Feminismus ist ja immer so eine Sache.
So eine Sache, über die sich oft keine abschließende oder allgemeine Meinung formulieren lässt, weil das, was unter dem Terminus „Feminismus“ zusammengefasst wird, inzwischen so komplex und unüberschaubar ist, dass man mit dem Hang, sich am Ende eine möglichst simple Meinung „zum Feminismus“ zurechtzulegen, immer irgendwo ungerecht pauschalisiert.

Jetzt mal abgesehen von den wirklichen Ultrafeministinnen – Wer schon einmal wie ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit entsprechenden Verfechterinnen zu diskutieren (und/oder den Fehler gemacht hat, zu erwähnen, dass ein Schwellkörper zwischen seinen Beinen hängt) wird wissen, dass man dabei oftmals dazwischen schwankt, lieber gleich vom Dach zu springen oder sich zu fragen, ob auf der anderen Seite nicht doch ein übergewichtiges, hornbrillentragendes Kellerkind mit langen fettigen Haaren sitzt, das einen nur verarschen will.
Solche Gespräche erinnern oft vielmehr an eine überzogene Parodie des Feminismus als an Kommunikation zwischen intelligenzbegabten Lebewesen.
Ich erinnere mich da zum Beispiel mit Schrecken an eine Begebenheit, als ich etwa eine Dreiviertelstunde lang von einer Kämpferin für modernes Amazonentum zugeschwallt wurde, was denn so alles falsch läuft in dieser Welt – und das ist viel mehr als wir alle glauben! Ihr wisst ja gar nicht, in welch banalen Dingen sich überall der männliche Sexismus wiederspiegelt!
Und wie von Natur aus böse und tyrannisch wir Männer in allem sind, was wir tun.
Was mich zu vielerlei verschiedenen Fragen geführt hat;

Warum erzählt die mir das, während ich neben ihr stehe, als ob ICH KEIN Mann wäre? Das kratzt irgendwie bis heute an meinem Selbstbewusstsein.
Warum sind Gerichte in Phallusform zwangsläufig Sexismus? Ich meine… Hot Dogs, Würstchen, sogar die meisten Nudeln, Baguettes? Alles nur, damit wir Frauen beim Essen zusehen und uns vorstellen können, das wären unsere Schwänze?
Seltsamerweise kam sie auf dieses ganze Geschwafel von Phallusformen, als ich mir eine Zigarette angezündet habe – Was wiederum andere Fragen aufwirft: Was will ich denn dann damit erreichen, dass ich an einer Phallusform „lutsche“? Bin ich etwa unterbewusst schwul? Sind alle männlichen Raucher in Wahrheit schwul? Oder versuche ich nur, Frauen in meiner Umgebung zum Rauchen zu animieren, um mich dann daran aufzugeilen, wie sie an der Zigarette ziehen? Und wenn es so wäre, was für ein krankes minderbemitteltes Selbstbewusstsein habe ich bitte, mir das bei einer ZIGARETTE vorzustellen?
Das ist ja eher eine Beleidigung als irgendwie erregend… so von der Größe her.
Und wie sollte denn eigentlich Essen in Vaginaform aussehen? Donots? Und wäre das dann nicht auch wieder sexistisch, wenn wir Männer genüsslich Vaginas verputzen?
Und, um eine Brücke zur Thematik zu schlagen – wusstet ihr, dass wir Männer auch die Sprache als eine Art der Unterdrückung über Jahrtausende kultiviert haben? Selbst die ist nämlich sexistisch.
Weil es zum Beispiel im Deutschen viel mehr Wörter mit maskulinem Genus gibt als mit femininem.
Ich weiß zwar nicht mal, ob diese Behauptung so stimmt, aber wenn das wahr ist – Skandal!
Da hätte sie mich ja fast überzeugt, wie sie selbst ab sofort so seltsame Worte wie „Fernseherin“ und „Salzstreuerin“ zu benutzen.

Und ich hoffe, ihr lacht jetzt darüber oder findet es wenigstens echt merkwürdig, dass jemand das wirklich tun sollte.
Und wenn ihr das tut – DANN HÖRT SOFORT AUF IHR SEXISTISCHEN SCHWEINE!

