Die Jahrhundertreform! Donnerstag, Sep 23 2010 

Demokratie ist ja in der Theorie ein wirklich gutes Konzept.
Da scheint endlich eine Methode gefunden zu sein, Macht zuverlässig zu kontrollieren, politisches Versagen, gebrochene Versprechen und Missbrauch durch fallende Wählergunst abzustrafen und alle mit ausreichenden geistigen Kapazitäten an den Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen, deren Folgen ihr persönliches Leben betreffen.

Nur die Praxis macht einem eben irgendwie wie so oft einen Strich durch die Rechnung.
Denn theoretisch funktioniert auch der Kommunismus. Theoretisch könnten auch alle Utopien, die sich irgendwelche schlauen Köpfe ausgedacht haben, funktionieren.
Theoretisch sollte ich als erwachsener Mann in der Lage sein, etwas zu kochen, was über die Komplexität von Tiefkühlpommes hinausgeht.

Theoretisch.

In der Praxis schwankt das Ergebnis dann jedoch irgendwo zwischen vertretbar mit kleinen Mängeln, offensichtlichem Fehlschlag und – im Falle des letztgenannten Beispiels – einer mittelschweren Katastrophe, einer Küche, die man eigentlich mit einem Betonblock versiegeln müsste, um die Gefahren potenziell tödlicher austretender Strahlung zu mindern und knurrenden Mägen.
Vom Vergnügen, die Sauerei wieder zu beseitigen, ganz zu schweigen, das ist in jedem der genannten Beispiele einfach nur eine undankbare Scheißarbeit.

Denn in der Praxis hat es bis jetzt noch kein System gegeben, dass es geschafft hätte, die Natur des Menschen so zu berücksichtigen und für sich zu nutzen, dass es nicht zu Problemen kommt, die das Ganze irgendwie ad absurdum führen. Wie ginge das auch, ist diese Natur doch so ungreifbar komplex und zeigt sich bei so hoch entwickelten und differenzierten Wesen wie dem Menschen auf derart mannigfaltige, individuelle Weise, dass man sie kaum je kategorisieren wird können.
Die kapitalistische Marktwirtschaft hat das zum Beispiel versucht, indem sie sich den Egoismus des Menschen zunutze macht und versucht, Vorteile für das System als Ganzes wie auch für den Einzelnen durch Förderung des „freien Wettbewerbs“  herauszuholen.
Das Ergebnis ist… durchwachsen, und die Theorie scheint letztlich durch die neuen Anforderungen der kommenden Zeit auf eine harte Probe gestellt zu werden.
Um’s mal ganz nett zu formulieren.

Und so ist auch Demokratie in der Theorie eine wunderbare Sache, die sich aber durch mangelndes Kalkül, fehlende Kontrolle und nicht bedachte Faktoren oft genug in eine Sackgasse verrennen kann, die man eigentlich von Anfang an genau durch diese Theorie hatte verhindern wollen.

Nehmen mir etwas, was mich schon seit einiger Zeit beschäftigt und zu meinem Entsetzen eben doch nicht schon lange vom Tisch ist – Das leidige Thema Gesundheitsreform.
Ich muss ja schon seit ich zum ersten Mal von der Grundidee dieser Reform gehört habe, reflexartig kotzen, wenn mir irgendwo Philipp Röslers dämonische Fratze mit dem politisch korrekten Roboterlachen und der toten, seelenlose Leere in seinen Augen, bei der man unwillkürlich das Gefühl hat, durch zwei Fenster und das Vakuum im Inneren direkt seine hintere Schädelwand zu sehen, entgegenspringt.
Und ICH seltendämlicher Vollidiot war doch wirklich blöd genug zu denken, dass so eine hirnrissige Idee zum Scheitern verurteilt sei.
Ich bin eben ein unverbesserlicher Träumer.
Der ab und zu gerade dadurch, dass wir – Überraschung! – WIRKLICH blöd genug sind, solche hirnrissigen Ideen umzusetzen und durchzulassen, wieder in die grausame Realität hinabstürzt.

