AC/DC und der liebe Gott Sonntag, Mai 30 2010 

Ich war ja kürzlich auf einem ACDC-konzert (Bericht folgt, ich warte immer noch auf die Fotos und Videos, die meine Schwester gemacht hat.) und wie das typischerweise so ist, waren da auch andere Menschen.
Auch Menschen, die ACDC gar nicht mögen.
Sogar Menschen, die ACDC – und Rock allgemein – geradezu abgrundtief hassen.
Und die gehörten nicht mal zur Security, zur Polizei oder anderen organisatorischen Kräften, nein, die waren freiwillig da.
Obwohl sie es hassen.
Da fragt man sich, warum?

Obwohl die Antwort im Nachhinein geradezu offensichtlich und naheliegend ist: Um unsere Seelen zu retten.
Ja, genau.
So was aber auch!
Ich wusste vorher nicht mal, dass die gerettet werden muss! Genau so wie die etwa 80.000 anderen Leute, die dort anwesend waren, um Angus und Co. zu sehen, schätze ich.
Aber so was darf doch nicht sein! So was müsste man uns doch sagen!

Na wenigstens gibt es da noch einige couragierte Leute, die das auf sich nehmen, uns auf den richtigen Pfad zu führen, selbst wenn sie sich dabei dem satanischen Okkultismus und der Trommelfellvergewaltigung, die von ACDC ausgeht, aussetzen müssen.
Wahre Helden.
Aber spulen wir mal zurück zum Anfang der Geschichte.

Dazu müssen wir jenen Moment abpassen, als ich zusammen mit tausenden anderen menschlichen Wesen vom Konzert zu den Parkplätzen wanderte, mit dem seltendämlichen Grinsen purer Glückseligkeit auf dem Gesicht.
Da stand dann nämlich eine neutral gekleidete junge Frau, die mir wortlos ein kleines schwarzes Büchlein in die Hand drückte. Ein kurzer Blick auf das Cover offenbarte den Titel „ACDC – In Rock We Trust“.
Aha.
Naja, wird wohl irgendwelche Fan-literatur sein, denkt man sich, und da man im Zwielicht ohnehin keinen Blick reinwerfen kann, geht man eben weiter.

Und liest sich das Ganze mal zwanglos am nächsten Tag durch. Dabei erfährt man dann zum Beispiel auch, dass dieses weltbewegende Werk von einer Seite namens Soulsaver ausgeht, hinter der… nun, ich sage mal, Christen stehen, die von ihrer Sache sehr überzeugt sind.
Denn es geht um nichts weniger als die Seelen von Millionen und Abermillionen Rockfans!
Wie gesagt lassen Cover und Klappentext des Buches nur schwerlich auf diese Tatsache schließen, das erfährt man erst nach und nach beim Durchblättern.
Dabei muss man zugeben, dass das vordergründig sehr gut gemacht ist. Die erste Hälfte wirkt über weite Strecken wirklich wie einen Überblick über Bandgeschichte und Entstehung des HardRock im Allgemeinen. Allerdings kommt der aufgeweckte Leser nicht umhin, irgendwie einen undefinierbaren Unterton von Gehässigkeit und Geringschätzung wahrzunehmen, der sich immer wieder mal Bahn bricht.
Gegen Ende des Büchleins hingegen werden die Intentionen dabei allerdings immer klarer.
Denn es gibt etwas, was ihr alle nicht wisst.
Soll ich’s euch sagen? Ich schwöre euch, es ist eine intellektuelle Bombe!
Aber behaltet’s für euch.
Psssst… ACDC… ist BÖSE!

Ja, so ist das! ACDC sind des Teufels Advokaten auf dem Planeten Erde! Wie sonst ist zu erklären, dass sich enorm viele ihrer Texte um Satan drehen, um Sex, um Saufen und Ficken?
Denkt an das berühmte Handzeichen der Rocker.
Oder an einen ihrer erfolgreichsten Songs! „Highway to Hell“?
Das kann doch kein Zufall sein!
Zeichen! Zeichen überall!
All jene ACDC-Fans, all diese 80.000 Menschen in Wels, die dachten, sie befänden sich auf einem Rock-Konzert, nehmen in Wahrheit teil an einer okkulten schwarzen Masse, der Huldigung des Satan, mit Angus Young als Hohepriester. So verblendet sind sie von Rhythmus, von Bühnenshow und nicht zuletzt von Alkohol, Drogen und Sexismus, dass sie gar nicht mehr merken, wie sie Gott dem Herrn kollektiv abschwören.

Ausschnitte gefällig?

Wie wär’s mit der Übersetzung des Songtextes von „Hell’s Bells?“
„Glocken der Hölle“. SEHT IHR?!

Ich bin rollender Donner, strömender Regen
Ich nähere mich wie ein Wirbelsturm
Ich blitze quer über den Himmel
Du bist noch jung, aber du musst sterben

Ich mache keine Gefangenen, schenke keinem das Leben
Niemand legt sich mit mir an
Ich hab meine Glocke, ich nehme dich mit zur Hölle
Ich werde dich kriegen, Satan kriegt dich

Glocken der Hölle
Ja, Glocken der Hölle
Du lässt mich die Höllenglocken läuten
Ich bin voll auf Touren – Glocken der Hölle

Ich lasse dir dunkle Schauer über den Rücken laufen
Wenn du ein Fan des Bösen bist, dann stehe ich auf dich
Sieh meinen blendenden Blitz, wie ich die Nacht zerteile
Denn wen sich das Gute links befindet, gehe ich nach rechts

Ich mache keine Gefangenen, schenke keinem das Leben
Niemand legt sich mit mir an
Ich hab meine Glocke, ich nehm dich mit zur Hölle
Ich werde dich kriegen – Satan kriegt dich

Glocken der Hölle
Ja, Glocken der Hölle
Du lässt mich die Höllenglocke läuten
Ich bin voll auf Touren – Glocken der Hölle

Yeow
Glocken der Hölle – Satan kommt dich holen
Glocken der Hölle – er läutet sie jetzt
Glocken der Hölle – es wird heiß
Glocken der Hölle – quer über den Himmel
Glocken der Hölle – sie ziehen dich runter
Glocken der Hölle – sie zerren dich umher
Glocken der Hölle – sie werden die Nacht zerteilen
Glocken der Hölle – es gibt kein Entkommen, yeah

Ow, ow, ow, ow

Glocken der Hölle

Ich schwöre, wortwörtlich so steht’s hier. Und wenn man einem Buch, das einem ein Wildfremder in die Hand gedrückt hat, nicht mehr vertrauen kann – wem oder was kann man dann überhaupt noch vertrauen?
Jetzt ist der Songtext natürlich an einigen Stellen sehr geschickt übersetzt, allgemeinen scheint es eine sehr lockere deutsche Interpretation zu sein.
Dumm sind die ja nicht, das ist sehr kunstfertig durch ein paar vordergründig gleichbedeutende Wörter so getrimmt worden, dass es sich noch ein bisschen satanistischer anhört.

Aber was machen schon Texte, richtig? ACDC, selbst mit dem einprägsamen Gesang von Scott und Johnsson (die überaus süffisant beschrieben werden: „[…] der sich anhört, als hätte er harten Stuhlgang.“ wäre nichts ohne die eingängigen Riffs der Gitarren.
Und selbst wenn der Text irgendwie böse klingt, das machen doch viele. Über Teufelsanbetung, Okkultismus, Saufen, Ficken und allerlei Rauschzustände durch bewusstseinsverändernde Substanzen singt ja quasi immer grade irgendjemand.
Irgendwo auf der Welt.
Gerade in diesem Moment.
Ihr könnt euch sicher sein.

