Ja, ich weiß.

Das hat verdammt lange gedauert und es ist mittlerweile ewig her, trotzdem liefere ich jetzt doch mal meinen kleinen Rückblick auf das ACDC-Konzert in Wels am… 22.05.2010, wenn ich mich richtig erinnere.
Einerseits, weil mir langweilig ist und ich heute zu fertig und abgewrackt bin, um noch großartig etwas zu unternehmen, andererseits, weil ich zu faul bin, etwas Anspruchsvolles zu schreiben… und weil ich mich grade mit ACDC-songs zudröhne und in süßen Erinnerungen schwelge.
Außerdem habe ich vor Kurzem erst die Fotos und Videos bekommen, die meine Schwester gemacht hat… und die sind zum großen Teil scheiße, deshalb werd‘ ich ein bisschen mit youtube-videos von anderen Konzertbesuchern aushelfen. ;]

Unsere Geschichte, meine Freunde, beginnt am 24.12.2009.
An jenem Weihnachtsabend nämlich, als ein festlich-zynisch gestimmter Eden zusammen mit seiner zugehörigen parasitären Lebensform Freundin in deren Elternhaus das Fest der Nächstenliebe beging.
Was besagter Eden nicht wusste und auch nicht im Geringsten erwartete, war, dass die Eltern seiner Freundin ihm nicht nur irgendwie Socken oder irgendetwas aus dem 1-Euro-Laden schenken würden, sondern sich über besagte Freundin mit seinen Eltern und Geschwistern abgesprochen und zusammengelegt hatten, um eine Karte für das ACDC-Konzert in Wels zu kaufen, samt Gutschein für „Verpflegung“ (Damit ist natürlich ausdrücklich flüssige Verpflegung gemeint.).
Entsprechend fiel auch Edens Reaktion aus. Ich glaube, ich war noch nie so kurz davor, den Satz „Ich liebe dich.“ in den Mund zu nehmen.
Den ich bis zum heutigen Zeitpunkt nur in Bezug auf… naja, ACDC, bestimmte Italo-Western und seit Kurzem Thomas Müller verwendet habe.
Noch besser wurde das Fest der materialistischen Nächstenliebe dann, als der werte Herr Eden zusammen mit Freundin in der Einfahrt des eigenen Elternhauses vorfuhr, um den Rest des Abends dort zu verbringen – und sein sichtlich alkoholisierter Bruder aus der Tür stürzte und „ACDC!“ schrie.
Stellte sich heraus, dass man nicht nur ihm, sondern dass seine Freundin, meine Schwester und ihr Ehemann sich bei dieser Gelegenheit gleich selbst ebenfalls Karten bestellt hatten.
Damit war also eine unheilige Allianz aus HardRock-Fanatikern und Säufern geboren, die Monate später in die tiefen, unzivilisierten Weiten Österreichs aufbrach.

An diesem Punkt spulen wir einfach mal vorwärts.
Damit verpassen wir ohnehin nur die Autofahrt mit vielen absurden Gesprächen über schlechte österreichische Autobahnen, Transsexualität bei Kleinkindern (ich sehe mich außer Stande, den Ursprung dieses Gesprächsthemas zu erklären… ) und unzähligen unsäglich schlechten regionalpatriotischen Witzen von Bayern über Österreicher.

Wir stoppen also einfach mal an dem Punkt, wo wir uns auf dem Parkplatz unweit des Konzertgeländes befinden und die drei Vorbands nacheinander ihre Auftritte hinlegen.
Dazu muss ich sagen, die habe ich allenfalls im Hintergrund gehört, während wir uns auf dem Parkplatz etwas Alkohol zugeführt, mit österreichischen Fans darüber gestritten haben, warum ihr „Bier“ nicht mal den Namen verdient, wenn man es mit dem bayrischen Repertoire vergleicht, unsäglich zugerichtete Dixie-klos bestaunt, darüber diskutiert haben, was passiert wäre, wenn Frauen den zweiten Weltkrieg geführt hätten…


… oder uns gefragt haben, wie blöd man sein muss, mehr als achtzig Euro für eine Karte zu blechen, wenn man sich unmittelbar vor dem Auftritt der Band ins Koma säuft.

