Als passionierter Filmliebhaber und -sammler bin ich ja im Großen und Ganzen mit dem heutigen Fernsehprogramm nicht wirklich einverstanden.
Zugegeben, in der Beziehung wäre ich wahrscheinlich früher auch nicht wirklich mit dem einverstanden gewesen, was den Leuten da vorgesetzt wurde.
Und zugegeben, „nicht wirklich einverstanden“ ist eine schamlose Untertreibung und verdient wohl mindestens eine Nominierung für den krassesten Euphemismus meines Lebens.
Dann wiederum haue ich solche krassen Euphemismen allerdings so oder so im Minutentakt heraus. Ganz einfach, weil ich ganz schnell jede Menge Klagen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und mehr Feinde als ich zahlen könnte am Hals hätte, wenn ich meine Meinung auch immer genau so formulieren würde, wie sie mir durch den Kopf geht.

Sei es wie es sei, das Gezetere um die Medien ist ja nichts Neues, bringt irgendwie auch gar nichts, trotz der stellenweise argen Verbitterung, mit der es geführt wird und obwohl es an sich durchaus oft der Wahrheit entspricht.

Leuten wie mir (und womöglich auch vielen von euch) bleibt angesichts dieses Zustands ohnehin nur, sich auf Sender wie arte zu flüchten und sich dort seine letzte Bastion zu errichten. Wenn man den Fernseher überhaupt noch für etwas anderes als gute Filme ab und zu anmacht. Oder zum zocken.
Was ich nicht tue.

Man kann ja inzwischen nicht einmal mehr die öffentlich-rechtlichen Sender ernst nehmen, die sich aus der nackten Angst um ihre Quoten mit ihrem Programm auch lieber an die Masse mit weniger Niveau als an die wenigen Menschen mit etwas Anspruch richten, um ihre bitter offensichtliche Niederlage gegen das Privatfernsehen vielleicht doch noch mit etwas weniger Abstand zu erleiden.
Denn das ist ja der Witz daran. Wir können uns aufregen wie wir wollen, letztlich können wir den Medien NICHT die Schuld daran geben, dass es ist, wie es ist. Die tun ihren Job. Die zeigen das, was die meisten Leute sehen wollen, unterhalten eine möglichst große Zielgruppe, um möglichst viel Profit zu machen.
Das kann man einem erfolgsorientierten Unternehmen schlecht zum Vorwurf machen. Höchstens die Art und Weise, wie sie es tun – Aber auch damit sind sie nur ein Zahnrad im großen Getriebe.
Denn niemand hat heute noch Verantwortung für irgendwas. Weil keiner sie haben will. Nicht mal die, die sie haben sollten.
Der Punkt ist, die Leute wollen das eben sehen. Die Leute wollen immer wieder neue Tabubrüche, ein immer schamloseres Ausleben von Prominentenobsession, Bouledvardschwachsinn, seichter Unterhaltung, öffentlicher Entwürdigung von Personen und auf alle Fälle immer mehr nach dem platten Prinzip „Sex sells“.
Also bitte, so sei es.
Ihr wollt Paris Hilton und „Brangelina“, ihr wollt die neusten Trends und Flops kennenlernen, ihr wollt wissen, was irgendein unbedeutendes, narzisstisches, sich viel zu wichtig nehmendes Arschloch irgendwo ganz weit weg von irgendeinem banalen Thema hält, ihr wollt langweilige Gameshows nach ernüchtend simplen Prinzipien, ihr wollt sehen, was ganz normale Menschen sich auf offener Straße alles antun, wie sie freiwillig ihre Würde verkaufen, wenn der Reporter dabei mit einem Fünfziger winkt.
Und ihr sollt es haben.

