Demokratie ist ja in der Theorie ein wirklich gutes Konzept.
Da scheint endlich eine Methode gefunden zu sein, Macht zuverlässig zu kontrollieren, politisches Versagen, gebrochene Versprechen und Missbrauch durch fallende Wählergunst abzustrafen und alle mit ausreichenden geistigen Kapazitäten an den Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen, deren Folgen ihr persönliches Leben betreffen.

Nur die Praxis macht einem eben irgendwie wie so oft einen Strich durch die Rechnung.
Denn theoretisch funktioniert auch der Kommunismus. Theoretisch könnten auch alle Utopien, die sich irgendwelche schlauen Köpfe ausgedacht haben, funktionieren.
Theoretisch sollte ich als erwachsener Mann in der Lage sein, etwas zu kochen, was über die Komplexität von Tiefkühlpommes hinausgeht.

Theoretisch.

In der Praxis schwankt das Ergebnis dann jedoch irgendwo zwischen vertretbar mit kleinen Mängeln, offensichtlichem Fehlschlag und – im Falle des letztgenannten Beispiels – einer mittelschweren Katastrophe, einer Küche, die man eigentlich mit einem Betonblock versiegeln müsste, um die Gefahren potenziell tödlicher austretender Strahlung zu mindern und knurrenden Mägen.
Vom Vergnügen, die Sauerei wieder zu beseitigen, ganz zu schweigen, das ist in jedem der genannten Beispiele einfach nur eine undankbare Scheißarbeit.

Denn in der Praxis hat es bis jetzt noch kein System gegeben, dass es geschafft hätte, die Natur des Menschen so zu berücksichtigen und für sich zu nutzen, dass es nicht zu Problemen kommt, die das Ganze irgendwie ad absurdum führen. Wie ginge das auch, ist diese Natur doch so ungreifbar komplex und zeigt sich bei so hoch entwickelten und differenzierten Wesen wie dem Menschen auf derart mannigfaltige, individuelle Weise, dass man sie kaum je kategorisieren wird können.
Die kapitalistische Marktwirtschaft hat das zum Beispiel versucht, indem sie sich den Egoismus des Menschen zunutze macht und versucht, Vorteile für das System als Ganzes wie auch für den Einzelnen durch Förderung des „freien Wettbewerbs“  herauszuholen.
Das Ergebnis ist… durchwachsen, und die Theorie scheint letztlich durch die neuen Anforderungen der kommenden Zeit auf eine harte Probe gestellt zu werden.
Um’s mal ganz nett zu formulieren.

Und so ist auch Demokratie in der Theorie eine wunderbare Sache, die sich aber durch mangelndes Kalkül, fehlende Kontrolle und nicht bedachte Faktoren oft genug in eine Sackgasse verrennen kann, die man eigentlich von Anfang an genau durch diese Theorie hatte verhindern wollen.

Nehmen mir etwas, was mich schon seit einiger Zeit beschäftigt und zu meinem Entsetzen eben doch nicht schon lange vom Tisch ist – Das leidige Thema Gesundheitsreform.
Ich muss ja schon seit ich zum ersten Mal von der Grundidee dieser Reform gehört habe, reflexartig kotzen, wenn mir irgendwo Philipp Röslers dämonische Fratze mit dem politisch korrekten Roboterlachen und der toten, seelenlose Leere in seinen Augen, bei der man unwillkürlich das Gefühl hat, durch zwei Fenster und das Vakuum im Inneren direkt seine hintere Schädelwand zu sehen, entgegenspringt.
Und ICH seltendämlicher Vollidiot war doch wirklich blöd genug zu denken, dass so eine hirnrissige Idee zum Scheitern verurteilt sei.
Ich bin eben ein unverbesserlicher Träumer.
Der ab und zu gerade dadurch, dass wir – Überraschung! – WIRKLICH blöd genug sind, solche hirnrissigen Ideen umzusetzen und durchzulassen, wieder in die grausame Realität hinabstürzt.

Aber nein, irgendwann kam sie wirklich, die Meldung, dass man sich in dieser so glorreich und grandios in absolut jedem denkbaren und zuvor noch undenkbaren Aspekt scheiternden Koalition über die Fragen dieser Gesundheitsreform geeinigt habe. Und ein strahlender Philipp Rösler mit blitzendem Roboterlächeln und dem leuchtenden Funkeln absolut bösartigen Wahnsinns in den Augen in die Runde der Kameras feixte und von einer „Jahrhundertreform“ sprach.
Ich habe zwischen den Schwallen von Erbrochenem noch nie so laut in meine Kloschüssel gelacht.
Man könnte ja meinen, das sei politische Selbstinszenierung, wie man das eben so macht, Selbstbewusstsein verkörpern, Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen – aber ich kann mir nicht helfen, ich habe das zwerchfellerschütternde Gefühl, dieser Mensch glaubt wirklich an das, was er sagt.

Muss ich noch erwähnen, dass sich mir persönlich diese Sache etwas anders darstellt?
Immerhin haben irgendwie schon mehrere Minister des Ressorts Gesundheit behauptet, das Thema der Finanzierung der Krankenkassen sei mit den Umstrukturierungen, die sie planen, mindestens für das nächste Jahrzehnt ad acta gelegt.
In der Realität stellen wir dabei immer wieder fest, dass es einer nach dem anderen nur robotisch lächelnd und selbstbewusst in die nächste Legislaturperiode schiebt.
Ist dann nicht mehr sein Problem. Nur noch unseres.
Ich wette, die meisten Spitzenpolitiker sind privatversichert.

