiste davon waren Beamtenzuschläge, das Lehrergrundgehalt ist sehr niedrig. Das enthaltene Kindergeld liegt bei um die 40 Euro, wenn ich mich nicht täusche, es ist sehr schwer, das alles aus der Gehaltsabrechnung herauszurechnen.

In diesem Monat nun wurden 140 Euro weniger überwiesen, denn die Lehrer müssen die seit Januar 2010 erhaltenen Zuschläge zurückzahlen. Dasselbe dann noch im Juni. Also liegt das Nettoeinkommen in diesen beiden Monaten bei etwa 1.310 Euro. Danach soll sich das monatliche Einkommen bei etwa 1.370 bis 1.400 Euro einpendeln, so wurden wir von der zuständigen Stelle informiert – aber ganz klar sei das im Moment noch nicht.

Ich selbst arbeite als Privatlehrerin für Deutsch als Fremdsprache, kann jedoch nicht offiziell arbeiten, da ein Gesetz verbietet, dass der Ehepartner eines staatlichen Lehrers im selben Landkreis, wo der Lehrer angestellt ist, als Privatlehrer tätig ist.

So haben wir also zwei Möglichkeiten: Entweder wir versuchen, uns bei den steigenden Lebenshaltungskosten und dem niedrigeren Einkommen meines Mannes irgendwie zu dritt durchzuwurschteln, oder aber ich arbeite ebenso, wie es die meisten Griechen machen …

Die Sicherheit des Einkommens, und sei es auch noch so niedrig, ist übrigens auch der Grund dafür, warum die meisten Griechen schon immer versucht haben, Beamte zu werden – und sei es auch durch Beziehungen. Denn hier gibt es kein Arbeitslosengeld, das auch nur mit Hartz V vergleichbar wäre – nach einem Jahr Arbeitslosigkeit hören die ohnehin schon niedrigen Zahlungen ganz einfach auf, das war hier schon immer so. Und dann … na ja, meistens springt die Familie ein und hilft, anders geht´s halt nicht.

Uns geht es jedoch noch verhältnismässig gut, wir werden sogar beneidet, denn zumindest kann ein Lehrer seinen Job nicht verlieren. Es gibt genug Griechen, die mit einem monatlichen Gehalt von um die 700 bis 1.000 Euro eine Familie durchzubringen haben, was schon jetzt kaum mehr machbar ist. Nicht wenige versuchen jetzt, mit ihren Familien bei den Eltern unterzukommen, damit sie sich wenigstens die Miete sparen.

Andere denken darüber nach, in eine der Grossstädte zu ziehen, weil sie sich dort eine bessere Arbeit erhoffen – ein Trugschluss, denn es gibt schlicht und einfach kaum Arbeit in Griechenland, das industriell kaum entwickelt ist. Also bleibt nur noch … die Schwarzarbeit. Und dabei geht es in den wenigsten Fällen um einen Zuverdienst, es geht wirklich nur ums nackte Überleben.

Und nun lese ich in deutschen Schmierenblättern, dass die Mehrheit der Griechen mit den Einsparungsplänen einverstanden sei!

Ein kleines bisschen logisches Denken müsste einem schon klarmachen, dass das nicht der Wahrheit entsprechen kann.

Klar, den Profiteuren der Sache ist alles Recht, aber der Durchschnittsgrieche ist langsam bereit, sein Überlebensrecht mit allen Mitteln zu verteidigen und von Zustimmung kann keine Rede sein.

Ausserdem hat die Erfahrung dieses Volk gelehrt, dass kein einziger Cent, der ins Land fliessen wird, auch nur irgendetwas ändern wird – die Korruption hat nach Meinung der meisten Griechen das zu erwartende Geld bereits unter ihren Kindern aufgeteilt und das, was TATSÄCHLICH in den Staatssäckel fliessen wird, ist ebenso schon verplant.

Der einfache Mensch auf der Strasse weiss also ganz genau, dass die wahnsinnigen finanziellen Mehrbelastungen, die ihn ja ohnehin bereits getroffen haben, noch weiter steigen werden, aber das nur, um „die Reichen und Einflussreichen“ noch ein Stück nach oben zu schieben – und er, der einfache Grieche, soll das finanzieren.

Von einer Zustimmung kann in meinen Augen in keinem Fall die Rede sein, denn dann wären die Griechen entweder komplett blöde oder ganz einfach alle Selbstmörder.

Ich denke, die Schwarzarbeit wird im selben Masse aufblühen, wie der Konsum zurückgehen und die Verschuldung des Einzelnen steigen wird.

Mit freundlichen Grüssen aus Hellas

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich keineswegs versuche, Ausbrüche von willkürlichem Vandalismus und Gewalt mit Verletzten und Toten zu rechtfertigen.
Soweit sollte es nie kommen, bei aller berechtigten Wut.
Aber ich kann das hier zugrunde liegende Gefühl eines breiten Teils der griechischen Bevölkerung nur zu gut verstehen, zumal wir uns bei aller sozialen Ungerechtigkeit, die auch hier bei uns zunehmend um sich greift, vermutlich nicht einmal annähernd vorstellen können, was Armut in Griechenland bedeutet.
Und weil alles Geld der Welt nichts hilft, wenn es irgendwo versickert, wo es nicht hin sollte – Die Änderung muss an anderer Stelle herbeigeführt werden, aber ohne jetzt die griechischen Verhältnisse allzu genau zu kennen, würde ich vermuten, dass ein bemerkenswerter Anteil der dortigen Machtelite aus vollkommen schleierhaften Gründen nicht sonderlich einverstanden damit wäre, wenn Korruption und Lobbyismus im großen Stil der Kampf angesagt wird.

Aber die, die ihr jetzt in den Nachrichten demonstrieren und randalieren seht, das sind die, die ohnehin schon Probleme haben, ihre bloße Existenz zu finanzieren, das sind auch die, die von den rigorosen Sparmaßnahmen betroffen sein werden, die wir den Griechen abgepresst haben, und das sind vor allem die, die verdammt nochmal einfach die Fresse dick davon haben, von allen ständig verarscht zu werden.
Und jetzt sogar noch von uns, die wir so blind sind, nicht zu sehen, dass wir uns auf dem besten Weg befinden, ihnen zu folgen.

Aber tja, tut uns leid, wir haben schon alles Geld, das wir sowieso nicht haben, für unsere Banken verpulvert.
Ist ja auch naheliegend.
Immerhin scheinen einige Politiker ja richtig dicke mit denen zu sein.
Man kennt sich, man trifft sich, man hält zusammen, und wenn zum Beispiel Josef Ackermann das sechzigste Jubiläum seiner verhängnisvollen Geburt feiert, dann schmeißt Frau Merkel im Kanzleramt natürlich eine Sause auf Kosten des Steuerzahlers.
Nach den hunderten von Milliarden Euro macht das bisschen Kleingeld schließlich auch nichts mehr aus, nicht wahr?

Angesichts solcher Arroganz, Überheblichkeit und Selbstvergessenheit gepaart mit einem unfassbaren Mangel an moralischen Prinzipien bleibt mir nichts anders, als mich vor den betreffenden Vertretern in den Schaltzentralen der deutschen Wirtschaft, Politik und Medien zu verbeugen.
Gegen euch ist die Mafia ein Scheißdreck.

ZOMG SEX LULZ! Freitag, Mai 7 2010 

Nein, das ist keiner dieser erbärmlichen Versuche, die Infotainment- und Boulevardmagazine zuweilen unternehmen, durch offenen Umgang mit dem Thema menschlicher Reproduktion Zuschauer/Leser/Hörer/Idioten zu gewinnen, in dem sie voyeuristische Tendenzen ausnutzen.
Na gut, doch, ist es.
Zumindest ein bisschen.