Aber nein, irgendwann kam sie wirklich, die Meldung, dass man sich in dieser so glorreich und grandios in absolut jedem denkbaren und zuvor noch undenkbaren Aspekt scheiternden Koalition über die Fragen dieser Gesundheitsreform geeinigt habe. Und ein strahlender Philipp Rösler mit blitzendem Roboterlächeln und dem leuchtenden Funkeln absolut bösartigen Wahnsinns in den Augen in die Runde der Kameras feixte und von einer „Jahrhundertreform“ sprach.
Ich habe zwischen den Schwallen von Erbrochenem noch nie so laut in meine Kloschüssel gelacht.
Man könnte ja meinen, das sei politische Selbstinszenierung, wie man das eben so macht, Selbstbewusstsein verkörpern, Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen – aber ich kann mir nicht helfen, ich habe das zwerchfellerschütternde Gefühl, dieser Mensch glaubt wirklich an das, was er sagt.

Muss ich noch erwähnen, dass sich mir persönlich diese Sache etwas anders darstellt?
Immerhin haben irgendwie schon mehrere Minister des Ressorts Gesundheit behauptet, das Thema der Finanzierung der Krankenkassen sei mit den Umstrukturierungen, die sie planen, mindestens für das nächste Jahrzehnt ad acta gelegt.
In der Realität stellen wir dabei immer wieder fest, dass es einer nach dem anderen nur robotisch lächelnd und selbstbewusst in die nächste Legislaturperiode schiebt.
Ist dann nicht mehr sein Problem. Nur noch unseres.
Ich wette, die meisten Spitzenpolitiker sind privatversichert.

Aber nochmal von vorne, ganz langsam.
Warum hasse ich Philipp Rösler so abgrundtief – davon abgesehen, dass er Politiker ist und damit schon von vornherein als nichtmenschliche, niedere Lebensform zu gelten hat, bis er mir das Gegenteil beweist?
Nun ja, weil er außerdem noch der FDP angehört.

Schlimm genug.

Und weil seine Jahrhundertreform im Gesundheitswesen der lächerlichste, dämlichste, asozialste Bullshit und das offensichtlichste und ekelerregendste Beispiel für politische Korruption und Lobbyismus ist, das seit Längerem zu beobachten war.
Nicht nur, dass der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung nach einer Anhebung um 0,3 Prozent am 1. Januar 2011 dann „eingefroren“ werden soll, das heißt, er wird nicht weiter erhöht, komme da auch die größte vorstellbare Kostenexplosion. Nicht nur, dass das im Umkehrschluss heißt, jede weitere Erhöhung der Beiträge geht damit allein zulasten des Arbeitnehmers. Nicht nur, dass das schwer nach Lobbyismus stinkt auf eine Art und Weise, die sogar aus der Alltagskorruption der deutschen Politik deutlich herauszuriechen ist.
Nein, der allergrößte Witz daran ist, dass Herr Rösler natürlich den in Agonie liegenden Sozialstaat noch ein bisschen weiter schändet, indem er uns weismachen will, es gäbe für Benachteiligte einen aus Steuern finanzierten Sozialausgleich.

Na dann.
Wenn das so ist.
Es ist ja nicht etwa so, dass die Steuern auch von irgendwem gezahlt werden müssen und unser Steuersystem nicht schon längst einer Umverteilung der Lasten von oben nach unten zum Opfer gefallen ist.
Anders formuliert – wer auch immer unsere Kohle jetzt bekommt, hergeben müssen wir sie früher oder später so oder so.
Fein.

Es wäre ja auch zu viel verlangt, Einsparpotenzial bei den Kassen zu suchen, das meiner bescheidenen Meinung nach durchaus vorhanden ist. Zumindest nicht, solange Philipp Rösler sich vor deren Vorständen bückt, die Hose runterlässt und sich genüsslich als unser aller Stellvertreter von hinten durchnehmen lässt.
Wenn er ihnen danach mit spermaverschmiertem Bukkake-Gesicht erklärt, dass ihre Gehälter allesamt gekürzt und der ganze Apparat verschlankt und vereinfacht werden müsste, um das System kosteneffizienter zu machen, nimmt ihn halt wirklich keiner mehr ernst, wahrscheinlich.