Doch weit gefehlt, ACDC ist nicht nur eine einfache Spaß-band, der es um die Musik geht.
Nein, sie wollen euch verlocken, Gott dem Herrn abzuschwören!
So berichten es dann gegen Ende des Büchleins auch zahlreiche Ex-fans – treffend als „Aussteiger“ bezeichnet, denn es handelt sich hier ja um eine gemeingefährliche Sekte.
So haben viele nach einem einschneidenden Erlebnis beschlossen, dem Mammon abzuschwören und haben alles in ihrem Besitz, was im Entferntesten mit den rockenden Satanisten in Verbindung gebracht werden könnte, verbrannt und zerstört. Denn sie haben im Glauben ihre wahre Erlösung gefunden.
Und IHR könnt das auch.

Aber allen Ernstes, wenn ihr das tut, hört auf, meinen Blog zu lesen, sprecht mich nicht an und geht mir bloß aus dem Weg. Alles andere wäre wirklich ungesund für euch.
Wir ACDC-fans essen Christen nämlich zum Frühstück.
Das und Ecstasy-Tabletten in einer Schüssel mit Whisky. ACDC-Cornflakes nennt man das.
Man muss schließlich gestärkt in den Tag gehen, wenn man viele Frauen vergewaltigen und Kirchen entweihen will.

Es geht um real existierende satanische Mächte, und darum, welchen Einfluss Du ihnen in Deinem Leben gibst. Entscheide Dich für die Seite des Lichts.

Es ist nicht zu spät, Anakin.

Übrigens habe ich mich auch auf der entsprechenden Seite soulsaver.de ein bisschen umgesehen.
Ihr würdet ja gar nicht erraten, was noch so alles richtig böse ist, wovon ihr gar nichts ahnt!
Metal zum Beispiel. Alles Heiden!
Sex and the City außerdem! Ich meine, wenn etwas schon das Wort „Sex“ im Titel hat! Das KANN nicht gut sein!

Und die aktuellen Überschwemmungen in Polen sind übrigens Vorzeichen einer nahenden zweiten Sintflut.
Ich bin sicher, das wusstet ihr auch noch nicht.

Als Abschluss kopiere ich einfach mal einen Wortwechsel zwischen mir und einem der freundlichen Verantwortlichen von soulsaver.de, der sich in den Leserbriefen in der Kategorie „Musik/Szene“ abgespielt hat.

Wieder mal eine der vielen Gelegenheiten, wo man zwischen die Wahl zwischen Lachen und Weinen gestellt wird.

Eden:

Hallo.

Ich war vor Kurzem auf einem ACDC-konzert in Wels, Österreich und bekam dort von einem netten Menschen das schöne Büchlein „ACDC – In Rock we trust“ in die Hände gedrückt.
Hielt es zunächst einfach für ein Fanbüchlein, sehr unverfänglich gemacht, Cover und Klappentext lassen praktisch nicht auf den Inhalt schließen.
Als ich es mir auf der Autofahrt nach Hause ein bisschen genauer angesehen habe… nimm’s mir nicht übel, aber die meisten Passagen haben bei meinem Bruder, seiner Freundin, meiner Schwester, ihrem Mann und mir für die besten Lacher des Tages gesorgt.
Und die Leserbriefe und die Antworten darauf bestätigen meinen ersten Eindruck nur – Ihr sprecht hier von Erlösung und Liebe, aber dass ihr behauptet, die Menschen zu lieben und ihnen helfen zu wollen, ist hinsichtlich eures Verhaltens eine derart scheinheilige Behauptung, dass jeder Mensch mit Intelligenz über Zimmertemperatur euch durchschauen wird.
Ihr liebt nur die Menschen, die so sind wie ihr es wollt, und allen anderen wollt ihr die selbe Meinung aufdrücken. Wenn ihr wirklich dem humanistischen Ideal der Philanthropie nahestehen würdet, würdet ihr die Menschen so akzeptieren und lieben wie sie sind und sich wohlfühlen – und nicht versuchen, sie zu etwas zu drängen, was sie nicht sind und auch nicht sein wollen.
Eine ganze Musikrichtung oder die gewaltige Fan-gemeinschaft einer Band, die so populär wie ACDC ist, zu verteufeln, ist viel zu simpel gedacht und zeugt nicht wirklich von Verständnis, Nächstenliebe oder Toleranz – zumal man Kunst als Ausdruck von Emotion, Leidenschaft und Hingabe erst recht nicht so kategorisieren kann, wie es hier zur Schau gestellt wird.
Und an dieser Stelle, fang bitte erst gar nicht mit Bemerkungen an, dass diese Menschen nur gerettet und erlöst werden sollen, dass es zu ihrem Besten ist, auch wenn sie es vielleicht nicht wollen.
Du kannst nämlich nicht beweisen, dass du Erlösung anbietest. Natürlich, ich kann auch nicht beweisen, dass du es nicht tust, aber das ist für mich auch nicht von Bedeutung. Ob Gott nun existiert oder nicht, an meinem Verhalten wird das nichts ändern. Ich stehe zu meinen moralischen Prinzipien, die ich habe, und zwar, oh Wunder, nicht weil ich sonst in der Hölle schmore, sondern weil ich davon überzeugt bin. Und obwohl ich ACDC-fan bin. Und ich akzeptiere andere, so wie sind, mit all ihren Stärken und Vorlieben, auch mit all ihren Schwächen.
Und damit bleibt mir am Ende die Erkenntnis, dass ich, obwohl ich jedwede Ideologie, ob nun Christentum, Islam, Hinduismus oder jede andere Glaubensrichtung ablehne, doch eine christlichere Moral vertrete als ihr mit eurem scheinheiligen, leeren Gerede und eurer platten Ablehnung von allem, was euch, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Kram passt.
Sollte Gott existieren und ihm das nicht passen, dann ist er so oder so nicht anbetungswürdig für mich.
Und rein hypothetisch… WENN Leute wie ihr in den Himmel kommen, dann hat der Rest von uns es mit der Hölle eigentlich recht gut getroffen. Da kann’s nur angenehmer sein.
Dass ihr es nötig habt, am Ende eines Konzerts Bücher zu verteilen, die äußerlich auf Fan-Literatur getrimmt sind, ist dabei schon Armutszeugnis genug.
Nebenbei bemerkt solltet ihr euch vielleicht überlegen, ob es so effektiv ist, die Leute genau dann mit eurer intoleranten Botschaft zu nerven, wenn sie nach einer genialen Live-performance gerade so richtig begeistert von der betreffenden Band sind.
Ja, richtig, genau dann werdet ihr natürlich Chancen haben. ;]
Und nerven tut ihr sie in dem Moment, wie eure Intentionen nun auch sind. So simpel ist das in dem Fall tatsächlich. Die Tatsache, dass ihr da nicht einfach mal zurücktreten und den Fans ihren Spaß lassen könnt, ist schon Beweis genug für euren Fanatismus.

Kleiner Test am Rande: Hat zum Beispiel ACDC in deinen Augen denn auch etwas Gutes erreicht?

Das wär’s auch schon, ich hoffe, der ein oder andere ACDC- oder Rock- bzw. Metalfan fühlt sich durch diesen Leserbrief etwas vertreten und gestärkt.