Übrigens waren die Bewohner von Wels sehr einfallsreich, was das Unterfangen anging, mit dem Konzert Geld zu verdienen oder es auch ohne Karten zu erleben.
Mein persönlicher Favorit:

Erst als die dritte Vorband sich seit etwa einer Viertelstunde abmühte, etwas Leben in das Publikum zu bringen, das zum größten Teil nur stoisch auf den Auftritt von Angus und Co. wartete, setzten auch wir uns langsam in Bewegung und boxten uns durch zunehmend dichter werdende Fanmassen (Ihr könnt das ruhig als zweideutige Formulierung verstehen.).
Dabei kamen wir dann zum Beispiel auch hieran vorbei:


Und jetzt stellt euch vor, ihr wärt eine billige Schlampe, die sich da drin von einem der Bandmitglieder flachlegen lässt.
Totally worth it.

Naja, jedenfalls mussten wir nicht mehr lange warten, als wir uns bis zu einer akzeptablen Position vorgekämpft hatten.
Dazu muss ich allerdings noch eine Erkenntnis aussprechen, die zwar alles andere als neu ist, sich mir auf dem Weg dorthin aber wieder einmal bestätigt hat;

Rockbands haben die absolut schärfsten weiblichen Fans der ganzen Musikbranche. Hautenge Lederkleidung und blinkende Teufelshörner sind eine unschlagbare Kombination.
Da kann jeder Rapper mit seinen billigen fettärschigen Nutten einpacken.
Wenn ich nicht so ein moralisches Weichei wäre, hätte die Tatsache, dass meine Freundin sich selbst keine Karte für das Konzert gekauft hat, ganz schnell nach hinten losgehen können.
Oder um es mit den Worten meines Bruders und meines Schwagers auszudrücken:

„Schau dir diese Schlampen an. Würden normalerweise alle nur fünf Euro kosten.“
„Und sie wären jeden Cent wert.“

Den Blick meiner Schwester nach dieser Antwort überlasse ich eurer Fantasie.

Nunja.
Nach einigen amüsanten Darstellungen, was exzessiver Alkoholkonsum so alles anrichten kann – wie zum Beispiel von jemandem, der mitten in einer Menschenmenge seinen Schwanz auspackt und einem anderen ans Hosenbein pisst, oder ein anderer, der auf den Dächern einer Reihe Dixie-klos herumspringt und sich sehr ästhetisch brutal auf die Fresse gelegt hat (ich weiß, das ist gemein, aber mein Bruder und ich haben uns bei dem Anblick kaputtgelacht.) – kam dann auch schon das, worauf ich… nunja… daran gemessen, dass mein Bruder mir mit sechs Jahren damals die erste selbst zusammengestellte Kassette mit ACDC-songs vorspielte… dreizehn Jahre lang gewartet hatte;


Und hier nochmal das Intro bei einem anderen Konzert, schöner zu sehen, für diejenigen unter euch, die’s nicht kennen. (Und ja, schämt euch was.)

Ich werde jetzt nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, dazu ist meine Erinnerung zu verwaschen, auch ohne wirklich exzessiven Alkoholkonsum.
Zudem ist Stimmung und Atmosphäre hier ohnehin nicht in Worte zu fassen für diejenigen, die nicht anwesend waren. Das wäre ja, wie einem Blinden ein farbenprächtiges expressionistisches Gemälde zu erklären.
Oder Gott in Worte zu fassen. Denn „Gott“ ist ja letztendlich auch nur ein Wort, ein Versuch des Menschen, einer Hypothese, die seine Vorstellungskraft übersteigt, irgendetwas Greifbares aufzuzwingen.
Letztlich wäre beides irgendwie unvollständig, ein Abglanz, nicht vergleichbar mit dem Objekt der Beschreibung.

Ich kann euch allerdings zum Beispiel erzählen, dass gerade zu Beginn des Konzerts das wechselhafte Wetter noch einmal stark umschlug und es wie aus Eimern zu pissen begann.
Und ich kann euch erzählen, dass das die Stimmung, zumindest in meiner Umgebung, keineswegs gedrückt, sondern nur noch mehr angeheizt hat. Ich könnte auch sagen, dass es zwischenzeitlich ein – zwei Minuten tatsächlich gehagelt hat. Ich könnte hinzufügen, dass auch das die Fans nur noch mehr dazu gebracht hat, auszurasten und sich die Seele aus dem Leib zu schreien.
Ich könnte beschreiben, wie es war, als nach „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ kurz die Bühne verdunkelt wurde und mitten in die Pause hinein ein Blitz die Szenerie erhellte, man Donnergrollen hörte und DANN Thunderstruck begann, als wäre Gott persönlich in Wels gewesen und hätte mitgerockt (Erklär mir das mal, soulsaver.)
Ich könnte versuchen, in Worte zu fassen, wie das Publikum ausgerastet ist, als Angus Young zu „The Jack“ seinen Striptease hingelegt hat oder wie dieser sich während seines minutenlangen Solos wie so oft regelrecht in einen Rausch spielte.