Und ihr seid drauf reingefallen.
Ha, ihr Idioten schmutzigen Perverslinge. =>

Aber hauptsächlich geht es hier um etwas Anderes, was mich wieder mal ernsthaft zu der Frage geführt hat, ob Lachen oder Kotzen jetzt das Näherliegende wäre.
Einige werden vielleicht mitbekommen haben, dass vor Kurzem bei einem Erbgutvergleich festgestellt wurde, dass die DNS des modernen Menschen Erbgut des Neandertalers aufweist. Ich weiß nicht, ob man das als wissenschaftliche Sensation bezeichnen darf, auf jeden Fall ist es sehr interessant, zumal man bisher davon ausging, dass die Neandertaler vom Homo sapiens verdrängt wurden – sozusagen die ersten Opfer aggressiver menschlicher Expansion.
Haha.

Nun liegt vielmehr die Vermutung nahe, dass die Neandertaler ihrerzeit zumindest in einem gewissen Rahmen durch Fortpflanzung zwischen beiden Spezies im modernen Menschen aufgingen. Zahlenmäßig waren sie ohnehin kaum dominant, Schätzungen zufolge lebten zu Hochzeiten nur zwischen 10.000 und 15.000 Neandertaler in ganz Europa.
Durchaus möglich also, dass die Neandertaler gar nicht im radikalen Sinne ausgestorben sind, sondern sich ihr Erbgut vielmehr mit dem des Homo sapiens vermischt hat.
Zumindest, soweit ich das alles mit meinem mangelhaften Wissen auf diesem Gebiet interpretieren kann.

Das alles fand ich eigentlich sehr interessant, als ich es heute morgen in der Zeitung las.
Und habe bis eben nicht weiter darüber nachgedacht.
Und dann kommt man mittags nach Hause, wirft Windows Live an und überfliegt die MSN-News, die man – nur zu meiner Verteidigung – aktiviert hat, weil sie als herausragendes Beispiel von Boulevardjournalismus immer mal wieder für einen Lacher gut sind.

Da klingt diese wissenschaftliche Entdeckung dann nämlich zum Beispiel so:

„Neandertaler und Menschen hatten Sex miteinander!“

JA!
Das ist natürlich die große Bedeutung dieser Entdeckung!
DIE HABEN GEBUMST! LOLOLOL
So kommt das nämliche zustande, liebe Kinder, mit Fortpflanzung und so weiter. Zum Beispiel damals bei euch, als euer Vater zwischen dem zwanzigsten Bier und der zweiten Halbzeit des Fußballspiels grade eben noch genug Zeit fand, eure Mutter zu bespringen, die nörgelnd und zeternd damit beschäftigt war, seine Kotze vom Laminatboden zu wischen.
Und deswegen erzählen wir euch nämlich immer diese Scheiße mit den Störchen.

Zumal die Feststellung, dass eine Paarung beider Spezies zu wiederum fruchtbaren Nachkommen führt, in der Hinsicht vermutlich viel weniger faszinierend ist als einfach nur die Einsicht, dass es zwei verschiedene Spezies miteinander getrieben haben.
Und in ein paar hunderttausend Jahren wird die moderne Zentaurengesellschaft von der wissenschaftlichen Entdeckung erschüttert, wie ihre Entwicklung aus den Pferden, ihren nächsten Verwandten heraus, vonstatten gegangen ist – wenn Archäologen eine alte Festplatte mit Beastporn ausgraben.
„Mit DENEN sind wir verwandt?“

Was man daraus alles für wissenschaftliche Folgeschlüsse ziehen könnte, wage ich jetzt noch gar nicht zu vermuten.
Ich bin mir allerdings relativ sicher, dass ein Vergleich des Paarungsverhaltens zwischen Neanderthaler und Hauptschüler weitere Erkenntnisse zu Tage fördern würde, die diese These untermauern.

Natürlich ist das alles nicht halb so interessant wie zum Beispiel die neuesten Infos über Mehrzad und Menowin oder wie die aktuellsten Endprodukte der C-Prominenz-Schmiede DSDS nochmal heißen, oder ein Video von einer vermeintlichen UFO-sichtung über LA und damit nur als Lückenbüßer gut. Aber hey, immerhin bringen wir irgendwie irgendwo das Wort „Sex“ unter. Ziel erreicht, Publikum zufriedengestellt, Klappe zu, Hirn tot.
Den intellektuellen Anspruch von prägnanten Eye-catchern wie „Sie haben es doch getan.“ oder „Es geschah im Nahen Osten.“ zweifle ich jedenfalls massiv an.
Aus dem Nahen Osten ist noch nie was Gutes gekommen.
Beispiel Christentum.

Zumal ich sowieso nicht verstehe, warum Boulevardmagazine mit der Taktik Promiskuität, Exhibitionismus, Freizügigkeit und allem, was auch nur im Entferntesten interessante Körperteile ganz uninteressanter „Prominenter“ behandelt – oder anders formuliert: Titten, Titten, Schwänze, Titten – heutzutage noch so viel Erfolg haben.
Leute, wenn ihr in eurem kümmerlichen Leben schon keinen findet, der mit euch ficken will, dann versucht’s doch im Internet, das besteht sowieso zu neunzig Prozent aus Pornographie. Warum da ein Nippelblitzer oder halbnackte Tussen, die um den Titel des Wasserrutschenchampions kämpfen, noch interessant sein sollen, ist mir schleierhaft.
Aber es geht ja nur um den sportlichen Aspekt.
Ist klar.
Außerdem wäre eine politische Disskusion im Bikini auch einfach nur noch absurd.
Könnte aber wieder Interesse für Politik wecken.

Claudia Roth und Angela Merkel, anyone?

Rrrrrr.

Über die moderne Prominentenobsession. Mittwoch, Apr 28 2010 

Es gibt da ja durchaus ab und zu so ein paar Sachen, die ich nicht verstehe.

Jetzt sagt ihr natürlich alle – Unmöglich! Der Eden versteht alles und weiß alles! Und dazu ist er noch unfassbar attraktiv, fährt ein verdammt geiles Auto und hat sowieso den längsten Schlong von allen.
Aber ich muss euch an dieser Stelle enttäuschen – das stimmt leider nicht.
Zumindest nicht ALLES davon.

Denn obwohl ich tatsächlich die manchmal für andere fast nervtötende Angewohnheit habe, alles, was mich interessiert, erstmal gründlich zu analysieren und mir autodidaktisch mehr darüber beizubringen, um es zu verstehen (und natürlich unfassbar attraktiv bin, ein verdammt geiles Auto fahre und einen unfassbar langen Schlong habe), gibt es Themen und Sachverhalte, da stoße ich an meine Grenzen.
Weil es mich einfach nicht genug interessiert, um dran zu bleiben, oder weil mir bestimmte dazu nötige Denkweisen nicht einleuchten wollen.
Quantenmechanik zum Beispiel. Französisch. Oder Frauen (Ich wette, das hat jetzt mindestens die Hälfte kommen sehen).
Und was heutzutage eigentlich los ist, dass jeder noch so blöde Vollidiot ohne jedes erkennbare Talent als „Promi“ gilt, womit dann sofort jeder noch so beschissen unbedeutende Aspekt seines beschissen unbedeutenden Lebens eine Schlagzeile abgibt.
Ich denke, die Leute, die der heutigen Medienlandschaft ähnlich kritisch gegenüberstehen wie ich, verstehen sofort, was ich meine.
Aber für alle anderen – und weil ich halt einfach gern ewig lange boshafte Texte über Leute schreibe, die glauben, ihre wertvolle Existenz der Öffentlichkeit präsentieren zu müssen – ein paar mehr oder weniger bekannte Beispiele.

Paris Hilton – Oh ja, die darf nicht fehlen. Zumal sie ein Paradebeispiel für den Punkt ist, den ich eingangs angeschnitten habe. Ich verstehe es einfach nicht. Warum ist die so interessant? Zugegeben, sie ist zuweilen in einem durchaus amüsanten Ausmaß einfach nur berauschend blöd, aber was ist daran so toll? Schaut euch mal in eurem persönlichen Umfeld um, ich bin sicher, da findet ihr genug berauschend blöde Leute. Und mit allem, was sie tut, beweist sie eigentlich immer wieder nur, dass sie außer blöd sein nichts drauf hat.
Schauspielern? HAHA!
Singen? Niemals.
Denken? Vergiss es.