Man liest sich.

intolerantes Arschloch ali:

Ac/DC sind nichts anderes als unübersehbar körperlich verfallene, übliche Verdächtige Popgeschäftsleute auf Abkassiertour,sie sind Präsidenten einer Parallelwelt des Pop unter alten Hüten (ja, richtig:wegen der Glatzen, udo L. lässt grüssen), die in den engen Grenzen ihres Sounds einen simplen Beat mit noch geloopterem Refrain (fast technomässig immer das Gleiche) in postmodernem Diktum präsentieren, Stücke, deren Struktur-Simplizität und schnaubender Rhythmus irgendwann durch schnelle, sparsame (immerhin!) Soli überfingert werden und abrupt enden, als würden sie sich nach einer Überdosis Testosteron plötzlich übergeben (da könnte jedem das kotzen kommen, im Ösiland sind die Vögel verrückt geworden und der Rindenmulch hat gestunken. hunderte mussten behandelt werden) Der am eigenen Erbrochenen zugrunde gegangene Bon Scott wird sich wegen der grenzenlosen Geschäftstüchtigkeit und Todesvermarktung seiner Geschäftspartner des öffteren im Grabe drehen.
Warum gehen soviel Alte Rocker auf diese Konzerte? Brauchen sie Trost? Natürlich! Trost über das schreckliche Älterwerden brauchen diese Menschen, ja, sie haben grosse Probleme damit. AC/DC-Fans wie du lieben einfach einfache Musik und freuen sich, wenn sie „Black Ice“ immer und immer wieder zu hören bekommen.Sie machen ja am Fliesband auch immer die gleichen Bewegungen. Warum sollten sie ihre Gehirnwindungen überdehnen, oder gar an Neues gewöhnen. Der Weg zu Hölle ist der Weg der Masse der Verdummten nach.Ein Tanz der Lemminge halt.Schade um jeden, der für so ein billiges Vergüngen die Ewigkeit verspielt. Es gibt keinen Rocker-Himmel.

Eden:

Welch wunderschöne Hasshymne. Könntest du auch ein bisschen auf meine Argumente eingehen statt dich nur hinter fabülos formulierten Beleidigungen zu verstecken und damit auszuweichen?
Und was wäre eigentlich schlecht daran, einfache Musik zu lieben – unterstellt, es wäre im Falle von ACDC so – ? Ist daran etwas Verwerfliches? Ist Musik nicht etwa nach Aspekten der Schönheit der Melodie, des Rhythmus und des Gesangs zu beurteilen sondern nach ihrer Kompliziertheit?
Ich bitte dich, so etwas Lächerliches.
Und du magst es vielleicht nicht mögen, deine Sache. Andere Leute aber schon. Was soll daran falsch sein?
Und wenn du behauptest, sie wären nicht bereit, sich an Neues zu gewöhnen, dann muss ich da vor allem hinsichtlich extremistischer Religionsangehöriger, die sich zwanghaft an veralteten Interpretationen festklammern oder dem Beispiel der katholischen Kirche, die sich bewundernswert standhaft gesundem Menschenverstand widersetzt, doch sehr lachen.

Stimmt, einen Rockerhimmel gibt’s nicht. Den haben wir schon auf Erden, da müssen wir keiner Ideologie und keinem Versprechen von Erlösung nachhängen, dass sich am Ende genau so gut als falsch herausstellen kann.

christlicher Fanatiker ali:

Wie oft habe ich die AC/DC schon gehört. könnte fast zu Angus sagen: See ya‘ next time, same time, same program.ich habe keinen Bock, Angus & Co. zum 150sten Mal zu kommentieren. wozu auch?! Die gleiche Show, die gleiche Setlist, die gleiche Leier, seit Jahr und Tag. Und das mit einer Lautstärke, dass die Stöpsel im Ohr Rock’n’Roll tanzen.Aber bald bekommt auch dies Krachcombo ihr übliches rheumatisches Tanzbein und lässt vom Band Rocken. Die besoffenen Fans im Stadion merken eh nichts mehr. Alllohol macht Birne hohl.Lange bevor in der Heavy-Metal-Musik die Stunde der grunzenden Satansanbeter schlug, war der kleinwüchsige Gitarrenteufel Angus schon am lärmen.Da Hardrockmusiker zu Beelzebub ein betont freundschaftliches Verhältnis unterhalten, kultivieren auch die AC/DCs das Handzeichen des Teufels: Die abgespreizten Finger der „mano cornuta“ sind unschwer als Hörnchen zu erkennen.Schon Dio, der „Erfinder“ der satanischen Pommesgabel brüllte schon mal was vom Himmel und Hölle, Heaven & Hell.Der Rockhimmel ist leider für viele ein „Highway to Hell“ und endet auch dort.Sturzbesoffene Festivalproleten wollen das nicht wahr haben. kann ich vertehen.jeder süchtige verteidigt die droge, die ihn umbringt. Aus unserem menschlichen verlangen, den himmel auf diese erde zu holen, haben wir die hölle oder die vorhölle geschaffen. die rocker machen die begleitmusik dazu. „The show must go on.
see u in heaven.

Eden

Stimmt, Alkohol macht die Birne hohl.
Dogmatismus aber auch. ;]

Aber du hast schon wieder keine meiner Fragen wirklich beantwortet oder irgendeines meiner Argumente widerlegt.
Du warst also so oft auf deren Konzerten, dass dir das alles schon zum Hals raushängt und das Handzeichen befremdet dich?
Einfache Lösung – geh‘ nicht mehr hin.
Lass den Leuten ihren Spaß auf den Konzerten und generell überhaupt ihren Glauben, so wie sie dir das Recht auf deinen zugestehen.

Der Vergleich von Rockmusik und Fans zu Drogen und Süchtigen ist übrigens genial, wirklich. Fände es interessant, ob du das wissenschaftlich belegen kannst, also eine körperliche oder psychische Abhängigkeit? Gibt es da Studien oder Forschungen auf dem Gebiet?
Da kann ich ja auch genau so gut ein Suchtverhältnis bei dir und deiner höchst fragwürdigen Einstellung zu Religion unterstellen.
Und „das menschliche Verlangen, den Himmel auf die Erde zu holen“, bezeichnest du also als falsch? Zielen christliche Ideale nicht genau darauf ab? Die Erde zu einem besseren Ort zu machen? Nächstenliebe, Toleranz, das Streben nach Gerechtigkeit?
Wenn das die Vorhölle ist, kann’s so schlimm da nicht sein.

Aber nochmal. Hör‘ auf, mir auszuweichen und fang an, zu diskutieren, statt die immer gleichen, gehaltlosen Hassbotschaften runterzuleiern.
Die Nummer ist in etwa genau so langweilig und abgedroschen, wie es ACDC-Musik für dich ist. =P

Übrigens hast du meine Frage nicht beantwortet – Hat ACDC denn deiner Meinung nach auch etwas Gutes bewirkt?

