So, die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei, die Welt wird langsam wieder nüchtern, und wir alle schauen uns um und stellen fest, wie beschissen unser normales Leben uns jetzt wieder hämisch entgegengrinst.
Und was da so alles abgegangen ist, während wir nicht aufgepasst haben, weil unser Fokus ganz darauf lag, was sich so in Südafrika abspielt. Natürlich nicht außerhalb der Stadien. Das wäre ja keine Unterhaltung.
Über Sparpakete mit einem lächerlich dünnen Anstrich sozialer Gerechtigkeit über einem bittersüßen Kern aus schmackhaftem Lobbyismus und cremigem Neoliberalismus, über Rauchverbote in Bayern, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass sämtliche Shisha-Bars und -Cafés und damit auch meine Stammbar nach derzeitigem Stand der Dinge am 1. August schließen müssen (Vielen Dank, ihr Schweine.) oder ein Gesundheitsreförmchen, das als politisches Unterfangen von gewaltiger Brillianz propagiert wird und doch nicht mehr als ein Zeit und Geld verschlingender Rohrkrepierer ist, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter reden.
Ich unterstelle euch nämlich einfach mal genug Intelligenz, um diese Punkte ohne ausschweifende Erklärung zu verstehen und trotz der am anderen Ende der Welt ausgetragenen Weltmeisterschaft einer Sportart davon gehört zu haben.
Um es zusammenzufassen: Wir sind am Arsch.
Echt am Arsch.
Einem fetten, haarigen, schlecht geputzten Arsch.
Immer noch, immer wieder und immer mehr.
Aber das kennen wir ja alles schon zur Genüge, und ich werde euch nicht wieder und wieder vorjammern, warum genau und wie sehr wir im Arsch sind.
Sind wir nämlich.
Richtig.
Richtig hart.
Natürlich werde ich euch schon von Zeit zu Zeit ein bisschen daran erinnern, wann, wo und wie wir unsere Nase ein Stück weiter zwischen die Backen drücken und Vorschläge machen, was man tun sollte/könnte/müsste, um sie wieder ein bisschen rauszuziehen und normale Luft zu atmen.
Aber ab und zu braucht der Mensch ja auch etwas, über das er lachen kann. Es sei denn, ihr gehört zu der seltenen Gruppe der sehr begabten Menschen, die darüber lachen können, wie sehr wir alle, sie eingeschlossen, am Arsch sind (Und das sind wir.) – in dem Fall beneide ich euch.
Ich nämlich brauche dafür andere Dinge. Sonst dreh‘ ich wirklich nochmal durch und hau alles kurz und klein, was mich an dieser Welt aufregt.
Und dann ist nicht mehr wirklich viel übrig. Nicht mal ich selbst.

Und ich habe für diesen Zweck – und jetzt kommt’s – soulsaver.de für mich entdeckt.
Ihr wisst schon, diese Seite der ultrakonservativen Christen, für die ACDC des Teufels Advokaten sind, die euch nur vom Pfad der Erlösung abbringen wollen.
Die Zeit, in der man sich gegenseitig Links zu witzigen youtube-videos geschickt hat, ist endgültig vorüber, Lolcats und der Pedobear sind Schnee von gestern – heutzutage geht man auf soulsaver.de und liest sich einige Artikel durch, um sich den Arsch abzulachen!

Deshalbe richte ich hiermit auch höchst feierlich und extra zu diesem Zweck den soulsaver-tag ein und liefere euch den ersten Artikel einer in Zukunft hoffentlich beständigen Serie mit persönlichen Kommentaren zu den geistigen Ergüssen, die mir dabei so unterkommen.

Und das erste, was ich da für euch ausgegraben habe, ist gleich Bullshit von allerfeinster Qualität und Konsistenz. Damit lege ich mir die Latte von Anfang an extrem hoch, aber ich bin zuversichtlich, dass diese Leute es schaffen, noch dämlicheren Schwachsinn zu verzapfen.

Nämlich ein schon etwas betagterer Artikel vom 03.09.2005, in dem es unter anderem um die Flutkatastrophe geht, die damals New Orleans getroffen hat. Ihr erinnert euch?
Schön.
Es geht los mit dem einprägsamen Titel –

Tut Buße!

Ja, ganz recht.

Was muss eigentlich noch alles geschehen, damit ihr aufwacht?

Keine schlechte Einleitung, das könnte von mir sein.

