Nein, das ist keiner dieser erbärmlichen Versuche, die Infotainment- und Boulevardmagazine zuweilen unternehmen, durch offenen Umgang mit dem Thema menschlicher Reproduktion Zuschauer/Leser/Hörer/Idioten zu gewinnen, in dem sie voyeuristische Tendenzen ausnutzen.
Na gut, doch, ist es.
Zumindest ein bisschen.

Und ihr seid drauf reingefallen.
Ha, ihr Idioten schmutzigen Perverslinge. =>

Aber hauptsächlich geht es hier um etwas Anderes, was mich wieder mal ernsthaft zu der Frage geführt hat, ob Lachen oder Kotzen jetzt das Näherliegende wäre.
Einige werden vielleicht mitbekommen haben, dass vor Kurzem bei einem Erbgutvergleich festgestellt wurde, dass die DNS des modernen Menschen Erbgut des Neandertalers aufweist. Ich weiß nicht, ob man das als wissenschaftliche Sensation bezeichnen darf, auf jeden Fall ist es sehr interessant, zumal man bisher davon ausging, dass die Neandertaler vom Homo sapiens verdrängt wurden – sozusagen die ersten Opfer aggressiver menschlicher Expansion.
Haha.

Nun liegt vielmehr die Vermutung nahe, dass die Neandertaler ihrerzeit zumindest in einem gewissen Rahmen durch Fortpflanzung zwischen beiden Spezies im modernen Menschen aufgingen. Zahlenmäßig waren sie ohnehin kaum dominant, Schätzungen zufolge lebten zu Hochzeiten nur zwischen 10.000 und 15.000 Neandertaler in ganz Europa.
Durchaus möglich also, dass die Neandertaler gar nicht im radikalen Sinne ausgestorben sind, sondern sich ihr Erbgut vielmehr mit dem des Homo sapiens vermischt hat.
Zumindest, soweit ich das alles mit meinem mangelhaften Wissen auf diesem Gebiet interpretieren kann.

Das alles fand ich eigentlich sehr interessant, als ich es heute morgen in der Zeitung las.
Und habe bis eben nicht weiter darüber nachgedacht.
Und dann kommt man mittags nach Hause, wirft Windows Live an und überfliegt die MSN-News, die man – nur zu meiner Verteidigung – aktiviert hat, weil sie als herausragendes Beispiel von Boulevardjournalismus immer mal wieder für einen Lacher gut sind.

Da klingt diese wissenschaftliche Entdeckung dann nämlich zum Beispiel so:

„Neandertaler und Menschen hatten Sex miteinander!“

JA!
Das ist natürlich die große Bedeutung dieser Entdeckung!
DIE HABEN GEBUMST! LOLOLOL
So kommt das nämliche zustande, liebe Kinder, mit Fortpflanzung und so weiter. Zum Beispiel damals bei euch, als euer Vater zwischen dem zwanzigsten Bier und der zweiten Halbzeit des Fußballspiels grade eben noch genug Zeit fand, eure Mutter zu bespringen, die nörgelnd und zeternd damit beschäftigt war, seine Kotze vom Laminatboden zu wischen.
Und deswegen erzählen wir euch nämlich immer diese Scheiße mit den Störchen.

Zumal die Feststellung, dass eine Paarung beider Spezies zu wiederum fruchtbaren Nachkommen führt, in der Hinsicht vermutlich viel weniger faszinierend ist als einfach nur die Einsicht, dass es zwei verschiedene Spezies miteinander getrieben haben.
Und in ein paar hunderttausend Jahren wird die moderne Zentaurengesellschaft von der wissenschaftlichen Entdeckung erschüttert, wie ihre Entwicklung aus den Pferden, ihren nächsten Verwandten heraus, vonstatten gegangen ist – wenn Archäologen eine alte Festplatte mit Beastporn ausgraben.
„Mit DENEN sind wir verwandt?“

Was man daraus alles für wissenschaftliche Folgeschlüsse ziehen könnte, wage ich jetzt noch gar nicht zu vermuten.
Ich bin mir allerdings relativ sicher, dass ein Vergleich des Paarungsverhaltens zwischen Neanderthaler und Hauptschüler weitere Erkenntnisse zu Tage fördern würde, die diese These untermauern.

Natürlich ist das alles nicht halb so interessant wie zum Beispiel die neuesten Infos über Mehrzad und Menowin oder wie die aktuellsten Endprodukte der C-Prominenz-Schmiede DSDS nochmal heißen, oder ein Video von einer vermeintlichen UFO-sichtung über LA und damit nur als Lückenbüßer gut. Aber hey, immerhin bringen wir irgendwie irgendwo das Wort „Sex“ unter. Ziel erreicht, Publikum zufriedengestellt, Klappe zu, Hirn tot.
Den intellektuellen Anspruch von prägnanten Eye-catchern wie „Sie haben es doch getan.“ oder „Es geschah im Nahen Osten.“ zweifle ich jedenfalls massiv an.
Aus dem Nahen Osten ist noch nie was Gutes gekommen.
Beispiel Christentum.

Zumal ich sowieso nicht verstehe, warum Boulevardmagazine mit der Taktik Promiskuität, Exhibitionismus, Freizügigkeit und allem, was auch nur im Entferntesten interessante Körperteile ganz uninteressanter „Prominenter“ behandelt – oder anders formuliert: Titten, Titten, Schwänze, Titten – heutzutage noch so viel Erfolg haben.
Leute, wenn ihr in eurem kümmerlichen Leben schon keinen findet, der mit euch ficken will, dann versucht’s doch im Internet, das besteht sowieso zu neunzig Prozent aus Pornographie. Warum da ein Nippelblitzer oder halbnackte Tussen, die um den Titel des Wasserrutschenchampions kämpfen, noch interessant sein sollen, ist mir schleierhaft.
Aber es geht ja nur um den sportlichen Aspekt.
Ist klar.
Außerdem wäre eine politische Disskusion im Bikini auch einfach nur noch absurd.
Könnte aber wieder Interesse für Politik wecken.

Claudia Roth und Angela Merkel, anyone?

Rrrrrr.

Advertisements