Ohnehin macht unser Gesundheitsminister ja allgemein den Eindruck, sich eher als Vertreter der Wirtschaft als des Volkes zu verstehen – Was sich schon zu Zeiten der Schweinegrippe-Hysterie zeigte, als jeder Todesfall, der eventuell irgendwie möglicherweise unter Umständen auf eine anrollende verheerende Epidemie hindeuten hätte können, in den Medien lang und breit zerkaut wurde, während in der selben Zeit deutlich mehr Leute an der normalen Influenza krepiert sein dürften.
Und nachdem unter Hochdruck ein Erlösung versprechender Impfstoff entwickelt worden war und in die Massenproduktion ging, ließ sich als einer der Ersten natürlich der werte Herr Rösler unter Anwesenheit zahlreicher Kamerateams medienwirksam in die Kameras lächelnd impfen.
Genau so gut hätte er auch zwischen mehreren Vertretern der Pharma-Industrie knien und deren Schwänze lutschen können.
Übrigens ist nach meinen Informationen gerade einmal ein Drittel des produzierten Impfstoffs verwendet worden – der Rest wurde entweder gekauft und nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt oder von Vater Staat bezahlt, aber nie geliefert, weil die Bestände noch gar nicht verbraucht waren.
Das Geld von den entsprechenden Konzernen kriegt man aber trotzdem nicht zurück.
So steht’s nämlich in einem Vertrag, der bereits einige Zeit vorher in weiser Voraussicht aufgesetzt worden war und indem sich von Seiten der Lieferanten genau gegen diesen Fall abgesichert worden war.
Seltsam.

Sehr seltsam in der Tat, was für eine ungemein liberale Auslegung des Wortes und des Konzeptes „Demokratie“ die Verantwortlichen inzwischen entwickelt haben.
Aber in der Theorie sieht ja alles besser aus als es in der Praxis wird.
Natürlich würde ich nur allzugern hoffen, dass es sich hier um Einzelfälle handelt, allerdings… mag ich vielleicht ein unverbesserlicher Träumer und Idealist sein, aber so bescheuert und blind bin ich dann doch nicht.

Und da wollen uns irgendwelche erhobenen Studien noch weismachen, dass Deutschland eines der Länder ist, in denen Korruption so selten ist wie nirgendwo sonst.
Sagten die Wissenschaftler und steckten das Geld ihrer Auftraggeber in die Tasche.

Wie dem auch sei.
Es bleibt mir also zum Abschluss kaum etwas Anderes, als Herrn Rösler von ganzem Herzen zu wünschen, dass er eines Tages sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen und die Wonne spendenden Folgen seiner Jahrhundertreform am eigenen Leib spüren muss.
Mit einer möglichst fiesen und ekligen Krankheit.
Irgendeiner dieser Manager hat sich ja bestimmt bei ner Nutte was eingefangen.

Aber bis dahin –

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Mütter und andere minderwertige Wesen Donnerstag, Sep 2 2010 

Feminismus ist ja immer so eine Sache.
So eine Sache, über die sich oft keine abschließende oder allgemeine Meinung formulieren lässt, weil das, was unter dem Terminus „Feminismus“ zusammengefasst wird, inzwischen so komplex und unüberschaubar ist, dass man mit dem Hang, sich am Ende eine möglichst simple Meinung „zum Feminismus“ zurechtzulegen, immer irgendwo ungerecht pauschalisiert.

Jetzt mal abgesehen von den wirklichen Ultrafeministinnen – Wer schon einmal wie ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit entsprechenden Verfechterinnen zu diskutieren (und/oder den Fehler gemacht hat, zu erwähnen, dass ein Schwellkörper zwischen seinen Beinen hängt) wird wissen, dass man dabei oftmals dazwischen schwankt, lieber gleich vom Dach zu springen oder sich zu fragen, ob auf der anderen Seite nicht doch ein übergewichtiges, hornbrillentragendes Kellerkind mit langen fettigen Haaren sitzt, das einen nur verarschen will.
Solche Gespräche erinnern oft vielmehr an eine überzogene Parodie des Feminismus als an Kommunikation zwischen intelligenzbegabten Lebewesen.
Ich erinnere mich da zum Beispiel mit Schrecken an eine Begebenheit, als ich etwa eine Dreiviertelstunde lang von einer Kämpferin für modernes Amazonentum zugeschwallt wurde, was denn so alles falsch läuft in dieser Welt – und das ist viel mehr als wir alle glauben! Ihr wisst ja gar nicht, in welch banalen Dingen sich überall der männliche Sexismus wiederspiegelt!
Und wie von Natur aus böse und tyrannisch wir Männer in allem sind, was wir tun.
Was mich zu vielerlei verschiedenen Fragen geführt hat;