Und was ist mit diesem schwachsinnigen Gelaber über sie als „It-girl“ und Trendsetterin? Nur weil ihr die richtigen Leute, die öffentlich niemals in Erscheinung treten, morgens ihre Sachen zum Anziehen hinlegen?
Hat meine Mutter früher auch gemacht.
Vielleicht hatte sie halt einfach nicht den richtigen Geschmack und den Instinkt einer Trendsetterin.
Verdammt aber auch! Diese Versagerin!

Was ich da sehe, WENN ich ab und zu mal etwas sehe, ist einfach nur eine berauschend blöde und unbedeutende Frau. Die sogar noch ein unglaublich langweiliger Fick zu sein scheint.
Womit sie zumindest das Klischee „Blöd fickt gut.“ glänzend widerlegt.

(Und ja, ich hab‘ das entsprechende Filmchen gesehen. Auch der so anständige und brave Eden hatte eine dreckige, versaute Jugend. =>)

Aber es gibt da auch genügend deutsche Beispiele, schauen wir mal… wie wär’s mit…

Boris Becker?
Mal ernsthaft, was hat dieser Mann heutzutage noch im öffentlichen Rampenlicht zu suchen? Was kann der? Was zeichnet ihn dermaßen aus, dass es irgendwie Interesse rechtfertigen würde?
Erinnert sich überhaupt noch irgendjemand daran, dass der angeblich mal Tennis gespielt hat und deswegen berühmt wurde? Macht er nämlich nicht mehr.
Heutzutage müsste man bei seinem Fall ja den Eindruck bekommen, dass es für das Endziel Prominenz schon reicht, eine läufige gehirnamputierte Fotze auf Beinen nach der anderen zu vögeln. (Ich hatte kurz überlegt, hier das Wort Nutte zu verwenden, aber ich wollte die Berufsgruppe nicht diffamieren. Immerhin sind die nicht umsonst.)
Gut, vielleicht ist dieser Eindruck gar nicht so falsch.

Aber was macht der sonst eigentlich noch großartig? Gut, läufige gehirnamputierte Fotzen schwängern und läufige gehirnamputierte Fotzen heiraten.
Ist aber auch nicht so besonders, das machen außer ihm noch viele andere.
Und um die aufschreiende Fraktion weiblicher Leser an dieser Stelle zu besänftigen: Ja, auch Boris Becker ist am Ende nur ein notgeiler gehirnamputierter Schwanz auf Beinen.

Wir halten also fest: Der sicherste, anstrengungsloseste Weg zu Prominenz scheint mittlerweile zu sein, ein Körperteil von einer als prominent bezeichneten Person in sich stecken gehabt zu haben, respektive eines der eigenen Körperteile in eine als prominent bezeichnete Person zu stecken.
Verdammt, wenn ihr euch gut anstellt, sagen wir, immer wieder demonstriert, wie unglaublich blöd ihr seid, schafft ihr’s damit vielleicht sogar, länger als zwei Tage prominent zu bleiben! Beispiele gibt’s genug.
Aber am Ende, ob prominent oder nicht, seid ihr eben einfach doch nur berauschend blöd.

Mal ganz zu schweigen von der Invasion der Medien durch Heerscharen von Menschen, die sich entweder selbst als prominent sehen oder von anderen gehyped werden (ProSieben und seine „Topmodels“ und „Popstars“).
Früher sprach man da von B-Prominenz, irgendwann schien das dann zu hochgesteckt und die C-Promis waren geboren. Heute ist selbst das eine scheinbar etablierte Berufsbezeichnung, derer sich keiner der Betroffenen schämt – ganz im Gegenteil, man schämt sich ja sowieso für nichts mehr – und einige Zyniker fangen schon an, von Z-Promis zu reden.
Wobei das immer noch zu hoch gestapelt ist.
Das Alphabet hat einfach zu wenige Buchstaben.

Da ist mir beim Durchblättern unserer Fernsehzeitung vor Kurzem ein durchaus gutes Beispiel ins Auge gefallen; Ich weiß nicht, wie viele mit dem Titel „Das perfekte Promi Dinner“ etwas anfangen können.
Hier mal die Beschreibung der Fernsehzeitung (9. Mai, VOX, 20:15):
„Sie sind Dinnerpartys gewohnt, genießen auf Galas die köstlichsten Speisen und bekommen im Edelrestaurant von Profikellnern (Anm.: von PROFIkellnern? O rly? Wer klatscht denn dann uns in unseren billigen Kaschemmen das Fressen auf den Tisch? Der Müllmann?) die erlesensten Weine serviert. Doch wie stellen sich Prominente wie Saskia Valencia, Raúl Richter, Detlef D! Soost und Peer Kusmagk selber als Gastgeber an?“
Da denkt man sich dann natürlich „AH JA! Die… und der…die doch…das Dings da gemacht haben, von wegen…ähm…wer?“

Zugegeben, Detlef D!!! Soost kennt man. NATÜRLICH kennt man den. Wie könnte man Detlef D!!!!1 Soost auch entkommen, mittlerweile? Gut halb Deutschland müsste ja mittlerweile von ihm gecastet worden sein. Mir persönlich – Überraschung – hängt Detlef D!!!!111einself Soost schon seit der ersten Popstars-staffel einfach nur zum Hals raus, aber scheinbar hat der Rest Deutschlands immer noch nicht genug von diesem… Wesen.
Scheint in dem Fall also das gewaltige Zugpferd der entsprechenden Folge zu sein.
Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie sich die Person, die man überhaupt nicht ausstehen kann und am liebsten nie wieder sehen würde, beim Kochen und Essen anstellt?
Naja, ich.
Aber auf mich hört ja keiner, im Allgemeinen.

Aber wer sind denn dann die ganzen anderen Gehirnlosen in der Riege der Volksverblöder?
Natürlich habe ich da als verantwortungsbewusster Blogger gleich mal recherchiert, was hinter diesen Namen steht.

Google und wikipedia förderten dann folgende Erkenntnisse über die neuere Menschheitsgeschichte zutage:

Saskia Valencia, geb. Gehrke (* 21. Juli 1964 in Rostock), ist eine deutsche Schauspielerin und Fernsehmoderatorin, die vor allem in der Rolle der Journalistin Saskia Rother in der RTL-Soap Gute Zeiten – Schlechte Zeiten (1993–1996) und als Rechtsanwältin Maren Waldner (2003–2008) in der ZDF-Serie Unser Charly bekannt wurde.

Ah ja!
Das macht in zweierlei Beziehung Sinn; Erstens, warum ich noch nie von ihr gehört habe, und zweitens, warum sie in diese Show passt. Da sind die Zielgruppen ja fast deckungsgleich.

Über Raúl Richter wiederum wird spekuliert, dass er wohl Schauspieler und Synchronsprecher sei, unter anderem bei – Überraschung! – GZSZ.

Bekannt wurde Raúl Richter durch die Rolle des Dominik Gundlach in der RTL-Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten, in der er seit Ende 2007 zu sehen ist. Seine Filmrolle sieht der Schauspieler trotz seines GZSZ-Erfolges inzwischen mittlerweise kritisch. Die Figur sei „zu pubertär“ und als „Weichei“ angelegt.

Darüber hinaus ist er seit 1999 als Synchronsprecher tätig, u.a. in den Filmen Dragonball Z als Dende, Power Rangers als Xander, Queer as Folk als Cody oder bei Desperate Housewives als Sam Allen.

Hand hoch, wer findet noch, dass die beiden Absätze inhaltlich irgendwie nicht zusammenpassen?
Lieber Raúl, wer bei GZSZ mitspielt, Dende und einen Power Ranger synchronisiert, der sollte um Worte wie „pubertär“ oder „Weichei“ einen großen, einen gewaltigen, einen erdumrundenden Bogen machen.