Ich könnte auch über die absolut geile Bühnenshow besonders beim traditionell letzten Song „For Those About To Rock“ philosophieren.

Aber wenn ihr nicht dabei wart, dann vermittelt euch auch das alles nur einen völlig unzureichenden Eindruck, den höchstens die Videos ein klitzekleines Bisschen wettmachen können.

Stattdessen… hm.
Stellt euch einfach vor, ihr reitet auf einer gen Boden rasenden Atombombe, zwischen euren Beinen Megatonnen an Zerstörungskraft, euer Ziel eine zusammengepferchte Menschenmasse in der Einöde, wo alle verhassten Dummschwätzer, gehirnlosen mediengeilen Affen und egozentrischen Narzissten dieser Gesellschaft versammelt sind, wo Dieter Bohlen, Detlef D Soost und Heidi Klum sich zusammen mit der ganzen B-Prominenz-schar versammelt haben, die sie aus der Unterwelt ins Rampenlicht dieser Existenzebene beschworen haben, wo populistische und offen bestechliche Politiker zusammen mit denjegen, die ihnen das Geld in den Arsch schieben, darüber lachen, wie sie uns verarschen, wo Tausende und Abertausende für das Programm der Fernsehsender Verantwortliche und alle Redakteure, Journalisten und Fotografen der BILD zusammentreffen – und alle zusammen von einer gewaltigen Schar der hirnlosen Zombies bejubelt werden, deren flachgeistige Unterhaltungssucht, Gleichgültigkeit und Sensationsgeilheit uns immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben.
Und während ihr singend und jubelnd und kreischend auf der Atombombe gen Ziel rast, lässt Gott selbst, zu seiner Rechten der grinsende Bonn Scott, aus den Wolken, seinen himmlischen Subwoofern, wie eine zynische Ankündigung „Highway to Hell“ in trommelfellzerfetzender Lautstärke ertönen.

Jetzt stellt euch vor, wie ihr euch in diesem Moment fühlt, kurz bevor ihr aufschlagt und all diese hirnlosen Zombies, die darauf aus sind, euer Hirn zu fressen, mit einem Schlag niedergemäht und pulverisiert werden.
So ungefähr dürft ihr euch meine Stimmung während dieses Konzerts vorstellen.
Wenn ihr das könnt, ohne das euer Kopf explodiert vor so viel Geilheit.

Das ist jedenfalls der treffendste Vergleich, dessen ich fähig bin.

Von so einem Erlebnis wieder runterzukommen ist ungefähr genau so schwer wie nach so einem Hauptteil jetzt auf einen würdigen Schluss überzuleiten.
Ich könnte nämlich noch vieles über dieses Konzert sagen, obwohl es schon so lange her ist. Ich könnte von Schlammschlachten auf dem Konzertgelände erzählen und vom Versuch, am Schluss raus zu kommen, ohne bis zu den Knien im Morast zu versinken, oder davon, wie am Ende noch das Ergebnis das Champions-League-Finales durchgegeben wurde und die Österreicher in kollektiven Jubel über die Niederlage der Bayern ausgebrochen sind.
Zum Glück bin ich ja kein Bayern München-Fan.

Das Meiste davon würde euch allerdings überhaupt nicht interessieren, denn ich würde nur in eine Wiederholung überdrehter Metaphern und Vergleiche und fortlaufende Beteuerung der Geilheit des Konzerts verfallen.
Also lassen wir das, denn ich denke, davon beherbergt dieser Artikel genug.

Und ihr könnt sicher sein, wenn sich das nächste Mal die Gelegenheit bietet, ACDC live zu sehen (Ich vermute, dass es in naher Zukunft irgendwann auch mal die letzte Gelegenheit sein wird.) – Ich werde da sein.
Und verdammt nochmal, nächstes Mal werde ich meine Schwester überreden, ihren achtjährigen Sohn mitzunehmen, den mein Bruder und ich schon zu einem kleinen ACDC-Fan erzogen haben.
Immerhin ist das ja auch ein durchaus pädagogischer Zweck.

Wenn der einmal auf so einem Konzert war, dreht ihn kein Tokio Hotel-Song der Welt mehr um.

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