Fällt euch nicht auf, wie sich die Naturkatastrophen häufen und immer schlimmer werden? Das Jahr fing mit der schlimmsten Flutwelle aller Zeiten an, und jetzt wird wahrscheinlich eine ganze Stadt durch die Fluten vom Erdboden vertilgt werden. Und zwar nicht irgendein Städtchen in einem Dritte-Welt-Land, sondern eine Metropole der mächtigsten Nation der Welt! Das sind im wahrsten Sinne des Wortes biblische Ausmaße!

… das wiederum nicht, schon alleine, weil ich nie das Wort „biblisch“ benutzen würde.
Kann übrigens irgendjemand bestätigen, dass sich Naturkatastrophen in Häufigkeit und Schwere wirklich häufen/steigern? Hat da jemand Statistiken zur Hand oder so etwas? Würde mich interessieren – mir wurde nämlich immer wieder überzeugend dargelegt, dass das nicht der Fall ist, sondern ein Eindruck, der den Menschen dadurch suggeriert wird, dass inzwischen praktisch immer irgendwo ein Kamerateam in der Nähe ist, wenn ein Kamel in der Wüste etwas zu laut furzt.
Wir sehen Klimakatastrophen von überall, rund um die Welt in den Nachrichten. Schon klar, dass da ab und zu mal etwas passiert.
Mit „schlimmste Flutwelle aller Zeiten“ ist übrigens der Tsunami in Thailand vom 26.12.2004 gemeint, der ohne Zweifel verheerende Folgen hatte. Die Formulierung dieser Superlative an sich ist allerdings eine Übertreibung… im wahrsten Sinne des Wortes „biblischen Ausmaßes“.

New Orleans wurde „The Big Easy“ („Die große Leichtlebige“) genannt. Ausgelassenheit prägte die Atmosphäre der Stadt.

Oh yeah. Was für eine Stadt.

Aber nicht eine erfrischende, saubere Ausgelassenheit, sondern eine, in der Sünde toleriert und sogar gutgeheißen wurde.

… Ich hab’s kommen sehen.
Ich frage mich, was die Leute von soulsaver.de als „erfrischende, saubere Ausgelassenheit“ bezeichnen würden. Ich muss gerade an alte Frauen in der Kirche denken, die Feuerzeuge in die Höhe halten und „Wenn das Brot, das wir teilen“ mitgröhlen, sich die Kleider vom Leib reißen und dem Priester ihre Stützstrümpfe gegen Krampfadern auf den Altar werfen.
Da sind mir Besoffene und Prostituierte wirklich lieber.
Aber halt!
Denn wenn sie von Sünde schreiben, meinen sie ja gar nicht das!
Sondern…

Genau in der Zeit, in der der Hurrikan „Katrina“ zuschlug, nämlich vom 31.08. bis 05.09., sollte in New Orleans das Homosexuellenfest „Südliche Dekadenz“ mit Zehntausenden Teilnehmern stattfinden.

Ja!
Lasst euch das auf der Zunge zergehen!
Im wahrsten Sinne des Wortes göttliches Timing, was?

Wurde die Stadt deswegen verwüstet? Dieses Urteil zu fällen, steht uns nicht zu. Wir können natürlich die Experten fragen „Ist es wegen der Klimapolitik der USA?“ oder „Ist es wegen der schlechten Koordination der Katastrophenhilfe“? und schnell ein paar Schuldige suchen. Aber was bringt das? Wie soll das die Not der Betroffenen lindern? Fragen wir doch nicht soviel „Warum“, sondern mehr „Wozu?“, um wirklich tiefgreifende Lektionen für die Zukunft zu lernen!

Die Schuldigen haben wir doch – die Schwulen waren’s! Hängt sie auf!
Und das Warum und Wozu ist dann ja in diesem Fall auch klar – Um die Schwulen wegzuspülen!
Case closed.

Aber das „Wozu?“ macht nur Sinn, wenn es einen Gott gibt. Einen Gott, der das Unglück zugelassen hat, damit wir etwas lernen. Was sollten wir daraus lernen? Die Bibel gibt uns Antwort! Das biblische Buch mit den meisten Naturkatastrophen ist die Offenbarung. Hier wird immer wieder das Augenmerk darauf gelenkt, dass die Menschen daraufhin nicht Buße taten:

„Und die übrigen der Menschen, welche durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten nicht Buße von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht anbeteten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die ehernen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können.“ (Offenbarung 9,20)

„Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offenbarung 16,9)

„…und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offenbarung 16,11)

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht ist, die Menschen durch solche Katastrophen zur Buße zu bewegen! Und Buße (griech. metanoia) bedeutet nicht, mal schnell religiös zu werden und Gott nur in der Not um ein bißchen Linderung anzuflehen. Es bedeutet, von Grund auf umzudenken, deine ganze Einstellung Gott gegenüber zu verändern, nicht mehr frech von Ihm zu fordern, sondern dich Seinem Urteil über dein Leben zu stellen und dich unter Seinen Willen zu demütigen!