Kusmagk startete seine Fernsehkarriere beim DSF. Anschließend spielte Kusmagk in der RTL-Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten (Anmerkung des Autors: Erkennt jemand ein Muster?) von 2001 bis 2003 als Ben Bachmann eine Hauptrolle. Daneben war er bei VOX und ProSieben tätig.

Was soll denn das, ist das hier eine GZSZ-Reunion?
Meine persönliche Vermutung ist ja, dass drei Viertel dieser Stars, die exklusive Dinnerpartys und Galas mit den köstlichsten Speisen gewohnt sind, einfach so froh waren, überhaupt mal wieder einen Job und was zu essen zu bekommen, dass sie VOX kostenlos das Studio gestürmt haben.
Vielleicht lehne ich mich damit aber zu weit aus dem Fenster.
Kann sein.

Jetzte stelle ich mir nach alldem allerdings die Frage: Wer sieht sich das an? Wen interessiert das, wer von denen kochen kann und wer nicht? Wie kann das sein, dass GZSZ immer noch läuft, wo die doch langsam jedes überdramatisierte Szenario und jede noch so schmalzige Personenkonstellation fünf Mal durchhaben müssten? Wie viel Ausrufezeichen kann ein einzelner Name vertragen? Warum kurbeln wir nicht die Konjunktur der Rüstungsindustrie an und führen wieder Standgerichte und Erschießungen ein, um die loszuwerden? Was ist das, woher kommt diese Faszination der Masse für Menschen, die genauso blöd und unfähig oder noch blöder und unfähiger sind als sie selbst? Selbst wenn sie schon lange nichts mehr tun oder sagen, was irgendwie einen signifikanten Wert für die Gesellschaft hätte?
Ich versuche ja durchaus öfter mal, wenn ich merke, dass ich mich zu sehr in etwas hineinsteigere, mich zurückzulehnen, durchzuatmen und mein Gegenüber zu verstehen.
Aber hier stoße ich einfach an meine Grenzen.
Wirklich. Ich begreife es nicht.
Kann mir das irgendjemand erklären?

Zumal, wenn sie nur Vorbilder und Objekte gottesgleicher Verherrlichung oder Idealisierung sind, WEIL sie prominent sind… dann ist das für mich einfach lächerlich.
Das sind Menschen. Die irren sich, die machen Fehler, die bauen Scheiße, die benehmen sich ab und zu wie die letzten Idioten. Wobei ich das Phänomen, dass genau die, die sich ganz besonders schamlos und absichtlich wie Arschlöcher aufführen, nicht selten gar am meisten idealisiert werden, am wenigsten von allem verstehe.
Und wenn dahinter das Verlangen steht, sich selbst auf diese Leute zu reflektieren, weil man auch gerne prominent wäre… dann bleibt lieber bei der Möglichkeit, die das Reinstecken von Körperteilen in Körperöffnungen eines anderen Menschen beinhaltet. Geht schneller, ist realitätsnäher, und funktioniert bei den heutigen Medien bestimmt.

Und vielleicht rotten sie sich dann ja irgendwann über Geschlechtskrankheiten alle gegenseitig aus und Leute wie wir haben unsere Ruhe.

Wie auch immer, um hier das geschriebene Äquivalent eines Cliffhangers abzuliefern und weil es meiner Meinung nach thematisch zwei deutlich unterscheidbare Gedankengänge sind, das war der erste Teil meiner persönlichen Meinung zur modernen Prominentenobsession, der zweite Teil kommt in Bälde.
Stay sharp, stay tuned.
(… Das wollte ich einfach schon immer mal schreiben. =D)

Gezeichnet,
Eden E! Unzensiert

Der moderne Mastbetrieb: Fast Food und Dauerbeschallung Freitag, Mrz 19 2010 

Ich esse ja allgemein sehr gerne an Plätzen, die ziemlich öffentlich sind.
Ich esse auch gerne zuhause, aber da ich unter der Woche in der Regel ständig irgendwie unterwegs bin, ist das meist nur an Samstagen und Sonntagen der Fall.

Der Grund ist ja auch nicht, dass mir das Zeug bei McDonalds, Burger King, Kantinen oder irgendwelchen Wirtshäusern besser schmeckt als das, was mir zuhause vorgesetzt wird.
Und billiger ist es schon mal gleich gar nicht, das ist vollkommen klar.
Aber ich mag es einfach, während ich auf mein Essen warte oder nachdem ich es gierig wie ein Schwein verschlungen habe, meine Umgebung ein bisschen zu beobachten.
Besonders natürlich die Menschen darin.

Dabei bekommt man vieles mit, von einzelnen Gegebenheiten, Absurditäten und Demonstrationen inhumaner Dummheit über ritualisierte Gewohnheiten, wenn man gewisse Personen immer wieder zur selben Zeit am selben Futtertrog vorfindet, bis hin zu Spiegelbildern ganzer Schicksale.

Es gibt da nämlich zum Beispiel eine alte Frau – ich bin nicht gut darin, das Alter von Menschen abzuschätzen, aber ich vermute, sie ist etwa achtzig, so um den Dreh – die man jeden einzelnen Tag der Woche, vom Moment der Öffnung an bis in den späten Nachmittag hinein in einer Filiale von McDonalds im Stadtzentrum sitzen sieht.
Manchmal einfach nur mit abwesendem Blick vor sich hin starrend, manchmal Zeitung lesend, je nach Tageszeit vielleicht mit einem Pappbecher Kaffee, einem anderen Getränk oder einem fein säuberlich zusammengefalteten Packpapier eines Cheeseburgers vor sich auf dem Tisch. Manchmal beobachtet sie auch nachdenklich einige andere Gäste – dann frage ich mich, ob sie am Ende dieselbe Gewohnheit hat wie ich – und manchmal bewegt sie sich so lange einfach überhaupt nicht, dass ich mich unwillkürlich ab und zu frage, ob sie nicht tot ist.
Aber immer ist sie allein.
Natürlich ist es jetzt auch nicht unbedingt sehr fundiert, aus solchen Beobachtungen Vermutungen über das Schicksal einer Person anzustellen, aber ich sehe darin oft das traurige Schicksal nicht weniger alter Menschen reflektiert, die in zunehmender sozialer Isolation und gefühlter Nutzlosigkeit apathisch ihrem Ende entgegenleben.
Von Tag zu Tag.
Dann tut mir diese Frau oft wirklich leid.
Aber wie der Rest der anderen Gäste fresse ich eben meistens doch nur schnell meinen Müll, sitze dann vielleicht noch ein paar Minuten herum und gehe wieder. Wenn nicht, spiele ich zwar tatsächlich ab und zu mit dem Gedanken, sie einfach mal unvermittelt anzusprechen, aber – zugegebenermaßen, ich bin eben wirklich nicht gut darin, auf fremde Menschen zuzugehen und Konversationen zu starten.
Zumal meine Kompetenzen im Smalltalk-bereich, mit dem die Allermeisten so etwas einleiten, tatsächlich erbärmlich sind. Was daran liegen mag, dass mich der übliche Smalltalk auch einen Scheißdreck interessiert.
Liegt vermutlich einfach daran, dass ich im Normalfall eher in meiner eigenen kleinen Welt herumirre und mich durch das gewaltige Chaos in meinem Kopf wühle, statt mich auf soziale Interaktion zu konzentrieren.
Sogar auf Parties. Wo ich meistens der klischeehafte schweigsame Typ bin, der rauchend vor einem Glas Whiskey an der Bar steht und vor sich hinstarrt.
Weshalb ich „normale“ Parties, also Massenbesäufnisse, bei denen die Hemmschwelle für jede Art gesellschaftlicher Reglementierung unter dem Erdboden versinkt und es am Ende irgendwann nur noch um sinnlosen Smalltalk zwischen läufigen Freizeitnutten und denkenden Schwänzen auf Beinen geht, der möglichst zum Ficken führen soll, im Regelfall inzwischen auch sehr erfolgreich meide.
Manchmal zieht das Klischee des schweigsamen rauchenden Typs mit dem Whiskeyglas zwar auch einige Menschen an, ob Männlein oder Weiblein, die dieses Klischee faszinierend finden mögen, ich weiß es nicht. Aber ich selbst mache wirklich fast nie aktiv den Versuch, auf andere Menschen zuzugehen.