Jedenfalls wurde mir gerade etwas Interessantes zu der Thematik geschickt, ein Artikel der MSN-Nachrichten, die ja allgemein eher nicht zu meinen Informationsquellen gehören.
Denn scheinbar ist es wieder einmal an der Zeit, einen Vorstoß gegen derlei Sexismus und geschlechterspezifische Diskriminierung in der Sprache zu unternehmen.
Da heißt es nämlich unter anderem „Der in Straßburg tagende Rat empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Behörden eine „nicht sexistische Sprache“ zu verwenden. Die Darstellung von „Frauen zu Hause“ sei ein traditionelles Rollenbild, das die Gleichstellung der Geschlechter hemme, heißt es in einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Rates.“

In der Tat. Furchtbar.
Das erinnert mich an die Kataloge für Werkzeug und Zimmereibedarf, die hier bei uns oft im Büro herumliegen. Ich finde es ja schrecklich, dass da praktisch nur Männer auf der Baustelle abgebildet sind.
Findet ihr das in Ordnung?

Auf diese Idee gekommen ist übrigens ursprünglich eine Schweizerin. Weil Muslime diskriminieren geht klar, aber bei Frauen hört der Spaß auf:

Die sozialistische Schweizer Nationalrätin Doris Stump verlangte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wörtlich, dass Frauen nicht mehr „als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte“ dargestellt werden sollten.

Jetzt nehmen wir uns einen Moment Zeit und lassen uns dieses Zitat genüsslich auf der Zunge zergehen.
„Passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte.“
Finde den Begriff, der nicht dazupasst!

Denn genau das ist ein Punkt, den ich bei Vertretern des Feminismus irgendwie oft etwas seltsam finde. Jetzt mal ganz barsch formuliert, Mütter auf die Stufe von „passiven oder minderwertigen Wesen“ zu stellen, ist das eines der Ziele des Feminismus im Sinne von Gleichberechtigung?
Sollte das nicht irgendwie… ich weiß nicht, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber… vielmehr die Vertretung der Interessen von Frauen sein, die unterdrückt werden?
Oder andersrum: MUSS eine Frau sich für Studium, Karriere, finanziellen Erfolg und so fort entscheiden, um von diesen Feministinnen überhaupt als Frau, als emanzipiert anerkannt zu werden? Ist das Dasein als Mutter automatisch gleichzusetzen mit Unterdrückung oder Sich-freiwillig-unterdrücken-lassen?
Wenn ich daraus keine Wertigkeit ableite – Was ich als Ziel des Feminismus definieren würde – ist genau das die absolut falsche Einstellung. Die Rolle der Frau in einer Beziehung als minderwertig zu bewerten, weil der Mann arbeitet und sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, war nicht genau das einer der Gründe, die das Ganze ins Rollen gebracht haben?
So gesehen scheinen sich manche Vertreter geradezu ins Gegenteil verrannt zu haben.
Ich will ja nicht sagen, dass es so sein muss. Aber sofern eine Frau sich freiwillig dafür unterscheidet, würde, werde und kann ich zwischen ihr und einer arbeitenden Frau gar keinen unterschiedlichen Wert unterstellen.
Den man meiner Meinung nach ohnehin nicht unterstellen kann zwischen einem Menschen und einem anderen, aber das würde jetzt wirklich zu weit gehen.

Was die werte Frau Stump hieraus jedoch ableitet, bringt mich allerdings ehrlich gesagt noch mehr zum Kopfschütteln, was an meiner Tätigkeit als passioniertem Schreiber liegen mag.
Wenn es nach ihr geht, dann sollen die Staaten nämlich mit gutem Beispiel vorangehen und in der Öffentlichkeit grundsätzlich nur noch geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwenden – Angeblich ist die Schweiz in dieser Beziehung sogar Vorreiter.

Beispiele?

Buchhalterdiplom wird zu Buchhaltungsdiplom.
Fahrausweis statt Führerschein.
Nicht mehr Fußgänger-, sondern Flanierzone.
Das Lehrerzimmer heißt dann Pausenraum.
Die böse böse „Mann“ (!) – schaft bezeichnen wir besser als Team/Gruppe.
Und meine zwei persönlichen Favoriten:
Besucherparkplatz heißt dann Gästeparklatz. (BITTE?! Wo ist denn da jetzt der Unterschied?)
Und statt Mutter/Vater werden wir dann wohl tatsächlich „Elter“ sagen.

Also, wenn’s nach ihr geht.
Ich werde weder meine Mutter noch meinen Vater Elter nennen. Bevor das passiert, würdet ihr noch eher von mir hören, dass Dieter Bohlen einen wertvollen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft leistet.
Und sollte ich irgendwann ein Kind haben und nicht bei dessen Geburt schon seit acht Monaten nach Kuba geflohen sein, und es nennt mich „Elter“… dann gibt’s ein bisschen gute altmodische erzieherische Gewalt.

Hier der Artikel der MSN-News, wer es nachlesen will.

An dieser Stelle, falls sich hier einige Leser aus der Schweiz einfinden (von ein oder zweien weiß ich ja), muss ich einfach fragen – Sind die Behörden in eurem Land wirklich so geistesgestört, das umzusetzen?
Mein Beileid, falls es so ist.