Sektenmitglied ali:

was hat der hinweis auf jesus mit dogmatismus zu tun?
niemand kann mir verbieten meine meinung zu sagen oder zu verteilen.
auch AC/DC-fans müssen sich ans grundgestz halten. bei uns gibts meinungsfreiheit.
ausserdem kann ich hingehen wohin ich will. ich will dahingehen wo leute in die irre gehen. und leute, die singen „i am on the highway to hell“ sind krass auf dem holzweg ins verderben.
Zu Rockmusik und Drogen hier mal ne kurze Liste:
1. The VU – Heroin
2. Beatles – Happiness is a warm gun
3. Oasis – Cigarettes & Alcohol
4. Northside – Shall we take a trip (richtig gut ist das allerdings nicht)
5. Primal Scream – Higher than the sun (sicher nicht so explizit, aber…)
6. Joint Venture – Hank starb an ner Überdosis Hasch
7. Neil Young – The needle and the damage done
8. Westernhagen – Johnny W.
9. Falco – Ganz Wien
10. Ambros – Do schwoaza Afghane
11. Can – Mushroom
12. Ramones – Now I wanna sniff some glue
13. Underworld – Born slippy
14. Happy Mondays – God’s Cop
15. Ton Steine Scherben – Shit Hit und:
Cold turkey, J. Lennon
Waiting for my man, VU
To drunk to fuck, Dead Kennedys
Kein Alkohol (ist auch keine Lösung), TH
Kaya – Bob Marley & The Wailers
Suede – Heroin
The Beatles – Happiness is a warm Gun
Velvet Underground – Heroin / Waiting for my man
Primal Scream – Medication
Beck – MTV makes me wanna smoke crack
Ramones – Now i wanna sniff some glue
Suicide – Speed Queen
Hefner – the Hymn for the Alcohol
Beck – Alcohol
Pretty Things – LSD
Jefferson Airplane – White Rabbit
The Verve – now the drugs don´t work
Sonic Youth – Mom i gave the cat some acid

übrigens: christen wollen die welt nicht verbessern, sie glauben an den himmel.
diese welt ist nicht zu retten. sie wird vergehen.
ausserdem ist berechtigte kritik keine hassbotschaft. das böse als böse zu bezeichnen ist richtig und wahr.

ich glaube nicht,dass angus&Co bisher viel gutes bewirkt haben. für mich sind das eiskalte geschäftsmänner, die über leichen gehen. als damls bon scott ums leben kam, haben sie den medienhype ausgenutzt und seine songs mit einem neuen sänger eingesungen und massenhaft vermarktet. eben eiskalt und berechnend. finde ich eher schlecht.du nicht?

Eden:

Ich habe nicht gesagt, der Hinweis auf Jesus wäre Dogmatismus.
Als Dogmatismus bezeichne ich vielmehr die Tatsache, dass du hier angibst, den Weg zu einer immerwährenden Erlösung aufzuzeigen, obwohl es dafür keine Beweise, ja nicht einmal Indizien gibt – trotzdem verkaufst du das als Tatsache.
Das ist Dogmatismus.
Und Menschen mit derartig haltlosen Versprechen zu locken, ist gleich doppelt schamlos.

Und wo bitte habe ich dein Recht auf freie Meinungsäußerung in Frage gestellt? Mach dich nicht lächerlich.
Wenigstens nicht mehr als ohnehin schon.
Was ich gesagt habe war, wenn dich ihre Musik und das ganze Drumherum derart stört, dann bleib‘ ihren Konzerten eben fern. Niemand zwingt dich, hinzugehen.
Und auch die Fans haben das Recht, das zu hören und zu mögen, was sie wollen, wenn du schon auf dieser Schiene argumentieren willst.
ACDC hat kein geltendes Recht verletzt, wie sehr du den Merchandising-Apparat auch verteufelst, damit befinden sie sich nur im Rahmen einer Entwicklung, die überall um sich greift, und das nicht nur im Musikgeschäft.
Und wenn du schon so interessiert an unserem Grundgesetz bist, dann befasse dich auch mal mit Artikel 2, der die Freiheit der Person, unter anderem das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung beinhaltet. Darunter fällt der Musikgeschmack für mich ziemlich eindeutig.
Und was den Songtext angeht, würde es mich doch sehr schwer wundern, wenn alle, die Highway to Hell gut finden, so verlorene, depressive und hilflose Persönlichkeiten wären wie du es hier darstellst.
Es gibt Leute, die finden das gut. Es gibt Leute, die glauben nicht daran, dass die Hölle real ist. Oder Gott. Das sollte man akzeptieren können – denn, ich sage es noch einmal, du kannst nicht wissen, dass du Recht hast. Kann genau so gut sein, dass die anderen richtig liegen.
Schlechtere Menschen sind das deswegen nicht. Und schon gar nicht sind sie alle chronisch depressiv, hilflos und verloren.

Was deine Liste letzlich angeht; Ist ja toll, dass du eine Reihe von Liedern aufzählen kannst, die das Thema Drogen behandeln, aber das impliziert keine körperliche oder psychische Abhängigkeit der Fans zur Rockmusik.
Ganz besonders, wenn man sich deine Liste ansieht und sie in Relation zur Anzahl aller veröffentlichten Songs im Rock-genre setzt.
Legst du’s eigentlich drauf an, mich zum Lachen zu bringen?

Achja, wenn Christen diese Welt übrigens nicht verbessern wollen, weil sie ohnehin nicht zu retten ist – warum gebt ihr euch dann die Mühe, ACDC-Fans nach dem Konzert auf eure Seite zu ziehen?
Lass mich raten, weil ihr sie retten wollt, stimmt’s?
Ich vergaß.
Ohnehin ist die Aussage, dass der Versuch, diese Welt zu verbessern irrelevant sei, ziemlich fragwürdig und steht für mich eigentlich in direktem Kontrast zu dem, was ich als christliche Ideale definiere. Himmel oder nicht, momentan sind wir hier, und vielleicht ist das Hier und Jetzt alles, was wir bekommen. Sich in Hoffnung eines nächsten Lebens, für das es keine Indizien gibt, mit Zuständen, die Leid verursachen, abzufinden, ist einerseits höchst fragwürdig.
Und zum anderen kann mich ein Gott, der das von mir verlangt, mal höchst genüsslich an meinem haarigen Arsch lecken.
Und was du hier verbreitest, ist längst keine berechtigte Kritik mehr. Du propagierst pauschale Vorurteile nach dem Schwarzweißraster, suchst dir einen simplen Sündenbock und ignorierst alles andere.

Und dass alte Songs mit Brian Johnsson neu eingesungen wurden, ist Massenvermarktung? Würde vielleicht zutreffen, wenn Johnsson sofort populärer gewesen wäre als Scott und man sich davon eine gewaltige Gewinnsteigerung hätte erwarten können oder die Popularität erst mit ihm gekommen wäre.
So aber… Johnsson singt jetzt nunmal auch bei allen Live-auftritten. Auch die alten Songs. Wenn Fans seine Performance dabei gut finden, können sie sich die Neuvertonung kaufen. Wenn nicht, müssen sie’s nicht.
Abzocke?
Moralisch bewegt man sich dabei zweifellos auf dünnem Eis, da stimme ich dir zu.

Mir geht es aber vielmehr darum, dass du mir vielleicht eine konkrete Sache nennst, die du an ACDC gut findest.

Der Antichrist ali:

Die Jungs singen immer wieder von Hölle und Satan, sind also so etwas wie musikalische Teufelsanbeter.Auch wenn sie es nur so zum Spass machen. Mit dem Tefel und Hölle spielt man nicht. Es gibt Tabus.Aushilfssänger Brian Johnson wird sich darüber eins grinsen, und vielleicht an seine Vergangenheit im Kirchenchor zurückdenken.Hat er dor die Töne schon so gepresst? Hatter damals schon harten Stuhlgang? Pass also nicht! Und an Charity-Veranstaltungen wie Johnson in seiner Heimatstadt Newcastle nimmt man als Satanist auch nicht teil.Er ist sicher kein Satanist, aber erverdient mit SAtan seine Kohle. Das geht nicht gut aus. Denken wir an Bon Scott, der an seiner Kotze ersticken musste.
Zugegeben, die Texte sind schon heftig teuflisch.Jeder,der das hört sollte merken dass er ohne Geschwindigkeitsbegrenzung Gottes sein Leben lebt und dadurch auf dem Weg in die Hölle ist – so die Band in Highway To Hell – , der hat jetzt die Möglichkeit, den Fuss auf die Bremse zu stemmen und anzuhalten. Und die Textzeile „Hey, Satan, ich habe meine Schuldigkeit getan“, kann nur jemand ernst nehmen, der den Teufel höher ansiedelt als es ihm gebührt, vielleicht sogar auf eine Stufe mit Gott stellt.Der Teufel ist Realität, aber er ist nicht Gott und er fordert auch keine Rechenschaft. Der Teufel ist nichts anderes als ein gigantischer Lügner und Mörder. So ein Denken macht den Teufel im Kopf von Menschen überhaupt erst mächtig. Anders bei AC/DC. Denn in ihren Texten wird deutlich: Sie nehmen Satan und Hölle nicht wirklich ernst – zumindest nicht in d e n Bildern, in denen die uns immer wieder vermittelt werden. Und vor diesen B i l d e r n muss man nun wirklich keine Angst haben.Aber es gibt nunmal die Realität des Todes, die Realität der Hölle und die Realität des SAtans. Wir Menschen haben kein Recht dait zu spielen, oder diese Dinge der Lächerlichkeit zu opfern.AC/DC verdienen mit diesem bösen Spiel Millionen und sind mit verantwortlich, dass ihr Fans massenhaft in Hölle rennen.Diese Lemminge spühren etwas von ihrer Verlorenheit, darum konsumieren sie Massenhaft flüssige Drogen.Diese Musik macht dicht, Alkohol macht dichter. DA kann man vergessen. Nur für kurze Zeit, denn am nächsten Morgen ist der Dämon wieder da. Wer wirklich auf Gott vertraut, der wird sich nicht über Satan lustig machen…oder wsird gar über ihn singen. SEr biegt vom Highway To Hell ab und ruft sienn Mitmensch zu, kehrt um, bevor es zu spät ist.

Verdammt geiler Typ mit einem riesigen Schwanz Eden:

So, der letzte Leserbrief von mir, die ganze Diskussion ermüdet mich langsam einfach, sie führt zu überhaupt nichts.

Mir bleibt schlicht zu sagen, dass ich mich mit dieser Einstellung, von der Richtigkeit des eigenen Glaubens und des Verderbens aller anderen so felsenfest überzeugt zu sein, überhaupt nicht anfreunden kann.
Zumal, wenn ich in solchen Äußerungen eine massive Herabwürdigung der betreffenden Menschen sehe, ACDC und deren Fans jetzt einmal exemplarisch genommen.
Du glaubst an das, sie an etwas anderes. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die ÜBERWÄLTIGENDE Mehrheit der ACDC-fans ihre Band nicht als Ersatzreligion oder sogar Opposition zum Christentum begreift, ob und woran sie glauben, kannst du aus der Tatsache, welche Musik ihnen gefällt, nur schwer ablesen.
Wer da am Ende mit seinem Glauben Recht hat, kann niemand sagen.
Und das stört mich, dass du die Richtigkeit DEINES Glaubens als Tatsache verkaufst.

Das, und dass du meiner Meinung nach sehr simpel denkst und bei vielem lange nicht alle Faktoren berücksichtigst, die in bestimmte Ereignisse hineinspielen.
Bon Scotts Ersticken am eigenen Erbrochenen als Strafe zu begreifen, halte ich zum Beispiel für sehr fragwürdig – es gibt genug Menschen, die sich um einen moralischen Lebenswandel bemühen, darunter auch gläubige Christen, die unverdient jung sterben, jünger als Scott.

Aber was soll’s, wie gesagt, das ist mein letzter Leserbrief an der Stelle, das führt einfach zu nichts.

Man liest sich.

religiöser Rattenfänger ali:

(Römer 6:23) Denn der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod, die Gabe aber, die Gott gibt, ist ewiges Leben durch Christus Jesus, unseren Herrn.
das gilt für alle. auch für dich.
in god, i salute you.

Manche Leute sind so resistent gegen Logik wie ich anscheinend gegen Schweinegrippe.

Zu der ganzen Thematik bleibt mir eigentlich abschließend nur nochmal zu wiederholen, was ich schon in einem der Leserbriefe erwähnte habe;
Wenn SOLCHE Leute in den Himmel kommen, dann fährt der Rest von uns mit der Hölle eigentlich recht gut.
Immerhin haben wir da unten dann ACDC. Und so gut wie jeden anderen modernen Musiker, ne ganze Menge Wissenschaftler und Philosophen und viele andere andere intelligente Menschen, wenn man sich so ansieht, gegen was die noch so alles sind.
Da unten muss es ja paradiesisch zugehen.

In diesem Sinne:
Now listening: ACDC – Highway to Hell

Über die moderne Prominentenobsession, Part 2. Freitag, Mai 21 2010 

Ja, da war noch was.
Die unglaublich schnell größer werdende, eingeschworene „Eden Uncensored“-Leserschaftet wartet ja schon seit Wochen sehnsüchtig auf den zweiten Artikel über die moderne Prominentenobsession.
Und ja, ich versuche hier gerade mit selbstironischen Bemerkungen meine Minderwertigkeitskomplexe als chronisch unbeachtete Attention-whore zu überspielen.
Ich bin auch nur ein Monster, das geliebt werden will.

Aber zum Thema – Prominentenobsession.
Das scheint ja allgemein so eine Sache der Moderne zu sein, eine scheinbar unvermeidliche Begleiterscheinung des Zeitalters der digitalen Massenmedien, das inzwischen absurde Ausmaße erreicht – mit Müttern, die ihren Töchtern auch ein Blackberry schenken, wenn diese sich darüber beschweren, dass sie die ganze Zeit nur an ihrem Smartphone hänge und zu wenig Zeit mit ihr verbringe (wie Wolfgang Hantel-Quitman in seinem Buch „Schamlos!“ zu berichten weiß.).
Nicht nur, dass wir dadurch inzwischen von allen Seiten konstant mit allerlei schwachsinnigen, vollkommen irrelevanten Informationen zugeballert werden, im Fernsehen absolut bescheuerte Formate über uns ergehen lassen müssen, nicht genug, dass ein immer weiter anschwellendes Heer von Pseudoprominenten die Medienlandschaft okkupiert oder dass sogar Nachrichten durch so etwas Erbärmliches wie die Prosieben oder RTL2-news korrumpiert werden, die einen kleinen Teil aktuelles Weltgeschehen auf Bild-niveau aufbereiten und mit Promi-news und ein bisschen Sex mischen. Oder dass die hinterletzten Flachwichser aus Musik und Fernsehen seit Neuestem sogar regelmäßig die Buchbranche unterwandern, die inzwischen ja sowieso zum großen Teil auch nur noch aus Schwachsinn besteht.
Nein.

Denn als würde das alles an Blödheit und Schwachsinn noch nicht reichen, gibt es vor allem verbunden mit der Prominentenobsession etwas, das uns nicht nur in allerlei Medien den letzten Nerv raubt, sondern mitunter sogar im Alltag.
Eine Gefahr, die mitten unter uns weilt.
Vielleicht in diesem Moment ganz in deiner Nähe. In deinem Haus. Möglicherweise sogar im Zimmer nebenan.
Und sie schleicht sich an, überall. Unbemerkt. Leise. Hinter jedem Menschen, den wir treffen.
Pass auf!
HINTER DIR!
AAAAAH!

