Nur für Genießer. Freitag, Jul 30 2010 

Als passionierter Filmliebhaber und -sammler bin ich ja im Großen und Ganzen mit dem heutigen Fernsehprogramm nicht wirklich einverstanden.
Zugegeben, in der Beziehung wäre ich wahrscheinlich früher auch nicht wirklich mit dem einverstanden gewesen, was den Leuten da vorgesetzt wurde.
Und zugegeben, „nicht wirklich einverstanden“ ist eine schamlose Untertreibung und verdient wohl mindestens eine Nominierung für den krassesten Euphemismus meines Lebens.
Dann wiederum haue ich solche krassen Euphemismen allerdings so oder so im Minutentakt heraus. Ganz einfach, weil ich ganz schnell jede Menge Klagen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und mehr Feinde als ich zahlen könnte am Hals hätte, wenn ich meine Meinung auch immer genau so formulieren würde, wie sie mir durch den Kopf geht.

Sei es wie es sei, das Gezetere um die Medien ist ja nichts Neues, bringt irgendwie auch gar nichts, trotz der stellenweise argen Verbitterung, mit der es geführt wird und obwohl es an sich durchaus oft der Wahrheit entspricht.

Leuten wie mir (und womöglich auch vielen von euch) bleibt angesichts dieses Zustands ohnehin nur, sich auf Sender wie arte zu flüchten und sich dort seine letzte Bastion zu errichten. Wenn man den Fernseher überhaupt noch für etwas anderes als gute Filme ab und zu anmacht. Oder zum zocken.
Was ich nicht tue.

Man kann ja inzwischen nicht einmal mehr die öffentlich-rechtlichen Sender ernst nehmen, die sich aus der nackten Angst um ihre Quoten mit ihrem Programm auch lieber an die Masse mit weniger Niveau als an die wenigen Menschen mit etwas Anspruch richten, um ihre bitter offensichtliche Niederlage gegen das Privatfernsehen vielleicht doch noch mit etwas weniger Abstand zu erleiden.
Denn das ist ja der Witz daran. Wir können uns aufregen wie wir wollen, letztlich können wir den Medien NICHT die Schuld daran geben, dass es ist, wie es ist. Die tun ihren Job. Die zeigen das, was die meisten Leute sehen wollen, unterhalten eine möglichst große Zielgruppe, um möglichst viel Profit zu machen.
Das kann man einem erfolgsorientierten Unternehmen schlecht zum Vorwurf machen. Höchstens die Art und Weise, wie sie es tun – Aber auch damit sind sie nur ein Zahnrad im großen Getriebe.
Denn niemand hat heute noch Verantwortung für irgendwas. Weil keiner sie haben will. Nicht mal die, die sie haben sollten.
Der Punkt ist, die Leute wollen das eben sehen. Die Leute wollen immer wieder neue Tabubrüche, ein immer schamloseres Ausleben von Prominentenobsession, Bouledvardschwachsinn, seichter Unterhaltung, öffentlicher Entwürdigung von Personen und auf alle Fälle immer mehr nach dem platten Prinzip „Sex sells“.
Also bitte, so sei es.
Ihr wollt Paris Hilton und „Brangelina“, ihr wollt die neusten Trends und Flops kennenlernen, ihr wollt wissen, was irgendein unbedeutendes, narzisstisches, sich viel zu wichtig nehmendes Arschloch irgendwo ganz weit weg von irgendeinem banalen Thema hält, ihr wollt langweilige Gameshows nach ernüchtend simplen Prinzipien, ihr wollt sehen, was ganz normale Menschen sich auf offener Straße alles antun, wie sie freiwillig ihre Würde verkaufen, wenn der Reporter dabei mit einem Fünfziger winkt.
Und ihr sollt es haben.

Mir wird nicht bei dem Gedanken schlecht, dass so etwas gezeigt wird, vielmehr aber wenn ich daran denke, dass es immer wieder so erfolgreich ist und ganze Heerscharen von Menschen immer weiter ausufernder Verdummung fröhnen.
Aber so ist das eben. Ich kann es ihnen nicht verbieten, ich würde es auch nicht tun, wenn ich es könnte, aber ich kann auch nicht ändern, dass ich es irgendwie maßlos schade finde und es mich zugleich verdammt wütend macht.
Wie das halt immer so ist, wenn ich über gewisse Themen nachdenke.

Zum Beispiel wollte ich noch etwas anmerken, was ich schon vor längerer Zeit gelesen habe;

23. Juni 2010: Das ZDF hat eine „Lena-Soap“ in Auftrag gegeben: Anfang Juli beginnen die Dreharbeiten zu „Lena – Liebe meines Lebens“! In den geplanten 240 Folgen dreht sich alles um die junge Lena, die sich in David, einen Musiker aus reichem Hause verliebt. Während er ihr musikalisches Talent entdeckt und sie durch ihn Karriere macht, lässt er sich zum ersten Mal ganz auf die Liebe ein. Wie in jeder guten Seifenoper gibt es natürlich Menschen, die dem Paar das Glück nicht gönnt ..

Na, ist das scharf oder was?
Das ZDF, das Öffentlich-Rechtliche, einer der Sender mit dem Privileg und der Aufgabe, die Informationsfreiheit des Bürgers zu wahren (haha…), Kultur zu vermitteln (HA!) und anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten (HAHAHA!).
Und jetzt denkt mal daran, für diesen Zweck zahlt der durchschnittliche Bürger Rundfunkgebühren. Und wehe, er tut das nicht oder erweckt auch nur den Anschein, dann geht’s nämlich rund.
Für… Soaps.
Na – Wie fühlt sich diese Erkenntnis an?
Wenn ihr euch jetzt unwillkürlich vorkommt, als hätte euch jemand einen Faustschlag in die Magengrube versetzt und noch ein paar Minuten lang auf auch eingetreten, nachdem ihr zu Boden gegangen seid – dann geht’s euch so wie mir.

Jedenfalls…
Wollte ich eigentlich vorhin nur irgendetwas Anderes, ganz Banales sagen, bevor ich mich spontan dazu hinreißen habe lassen, mich hier ein bisschen auszutoben. =P
Denn ab und zu gibt es Hoffnungsschimmer.
Auch für den Filmliebhaber und -sammler.
Und wenn sie noch so selten und winzig sind.
Immerhin besser als überhaupt nichts.