Mir wird nicht bei dem Gedanken schlecht, dass so etwas gezeigt wird, vielmehr aber wenn ich daran denke, dass es immer wieder so erfolgreich ist und ganze Heerscharen von Menschen immer weiter ausufernder Verdummung fröhnen.
Aber so ist das eben. Ich kann es ihnen nicht verbieten, ich würde es auch nicht tun, wenn ich es könnte, aber ich kann auch nicht ändern, dass ich es irgendwie maßlos schade finde und es mich zugleich verdammt wütend macht.
Wie das halt immer so ist, wenn ich über gewisse Themen nachdenke.

Zum Beispiel wollte ich noch etwas anmerken, was ich schon vor längerer Zeit gelesen habe;

23. Juni 2010: Das ZDF hat eine „Lena-Soap“ in Auftrag gegeben: Anfang Juli beginnen die Dreharbeiten zu „Lena – Liebe meines Lebens“! In den geplanten 240 Folgen dreht sich alles um die junge Lena, die sich in David, einen Musiker aus reichem Hause verliebt. Während er ihr musikalisches Talent entdeckt und sie durch ihn Karriere macht, lässt er sich zum ersten Mal ganz auf die Liebe ein. Wie in jeder guten Seifenoper gibt es natürlich Menschen, die dem Paar das Glück nicht gönnt ..

Na, ist das scharf oder was?
Das ZDF, das Öffentlich-Rechtliche, einer der Sender mit dem Privileg und der Aufgabe, die Informationsfreiheit des Bürgers zu wahren (haha…), Kultur zu vermitteln (HA!) und anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten (HAHAHA!).
Und jetzt denkt mal daran, für diesen Zweck zahlt der durchschnittliche Bürger Rundfunkgebühren. Und wehe, er tut das nicht oder erweckt auch nur den Anschein, dann geht’s nämlich rund.
Für… Soaps.
Na – Wie fühlt sich diese Erkenntnis an?
Wenn ihr euch jetzt unwillkürlich vorkommt, als hätte euch jemand einen Faustschlag in die Magengrube versetzt und noch ein paar Minuten lang auf auch eingetreten, nachdem ihr zu Boden gegangen seid – dann geht’s euch so wie mir.

Jedenfalls…
Wollte ich eigentlich vorhin nur irgendetwas Anderes, ganz Banales sagen, bevor ich mich spontan dazu hinreißen habe lassen, mich hier ein bisschen auszutoben. =P
Denn ab und zu gibt es Hoffnungsschimmer.
Auch für den Filmliebhaber und -sammler.
Und wenn sie noch so selten und winzig sind.
Immerhin besser als überhaupt nichts.

Kommenden Samstag zum Beispiel strahlt das ARD nämlich um 22.15 „Zwei glorreiche Halunken aus“. Ja, ganz recht, das ist ein pöhser pöhser Italo-Western, ihr Frauen. Und ich wette mit euch, er ist immer noch tausend Mal besser als all die platte, ewig gleiche Lovestory-scheiße, die man euch heutzutage zum Fraß vorwirft.
Weil er aus einer Zeit und einer Welt fern aller maßgeschneiderten und akribisch im Vorfeld auf den Massengeschmack zugeschnittenen Hollywoodblockbuster stammt, aus einer Zeit, als Filme noch Ecken und Kanten hatten.
Und natürlich auch, weil er in einer Zeit SPIELT, in der zwischenmenschliche Probleme noch nicht durch verständnisvolle und kompromissbereite Gespräche gelöst wurden, sondern mittels sinnloser, in jeder Form ausufernder Gewalt.

Also scheißt auf Robert Pattinson und gebt euch den jungen Clint Eastwood in seiner meiner Meinung nach besten Rolle (Ja, das schließt Dirty Harry mit ein.), führt euch ein Stück Filmgeschichte zu Gemüte, dessen Einfluss bis zu heutigen Leinwandkrachern reicht (Quentin Tarantino *hust) und seht euch an, was Stil und Coolness wirklich bedeuten. =P

Denn, seht ihr … in dieser Welt, in dieser Gesellschaft gibt es zwei Arten von Menschen. Die einen, die alles verkaufen und verraten, was ihr Potenzial ihnen schenken könnte, und die anderen, die den Namen verdienen.

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