Ja.
Was ich meine, ist eine Verhaltensweise, die ich selbst am liebsten als Idealisierung oder Vergöttlichung von Prominenten umschreibe.
Ich bin sicher, jeder kann so ungefähr umreißen, was ich damit meine, und jeder kennt Beispiele.
Denkt an Tokio Hotel.
Denkt an Twilight.
Denkt an Robert Pattinson.
Oder was weiß ich, an allerlei vergötterte Schauspieler und Stars der Musikbranche, es gibt ohnehin zu beinahe jedem WIRKLICH Prominenten die dazugehörigen fanatischen Verehrer.
Und nicht nur zu denen.
Teilweise ja auch zu GEGENSTÄNDEN.
Ich denke da an den in seiner Lächerlichkeit kaum mehr zu übertreffenden „Konsolenkrieg“, bei welchem es auf jeder Seite Vertreter gibt, die nicht nur regelmäßig die Grenzen angemessenen/sozialen Verhaltens überschreiten, sondern solche Grenzen schon gar nicht mehr wahrzunehmen scheinen.
Oder auch schwelende Konflikte zwischen Nerds der Microsoft oder Apple-fraktion.

Aber primär denke ich, und das mag daran liegen, dass es medial viel mehr Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, an Prominente.
Der Einfachkeit halber werde es also an halbwegs aktuellen Beispielen aus diesem Bereich deutlich gemacht.
Zumal ich denke, dass jeder noch die Tokio Hotel-Fanhorden in grausamer Erinnerung hat oder Weibchen der Gattung Homo Sapiens, die während eines Twilight-trailers oder auch nur angesichts eines Posters von Robert Pattinson so feucht werden wie sonst nur beim Duschen.
Besonders peinlich wird so etwas natürlich bei Frauen, die rein biologisch gesehen als volljährig angesehen werden MÜSSTEN. Bei Pubertätsopfern könnte man es entwicklungspsychologisch als Abkehr von den Eltern hin zu anderen Idolen/Idealen sogar noch irgendwie verstehen.
Was einem auch nicht unbedingt hilft, wenn man Zimmer sieht, die mit Postern von Tokio Hotel oder Twilight tapeziert sind. Mit Tokio Hotel oder Twilight-bettwäsche. Einem Bücherregal, dass neben allerlei „niedlicher, knuffiger“ Scheiße gerade mal die drei Twilight-teile beherbergt.
Gibt’s inzwischen schon Stoffpuppen von Bill oder Robert Pattinson?
So’n kleiner Edward zum Knuddeln? In Lebensgröße? Um zu kompensieren, dass jedes halbwegs zurechnungsfähige männliche Wesen bei so etwas die Flucht ergreift?
Mit aufpumpbarem Penis?
So käme die Erotikindustrie an die weibliche Zielgruppe ran.

Aber natürlich ist so etwas generell noch verschmerzbar. Visuell grausam, augenkrebserregend und für jeden Menschen mit Intelligenz über Zimmertemperatur äußerst beschämend angesichts der Tatsache, dass man biologisch zur selben Lebensform gehört.
Aber hinnehmbar.
Zwar nicht bei meiner Familie oder meinen Freunden, denen ich gerne etwas reiferes Verhalten attestieren würde (und teilweise auch kann), aber von mir aus bei Fremden. Ganz weit weg. Irgendwo da in Mecklenburg-Vorpommern.
Dummerweise werden allerdings durch das Internet Vertreter aus allen menschlichen Siedlungsgebieten praktisch willkürlich durcheinander gewürfelt.
So oder so kann man solchen Menschen einfach nicht entkommen, ob es jetzt im Alltag ist oder im Netz. Was für mich ja quasi von gleichrangiger Bedeutung ist.

Denn von mir aus können die ja mit ihrem Zimmer oder ihrer Wohnung machen, was sie wollen – solange ich sie nicht betreten muss.
Und ich werde sie nicht betreten.
Aber das Ganze drückt ja auch nur etwas aus und ist im Prinzip Teil eines größeren, allgemeiner gehaltenen Phänomens und – für mich – Problems.
Und das ist der Sachverhalt, den ich mit „Ideailisierung und Vergöttlichung“ umschreibe.
Denn ich bin durchaus kein Verfechter der Anti-bewegung, die sich wie zu Tokio Hotel so auch zu Twilight entwickelt hat, wenn auch in geringerem Umfang.
Von mir aus sollen die machen und mögen, was sie wollen. Aber die ganze Einstellung großer Fankreise ist für mich nicht nur höchst fragwürdig, sondern regelrecht nervtötend. Tokio Hotel ist nur eine Band. Twilight ist nur ein Film. Und Robert Pattinson nur ein Schauspieler. Und nicht mal einer der wirklich Guten, wenn man noch ETWAS Vertrauen in diverse Filmkritiker setzen darf.
Deal with it.

Und wenn ich Menschen sehe, die beim bloßen Anblick von Bill in Kreischorgien verfallen und alle höheren Denkfunktionen einbüßen oder solche, die ein sogenanntes Reaction Video von sich selbst zum Twilight-trailer aufnehmen, wo sie… naja, in Kreischorgien verfallen und alle höheren Denkfunktionen einbüßen, dann kommt mir auf gut deutsch gesagt einfach das Kotzen.
Menschen, bei denen die Verehrung dieser unerreichbaren Lichtfiguren einen bedeutenden Aspekt des Lebens (und auch des sozialen Umgangs, mit anderen ähnlich grenzdebilen Subjekten) ausmacht, die in den Medien alles darüber verfolgen, was ihnen unterkommt und jedwede Äußerung dieser Person wie ein Schwamm aufsaugen und als eigene Meinung wiedergeben, die dogmatische Ausmaße erreicht – sprich wer die nicht mag oder nicht der selben Meinung ist, der ist eh nur plöd und totaaaal neidisch, mit dem muss man sich auch nicht abgeben – sind mir einfach nur derart zuwider, dass ich es nicht mit Worten ausdrücken kann.
Und dabei ist mein Wortschatz das verbale Pendant zu John Holmes‘ Schwanz.
Am ehesten würden es wohl einfach nur lautstarke Würggeräusche treffen.

Und nicht zuletzt glaube ich, dass gerade das oft der stärkste motivatorische Aspekt für die entsprechenden Gegenbewegungen ist, die das zugehörige Objekt der Verehrung dann kategorisch ablehnen.
Was verständlich ist, aber genau so wenig richtig – zumal sie selbst dabei nicht selten in Dogmatismus verfallen.
Solcherlei Verhalten ist der Konfliktlösung eben in keinem Fall hilfreich, sondern verschäft und verkompliziert ihn viel eher.

Letztlich ist so etwas meiner Meinung nach, egal auf wen oder was es sich bezieht und wie es sich konkret äußert, ein Zeichen für mangelnde geistige Reife und Fähigkeit zur differenzierten Beurteilung.
Menschlich ist es möglicherweise bis zu einem gewissen Rahmen verständlich, allgemein gesprochen sucht sich eben fast jeder Leitfiguren, Vorbilder, als Orientierungshilfe für’s Leben – das können ja auch Schriftsteller oder Philosophen sein, die durchaus über eine gewisse Kompetenz in Lebensfragen verfügen (wobei das heutzutage vermutlich eher selten ist). Ich persönlich lehne das zwar ab und orientiere mich lieber an Idealen als an Idolen, aber bitte.
Aber es ist einfach absoluter Schwachsinn, die Aussagen eines Prominenten wie das Wort Gottes zu behandeln, zu welchem Thema auch immer er befragt wird. Zum einen, weil es auch nur Menschen sind, die sich irren und Fehler machen, zum anderen, weil es schlicht und ergreifend Idiotie ist, zu glauben, die hätten in jedem Bereich fachliche Kompetenz aufzuweisen. Das sind genauso armselige Idioten wie ihr und ich. Manchmal haben sie vermutlich von etwas sogar weniger Ahnung als man selbst und erzählen totalen Bullshit.
Ich bin ja zum Beispiel auch sehr angetan von Helmut Schmidt. Einerseits davon, wie er das Leben allgemein betrachtet und andererseits auch bei vielen politischen Themen.
In letzterem Fall bin ich aber in etwa genau so vielen Fällen einer deutlich anderen Meinung.
Und das ist auch gut so. Denn ich bin ja nicht Helmut Schmidt. Und ich will auch nicht so sein wie er. Ich bin ich und ich will so sein wie ich will, dass ich bin.
Oder irgendwie so.
Und ich mag auch ACDC. Trotzdem ist mir abseits der Musik eigentlich scheißegal, was Angus Young zu anderen Themen zu sagen hat. Trotzdem mag ich auch andere Bands und trotzdem ist deswegen nicht jede andere Musik scheiße oder minderwertig.
Ich liebe einfach nur die Musik. Mehr ist da nicht dran.