Kommenden Samstag zum Beispiel strahlt das ARD nämlich um 22.15 „Zwei glorreiche Halunken aus“. Ja, ganz recht, das ist ein pöhser pöhser Italo-Western, ihr Frauen. Und ich wette mit euch, er ist immer noch tausend Mal besser als all die platte, ewig gleiche Lovestory-scheiße, die man euch heutzutage zum Fraß vorwirft.
Weil er aus einer Zeit und einer Welt fern aller maßgeschneiderten und akribisch im Vorfeld auf den Massengeschmack zugeschnittenen Hollywoodblockbuster stammt, aus einer Zeit, als Filme noch Ecken und Kanten hatten.
Und natürlich auch, weil er in einer Zeit SPIELT, in der zwischenmenschliche Probleme noch nicht durch verständnisvolle und kompromissbereite Gespräche gelöst wurden, sondern mittels sinnloser, in jeder Form ausufernder Gewalt.

Also scheißt auf Robert Pattinson und gebt euch den jungen Clint Eastwood in seiner meiner Meinung nach besten Rolle (Ja, das schließt Dirty Harry mit ein.), führt euch ein Stück Filmgeschichte zu Gemüte, dessen Einfluss bis zu heutigen Leinwandkrachern reicht (Quentin Tarantino *hust) und seht euch an, was Stil und Coolness wirklich bedeuten. =P

Denn, seht ihr … in dieser Welt, in dieser Gesellschaft gibt es zwei Arten von Menschen. Die einen, die alles verkaufen und verraten, was ihr Potenzial ihnen schenken könnte, und die anderen, die den Namen verdienen.

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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit Samstag, Jul 24 2010 

… sowahr unsere politische Integrität uns helfe.

Die erste Pointe schon vor der Einleitung, ist das’n Ding oder was?

Jedenfalls… wenden wir uns mal einer Sache zu, die ganz bestimmt nicht mein Lieblingsthema ist.
Das mag daran liegen, dass ich mich dabei meistens ziemlich aufrege und bei längerer Beschäftigung damit spontane Kopfschmerzen, erhöhten Blutdruck, Übelkeit, einen nicht wirklich kontrollierbaren Hass und einen sehr unangenehmen Juckreiz um den Schließmuskel herum bekomme, als hätte ich mich etwas zu oft von jemandem durchnehmen lassen, der bestückt ist wie ein Pferd.
Was auch der Fall ist.

Im Rahmen einer äußerst geschmacklosen Metapher, natürlich.

Sei es wie es sei, im Umgang mit Politikern verspüre ich irgendwie immer den nicht sehr netten Drang, sie zu behandeln, als hätten sie eine äußerst tödliche, äußerst ansteckende Krankheit.
Oder wie einen Boxsack, je nachdem.

Und ich hatte ja schon das ein oder andere Mal das Vergnügen. Es ist immer so schwer, diesem Impuls zu widerstehen und sich mit Gedanken wie, dass man keine ganze Berufsgruppe pauschal aburteilen kann und derjenige, der vor einem steht, auch einer der wenigen sein könnte, die den gängigen Vorurteilen widersprechen, bei der Stange zu halten.
Of treffen die gängigen Vorurteile nämlich so ziemlich ins Schwarze.

Aber kommen wir zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ich war heute nämlich in der Stadt und bin, wie man das so tut, über den Platz geschlendert, bis mein Blick auf einen blaugelben Informationsstand mit Stehtischen und vielen freundlichen Leuten mit blaugelben Shirts gefallen ist.
Blaugelb… Politik… dem ein oder anderen läuft jetzt vielleicht ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Ich jedenfalls hab‘ mir nichts dabei gedacht und bin weitergegangen, vorsorglich in einem größeren Bogen herum, weil ich solche blöden Informationsstände ja allgemein vermeide. Ich kann mich durchaus selbst informieren und mir eine Meinung bilden, dazu brauche ich keine engagierten, übermotivierten Alltagshelden, danke.
Dummerweise sind allerdings die Helferlein vom Informationsstand aus ausgeschwärmt in alle Richtungen wie Rattenfänger.

Es war schrecklich.
Überall waren sie, wie Geister.
Und ein grausames Szenario entfaltete sich vor meinen Augen – Menschen rannten schreiend davon, als sie die Aufschrift „FDP“ an ihren Hemden sahen, Mütter suchten verzweifelt ihre Kinder, die kreischend in der Menge standen. (Immerhin weiß jeder, was man sich im Flüsterton erzählt – dass FDP-Mitglieder liebend gerne Kinder entführen und sie in ihre Lebkuchenhäuser locken. Die, die Glück haben, werden gefressen, aber einige kommen als Ausgeburt der Hölle zurück zu ihren fassungslosen Eltern, die über diesen Schickssalsschlag verzweifelt in Tränen ausbrechen – als FDP-Wähler.) Selbst gestandene Männer, die sich der dämonischen Horde entgegenstellten, sah ich nach wenigen Minuten weinen wie kleine Kinder. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Unglückliche im allgemeinen Chaos von Flüchtenden niedergetrampelt wurden.

Naja, vielleicht war es nicht ganz SO schlimm.
Die Meisten haben eigentlch nur wortlos die Flyer und Prospekte mitgenommen, die ihnen in die Hand gedrückt wurden, und wenn man sich wie ich den Spaß erlaubte, außer Sichtweite des Stands in ein paar Mülleimer zu blicken, fand man sehr viel blaugelbes Papier.
Aber ICH würde solche Prospekte natürlich nicht ablehnen, wenn man sie mir anbietet (und man hat sie mir überschwänglich angeboten, ja aufgeschwätzt, ich hatte Angst, der rennt mir nach und hechtet mich um, wenn ich einfach weitergehe). Schließlich erfährt man hier etwas über die Parteien, die zur Wahl stehen, man kann sich informieren und so. Immerhin ist das Bürgerpflicht!
Und natürlich ist das alles auch gaaaanz objektiv und sachlich geschrieben und besteht nicht aus schamlosen Halbwahrheiten, Euphemismen, Selbstbeweihräucherung und gehirnaufweichender Propaganda.
Denn wir leben ja in einer modernen, freien, aufgeklärten Demokratie mit mündigen Bürgern, die fähig sind, sich kritisch und differenziert ein Urteil über das zu machen, was sie sehen und hören.