Warum erzählt die mir das, während ich neben ihr stehe, als ob ICH KEIN Mann wäre? Das kratzt irgendwie bis heute an meinem Selbstbewusstsein.
Warum sind Gerichte in Phallusform zwangsläufig Sexismus? Ich meine… Hot Dogs, Würstchen, sogar die meisten Nudeln, Baguettes? Alles nur, damit wir Frauen beim Essen zusehen und uns vorstellen können, das wären unsere Schwänze?
Seltsamerweise kam sie auf dieses ganze Geschwafel von Phallusformen, als ich mir eine Zigarette angezündet habe – Was wiederum andere Fragen aufwirft: Was will ich denn dann damit erreichen, dass ich an einer Phallusform „lutsche“? Bin ich etwa unterbewusst schwul? Sind alle männlichen Raucher in Wahrheit schwul? Oder versuche ich nur, Frauen in meiner Umgebung zum Rauchen zu animieren, um mich dann daran aufzugeilen, wie sie an der Zigarette ziehen? Und wenn es so wäre, was für ein krankes minderbemitteltes Selbstbewusstsein habe ich bitte, mir das bei einer ZIGARETTE vorzustellen?
Das ist ja eher eine Beleidigung als irgendwie erregend… so von der Größe her.
Und wie sollte denn eigentlich Essen in Vaginaform aussehen? Donots? Und wäre das dann nicht auch wieder sexistisch, wenn wir Männer genüsslich Vaginas verputzen?
Und, um eine Brücke zur Thematik zu schlagen – wusstet ihr, dass wir Männer auch die Sprache als eine Art der Unterdrückung über Jahrtausende kultiviert haben? Selbst die ist nämlich sexistisch.
Weil es zum Beispiel im Deutschen viel mehr Wörter mit maskulinem Genus gibt als mit femininem.
Ich weiß zwar nicht mal, ob diese Behauptung so stimmt, aber wenn das wahr ist – Skandal!
Da hätte sie mich ja fast überzeugt, wie sie selbst ab sofort so seltsame Worte wie „Fernseherin“ und „Salzstreuerin“ zu benutzen.

Und ich hoffe, ihr lacht jetzt darüber oder findet es wenigstens echt merkwürdig, dass jemand das wirklich tun sollte.
Und wenn ihr das tut – DANN HÖRT SOFORT AUF IHR SEXISTISCHEN SCHWEINE!

Jedenfalls wurde mir gerade etwas Interessantes zu der Thematik geschickt, ein Artikel der MSN-Nachrichten, die ja allgemein eher nicht zu meinen Informationsquellen gehören.
Denn scheinbar ist es wieder einmal an der Zeit, einen Vorstoß gegen derlei Sexismus und geschlechterspezifische Diskriminierung in der Sprache zu unternehmen.
Da heißt es nämlich unter anderem „Der in Straßburg tagende Rat empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Behörden eine „nicht sexistische Sprache“ zu verwenden. Die Darstellung von „Frauen zu Hause“ sei ein traditionelles Rollenbild, das die Gleichstellung der Geschlechter hemme, heißt es in einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Rates.“

In der Tat. Furchtbar.
Das erinnert mich an die Kataloge für Werkzeug und Zimmereibedarf, die hier bei uns oft im Büro herumliegen. Ich finde es ja schrecklich, dass da praktisch nur Männer auf der Baustelle abgebildet sind.
Findet ihr das in Ordnung?

Auf diese Idee gekommen ist übrigens ursprünglich eine Schweizerin. Weil Muslime diskriminieren geht klar, aber bei Frauen hört der Spaß auf:

Die sozialistische Schweizer Nationalrätin Doris Stump verlangte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wörtlich, dass Frauen nicht mehr „als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte“ dargestellt werden sollten.