Wie gesagt, ohnehin finde ich es deutlich vernünftiger, sein Denken und Handeln mehr an Idealen auszurichten, die man für erstrebendswert hält, als an Vorbildern, die letzlich Menschen und damit genau so fehlbar sind wie jeder andere.
Und wenn ihr in euren Idolen etwas Bewundernswertes seht, dann fragt euch einfach, was das ist – schon habt ihr eure Ideale oder erstrebenswerten Charaktereigenschaften.

Aber verdammt nochmal, man müsste doch von einem denkenden Wesen erwarten können, dass es zu einer differenzierteren Beurteilung in der Lage ist als mit dem alten Schwarzweißraster. Sowohl was Personen als auch was Handlungen und Situationen angeht, ach, einfach was ALLES angeht.
Gute oder böse Menschen gibt’s einfach nicht. Auch keine klugen und keine dummen. Man kann nicht alles kategorisieren, den Charakter und die Psyche eines Menschen schon gar nicht. Ein Mensch hat nicht nur zwei oder drei, sondern unzählbar viele verschiedene Eigenschaften und Züge, die man persönlich als gut oder als schlecht beurteilen kann.
Wobei gut oder schlecht ja schon wieder Kategorien sind. Denn auch solche Eigenschaften und Züge haben ja mehrere Seiten, Vorteile und Nachteile.
Man sieht, das ist alles kompliziert. Und in der Realität auch gar nicht so leicht umzusetzen, solange man sich nicht daran macht, aktiv an seinem Verhalten zu arbeiten.
Was wahrscheinlich unter anderem ein schwerwiegender Grund ist, warum viele Menschen im Allgemeinen ins genaue Gegenteil gehen – zu kategorisieren. Macht eben alles einfacher, alles ist schön simpel vorgegeben und man hat eine deutliche Orientierung.
Nur richtig ist es in den allermeisten Fällen eben doch nicht.

Für den Anfang sollten sich solche Menschen einfach mal genau daran erinnern und versuchen, diese Tatsache kognitiv und emotional anzunehmen und in ihr Handeln einzubeziehen.
Die Mitglieder von Tokio Hotel sind einfach nur Musiker. Robert Pattinson ist einfach nur Schauspieler. So wie jeder Prominente eben diese eine Fähigkeit hat, die ihn prominent gemacht hat (wobei’s da bei B- und C-prominenz jetzt schon wieder schwierig wird…). Ob das jetzt ein Musiker, Schauspieler, Autor, Politiker oder was weiß ich ist.
Klüger als ihr sind die deswegen nicht. Die sind einfach nur prominent. Deswegen stimmt nicht automatisch alles, was die sagen, wenn sie zu irgendwelchen Themen befragt werden, die überhaupt nicht in ihr Fachgebiet fallen. Man sollte ja in der heutigen Medienlandschaft ohnehin immer vorsichtig sein und sich fragen, ob die Meinung, die jemand öffentlich vertritt, durch Fachwissen fundiert ist und welche Intention wohl dahinter stehen könnte, DASS er diese Meinung vertritt.

Der Gipfel des Nonsens ist in dieser Beziehung dann übrigens, was man bei Wahlkämpfen in Amerika und wohl auch hierzulande in geringerem Maße beobachtet, dass sich diverse Popstars für die eine oder andere Seite stark machen.
Zum Kotzen.
An diesem Punkt wird nämlich angefangen, genau diesen Sachverhalt der Idealisierung von Prominenten auszunutzen.
Dass das zu politischen Zwecken missbraucht wird, ist in meinen Augen das Letzte, aber DASS es missbraucht wird, ist beileibe nicht das einzige Beispiel.
So kommen wir nämlich ein bisschen zum Anfang zurück, zu Sachen wie Twilight-bettwäsche. Oder Shirts. Oder Federmäppchen. Oder Rucksäcken.
Und was der Merchandising-abteilung nicht alles für Dreck einfällt, wo man das Logo oder Robert Pattinson Fresse noch abdrucken könnte.
Jetzt sind Sachen wie Shirts und dergleichen ja vielleicht noch annehmbar, besonders was Bands angeht ist das ja halbwegs normal, aber wie überall ist es hier das gesunde Maß, dass eine fließende Grenze zum Schwachsinn bildet.
Ich habe mir früher ja auch Bandshirts gekauft. Heute nicht mehr, aber naja, von mir aus.
Dass es das Ganze allerdings mittlerweile auch zu Filmen gibt, habe ich erst heute schockiert im Saturn (!) feststellen müssen, als da tatsächlich über dem DVD-regal ein Plastiktorso mit einem Twilight-shirt ausgestellt war.
Jedem, der sich so etwas kauft und es trägt, möchte ich an der Stelle dann allerdings die Frage stellen:
Euch ist aber schon klar, dass ihr in der Hinsicht dann sozial und intellektuell etwa auf der selben Stufe steht wie der picklige Nerd mit Hornbrille und… was weiß ich, Star Wars-shirt, der von Sackhaaren noch nicht einmal GEHÖRT hat?
Nur im Hauptfall weiblich und mit anderen Klischeemerkmalen, eben.
Habt ihr auch ne Zahnspange? Wie wär’s mit einem Twilight-handtäschchen?
Und habt ihr eure Jungfräulichkeit mit vierzehn an den blassen, schweigsamen, komischen Außenseiter verloren, der euch weis machen wollte, er sei ein Vampir?

Schlussendlich bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass viele, wenn nicht gar die Meisten, in diesem Punkt – und in so vielen anderen – endlich begreifen müssen, dass der massive Fortschritt der Informationstechnologien nicht nur mit Vorteilen verknüpft ist, sondern dass wir genauso seine Nachteile, seine Begleiterscheinungen, seine Versuchungen erkennen und aktiv darauf achten müssen, wie wir mit ihnen umgehen.

Ende der Durchsage.

Über ein totes Genre Samstag, Mai 15 2010 

Nachdem meine eigentliche Planung für Freitag Nacht ins Wasser gefallen ist und ich keine wirklich interessante Alternative hatte, habe ich die letzten Stunden meines Lebens bis gerade eben damit verbracht, mir einen privaten DVD-abend mit dreien meiner Lieblingsfilme zu gönnen.
Hintereinander.
Ohne nennenswerte Unterbrechung.

Wir wollen jetzt mal die sich aufdrängende Frage, wie bemerkenswert sozial unangepasst derlei Abendgestaltung am Wochenende für einen Neunzehnjährigen ist, beiseite schieben zugunsten einer Tatsache, die einfach mal ausgesprochen werden muss.

Ich liebe Western.

. . .