Ja, ihr mich auch.

Jedenfalls habe ich das ganze Zeug mal freundlich lächelnd (es könnte auch spöttisch gewesen sein, ich glaube FDPler erkennen den Unterschied nicht) entgegengenommen, mich am anderen Ende des Stadtplatzes vor mein Stammcafé gesetzt und mit der leisen Ahnung, etwas zum Lachen zu finden, beschlossen, mir das bei einer Tasse Kaffee zu Gemüte zu führen, während ich auf den Menschen wartete, der mich hier treffen wollte. Und da dieser Mensch etwas unzuverlässiger Natur ist, hatte ich durchaus Zeit dazu.

Da hätten wir im Wesentlichen zwei Prospekte, einmal „Liberale Erfolge“ mit zwei Händen, die ein Häufchen Humus in der Hand halten, aus dem eine kleine Pflanze wächst.
Und auf dem Zweiten ein junges Mädchen, das über ein blühendes Rapsfeld läuft. Sie könnte das zum Spaß machen, es könnte auch sein, dass sie um ihr Leben läuft, weil ein Mähdrescher, der aus dem Bild geschnitten wurde, hinter ihr in die selbe Richtung fährt, so genau erkennt man das nicht. Vielleicht rennt sie auch vor einem FDPler davon. Jedenfalls trägt dieses schöne Heftchen den Titel „FDP-Fraktion Im Bayerischen Landtag – Liberale Politik für Bayern“.
Klingt erstmal wie ein fiktives Horrorszenario, das in einer erdachten, nahen Zukunft spielt. Hätten sie auch Chucky die Mörderpuppe abbilden können, das hätte wenigstens harmonisiert.

Nun, wenden wir uns dem Inhalt zu, ob dem des ersten oder zweiten Prospekts ist sowieso egal, da steht so ziemlich das Gleiche drin, nur dass das Erste abhandelt, was sie davon schon realisiert haben. Wenn man ihnen glauben darf, so ziemlich alles. Wonach ich sie eigentlich nicht mehr wählen bräuchte.

Ich bringe einfach mal ein paar Zitate, das ganze Heftchen wäre zu lang, um es vollständig zu zitieren und zu kommentieren, also reiße ich eben ein paar Sätze ganz fies aus dem Kontext und stampfe sie ein.
Wobei ich euch versichern kann, mit oder ohne Kontext steht da zum größten Teil nur Schwachsinn.

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger, vor fast zwei Jahren hat Bayern den Neuanfang geschafft: Nach über vier Jahrzehnten der Alleinregierung haben Sie die FDP in die Verantwortung gewählt (Anm.: ICH?! Neee. Den schwarzen Peter lass‘ ich mir nicht zuschieben.). Seitdem arbeiten wir in Landtag und Staatsregierung für ein modernes, liberales und wirtschaftlich erfolgreiches Bayern.

Ich finde irgendwie, Bayern hat da vorher ohne euch auch nen relativ guten Job gemacht, so in punkto Moderne, Liberalität und wirtschaftlicher Erfolg. Ich muss zwar klarstellen, dass ich CSU/CDU abgrundtief hasse, aber bei euch ist der Abgrund noch ein Stück tiefer.
Als Neustart würde ich das irgendwie auch nicht bezeichnen, eher, naja… als der Anfang vom Ende?

Wir wollen Bayerns mittelständisch geprägte Wirtschaft stärken, damit Arbeitsplätze und Wohlstand auch künftig sicher sind.

TOLL!
Wie wollt ihr denn das anstellen? Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und werfe das Schlagwort „Lohnnebenkosten“ in den Raum, deren Senkung, wir wissen es alle, ein „alternativloser Sachzwang“ ist.
Aber wenigstens sind sie ehrlich. Dass die meisten von ihnen auch lukrative Nebenbeschäftigungen in diversen Unternehmen haben, wo sie wenig tun und viel verdienen, wissen wir ja mittlerweile, da ist es nur natürlich, dass sie diesen Gefallen an die Wirtschaft erwidern wollen. Senkung der Lohnnebenkosten aka beispielsweise der Arbeitgeberbeitrag zu Renten- und Krankenversicherung, Lockerung des Kündigungsschutzes und Beschränkung der Rechte und Sicherheiten des Arbeitnehmers wären ein guter Anfang.
Dabei hört sich das mit deren Formulierung doch so toll an!
Ihr Schlingel ihr – da hättet ihr mich fast drangekriegt! =D

Pioniersinn und Heimatverbundenheit, Mut und Verantwortungsefühl – diese mittelständischen Tugenden sind heute gefragt, um unser Land nach vorne zu bringen.

Halbgare, sich im Kreis drehende Reformen und Globalisierung, Feigheit davor, irgendetwas zu sagen, was die Leute NICHT hören wollen und Verantwortungslosigkeit – das sind die Tugenden, die ich immer wiede sehe, so lange und gründlich ich mich auch umschaue.
Wo soll unser Land übrigens hin? Das ist festgewachsen. (Ich weiß, ich weiß, der war flach. Ich konnte nicht anders.)

Aber das wird ja auch gleich gesagt, in welchem Bereich wir nach vorne wollen.

Deutschland muss seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten und die wirtschaftliche Dynamik steigern. Eine Steuerstrukturreform ist dafür unverzichtbar. Gerade in der Krise brauchen wir ein einfaches und faires Steuersystem. Ein Steuersystem, das die Wirtschaft ankurbelt, Investitionen ermöglicht und Arbeitsplätze schafft.

Also im Klartext, Belastungen weg von den Unternehmen, damit die mehr Kohle haben. Weil, wenn sie mehr Kohle haben, stellen sie mehr Leute ein.
Ist klar. Wirtschaftsnote 6.
Wer das Geld locker machen darf, dass durch die Entlastungen für die Wirtschaft fehlt, überlasse ich eurer Vorstellungskraft. Denkt mal scharf nach.

Allgemein kommt in jedem zweiten Satz „Arbeitsplätze“ vor und in jedem Absatz mindestens einmal eine Formulierung à la „Dies und das schafft Arbeitsplätze.“. So zum Beispiel Mobilität, Innovationen, Investitionen, Bildung und so weiter. Jaja, wenn ich auf nem öffentlichen Klo pissen gehe und daneben ziele schafft das auch Arbeit für die Putzfrau, ich geb‘ aber nicht damit an.
… Nicht, dass ich das schon mal getan hätte. Gerade weil die meisten öffentlichen Klos ja nur noch alle Jahrhunderte mal immer wieder geputzt werden.