Jetzt nehmen wir uns einen Moment Zeit und lassen uns dieses Zitat genüsslich auf der Zunge zergehen.
„Passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte.“
Finde den Begriff, der nicht dazupasst!

Denn genau das ist ein Punkt, den ich bei Vertretern des Feminismus irgendwie oft etwas seltsam finde. Jetzt mal ganz barsch formuliert, Mütter auf die Stufe von „passiven oder minderwertigen Wesen“ zu stellen, ist das eines der Ziele des Feminismus im Sinne von Gleichberechtigung?
Sollte das nicht irgendwie… ich weiß nicht, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber… vielmehr die Vertretung der Interessen von Frauen sein, die unterdrückt werden?
Oder andersrum: MUSS eine Frau sich für Studium, Karriere, finanziellen Erfolg und so fort entscheiden, um von diesen Feministinnen überhaupt als Frau, als emanzipiert anerkannt zu werden? Ist das Dasein als Mutter automatisch gleichzusetzen mit Unterdrückung oder Sich-freiwillig-unterdrücken-lassen?
Wenn ich daraus keine Wertigkeit ableite – Was ich als Ziel des Feminismus definieren würde – ist genau das die absolut falsche Einstellung. Die Rolle der Frau in einer Beziehung als minderwertig zu bewerten, weil der Mann arbeitet und sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, war nicht genau das einer der Gründe, die das Ganze ins Rollen gebracht haben?
So gesehen scheinen sich manche Vertreter geradezu ins Gegenteil verrannt zu haben.
Ich will ja nicht sagen, dass es so sein muss. Aber sofern eine Frau sich freiwillig dafür unterscheidet, würde, werde und kann ich zwischen ihr und einer arbeitenden Frau gar keinen unterschiedlichen Wert unterstellen.
Den man meiner Meinung nach ohnehin nicht unterstellen kann zwischen einem Menschen und einem anderen, aber das würde jetzt wirklich zu weit gehen.

Was die werte Frau Stump hieraus jedoch ableitet, bringt mich allerdings ehrlich gesagt noch mehr zum Kopfschütteln, was an meiner Tätigkeit als passioniertem Schreiber liegen mag.
Wenn es nach ihr geht, dann sollen die Staaten nämlich mit gutem Beispiel vorangehen und in der Öffentlichkeit grundsätzlich nur noch geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwenden – Angeblich ist die Schweiz in dieser Beziehung sogar Vorreiter.

Beispiele?

Buchhalterdiplom wird zu Buchhaltungsdiplom.
Fahrausweis statt Führerschein.
Nicht mehr Fußgänger-, sondern Flanierzone.
Das Lehrerzimmer heißt dann Pausenraum.
Die böse böse „Mann“ (!) – schaft bezeichnen wir besser als Team/Gruppe.
Und meine zwei persönlichen Favoriten:
Besucherparkplatz heißt dann Gästeparklatz. (BITTE?! Wo ist denn da jetzt der Unterschied?)
Und statt Mutter/Vater werden wir dann wohl tatsächlich „Elter“ sagen.

Also, wenn’s nach ihr geht.
Ich werde weder meine Mutter noch meinen Vater Elter nennen. Bevor das passiert, würdet ihr noch eher von mir hören, dass Dieter Bohlen einen wertvollen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft leistet.
Und sollte ich irgendwann ein Kind haben und nicht bei dessen Geburt schon seit acht Monaten nach Kuba geflohen sein, und es nennt mich „Elter“… dann gibt’s ein bisschen gute altmodische erzieherische Gewalt.

Hier der Artikel der MSN-News, wer es nachlesen will.

An dieser Stelle, falls sich hier einige Leser aus der Schweiz einfinden (von ein oder zweien weiß ich ja), muss ich einfach fragen – Sind die Behörden in eurem Land wirklich so geistesgestört, das umzusetzen?
Mein Beileid, falls es so ist.