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht war, Schwule umzubringen.
Gott ist irgendwie echt ein ziemlich fieses Arschloch.
Aber wenn Gott nun diese paar Schwulen umbringt und sie in ihrer Sündigkeit tötet, womit sie ja in die ewige Hölle fahren, um uns alle zum Umdenken zu bewegen und uns den Weg ins Paradies zu gewähren…
… ist er dafür irgendwie immer noch ein Arschloch.

Im Übrigen demütige ich mich vor niemandem. So ein lächerlich minderwertiges Selbstbild habe ich dann doch nicht.

Und was habe ich dann davon? Weißt du, Gott schickt diese Katastrophen über die Menschen, um sie vor der allergrößten Katastrophe zu bewahren: einer Ewigkeit ohne Ihn.

Außer die Schwulen natürlich, die bringt er um und schickt sie damit genau in die andere Richtung.

Könnte er ja auch alles einfacher haben, wenn er akzeptieren würde, dass manche Männer andere Männer mehr liebhaben als andere Frauen.
Kämen auch mehr Leute in den Himmel. Und alle wären wir glücklicher. Die Schwulen und Gott, weil er sie ja eigentlich im Himmel haben will.

enn am Ende der Offenbarung heißt es:

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.[…] Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offenbarung 20,12.15)

Da sitzt dann Gott und liest in seinem Buch, und unter DEINEM Namen steht nur in Schriftgröße 72 „SCHWUL“. Jesus zu seiner Rechten zieht an einem Hebel und du stürzt hinab direkt in die Hölle.
Der Nächste tritt vor, und Gott liest in seinem allwissenden Buch des Lebens, wie viele Weiber der so flachgelegt hat, gibt ihm High Five und öffnet ihm die Himmelstore.
Danach tritt ein katholischer Priester vor – Gott liest in seinem Buch, Jesus zieht am Hebel und er stürzt in die Tiefe…

Wach endlich auf aus deiner Leichtlebigkeit, in der du Gott einen guten Mann hast sein lassen und die Ewigkeit nicht ernst genommen hast!

Wach endlich auf ist gut, auf den Rest dürft ihr meinetwegen scheißen.
Und wenn Gott kein guter Mann ist, der nicht will, dass ihr euer Leben hier und jetzt ernst nehmt und das Beste daraus macht, für euch und eure Mitmenschen, ganz egal, was danach kommt…
Dann ist Gott echt ein ziemlich fieses Arschloch.

Und wir treffen uns dann hoffentlich in der Hölle.
Ich werde nämlich auf jeden Fall da sein.

Was also lernen wir aus der ganzen Geschichte?
Kurz und knackig: Klimaerwärmung gibt es nicht, wir haben keinen Einfluss auf die Natur, wir sind nicht schuld daran, wenn sich solche verheerenden Ereignisse (vermeintlich) häufen.

Klimakatastrophen sind einfach, wenn Gott versucht, Schwule umzubringen.

Denkt nur mal darüber nach! Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann!
Deepwater Horizon – mit Sicherheit war da ein schwuler Arbeiter auf der Ölbohrplattform, und Gott lenkt das Öl jetzt an alle Küsten, an denen sich fröhliche freilaufende Schwule genüsslich in ihrer Sündigkeit tummeln.
Der Tsunami von 2004 – Irgendwo war da bestimmt ein Schwuler! Oder auch einer von denen, die hinfahren, um sich mal für ein paar Euro ein vierzehnjähriges thailändisches Mädchen zu gönnen.
Wie viele katholische Priester sind bei dem Tsunami damals eigentlich umgekommen?

Und nicht zuletzt natürlich The Big Easy.
Überlegt mal, ihr könnt da eine klare Linie durch die ganze Menschheitsgeschichte ziehen, seit Adam und Eva.
Und in Zukunft heißt es dann Sodom, Gomorrha und New Orleans.

Das ist ein gutes Motto, das skandieren wir das nächste Mal, wenn wir den ersten Schwulen am Baum in der Dorfmitte aufhängen.
Denn was riefen schon die Kreuzritter, als sie in die Schlacht ritten?

„Gott will es!“

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