Worauf ich im Großen und Ganzen eigentlich hinaus will, ist etwas, das mir und vielen anderen eigentlich immer wieder auffällt, auffallen muss, so drastisch wie diese Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist.
Ich rede von der Verflachung politischer Inhalte, Disskusionen und Programme.
Egal, welche der großen Parteien ich mir ansehe, überall sehe ich nur oberflächlichen Schund, Arschlöcher die versuchen, sich der Öffentlichkeit irgendwie gut zu präsentieren, als würden sie sich als Produkt selbst verkaufen wollen. Imagepolitur, ein falsches strahlendes Lächeln der gebleichten Zähne, ein bisschen Händeschütteln hier und da und sich grinsend vor jede Kamera schmeißen, die irgendwo auftaucht. Psychische Prostitution für Wählerstimmen.
Gleichzeitig werden die Inhalte nach meinem Empfinden immer gehaltloser. Was habt ihr uns schon alle noch groß zu sagen? „Wir brauchen Arbeitsplätze, wir müssen wettbewerbsfähig sein, wir müssen sparen, wir müssen der Wirtschaft helfen. Das und das ist ist böse, richtig scheiße, die anderen sind die Hitlers der Moderne und wir sind die Guten!“
Jaja, schön auswendig gelernt. Und das rattert jeder Politiker jedweder Partei runter, immer schön die anderen diffamieren und sich selbst positiv präsentieren, immer schön palavern, was alles zurechtgerückt werden muss in diesem Land.
Aber WIE ihr das anstellen wollt, das sagt mir irgendwie kein Schwein. Und das will ich wissen, bevor ich auch nur drüber NACHDENKE, euch zu wählen.
Ehrlich gesagt würde ich es dann wahrscheinlich immer noch nicht tun, weil ich euch dann trotzdem noch nicht vertraue – Das müsstet ihr euch erstmal verdienen.
Und soll ich euch was sagen?
Davon seid ihr weit entfernt. Und ihr rast im Eiltempo noch weiter weg.
Womit ausdrücklich nicht nur die FDP gemeint ist, die ich zwar für ein Pack von verlogenen Lobbyisten halte, aber die auch nur als Prügelknabe herhalten musste, weil sie das Pech hatte, mir in die Quere zu kommen.
Ob CSU/CDU, ob Grüne, SPD oder Linke, am Ende kommt ihr eh alle auf den gleichen Schwachsinn, ihr verkauft ihn uns nur anders.
Ernsthaft, wenn ihr die Machtelite seid, wenn ihr unsere Spitzenpolitiker seid, dann müssen wir uns ja schämen vor anderen Nationen. Und vor uns selbst, weil wir euch immer wieder wählen.

Wir können ja auch kaum aus. Was sollen wir auch machen, wenn jede der großen Parteien sich in das gleiche oberflächliche, inhaltlose, populistische Gelaber verrennt und darüber hinaus kein wirkliches Programm mehr zu bieten hat?
Ihr alle, ihr seid mir viel zu gleich. Ihr habt mir zu wenig Courage. Zu wenig Mut, auf den Tisch zu hauen und endlich mit der Schwarzweißmalerei und der ganzen Schönfärberei aufzuhören, zu wenig Integrität, auch mal unschöne Dinge klar und deutlich auszusprechen und nicht zu verschleiern, mal abzuweichen von der Einheitsmeinung, die möglichst alle politischen Zielgruppen ansprechen und befriedigen soll, weil euch die Analysten das sagen.
Ihr seid mir einfach viel zu wenig echt.
Und ich mag naiv sein, vielleicht sogar ein bisschen utopisch – aber ich glaube, das würde vielen, sehr vielen Leuten inzwischen gefallen, wenn sich das mal ändern würde.

Für’s Erste, begnügen wir uns mit einem kleinen gemeinen Scherz:
Wenn ihr mal auf jemanden trefft, der für die FDP Werbung macht, fragt ihn doch lächelnd, was er davon hält, dass bayerisches Starkbier inzwischen mehr Prozent hat als seine Partei.
Und macht ein Foto von seinem Gesichtsausdruck, damit ich mitlachen kann.

Ich brauch‘ jetzt jedenfalls erstmal ein Glas Whisky.

Die wahre Ursache für Klimakatastrophen Montag, Jul 12 2010 

So, die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei, die Welt wird langsam wieder nüchtern, und wir alle schauen uns um und stellen fest, wie beschissen unser normales Leben uns jetzt wieder hämisch entgegengrinst.
Und was da so alles abgegangen ist, während wir nicht aufgepasst haben, weil unser Fokus ganz darauf lag, was sich so in Südafrika abspielt. Natürlich nicht außerhalb der Stadien. Das wäre ja keine Unterhaltung.
Über Sparpakete mit einem lächerlich dünnen Anstrich sozialer Gerechtigkeit über einem bittersüßen Kern aus schmackhaftem Lobbyismus und cremigem Neoliberalismus, über Rauchverbote in Bayern, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass sämtliche Shisha-Bars und -Cafés und damit auch meine Stammbar nach derzeitigem Stand der Dinge am 1. August schließen müssen (Vielen Dank, ihr Schweine.) oder ein Gesundheitsreförmchen, das als politisches Unterfangen von gewaltiger Brillianz propagiert wird und doch nicht mehr als ein Zeit und Geld verschlingender Rohrkrepierer ist, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter reden.
Ich unterstelle euch nämlich einfach mal genug Intelligenz, um diese Punkte ohne ausschweifende Erklärung zu verstehen und trotz der am anderen Ende der Welt ausgetragenen Weltmeisterschaft einer Sportart davon gehört zu haben.
Um es zusammenzufassen: Wir sind am Arsch.
Echt am Arsch.
Einem fetten, haarigen, schlecht geputzten Arsch.
Immer noch, immer wieder und immer mehr.
Aber das kennen wir ja alles schon zur Genüge, und ich werde euch nicht wieder und wieder vorjammern, warum genau und wie sehr wir im Arsch sind.
Sind wir nämlich.
Richtig.
Richtig hart.
Natürlich werde ich euch schon von Zeit zu Zeit ein bisschen daran erinnern, wann, wo und wie wir unsere Nase ein Stück weiter zwischen die Backen drücken und Vorschläge machen, was man tun sollte/könnte/müsste, um sie wieder ein bisschen rauszuziehen und normale Luft zu atmen.
Aber ab und zu braucht der Mensch ja auch etwas, über das er lachen kann. Es sei denn, ihr gehört zu der seltenen Gruppe der sehr begabten Menschen, die darüber lachen können, wie sehr wir alle, sie eingeschlossen, am Arsch sind (Und das sind wir.) – in dem Fall beneide ich euch.
Ich nämlich brauche dafür andere Dinge. Sonst dreh‘ ich wirklich nochmal durch und hau alles kurz und klein, was mich an dieser Welt aufregt.
Und dann ist nicht mehr wirklich viel übrig. Nicht mal ich selbst.