Worum es mir allerdings eigentlich geht;
Ich bin doch wohl nicht der Einzige, der solcherlei Ansätze nicht nur für vollkommen schwachsinnig sondern auch für eine Vergewaltigung der Sprache hält, oder? Bitte, BITTE! Gebt mir ein bisschen Hoffnung und sagt mir, dass es nicht so ist.
Erstens brauche ich diesen ganzen Unfug von „geschlechtsneutraler Sprache“ nicht, wenn ich zwischen den Geschlechtern, wie weiter oben schon erwähnt, keinen unterschiedlichen Wert unterstelle. Und das ist eine Sache der gesellschaftlichen Mentalität – Wenn dieses Bewusstsein herausgebildet wird, und das muss durch eine humanitäre, moralische Bildung zum Beispiel durch die Schule geschehen, werden solche pseudogerechten Maßnahmen unnötig. Und wisst ihr was? Wenn das nicht passiert, wird DAS auch nichts ändern.
Und ein paar Idioten und Arschlöcher wird es sowieso immer geben, auf beiden Seiten der Hermaphroditengrenze.
Und zweitens geht mir das als eine Art sprachlicher Zensur sowieso gewaltig auf den Sack (Meine Fresse, was für eine böse sexistische Redensart das schon wieder ist!). Wie gesagt, das mag an meinen Tätigkeiten als Schreiber und Literaturliebhaber liegen, aber ich sehe nicht ein, warum sich unsere Sprachen von ihren Genus-Systemen verabschieden sollten, die über Jahrtausende kultiviert wurden. Wenn überhaupt, sollte das aus einem Wechsel der Mentalität heraus entstehen und nicht aufgrund staatlicher Initiative.
Das Genus eines Substantivs hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, wer ist denn auf diese absurde Idee gekommen?
Außerdem haben wir nun einmal, von Ausnahmen abgesehen, ein Geschlecht. Wir sind ja nicht alle Zwitter. Das Geschlecht ist auch ein grundsätzlicher Teil der Individualität und der Herausbildung einer Persönlichkeit – inwiefern bestimmte Geschlechterrollen durch kulturelle Prägung hervorgehen oder sogar zu einem gewissen Teil genetisch veranlagt sein mögen, ist sowieso eine andere Frage.
Und ich muss es an dieser Stelle noch einmal sagen – wenn ich aus unterschiedlichem Geschlecht nicht automatisch einen unterschiedlichen Wert ableite, ist all das ohnehin vollkommen unnötig.
Es gibt doch Unterschiede zwischen uns, nicht nur allein durch die Geschlechter, sondern individuell noch durch so viele andere Eigenschaften. Aber dass wir unterschiedlich sind, muss ja nicht heißen, dass der eine mehr wert ist als der andere.
DAS ist die Mentalität, die wir brauchen, die Mentalität, die gefördert werden muss – statt einfach zu versuchen, uns sozusagen mit dem Brecheisen alle „gleich“ zu MACHEN.

Für mich scheint das wieder mal eines der typischen Beispiele zu sein, wo die Verantwortlichen allesamt viel zu simpel und oberflächlich denken, vielleicht auch um des blanken Populismus willen – „Wir tun was dagegen.“

Ohnehin habe ich von diesem ganzen Unfug, wenn ich ehrlich sein darf, einfach die Fresse dick.
Wenn ich schon den Begriff „Geschlechterkampf“ höre, wird mir ganz anders. Als hätten wir nichts Besseres zu tun, als uns in billiger, fruchtloser und destruktiver Konkurrenz gegenüber zu stehen.
Ich habe da nämlich so eine kleine Sache im Biologieunterricht gelernt, wisst ihr.
Wollt ihr’s hören?
Ich sag’s euch.
Aber psssst, nicht weitersagen.

Wir sind gemacht, um uns zu ergänzen.
Und das sollten wir auch tun.

Also abgesehen von lustigen kleinen Extrembeispielen beider Geschlechter, die irgendwie das richtige Maß komplett vermissen lassen (siehe zum Beispiel hier, was zum Lachen für euch) sollten wir uns einfach mal wieder daran erinnern.
Was ja nicht heißt, dass wir nicht weiter fiese sexistische Witze machen dürfen.
Seltsam wird’s erst, wenn das über bloßen Humor hinausgeht.

Denn, um das Ganze abzuschließen, ein kleines Zitat aus einer unfertigen Geschichte von mir namens „Legion“:

Keine Reichen oder Bettler.
Keine Jungen oder Alten.
Keine Männer oder Frauen.
Keine Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hinduisten oder Atheisten.
Nur Menschen.

Einfach nur Menschen.