Aber egal. Ich schweife ab.
Die alte Frau ist jedenfalls eines der interessanteren – und vielleicht euch etwas melancholisch stimmenden – Beispiele, was ich da so beobachte. Wie gesagt, sehr viel häufiger sind alltägliche Absurditäten, Lächerlichkeiten und offen zur Schau gestellte Dummheit.

Oder Ereignisse, die irgendwie alles miteinander kombinieren.
Wie vor Kurzem geschehen, als ich gegen Mittag an einer anderen Filiale des Restaurants zum goldenen M vorübergefahren bin und mir dachte, ich könnte da ja kurz mal Essen fassen.
Wie in vielen anderen Restaurants dieses Franchises war auch dieses in den letzten Jahren scheinbar stark modernisiert worden, um ihm irgendwie eine moderne Ästhetik zu verleihen.
Falls es so was gibt.
Das ging von verspiegelten Wand- und Deckenflächen über einen in Glas eingefassten Kamin mit einem elektrischen Feuer bis hin zu zahlreichen Flachbildschirmen, die in einem endlosen Stakkato Musikvideos, Promi-news und natürlich Werbung auf die Kundschaft abfeuerten.
Andere Sachen wie echte Nachrichten wären ja auch ungünstig, wie die Verantwortlichen sehr richtig realisiert haben. Das interessiert die Leute eben einfach lange nicht so sehr wie dieser Schwachsinn.
Und so wird der Untergang der Esskultur, der soziale Faktor des Mittagessens, das Familienideal eines gemeinsamen Mahls, durch elektronische Geräte ersetzt, die dir alles über die Leute erzählen, die du wahrscheinlich nie im Leben treffen wirst.
Aber, wie schon mal an anderer Stelle erwähnt… das ist man ja inzwischen alles gewohnt.
Der ganz normale Schwachsinn, sozusagen.

Nach kurzer Zeit saß ich dann also auf meiner Kunstlederbank vor meinem Kuntsstofftisch mit dem Kunststofftablet und dem Kunststoffessen darauf.
Und wie ich das eben gerne tue, beobachtete ich nebenbei, was so um mich herum geschah.
Dabei konnte selbst ich irgendwann nicht mehr verhindern, dass meine Aufmerksamkeit sich zeitweise den Bildschirmen zuwandte.
Zumal sie einfach ÜBERALL waren, verfluchte Scheiße.
Und da erfuhr ich dann so nützliche Sachen, wie das im lokalen Kino bald ein Film laufen würde, der tatsächlich „LOL“ heißt, dass es in Hollywood rumorte, Nicole Richie würde bald heiraten… und natürlich dass man nicht mal mehr beim Fressen von Werbung verschont wird.

Wieder mal blieb mir da Germany’s next Topmodel als herausragendes Negativbeispiel in Erinnerung.
Wir stellen uns folgende Szenerie vor:
Eine modisch gekleidete Frau mit Topfigur, professionell geschminkt und wahrscheinlich zudem digital überarbeitet, sitzt auf einer Bank in einem friedlichen Park und fummelt an ihrem Nintendo DS herum, wobei man ihr ansieht, dass sie fünf Minuten vor Drehbeginn nicht wusste, dass es so etwas überhaupt gibt.

Was sie spielt? „America’s Next Topmodel“, erhältlich für Wii und DS.

Und wie auf Kommando bricht plötzlich Chaos um sie herum aus. Journalisten, Kameramänner und Fotografen stürmen von allen Seiten ins Bild und umringen sie, Blitzlichtgewitter, Stimmengewirr, das Knipsen von Fotoapparaten. Sie sitzt da mit einem überraschten Gesichtsausdruck, den ich mit zwei Promille noch besser spielen könnte und fängt nach kurzer Zeit an, sich in Pose zu werfen, räkelt sich auf der Bank und spielt ihre Rolle an dieser Stelle zum ersten Mal wirklich überzeugend.
Es folgt der Übergang, das Spiel wird gezeigt und irgendeine verschlafene Praktikantin liest einen Text ab, an den ich mich nicht mehr erinnere, der aber wohl auf „Werde zum Topmodel blahblub sei ein Star wargh!“ hinausläuft.

Tja, da sitzt man dann, und vergisst fast, dass man eigentlich zum Essen hier ist.
Man wendet den Blick ab und beobachtet seine Umgebung, vornehmlich bevölkert von Menschen, über die genau die Leute, die diese Werbung erdacht haben, wohl die Nase rümpfen würden; Ungepflegte Unterschichtler, Handwerker mit Schweißgeruch der nicht mehr im ignorierfähigen Rahmen liegt, Menschen, die Klamotten anhaben, die aussehen, als wären sie von der Altkleidersammlung aus Afrika zurücktgeschickt worden.
Und alle tapsen sie durch den modernen Mastbetrieb, sitzen zufrieden grunzend um ihre Plastikfuttertröge herum und stopfen das billige Fressen in sich hinein, dass ihnen vorgeworfen wird, während der Bauer ihnen mit einem Megafon von einer Empore aus zuschreit, immer weiter zu fressen und sich vollzustopfen, weil sie nur schön sind, wenn sie so fett werden, dass sie aus allen Nähten platzen. „Fressen und schlafen, das ist euer Idealzustand, euer Paradies, und wir geben euch alles was ihr braucht in unserem grenzenlosen Altruismus!“
Und im Hinterraum wetzt der Schlächter schon seine Messer.

Nicht weit von mir, ein paar Tische weiter, zwei Weibchen der Gattung Homo sapiens, denen man auf den ersten Blick an ihrer hautengen, glitzernden und blinkenden, pelzigen Bekleidung und dem bröckelnden Putz auf ihren Gesichtern ansieht, dass sie die Beine schon breit machen würden, wenn man mit einem frisch gewaschenen, tiefergelegten Fiat Cinquecento vorführe.
Warum frisch gewaschen?
Weil er dann so krass glänzt.

Jedenfalls erkannte man sofort an dem glasigen Blick, mit dem eine von ihnen den Bildschirm fixierte, während die andere sich genüsslich und auf nicht gerade appetitliche Weise Nahrung zuführte, dass das System funktionierte.
Als sie dann auch noch mit einem Stupser, den ich persönlich als Kinnhaken definieren würde, die Aufmerksamkeit ihrer Freundin forderte, dem Bildschirm zunickte und wohl so etwas sagte wie „Schau mal, geil ey!“, musste ich einen Moment überlegen, ob ich jetzt weinen, aufstehen und die ganze Einrichtung zerlegen oder lachen sollte.

Ich entschied mich zu lachen.

Einfach, weil’s am angenehmsten ist.

Und man auf lange Sicht nicht überleben wird, wenn man sich für eine der anderen Alternativen entscheidet. So berechtigt sie auch erscheinen mögen.

Und man kann ja zum Beispiel auch darüber lachen – oder sich zumindest, gemein wie man ist, schadenfroh darüber freuen – dass die neue Staffel GNTM Berichten zufolge äußerst schlechte Quoten einfährt.
Vielleicht ist man sogar so optimistisch, zu hoffen, dass dies das Ende dieses Formats bedeuten könnte.

Womit man sich aber am Ende selbst belügen würde.

Denn der nächste Schwachsinn kommt bestimmt.

Nockherberg 2010 Samstag, Mrz 13 2010 

Als kleine Unterbrechung des schnöden Text-marathons zwei Videos vom Starkbierfest am Nockherberg 2010, einer bayrischen Veranstaltung, bei der Politgrößen einiges an Satire über sich ergehen lassen müssen – und dabei nichts anderes tun können, als hemmungslos falsch und gekünstelt zu lachen, um den schönen Schein zu wahren.