Und ich habe für diesen Zweck – und jetzt kommt’s – soulsaver.de für mich entdeckt.
Ihr wisst schon, diese Seite der ultrakonservativen Christen, für die ACDC des Teufels Advokaten sind, die euch nur vom Pfad der Erlösung abbringen wollen.
Die Zeit, in der man sich gegenseitig Links zu witzigen youtube-videos geschickt hat, ist endgültig vorüber, Lolcats und der Pedobear sind Schnee von gestern – heutzutage geht man auf soulsaver.de und liest sich einige Artikel durch, um sich den Arsch abzulachen!

Deshalbe richte ich hiermit auch höchst feierlich und extra zu diesem Zweck den soulsaver-tag ein und liefere euch den ersten Artikel einer in Zukunft hoffentlich beständigen Serie mit persönlichen Kommentaren zu den geistigen Ergüssen, die mir dabei so unterkommen.

Und das erste, was ich da für euch ausgegraben habe, ist gleich Bullshit von allerfeinster Qualität und Konsistenz. Damit lege ich mir die Latte von Anfang an extrem hoch, aber ich bin zuversichtlich, dass diese Leute es schaffen, noch dämlicheren Schwachsinn zu verzapfen.

Nämlich ein schon etwas betagterer Artikel vom 03.09.2005, in dem es unter anderem um die Flutkatastrophe geht, die damals New Orleans getroffen hat. Ihr erinnert euch?
Schön.
Es geht los mit dem einprägsamen Titel –

Tut Buße!

Ja, ganz recht.

Was muss eigentlich noch alles geschehen, damit ihr aufwacht?

Keine schlechte Einleitung, das könnte von mir sein.

Fällt euch nicht auf, wie sich die Naturkatastrophen häufen und immer schlimmer werden? Das Jahr fing mit der schlimmsten Flutwelle aller Zeiten an, und jetzt wird wahrscheinlich eine ganze Stadt durch die Fluten vom Erdboden vertilgt werden. Und zwar nicht irgendein Städtchen in einem Dritte-Welt-Land, sondern eine Metropole der mächtigsten Nation der Welt! Das sind im wahrsten Sinne des Wortes biblische Ausmaße!

… das wiederum nicht, schon alleine, weil ich nie das Wort „biblisch“ benutzen würde.
Kann übrigens irgendjemand bestätigen, dass sich Naturkatastrophen in Häufigkeit und Schwere wirklich häufen/steigern? Hat da jemand Statistiken zur Hand oder so etwas? Würde mich interessieren – mir wurde nämlich immer wieder überzeugend dargelegt, dass das nicht der Fall ist, sondern ein Eindruck, der den Menschen dadurch suggeriert wird, dass inzwischen praktisch immer irgendwo ein Kamerateam in der Nähe ist, wenn ein Kamel in der Wüste etwas zu laut furzt.
Wir sehen Klimakatastrophen von überall, rund um die Welt in den Nachrichten. Schon klar, dass da ab und zu mal etwas passiert.
Mit „schlimmste Flutwelle aller Zeiten“ ist übrigens der Tsunami in Thailand vom 26.12.2004 gemeint, der ohne Zweifel verheerende Folgen hatte. Die Formulierung dieser Superlative an sich ist allerdings eine Übertreibung… im wahrsten Sinne des Wortes „biblischen Ausmaßes“.

New Orleans wurde „The Big Easy“ („Die große Leichtlebige“) genannt. Ausgelassenheit prägte die Atmosphäre der Stadt.

Oh yeah. Was für eine Stadt.

Aber nicht eine erfrischende, saubere Ausgelassenheit, sondern eine, in der Sünde toleriert und sogar gutgeheißen wurde.

… Ich hab’s kommen sehen.
Ich frage mich, was die Leute von soulsaver.de als „erfrischende, saubere Ausgelassenheit“ bezeichnen würden. Ich muss gerade an alte Frauen in der Kirche denken, die Feuerzeuge in die Höhe halten und „Wenn das Brot, das wir teilen“ mitgröhlen, sich die Kleider vom Leib reißen und dem Priester ihre Stützstrümpfe gegen Krampfadern auf den Altar werfen.
Da sind mir Besoffene und Prostituierte wirklich lieber.
Aber halt!
Denn wenn sie von Sünde schreiben, meinen sie ja gar nicht das!
Sondern…

Genau in der Zeit, in der der Hurrikan „Katrina“ zuschlug, nämlich vom 31.08. bis 05.09., sollte in New Orleans das Homosexuellenfest „Südliche Dekadenz“ mit Zehntausenden Teilnehmern stattfinden.

Ja!
Lasst euch das auf der Zunge zergehen!
Im wahrsten Sinne des Wortes göttliches Timing, was?

Wurde die Stadt deswegen verwüstet? Dieses Urteil zu fällen, steht uns nicht zu. Wir können natürlich die Experten fragen „Ist es wegen der Klimapolitik der USA?“ oder „Ist es wegen der schlechten Koordination der Katastrophenhilfe“? und schnell ein paar Schuldige suchen. Aber was bringt das? Wie soll das die Not der Betroffenen lindern? Fragen wir doch nicht soviel „Warum“, sondern mehr „Wozu?“, um wirklich tiefgreifende Lektionen für die Zukunft zu lernen!