Worum es mir allerdings eigentlich geht;
Ich bin doch wohl nicht der Einzige, der solcherlei Ansätze nicht nur für vollkommen schwachsinnig sondern auch für eine Vergewaltigung der Sprache hält, oder? Bitte, BITTE! Gebt mir ein bisschen Hoffnung und sagt mir, dass es nicht so ist.
Erstens brauche ich diesen ganzen Unfug von „geschlechtsneutraler Sprache“ nicht, wenn ich zwischen den Geschlechtern, wie weiter oben schon erwähnt, keinen unterschiedlichen Wert unterstelle. Und das ist eine Sache der gesellschaftlichen Mentalität – Wenn dieses Bewusstsein herausgebildet wird, und das muss durch eine humanitäre, moralische Bildung zum Beispiel durch die Schule geschehen, werden solche pseudogerechten Maßnahmen unnötig. Und wisst ihr was? Wenn das nicht passiert, wird DAS auch nichts ändern.
Und ein paar Idioten und Arschlöcher wird es sowieso immer geben, auf beiden Seiten der Hermaphroditengrenze.
Und zweitens geht mir das als eine Art sprachlicher Zensur sowieso gewaltig auf den Sack (Meine Fresse, was für eine böse sexistische Redensart das schon wieder ist!). Wie gesagt, das mag an meinen Tätigkeiten als Schreiber und Literaturliebhaber liegen, aber ich sehe nicht ein, warum sich unsere Sprachen von ihren Genus-Systemen verabschieden sollten, die über Jahrtausende kultiviert wurden. Wenn überhaupt, sollte das aus einem Wechsel der Mentalität heraus entstehen und nicht aufgrund staatlicher Initiative.
Das Genus eines Substantivs hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, wer ist denn auf diese absurde Idee gekommen?
Außerdem haben wir nun einmal, von Ausnahmen abgesehen, ein Geschlecht. Wir sind ja nicht alle Zwitter. Das Geschlecht ist auch ein grundsätzlicher Teil der Individualität und der Herausbildung einer Persönlichkeit – inwiefern bestimmte Geschlechterrollen durch kulturelle Prägung hervorgehen oder sogar zu einem gewissen Teil genetisch veranlagt sein mögen, ist sowieso eine andere Frage.
Und ich muss es an dieser Stelle noch einmal sagen – wenn ich aus unterschiedlichem Geschlecht nicht automatisch einen unterschiedlichen Wert ableite, ist all das ohnehin vollkommen unnötig.
Es gibt doch Unterschiede zwischen uns, nicht nur allein durch die Geschlechter, sondern individuell noch durch so viele andere Eigenschaften. Aber dass wir unterschiedlich sind, muss ja nicht heißen, dass der eine mehr wert ist als der andere.
DAS ist die Mentalität, die wir brauchen, die Mentalität, die gefördert werden muss – statt einfach zu versuchen, uns sozusagen mit dem Brecheisen alle „gleich“ zu MACHEN.

Für mich scheint das wieder mal eines der typischen Beispiele zu sein, wo die Verantwortlichen allesamt viel zu simpel und oberflächlich denken, vielleicht auch um des blanken Populismus willen – „Wir tun was dagegen.“

Ohnehin habe ich von diesem ganzen Unfug, wenn ich ehrlich sein darf, einfach die Fresse dick.
Wenn ich schon den Begriff „Geschlechterkampf“ höre, wird mir ganz anders. Als hätten wir nichts Besseres zu tun, als uns in billiger, fruchtloser und destruktiver Konkurrenz gegenüber zu stehen.
Ich habe da nämlich so eine kleine Sache im Biologieunterricht gelernt, wisst ihr.
Wollt ihr’s hören?
Ich sag’s euch.
Aber psssst, nicht weitersagen.

Wir sind gemacht, um uns zu ergänzen.
Und das sollten wir auch tun.

Also abgesehen von lustigen kleinen Extrembeispielen beider Geschlechter, die irgendwie das richtige Maß komplett vermissen lassen (siehe zum Beispiel hier, was zum Lachen für euch) sollten wir uns einfach mal wieder daran erinnern.
Was ja nicht heißt, dass wir nicht weiter fiese sexistische Witze machen dürfen.
Seltsam wird’s erst, wenn das über bloßen Humor hinausgeht.

Denn, um das Ganze abzuschließen, ein kleines Zitat aus einer unfertigen Geschichte von mir namens „Legion“:

Keine Reichen oder Bettler.
Keine Jungen oder Alten.
Keine Männer oder Frauen.
Keine Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hinduisten oder Atheisten.
Nur Menschen.

Einfach nur Menschen.

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