Helmut Schleich richtet als verstorbener Franz Josef Strauß über seine Nachfolger.
… und das Ende des von ihm angekündigten Singspiels „Bavaria sucht den Superpolitiker“.

Nach der Wiederholung der Live-übertragung des Starkbierfests am Nockherberg im bayrischen Rundfunk gab es übrigens einige totgeschwiegene Kritik daran, dass Stellen, die der Politik nicht gefallen haben, gestrichen wurden. Natürlich nur, um die Sendung auf eine angebrachte Länge zu reduzieren, die in das Programm des Senders passt.
Die Pointe eines Witzes, über den ich schon lange nicht mehr lachen kann.

Wer jetzt übrigens den Gedanken, dass es sich hier gerade um eine Verzögerungstaktik handelt, um irgendwelchen Inhalt ohne besonders viel eigene Arbeit anzubieten, nicht verdrängen kann… der hat damit durchaus recht. Ich habe derzeit etwas wenig Zeit, aber ich hoffe, den nächsten Eintrag noch dieses Wochenende fertig stellen zu können.

Im Lande der Dichter und Denker… Donnerstag, Mrz 4 2010 

… da wird nicht mehr gedichtet und vor allem nicht mehr gedacht.

Nein, das soll jetzt keine Abhandlung über den erschreckend massiven deutschen Braindrain, die massenhafte Auswanderung unserer Akademiker vor zu Tode gesparter Wissenschaft und Forschung in andere Nationen werden, die mit wesentlich besseren Konditionen locken und uns Handküsse dafür zuwerfen, dass wir einen Großteil ihrer zukünftigen Bildungselite zum Nulltarif ausbilden.
Obwohl das ja auch ein wunderschönes Thema ist.
Erinnert mich jemand daran, mich darüber nochmal irgendwann hier aufzuregen?

Aber nein, vielmehr will ich diesmal von einem Ereignis berichten, dass mich, wie das ja sehr oft so ist, wenn ich mir die Welt um mich herum mal wieder etwas genauer ansehe, doch etwas traurig gestimmt hat. Und außerdem die ultimative wirtschaftliche Wahrheit bestätigt, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt.
Was mich in diesem Fall gleich noch trauriger macht.
Nun, ich vermute, nicht allzu viele Leser hier wissen, dass ich mich derzeit mit einem bezahlten Praktikum in einer Buchhandlung vor zu viel Freizeit und Gelegenheit zum Nachdenken bewahre.
Ja, jetzt wisst ihr’s.
Jedenfalls begab es sich also vergangenen Freitag, als ich am Feierabend gemütlich vom Laden zu meinem Auto flanierte, dass ich an der Buchhandlung Pustet vorüber kam, in der ich früher immer gekauft habe. Ich muss an dieser Stelle gestehen, auch bei mir hat in den letzten Jahren das Browsen auf amazon das Stöbern im Laden größtenteils ersetzt – ich hatte das Geschäft also seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr betreten.
Wie dem auch sei, ich hatte Feierabend, das Wochenende stand vor der Tür und auf mich wartete nur ein kaputter Computer und eine neoamazonische Rasurfaschistin, daher beschloss ich, mir mal ganz lockerflockig anzusehen, was „die Konkurrenz“ so zu bieten hat.
Ich betrat also zielstrebig das für eine Buchhandlung doch sehr große Geschäft und brachte erstmal mit eiligen Schritten die gefühlten zwei Dutzend Regale hinter mich, die unter der Last unzähliger Exemplare Twilight, Harry Potter, der „Biografie“ „von“ „Bushido“ und was weiß ich was sonst noch fast zusammenbrachen. Bis ich den hinteren Bereich erreichte, in dem sich schon deutlich weniger Lebewesen tummelten.
Diejenigen also, die nach Büchern suchten, die nicht mit Postern, Plakaten und menschengroßen roten Papppfeilen für die ganz Blinden angepriesen wurden oder die noch bereit waren, zwanzig Schritte zu gehen, und das Angebot nach dem Werk ihrer Wahl zu durchforsten.
Wie gesagt – deutlich weniger eben.
Da war ich nun also und arbeitete mich langsam, Schritt für Schritt, durch die beschrifteten Sektionen, um mir mal einen Überblick zu verschaffen.

Da hätten wir die beachtlich umfangreiche Abteilung „Kochbücher“ mit mehreren wunderschön gestalteten Rezeptauflistern für HartzIV-empfänger, die kulinarische Köstlichkeiten zum Niedrigstpreis anpriesen und dem Leser zum Beispiel empfahlen, in seiner beträchtlichen Freizeit doch einfach mal auf dem Rasen vor der Plattenbauwohnung nach Kräutern zu suchen. Denn wir wissen ja alle, diese Schweine faulenzen sowieso den ganzen Tag auf ihren Luxusyachten, schlürfen teuren Champagner und genießen in „spätrömischer Dekadenz“ ihren „anstrengungslosen Wohlstand“.
Nur zu fressen können sie sich bei so viel Luxus dann eben nichts mehr leisten. Höchste Zeit also für professionelle Kochbücher.
Demnächst dann übrigens der Nachfolger, Stalingrad-version: Was man aus verwesten Tierkadavern noch alles rausholen kann und wie man welches Körperteil am Menschen am besten zubereiten sollte!
Aber davor müssen wir den Sozialstaat noch ein bisschen abbauen.
Keine Sorge – wir arbeiten schon daran.

Dann wären da noch die Mangas, mit beeindruckender fachlicher Kompetenz einfach kommentarlos in der „Comic“-sektion untergebracht, womit unsere kulturelle Ignoranz wieder einmal absurde Blüten treibt.
Love Hina praktisch direkt neben Asterix und Tim und Struppi?
Oh je.

Außerdem die ausufernde Sektion „Ratgeber/Lebenshilfe“, wo einem absolut Unbekannte ohne ersichtliche Bescheinigung ihrer Kompetenz Crashkurse zum Thema „möglichst schnell Glück/Zufriedenheit/Karriere/Geld“ anbieten.
Ich frage mich nur, warum es dann heutzutage so viele Arbeitslose und Depressive gibt – Tendenz steigend – wo das Angebot doch so breitgefächert ist.
Oh ja, natürlich, Entschuldigung – weil man dafür zwanzig Schritte gehen müsste.
Aber hey – zumindest dürften die Autoren glücklich und zufrieden sein. Und Geld bekommen sie wohl auch genug!

Die Sektion „Humor“ übergehe ich jetzt mal genau so schnell, wie ich daran vorbeigegangen bin, als ich Mario Barths Fratze auf dem Langenscheidt-knieschuss „Frau – Deutsch/Deutsch – Frau“ gesehen habe. Übrigens gibt es auch schon „Frau – Deutsch/Deutsch – Frau 2“, „Mann – Deutsch, Deutsch – Mann“, „Sex – Deutsch, Deutsch – Sex“, „Anwalt – Deutsch, Deutsch – Anwalt“ und demnächst „Tisch – Deutsch, Deutsch – Tisch“.

Über die Sektion „Klassik“ schweige ich mich ebenfalls aus.
Gezwungenermaßen.
Wenn’s die gibt, hab‘ ich sie nämlich nicht gefunden.

Aber da! Was ist das! Was sehen meine tränengefüllten Augen! Eine „Philosophie“-sektion! Tatsächlich! Es gibt noch Hoffnung!
Da standen sie also vor mir, die großen Werke jener deutschen und internationalen Denker, die Bücher, die einem bei der Lektüre eine ganz neue Sicht auf sich selbst und die Welt offenbarten, wenn man sich nur auf sie einließ.
„Die Kommunion – Mein Erinnerungsalbum“
Hm?
„Wege zum Glück“
Was zum…?
„Das alte und neue Testament für Kinder“
Bitte?!