Die Schuldigen haben wir doch – die Schwulen waren’s! Hängt sie auf!
Und das Warum und Wozu ist dann ja in diesem Fall auch klar – Um die Schwulen wegzuspülen!
Case closed.

Aber das „Wozu?“ macht nur Sinn, wenn es einen Gott gibt. Einen Gott, der das Unglück zugelassen hat, damit wir etwas lernen. Was sollten wir daraus lernen? Die Bibel gibt uns Antwort! Das biblische Buch mit den meisten Naturkatastrophen ist die Offenbarung. Hier wird immer wieder das Augenmerk darauf gelenkt, dass die Menschen daraufhin nicht Buße taten:

„Und die übrigen der Menschen, welche durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten nicht Buße von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht anbeteten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die ehernen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können.“ (Offenbarung 9,20)

„Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offenbarung 16,9)

„…und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offenbarung 16,11)

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht ist, die Menschen durch solche Katastrophen zur Buße zu bewegen! Und Buße (griech. metanoia) bedeutet nicht, mal schnell religiös zu werden und Gott nur in der Not um ein bißchen Linderung anzuflehen. Es bedeutet, von Grund auf umzudenken, deine ganze Einstellung Gott gegenüber zu verändern, nicht mehr frech von Ihm zu fordern, sondern dich Seinem Urteil über dein Leben zu stellen und dich unter Seinen Willen zu demütigen!

Das aber bedeutet, dass es Gottes Absicht war, Schwule umzubringen.
Gott ist irgendwie echt ein ziemlich fieses Arschloch.
Aber wenn Gott nun diese paar Schwulen umbringt und sie in ihrer Sündigkeit tötet, womit sie ja in die ewige Hölle fahren, um uns alle zum Umdenken zu bewegen und uns den Weg ins Paradies zu gewähren…
… ist er dafür irgendwie immer noch ein Arschloch.

Im Übrigen demütige ich mich vor niemandem. So ein lächerlich minderwertiges Selbstbild habe ich dann doch nicht.

Und was habe ich dann davon? Weißt du, Gott schickt diese Katastrophen über die Menschen, um sie vor der allergrößten Katastrophe zu bewahren: einer Ewigkeit ohne Ihn.

Außer die Schwulen natürlich, die bringt er um und schickt sie damit genau in die andere Richtung.

Könnte er ja auch alles einfacher haben, wenn er akzeptieren würde, dass manche Männer andere Männer mehr liebhaben als andere Frauen.
Kämen auch mehr Leute in den Himmel. Und alle wären wir glücklicher. Die Schwulen und Gott, weil er sie ja eigentlich im Himmel haben will.

enn am Ende der Offenbarung heißt es:

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.[…] Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offenbarung 20,12.15)

Da sitzt dann Gott und liest in seinem Buch, und unter DEINEM Namen steht nur in Schriftgröße 72 „SCHWUL“. Jesus zu seiner Rechten zieht an einem Hebel und du stürzt hinab direkt in die Hölle.
Der Nächste tritt vor, und Gott liest in seinem allwissenden Buch des Lebens, wie viele Weiber der so flachgelegt hat, gibt ihm High Five und öffnet ihm die Himmelstore.
Danach tritt ein katholischer Priester vor – Gott liest in seinem Buch, Jesus zieht am Hebel und er stürzt in die Tiefe…

Wach endlich auf aus deiner Leichtlebigkeit, in der du Gott einen guten Mann hast sein lassen und die Ewigkeit nicht ernst genommen hast!

Wach endlich auf ist gut, auf den Rest dürft ihr meinetwegen scheißen.
Und wenn Gott kein guter Mann ist, der nicht will, dass ihr euer Leben hier und jetzt ernst nehmt und das Beste daraus macht, für euch und eure Mitmenschen, ganz egal, was danach kommt…
Dann ist Gott echt ein ziemlich fieses Arschloch.

Und wir treffen uns dann hoffentlich in der Hölle.
Ich werde nämlich auf jeden Fall da sein.

Was also lernen wir aus der ganzen Geschichte?
Kurz und knackig: Klimaerwärmung gibt es nicht, wir haben keinen Einfluss auf die Natur, wir sind nicht schuld daran, wenn sich solche verheerenden Ereignisse (vermeintlich) häufen.

Klimakatastrophen sind einfach, wenn Gott versucht, Schwule umzubringen.

Denkt nur mal darüber nach! Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann!
Deepwater Horizon – mit Sicherheit war da ein schwuler Arbeiter auf der Ölbohrplattform, und Gott lenkt das Öl jetzt an alle Küsten, an denen sich fröhliche freilaufende Schwule genüsslich in ihrer Sündigkeit tummeln.
Der Tsunami von 2004 – Irgendwo war da bestimmt ein Schwuler! Oder auch einer von denen, die hinfahren, um sich mal für ein paar Euro ein vierzehnjähriges thailändisches Mädchen zu gönnen.
Wie viele katholische Priester sind bei dem Tsunami damals eigentlich umgekommen?

Und nicht zuletzt natürlich The Big Easy.
Überlegt mal, ihr könnt da eine klare Linie durch die ganze Menschheitsgeschichte ziehen, seit Adam und Eva.
Und in Zukunft heißt es dann Sodom, Gomorrha und New Orleans.

Das ist ein gutes Motto, das skandieren wir das nächste Mal, wenn wir den ersten Schwulen am Baum in der Dorfmitte aufhängen.
Denn was riefen schon die Kreuzritter, als sie in die Schlacht ritten?

„Gott will es!“

Konzertrückblick: ACDC in Wels, 22.05.2010 Freitag, Jul 2 2010 

Ja, ich weiß.