Aber nochmal von vorne, ganz langsam.
Warum hasse ich Philipp Rösler so abgrundtief – davon abgesehen, dass er Politiker ist und damit schon von vornherein als nichtmenschliche, niedere Lebensform zu gelten hat, bis er mir das Gegenteil beweist?
Nun ja, weil er außerdem noch der FDP angehört.

Schlimm genug.

Und weil seine Jahrhundertreform im Gesundheitswesen der lächerlichste, dämlichste, asozialste Bullshit und das offensichtlichste und ekelerregendste Beispiel für politische Korruption und Lobbyismus ist, das seit Längerem zu beobachten war.
Nicht nur, dass der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung nach einer Anhebung um 0,3 Prozent am 1. Januar 2011 dann „eingefroren“ werden soll, das heißt, er wird nicht weiter erhöht, komme da auch die größte vorstellbare Kostenexplosion. Nicht nur, dass das im Umkehrschluss heißt, jede weitere Erhöhung der Beiträge geht damit allein zulasten des Arbeitnehmers. Nicht nur, dass das schwer nach Lobbyismus stinkt auf eine Art und Weise, die sogar aus der Alltagskorruption der deutschen Politik deutlich herauszuriechen ist.
Nein, der allergrößte Witz daran ist, dass Herr Rösler natürlich den in Agonie liegenden Sozialstaat noch ein bisschen weiter schändet, indem er uns weismachen will, es gäbe für Benachteiligte einen aus Steuern finanzierten Sozialausgleich.

Na dann.
Wenn das so ist.
Es ist ja nicht etwa so, dass die Steuern auch von irgendwem gezahlt werden müssen und unser Steuersystem nicht schon längst einer Umverteilung der Lasten von oben nach unten zum Opfer gefallen ist.
Anders formuliert – wer auch immer unsere Kohle jetzt bekommt, hergeben müssen wir sie früher oder später so oder so.
Fein.

Es wäre ja auch zu viel verlangt, Einsparpotenzial bei den Kassen zu suchen, das meiner bescheidenen Meinung nach durchaus vorhanden ist. Zumindest nicht, solange Philipp Rösler sich vor deren Vorständen bückt, die Hose runterlässt und sich genüsslich als unser aller Stellvertreter von hinten durchnehmen lässt.
Wenn er ihnen danach mit spermaverschmiertem Bukkake-Gesicht erklärt, dass ihre Gehälter allesamt gekürzt und der ganze Apparat verschlankt und vereinfacht werden müsste, um das System kosteneffizienter zu machen, nimmt ihn halt wirklich keiner mehr ernst, wahrscheinlich.

Ohnehin macht unser Gesundheitsminister ja allgemein den Eindruck, sich eher als Vertreter der Wirtschaft als des Volkes zu verstehen – Was sich schon zu Zeiten der Schweinegrippe-Hysterie zeigte, als jeder Todesfall, der eventuell irgendwie möglicherweise unter Umständen auf eine anrollende verheerende Epidemie hindeuten hätte können, in den Medien lang und breit zerkaut wurde, während in der selben Zeit deutlich mehr Leute an der normalen Influenza krepiert sein dürften.
Und nachdem unter Hochdruck ein Erlösung versprechender Impfstoff entwickelt worden war und in die Massenproduktion ging, ließ sich als einer der Ersten natürlich der werte Herr Rösler unter Anwesenheit zahlreicher Kamerateams medienwirksam in die Kameras lächelnd impfen.
Genau so gut hätte er auch zwischen mehreren Vertretern der Pharma-Industrie knien und deren Schwänze lutschen können.
Übrigens ist nach meinen Informationen gerade einmal ein Drittel des produzierten Impfstoffs verwendet worden – der Rest wurde entweder gekauft und nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt oder von Vater Staat bezahlt, aber nie geliefert, weil die Bestände noch gar nicht verbraucht waren.
Das Geld von den entsprechenden Konzernen kriegt man aber trotzdem nicht zurück.
So steht’s nämlich in einem Vertrag, der bereits einige Zeit vorher in weiser Voraussicht aufgesetzt worden war und indem sich von Seiten der Lieferanten genau gegen diesen Fall abgesichert worden war.
Seltsam.

Sehr seltsam in der Tat, was für eine ungemein liberale Auslegung des Wortes und des Konzeptes „Demokratie“ die Verantwortlichen inzwischen entwickelt haben.
Aber in der Theorie sieht ja alles besser aus als es in der Praxis wird.
Natürlich würde ich nur allzugern hoffen, dass es sich hier um Einzelfälle handelt, allerdings… mag ich vielleicht ein unverbesserlicher Träumer und Idealist sein, aber so bescheuert und blind bin ich dann doch nicht.

Und da wollen uns irgendwelche erhobenen Studien noch weismachen, dass Deutschland eines der Länder ist, in denen Korruption so selten ist wie nirgendwo sonst.
Sagten die Wissenschaftler und steckten das Geld ihrer Auftraggeber in die Tasche.

Wie dem auch sei.
Es bleibt mir also zum Abschluss kaum etwas Anderes, als Herrn Rösler von ganzem Herzen zu wünschen, dass er eines Tages sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen und die Wonne spendenden Folgen seiner Jahrhundertreform am eigenen Leib spüren muss.
Mit einer möglichst fiesen und ekligen Krankheit.
Irgendeiner dieser Manager hat sich ja bestimmt bei ner Nutte was eingefangen.

Aber bis dahin –

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