Ich dachte einen Moment lang, da hätte jemand was falsch einsortiert. Kann ja durchaus passieren, wenn man auch Love Hina neben Asterix und Tim und Struppi stellt.
Aber nein, es wirkte vielmehr als hätte die Sektion links daneben – „Religion“ – eine massive Offensive gestartet und den Philosophiebereich mit jeden Widerstand brechender, unterdrückerischer, hirnloser Gewalt erobert.
Und je länger ich nach Titeln suchte, die man wirklich als philosophische Werke bezeichnen konnte, ohne rot zu werden, desto grausamer wurden die Entdeckungen, die ich machte.
Natürlich gibt ein Eden nicht so schnell auf. Als sich in den Bereichen auf Augen-, Brust-, Magen- und Kniehöhe nichts finden ließ, ging ich trotz meiner berühmt-berüchtigten Faulheit tatsächlich in die Hocke, um mir die unterste Reihe durchzusehen.
IN DIE HOCKE!
SO VERZWEIFELT WAR ICH!

Und ich sollte belohnt werden. Was meine Stimmung nicht zwangsläufig hob.
Da standen sie, ganz unten ganz rechts, gerade noch so reingequetscht, wie es schien.
Fünf kleine Büchlein.
Nietzsches „Also sprach Zarathustra“, „Die fröhliche Wissenschaft“, und – Entscheidet euch schon mal, ob ihr lachen, weinen oder kotzen wollt. Habt ihr’s? Gut, dann weiter. – „Der Antichrist“.
Neben Kinderbibeln und Kommunionsalben, die den Geist unserer wehrlosesten Gesellschaftsmitglieder mit platten, billigen Gleichnissen und pseudotiefgründigen Phrasen vergewaltigen sollen.
Wir halten in dieser Zeile einmal kurz inne und stellen uns alle zusammen vor, wie Friedrich Nietzsche in eben diesem Moment in seinem Grab rotiert wie eine CD im Laufwerk.
Das andere war ein kleines… ich sage mal, Prospekt „Schopenhauer für Anfänger“. Zwei Mal.
Das war es.
Fünf „Bücher“. Drei von Nietzsche und zwei über Schopenhauer.
Philosophie heute.

Kant? Vergiss es.
Hegel? In deinen Träumen.
Kierkegaard? Ist das was zum Essen?
Hobbes? Sartre? Rousseau?
PLATON?!
Nein.

Das war der Moment, an dem ich aufstand und ging. Und zusah, dass ich möglichst schnell zu meinem Auto komme.
Damit mich niemand beim Weinen sieht.

Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch.
Wenn hier jemand gerne Twilight liest, sei es ihm gegönnt (solange derjenige bei Robert Pattinsons Anblick nicht die Kontrolle über höhere Denkfunktionen, sein Kreischorgan und seine Blasenfunktion einbüßt – dann jedoch müsst ihr euch gefallen lassen, von mir als herausragende Vollidioten bezeichnet zu werden.), Harry Potter mag ich selbst, so simpel gestrickt es in jeder Beziehung auch sein mag, es hat immerhin dazu beigetragen, viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene zum Lesen zu bringen, auch solche, die vorher beim Anblick von gedruckten Worten die Flucht ergriffen hätten, und wer der Meinung ist, die Biografie von Bushido, geschrieben von einem Menschen, der bestimmt von Bushido ordentlich bezahlt worden ist, sei irgendwie interessant – bitte.
Aber muss es nicht wenigstens auch für Leute wie – und ich benutze dieses Wort jetzt mal pauschal, ganz auf eigene Gefahr – „uns“ ein Angebot geben, dass unsere Nachfrage befriedigt? Oder sind wir so wenige? So verdammt wenige, dass wir unbemerkt durch das Raster der Marktforschung in die unergründlichen Tiefen der Massenverblödung fallen?
Scheinbar.

Denn glaubt ihr, ich habe irgendetwas von Kafka gefunden?
Habe ich nicht.
Oder denkt ihr, irgendwo hätte Goethes Faust rumgelegen?
Lag er nicht.

Damit nähern wir uns hier ganz langsam und vorsichtig einer Thematik an, die in allerlei intellektuellen Kreisen oder solchen, die sich dafür halten, hinlänglich bekannt ist;
Darf es denn überhaupt sein, dass die wahre literarische Kunst, Werke, die nicht nur handwerklich grandios gemacht sind und die Bezeichnung Kunst allein dadurch verdienen (und nein, eine Charlotte Roche verdient diese Bezeichnung nicht, wenn sie mit modern-geschliffenen vermeintlich Geistigkeit andeutenden Phrasen über alles schwafelt, was die Männerwelt nie wissen wollte – das haben vor ihr schon ganz andere gemacht, nur hatten die wirklich geistige Tiefe und eine Intention abseits von Ekel, Tabubruch und Schockwirkung, deren Fehlen nicht durch einen erzwungen pseudokünstlerischen Schreibstil vertuscht werden musste. Und deswegen keinen Erfolg. Von den ganzen Trittbrettfahren, die ihr Werk auf den Plan gerufen hat, ganz zu schweigen.), sondern die auch eine Botschaft transportieren, zum Nachdenken anregen, (Selbst-)Erkenntnise provozieren und – in unserer Zeit vielleicht wichtiger denn je – kritisieren, von mal mehr, mal weniger platter Unterhaltungsliteratur verdrängt werden, deren Erfolg vornehmlich darauf beruht, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Interessen und Bedürfnisse möglichst vieler verschiedener Zielgruppen anzusprechen?
Ja.
Das darf sein.
So grausam es für Leute wie uns auch klingt.
Das darf so sein, ganz einfach, weil es so ist und von der absoluten Mehrheit auch gewüscht wird.
Natürlich kann auch Unterhaltung die oben genannten Aspekte teilweise erfüllen. Und wenn sie dabei noch gut ist, dann ist das doppelt wünschenswert, weil sie ein großes Publikum erreicht.
Aber diese Möglichkeit, diese Verantwortung, wird heute von viel zu vielen vergessen.

Und was wollen wir dagegen tun?
Es ist das gute Recht der Masse, sich auszuschen, was sie will und was sie nicht will.
Das ist ihre Freiheit.
Und wenn sie diese Bücher nun einmal für langweilig, antiquiert und verstaubt halten, dann ist das zunächst so. Zwingen, Interesse für andere Werke abseits dieser Sparte aufzubringen können wir sie nicht.
Das könnte allerhöchstens unser Bildungssystem, und tut es auch in manchen Fällen. Allerdings ist das fast immer ein Schuss ins eigene Knie, dann der Zwang, ein Buch zu lesen, für das man sich nicht interessiert, wird absolut sicher nicht dazu beitragen, ein positives Vorurteil diesem Buch gegenüber aufzubauen. Ganz im Gegenteil.
Aber vielleicht könnte man ja Interesse wecken und fördern, ohne Zwang aufzubauen? Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Goethe, ein Kafka oder ein Nietzsche einfach nicht über die gewaltige Medienpräsenz und den aufgeblasenen Propaganda-apparat einer Stephenie Meyer-verfilmung verfügt? Dass er deswegen in der kollektiven Wahrnehmung der Masse einfach untergeht? Weil kaum jemand da ist, der sich noch bemüht, sein Image aufzupolieren? „Nietzsche, der christenfeindliche, Deutsche hassende Außenseiter und Revoluzzer!“ – und Millionen Immigranten würden zuschlagen und anfangen, Neonazis verbal mit Zitaten aus seinen Werken zu bashen?
Wobei mich der Gedanke an kreischende weibliche Teenies vor Bücherregalen mit einem großen Nietzsche-portrait darüber auch nicht gerade glücklich macht.

Aber nein. Ich fürchte, es wird dabei bleiben. In zweihundert Jahren wird man dann im Deutschunterricht – falls wir mal ganz optimistisch sind und uns vorstellen, so etwas gibt es zu diesem Zeitpunkt noch – die literarischen Epochen durchgehen, und ab 2000 spricht man dann allgemein vom „modernen Mittelalter der Literatur“.