Das hat verdammt lange gedauert und es ist mittlerweile ewig her, trotzdem liefere ich jetzt doch mal meinen kleinen Rückblick auf das ACDC-Konzert in Wels am… 22.05.2010, wenn ich mich richtig erinnere.
Einerseits, weil mir langweilig ist und ich heute zu fertig und abgewrackt bin, um noch großartig etwas zu unternehmen, andererseits, weil ich zu faul bin, etwas Anspruchsvolles zu schreiben… und weil ich mich grade mit ACDC-songs zudröhne und in süßen Erinnerungen schwelge.
Außerdem habe ich vor Kurzem erst die Fotos und Videos bekommen, die meine Schwester gemacht hat… und die sind zum großen Teil scheiße, deshalb werd‘ ich ein bisschen mit youtube-videos von anderen Konzertbesuchern aushelfen. ;]

Unsere Geschichte, meine Freunde, beginnt am 24.12.2009.
An jenem Weihnachtsabend nämlich, als ein festlich-zynisch gestimmter Eden zusammen mit seiner zugehörigen parasitären Lebensform Freundin in deren Elternhaus das Fest der Nächstenliebe beging.
Was besagter Eden nicht wusste und auch nicht im Geringsten erwartete, war, dass die Eltern seiner Freundin ihm nicht nur irgendwie Socken oder irgendetwas aus dem 1-Euro-Laden schenken würden, sondern sich über besagte Freundin mit seinen Eltern und Geschwistern abgesprochen und zusammengelegt hatten, um eine Karte für das ACDC-Konzert in Wels zu kaufen, samt Gutschein für „Verpflegung“ (Damit ist natürlich ausdrücklich flüssige Verpflegung gemeint.).
Entsprechend fiel auch Edens Reaktion aus. Ich glaube, ich war noch nie so kurz davor, den Satz „Ich liebe dich.“ in den Mund zu nehmen.
Den ich bis zum heutigen Zeitpunkt nur in Bezug auf… naja, ACDC, bestimmte Italo-Western und seit Kurzem Thomas Müller verwendet habe.
Noch besser wurde das Fest der materialistischen Nächstenliebe dann, als der werte Herr Eden zusammen mit Freundin in der Einfahrt des eigenen Elternhauses vorfuhr, um den Rest des Abends dort zu verbringen – und sein sichtlich alkoholisierter Bruder aus der Tür stürzte und „ACDC!“ schrie.
Stellte sich heraus, dass man nicht nur ihm, sondern dass seine Freundin, meine Schwester und ihr Ehemann sich bei dieser Gelegenheit gleich selbst ebenfalls Karten bestellt hatten.
Damit war also eine unheilige Allianz aus HardRock-Fanatikern und Säufern geboren, die Monate später in die tiefen, unzivilisierten Weiten Österreichs aufbrach.

An diesem Punkt spulen wir einfach mal vorwärts.
Damit verpassen wir ohnehin nur die Autofahrt mit vielen absurden Gesprächen über schlechte österreichische Autobahnen, Transsexualität bei Kleinkindern (ich sehe mich außer Stande, den Ursprung dieses Gesprächsthemas zu erklären… ) und unzähligen unsäglich schlechten regionalpatriotischen Witzen von Bayern über Österreicher.

Wir stoppen also einfach mal an dem Punkt, wo wir uns auf dem Parkplatz unweit des Konzertgeländes befinden und die drei Vorbands nacheinander ihre Auftritte hinlegen.
Dazu muss ich sagen, die habe ich allenfalls im Hintergrund gehört, während wir uns auf dem Parkplatz etwas Alkohol zugeführt, mit österreichischen Fans darüber gestritten haben, warum ihr „Bier“ nicht mal den Namen verdient, wenn man es mit dem bayrischen Repertoire vergleicht, unsäglich zugerichtete Dixie-klos bestaunt, darüber diskutiert haben, was passiert wäre, wenn Frauen den zweiten Weltkrieg geführt hätten…


… oder uns gefragt haben, wie blöd man sein muss, mehr als achtzig Euro für eine Karte zu blechen, wenn man sich unmittelbar vor dem Auftritt der Band ins Koma säuft.

Übrigens waren die Bewohner von Wels sehr einfallsreich, was das Unterfangen anging, mit dem Konzert Geld zu verdienen oder es auch ohne Karten zu erleben.
Mein persönlicher Favorit:

Erst als die dritte Vorband sich seit etwa einer Viertelstunde abmühte, etwas Leben in das Publikum zu bringen, das zum größten Teil nur stoisch auf den Auftritt von Angus und Co. wartete, setzten auch wir uns langsam in Bewegung und boxten uns durch zunehmend dichter werdende Fanmassen (Ihr könnt das ruhig als zweideutige Formulierung verstehen.).
Dabei kamen wir dann zum Beispiel auch hieran vorbei:


Und jetzt stellt euch vor, ihr wärt eine billige Schlampe, die sich da drin von einem der Bandmitglieder flachlegen lässt.
Totally worth it.

Naja, jedenfalls mussten wir nicht mehr lange warten, als wir uns bis zu einer akzeptablen Position vorgekämpft hatten.
Dazu muss ich allerdings noch eine Erkenntnis aussprechen, die zwar alles andere als neu ist, sich mir auf dem Weg dorthin aber wieder einmal bestätigt hat;

Rockbands haben die absolut schärfsten weiblichen Fans der ganzen Musikbranche. Hautenge Lederkleidung und blinkende Teufelshörner sind eine unschlagbare Kombination.
Da kann jeder Rapper mit seinen billigen fettärschigen Nutten einpacken.
Wenn ich nicht so ein moralisches Weichei wäre, hätte die Tatsache, dass meine Freundin sich selbst keine Karte für das Konzert gekauft hat, ganz schnell nach hinten losgehen können.
Oder um es mit den Worten meines Bruders und meines Schwagers auszudrücken:

„Schau dir diese Schlampen an. Würden normalerweise alle nur fünf Euro kosten.“
„Und sie wären jeden Cent wert.“

Den Blick meiner Schwester nach dieser Antwort überlasse ich eurer Fantasie.

Nunja.
Nach einigen amüsanten Darstellungen, was exzessiver Alkoholkonsum so alles anrichten kann – wie zum Beispiel von jemandem, der mitten in einer Menschenmenge seinen Schwanz auspackt und einem anderen ans Hosenbein pisst, oder ein anderer, der auf den Dächern einer Reihe Dixie-klos herumspringt und sich sehr ästhetisch brutal auf die Fresse gelegt hat (ich weiß, das ist gemein, aber mein Bruder und ich haben uns bei dem Anblick kaputtgelacht.) – kam dann auch schon das, worauf ich… nunja… daran gemessen, dass mein Bruder mir mit sechs Jahren damals die erste selbst zusammengestellte Kassette mit ACDC-songs vorspielte… dreizehn Jahre lang gewartet hatte;


Und hier nochmal das Intro bei einem anderen Konzert, schöner zu sehen, für diejenigen unter euch, die’s nicht kennen. (Und ja, schämt euch was.)

Ich werde jetzt nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, dazu ist meine Erinnerung zu verwaschen, auch ohne wirklich exzessiven Alkoholkonsum.
Zudem ist Stimmung und Atmosphäre hier ohnehin nicht in Worte zu fassen für diejenigen, die nicht anwesend waren. Das wäre ja, wie einem Blinden ein farbenprächtiges expressionistisches Gemälde zu erklären.
Oder Gott in Worte zu fassen. Denn „Gott“ ist ja letztendlich auch nur ein Wort, ein Versuch des Menschen, einer Hypothese, die seine Vorstellungskraft übersteigt, irgendetwas Greifbares aufzuzwingen.
Letztlich wäre beides irgendwie unvollständig, ein Abglanz, nicht vergleichbar mit dem Objekt der Beschreibung.

Ich kann euch allerdings zum Beispiel erzählen, dass gerade zu Beginn des Konzerts das wechselhafte Wetter noch einmal stark umschlug und es wie aus Eimern zu pissen begann.
Und ich kann euch erzählen, dass das die Stimmung, zumindest in meiner Umgebung, keineswegs gedrückt, sondern nur noch mehr angeheizt hat. Ich könnte auch sagen, dass es zwischenzeitlich ein – zwei Minuten tatsächlich gehagelt hat. Ich könnte hinzufügen, dass auch das die Fans nur noch mehr dazu gebracht hat, auszurasten und sich die Seele aus dem Leib zu schreien.
Ich könnte beschreiben, wie es war, als nach „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ kurz die Bühne verdunkelt wurde und mitten in die Pause hinein ein Blitz die Szenerie erhellte, man Donnergrollen hörte und DANN Thunderstruck begann, als wäre Gott persönlich in Wels gewesen und hätte mitgerockt (Erklär mir das mal, soulsaver.)
Ich könnte versuchen, in Worte zu fassen, wie das Publikum ausgerastet ist, als Angus Young zu „The Jack“ seinen Striptease hingelegt hat oder wie dieser sich während seines minutenlangen Solos wie so oft regelrecht in einen Rausch spielte.

Ich könnte auch über die absolut geile Bühnenshow besonders beim traditionell letzten Song „For Those About To Rock“ philosophieren.

Aber wenn ihr nicht dabei wart, dann vermittelt euch auch das alles nur einen völlig unzureichenden Eindruck, den höchstens die Videos ein klitzekleines Bisschen wettmachen können.

Stattdessen… hm.
Stellt euch einfach vor, ihr reitet auf einer gen Boden rasenden Atombombe, zwischen euren Beinen Megatonnen an Zerstörungskraft, euer Ziel eine zusammengepferchte Menschenmasse in der Einöde, wo alle verhassten Dummschwätzer, gehirnlosen mediengeilen Affen und egozentrischen Narzissten dieser Gesellschaft versammelt sind, wo Dieter Bohlen, Detlef D Soost und Heidi Klum sich zusammen mit der ganzen B-Prominenz-schar versammelt haben, die sie aus der Unterwelt ins Rampenlicht dieser Existenzebene beschworen haben, wo populistische und offen bestechliche Politiker zusammen mit denjegen, die ihnen das Geld in den Arsch schieben, darüber lachen, wie sie uns verarschen, wo Tausende und Abertausende für das Programm der Fernsehsender Verantwortliche und alle Redakteure, Journalisten und Fotografen der BILD zusammentreffen – und alle zusammen von einer gewaltigen Schar der hirnlosen Zombies bejubelt werden, deren flachgeistige Unterhaltungssucht, Gleichgültigkeit und Sensationsgeilheit uns immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben.
Und während ihr singend und jubelnd und kreischend auf der Atombombe gen Ziel rast, lässt Gott selbst, zu seiner Rechten der grinsende Bonn Scott, aus den Wolken, seinen himmlischen Subwoofern, wie eine zynische Ankündigung „Highway to Hell“ in trommelfellzerfetzender Lautstärke ertönen.

Jetzt stellt euch vor, wie ihr euch in diesem Moment fühlt, kurz bevor ihr aufschlagt und all diese hirnlosen Zombies, die darauf aus sind, euer Hirn zu fressen, mit einem Schlag niedergemäht und pulverisiert werden.
So ungefähr dürft ihr euch meine Stimmung während dieses Konzerts vorstellen.
Wenn ihr das könnt, ohne das euer Kopf explodiert vor so viel Geilheit.

Das ist jedenfalls der treffendste Vergleich, dessen ich fähig bin.

Von so einem Erlebnis wieder runterzukommen ist ungefähr genau so schwer wie nach so einem Hauptteil jetzt auf einen würdigen Schluss überzuleiten.
Ich könnte nämlich noch vieles über dieses Konzert sagen, obwohl es schon so lange her ist. Ich könnte von Schlammschlachten auf dem Konzertgelände erzählen und vom Versuch, am Schluss raus zu kommen, ohne bis zu den Knien im Morast zu versinken, oder davon, wie am Ende noch das Ergebnis das Champions-League-Finales durchgegeben wurde und die Österreicher in kollektiven Jubel über die Niederlage der Bayern ausgebrochen sind.
Zum Glück bin ich ja kein Bayern München-Fan.

Das Meiste davon würde euch allerdings überhaupt nicht interessieren, denn ich würde nur in eine Wiederholung überdrehter Metaphern und Vergleiche und fortlaufende Beteuerung der Geilheit des Konzerts verfallen.
Also lassen wir das, denn ich denke, davon beherbergt dieser Artikel genug.

Und ihr könnt sicher sein, wenn sich das nächste Mal die Gelegenheit bietet, ACDC live zu sehen (Ich vermute, dass es in naher Zukunft irgendwann auch mal die letzte Gelegenheit sein wird.) – Ich werde da sein.
Und verdammt nochmal, nächstes Mal werde ich meine Schwester überreden, ihren achtjährigen Sohn mitzunehmen, den mein Bruder und ich schon zu einem kleinen ACDC-Fan erzogen haben.
Immerhin ist das ja auch ein durchaus pädagogischer Zweck.

Wenn der einmal auf so einem Konzert war, dreht ihn kein Tokio Hotel-Song der Welt mehr um.