Ich jedenfalls werde mir meine Bücher vermutlch auch weiterhin via Internet bestellen.
Oder allenfalls in dem Buchladen kaufen, in dem ich momentan selbst arbeite.
Da sind die Bereiche „klassische Literatur“ und „Philosophie“ zwar auch nicht gerade üppig, aber es steht wenigstens drin, was auch drauf steht.

Und hey – immerhin gab es in der Sektion „Bestseller“ ja auch solche Bücher wie Michael Jürgs „Seichtgebiete – Warum wir hemmungslos verblöden.“ und „Die verblödete Republik – Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“ von Thomas Wieczorek. Beides Empfehlungen von mir.

Die Hoffnung stirbt also zuletzt.

Aber täuscht euch nicht, wir sehen seit Jahren zu, wie sie langsam und qualvoll krepiert.

Werbung. Freitag, Feb 5 2010 

Ich muss etwas gestehen.
Etwas Ungeheuerliches. Etwas, das jedes bewusstseinsfähige Lebewesen umhauen wird.

Ich sehe mir Werbung an.
Freiwillig.
Wirklich.
Wie es dazu kam, ist eine Geschichte voller kaputter Fernbedienungen und fauler Edens, die jedoch an dieser Stelle nur als Prolog für etwas viel Interessanters dienen soll und von daher ihren Zweck mit der Erwähnung an dieser Stelle bereits erfüllt hat.
Anfangs bin ich tatsächlich noch bei jeder Werbung aufgestanden und habe per Hand umgeschaltet, weil ich diesen Schwachsinn wie die meisten halbwegs intelligenten Menschen schon nicht mehr ertragen kann. Allerdings bin ich eben einfach von Natur aus faul, und irgendwann habe ich dann eben, hauptsächlich um die Zeit totzuschlagen, angefangen, mich mal auf Werbeinhalte einzulassen und sie zu bewerten.

Traurigerweise konnte ich dadurch keine signifikanten Verbesserungen hinsichtlich des Unterhaltungswertes feststellen. Vielmehr müsste man eigentlich, wenn man darüber nachdenkt, die Welt den ganzen Tag fröhlich lachend mit einem appetitlichen Strahl Kotze eindecken.
Feuer mit Feuer bekämpfen.
Aber man kann ja in seinem ganzen verdammten Leben gar nicht so viel fressen, wie man in diesem Moment kotzen will.
Anders ausgedrückt: Für wie blöd halten uns eigentlich die verantwortlichen Unternehmen und Werbeagenturen inzwischen? Oder haben sie mit ihrer Beurteilung sogar recht (was den von Natur aus fröhlichen Eden dann doch sehr, sehr traurig machen würde)?
Da erzählen uns wildfremde Menschen ohne jedes schauspielerische Talent, die vermutlich nach der letzten Gerichtsshow so dankbar waren, überhaupt nochmal Arbeit zu bekommen, dass sie den Job für eine Flasche Wodka angenommen haben, wie toll doch ein bestimmer Augenoptiker ist.
„Ich sag‘ das nicht nur so, das ist wirklich so! Achja, hey, Mama, ich bin im Fernsehen!“
Schön ist auch, wenn unter diesen Laiendarstellern dann ein Mensch ist, der in der grausamen Realität allzuschnell zur Randgruppe der gar nicht coolen Streber und Nerds abgeschoben werden würde, und mir erzählt, wie hübsch doch die weiblichen Angestellten bei besagtem Augenoptiker sind.
Unterschwellige Botschaft: „Freaks, Versager und Streber versammelt euch, sogar IHR könnt eine abkriegen. Ihr braucht nur ne Brille von uns (solange SIE keine hat…)!“
Thema Partnervermittlung durch die Wirtschaft – da denkt man dann natürlich sofort an Axe.
Wo selbst der hässlichste, abgefuckteste Freak plötzlich zur Beute von sabbernden, kreischenden Frauen mit Traummaßen wird, bei denen jeder höhere Denkprozess unterbrochen wird, wenn man sich nur irgendeine Scheiße unter die Achseln sprüht, die so kraftstrotzende Namen wie „Dark Temptation“ oder „Hot Fever“ hat. Aber Scheiße bleibt nun mal Scheiße und riecht auch immer wie Scheiße, auch wenn ich „Nahrung 2.0“ dazu sage.
Die grausame Wahrheit ist, auch wenn euer Deo cool ist und einen kraftstrotzenden Namen hat, ihr bleibt hässlich, ihr bleibt abgefuckt und vor allem bleibt ihr Freaks.
Es gibt kein tolles paradiesisches Produkt, dass auf einen Schlag plötzlich all eure kleinen Versagerprobleme löst und euch zu intelligenten, erfolgreichen, vermögenden Frauenhelden macht.
Das will man nämlich auch gar nicht.
Denn wenn die Käuferschicht mit dem zufrieden wäre, was sie hat, würde sie sich ja zwangsläufig fragen, warum sie die ganze sinnlose Scheiße überhaupt brauchen sollte, die ihr da angepriesen wird.
Nein, nein, ihr seid Versager, vergesst das bloß nicht! Weil ihr kein Axe benutzt. Und weil ihr keine Brille von Fielmann tragt. Auch wenn ihr vielleicht perfekte Augen habt, ihr seid einfach scheiße!
Kauft Zeug von uns! Kauft nur weiter den Mist, den ihr eigentlich gar nicht braucht, in der Hoffnung, eure dämlichen, eingebildeten kleinen Probleme zu lösen, die ihr gar nicht hättet, wen ihr sie euch nicht einreden lassen würdet – das ist der Weg zu wahrer Glückseligkeit!

Das widerlichste Beispiel und vorläufiger Höhepunkt medialer Massenverblödung ist für mich allerdings diese unsägliche Media Markt-werbung mit jenem Menschen namens Mario Barth, den ich nach diesen Auftritten einfach nur noch als humoristischen Schwerverbrecher bezeichnen kann.
Nicht nur dass sein gehirnzellenvernichtender Pauschalklischeehumor jeder Informationsgrundlage entbehrt, – zwei Typen spielen mit Milchaufschäumern rum! Das ist ein unwiderlegbares Argument dafür, dass Media Markt jedem Konkurrenzunternehmen überlegen ist! – er scheitert auch grandios daran, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Zumindest nehme ich persönlich das als Indiz für mangelnde Qualität, wenn ich den Auftritt eines „Comedians“ eher als hinterhältige Foltermethode empfinde.
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht pauschalisieren. Vielleicht gibt es Leute, die finden das witzig.
Kann sein.
Wie es ja auch irgendwo Leute gibt, die der letzten Massenhysterie namens „Schweinegrippe“ gefolgt sind.
Ich frage mich nur immer – wo sind die? Denn genau wie ich bei der Schweinegrippe in meinem Umfeld niemanden finden konnte, der nicht in Gelächter ausbrach, als man ihn fragte, ob er sich impfen lassen wolle, kenne ich niemanden, der bei dieser Werbung nicht das Gesicht vor seelischen Schmerzen verzieht.
Also bitte, wo seid ihr? Wo versteckt ihr euch? Meldet euch endlich mal, ich will’s doch nur verstehen!

Der entsetzliche Höhe- und zugleich Schlusspunkt des Gehirnzellenmassenmordes tritt übrigens dann ein, wenn der werte Herr Barth uns auch gleich noch die persönliche Rechtfertigung für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachschiebt, indem er ins Mikrofon brüllt:
„Dit habta euch vadient!“

Ich will ja nicht stellvertretend für andere sprechen, aber ich erinnere mich nicht, irgendetwas derart Verwerfliches getan zu haben, dass ich SO ETWAS verdient hätte.
Vielleicht als juristisches Strafmaß für Schwerstverbrecher.
Aber wir sind ja nicht alle Schwerstverbrecher.
Und Folter und Todesstrafe haben wir ja immerhin inzwischen auch abgeschafft.
Also warum?

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