Also gut, Männer, spätestens jetzt haben sich alle weiblichen Leser anderen Beschäftigungen zugewandt, wir können aufhören, den Bauch einzuziehen und anfangen, ungeniert geruchsintensive Luft aus allen erdenklichen Körperöffnungen entweichen zu lassen.
Und nebenbei weiterlesen, selbstverständlich.

Denn eigentlich stimmt das ja so gar nicht.
Den größten Teil aller Western halte ich gelinde gesagt für durchschnittlich, bestenfalls geeignet für Kinder dieser Zeit, die in Nostalgie schwelgen wollen. Relativ unbedeutende Massenware, die ständig nach dem selben Muster verläuft, besonders was amerikanische Produktionen angeht.
Es mag daran liegen, dass ich Schwarzweißzeichnung in der Charakterdarstellung weder bei Filmen noch bei literarischen Werken oder Videospielen ausstehen kann, dass mir generell zu viele Indianer erschossen werden und das Muster des altruistischen Sheriffs/Cowboys, der das terrorisierte kleine Städtchen vom ultimativ bösen Gauner (optional mit zugehöriger Bande) befreit und dabei irgendeine Frau flachlegt – ganz zu schweigen von den paar Indianern, die er im Vorbeigehen noch schnell umlegt – nach spätestens drei Filmen ETWAS vorhersehbar wird.
Jedenfalls fallen mir abgesehen von einigen Perlen wie High Noon nicht allzuviele amerikanische Western ein, die ich für wirklich empfehlenswert halte.
Anders sieht die Sache bei dem Genre aus, das sich mit dem Namen „Italo-western“ – oft auch mit dem etwas abwertenden Begriff „Spaghetti-western“ tituliert – vom klassischen Western abgrenzt, denn dort verstecken sich einige der meiner bescheidenen Meinung nach besten Filme, die je von Menschenhand gemacht wurden.
Natürlich sieht man allen davon das Alter an und einige Szenen sind nicht mehr zeitgemäß, wirken gar unfreiwillig komisch (Ich muss da gerade an die Szene aus Für eine Handvoll Dollar denken, in der ein ganzes Reiterschwadron von einem Maschinengewehr niedergemäht wird, inklusive amüsanten Overactings der Statisten beim Sterben.), aber nicht zuletzt haben Filme wie die Dollar-trilogie oder Django bis in die Gegenwart hinein filmhistorische Bedeutung.
Siehe Quentin Tarantino, einem Kenner von Italo-Western kommen viele der Szenen in seinen Filmen durchaus bekannt vor. Bestes Beispiel ist die unangenehme Sache mit dem Ohr in Reservoir Dogs, wo er sich wohl von Django inspirieren ließ.

So erschufen nicht nur erst sie einige Dinge, die heute fälschlicherweise mit dem klassischen Western assoziiert werden (wie die sogenannte Italienische Einstellung, bei der nur die Augen der Protagonisten zu sehen sind), sondern in gewisser Weise auch den Archetypen einer neuen Art Held – den schweigsamen, einsamen Einzelgänger, den Fremden mit rätselhafter Vergangenheit, dessen Intentionen sich erst nach und nach im Laufe der Handlung aufklären, den verbitterten, zynischen Rächer mit dem Stoppelbart und der Zigarre im Mundwinkel, der bis zuletzt kaum zu durchschauen ist.
Nicht von ungefähr verkörpert der junge Clint Eastwood in der Dollar-trilogie diesen Charaktertyp quasi bereits in Perfektion.
In gewisser Weise könnte man die furiose Entstehung der Italo-Western Mitte der Sechzigerjahre mit dem letzten Aufbäumen eines Genres vergleichen, das zur damaligen Zeit bereits als tot galt.
Der klassische Western jedenfalls hatte seinen Zenit weit überschritten, als Sergio Leone 1964 mit „Für eine Handvoll Dollar“ den ausschlaggebenden Impuls für die Entwicklung dieses Genres gab – und zwar nicht mit einer Rückorientierung auf die typischen Merkmale etwaiger John Wayne-Filme, sondern mit einer dazu im krassen Gegensatz stehenden Neudefinierung des Westerns.
So wichen die strahlenden Helden, wie bereits angedeutet, in der Mehrheit zwielichtigen Gestalten, Ideale wie Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit wurden verdrängt von Rachsucht und Habgier. Die Protagonisten werden vermehrt zu regelrechten Anti-Helden, sind selbst Banditen oder Kopfgeldjäger, die für ein paar Dollar töten, ohne Fragen zu stellen. Ehemalige Lichtgestalten wie lokale Gesetzeshüter werden schnell zu korrupten Schweinen, die mit den eigentlichen Widersachern unter einer Decke stecken.
Wirkliche Ideale gibt es in den Italo-Western nicht mehr, das gesamte Genre ist auf gewisse Weise ein Abgesang auf den Untergang seines Vorgängers – Die Helden sterben aus, werden korrumpiert oder sind unfähig, etwas an der Situation zu ändern, die Sitten verrohen, die Darstellung des Westerns wird insgesamt rauer, dreckiger, unerbittlicher, die Brutalität nimmt zu (Wenn man übrigens einige Szenen aus den damaligen Filmen mit heutigem Standard vergleicht, kann man über den Umstand, dass der hohe Grad der gezeigten Gewalt seinerzeit drastisch krisitiert wurde, nur noch müde lächeln.).

Es ist eine Welt, die nur noch von Gier, Rachsucht und Hass getrieben wird, Frauen kommen entweder nur als Prostituierte vor oder sind genau wie ehrliche, anständige Männer nichts als Spielfiguren und Opfer der verräterischen, egoistischen und gefühlskalten Anti-Helden, die sich gegenseitig an die Kehle gehen.
Schwarz oder weiß, gut oder böse gibt es nicht mehr. Alles, was bleibt, ist grau in grau, der eine fehlerbehaftete, von Gier und Hass getrieben Anti-Held gegen den anderen.
Fabelhaft gezeigt wird das vor allem in Zwei glorreiche Halunken, im Übrigen ein wunderschönes Beispiel der Unsitte der Eindeutschung von Filmtiteln, da es eigentlich um drei Protagonisten – im Englischen The Good, the Bad and the Ugly – geht, die sich auf der Jagd nach 200.000 Dollar einen ganzen Film lang gegenseitig verraten und gegeneinander ausspielen.
Zu wem der Zuschauer letztlich hält, das entscheidet sich vor allem durch einige kleine Gesten von Menschlichkeit, die bei dem ein oder anderen Charakter aufblitzen, Zeichen, dass sich in ihm zumindest noch ein kleines Fünkchen Moral finden lässt.
Oder aus purer Sympathie.

Bemerkenswert ist hier vor allem der Showdown, ein Bruch des klassischen Western-duells mit den drei Charakteren, die sich in Dreiecksformation gegenüber stehen. Hier spielt der Film seinen entscheidenden Trumpf aus, die Tatsache, dass es – obwohl Sympathien natürlich vorhanden sind – keinen klassischen Helden gibt, der am Ende zwangsweise triumpfieren muss. Bis zum entscheidenden Schuss weiß der Zuschauer so nicht wirklich, wer leben darf und wer sterben muss. In Verbindung mit einer genialen Inszenierung, die extreme Nahaufnahmen, von den Augen der Protagonisten über Hände und Revolver, mit spektakulären Distanzaufnahmen, die den ganzen Platz und die dahinter liegende Steppe überblicken, kombiniert, und einer schlicht umwerfenden musikalischen Untermalung von Ennio Morricone ergibt das für mich persönlich die beste Szene, die ich mir in all den Jahren als Filmliebhaber zu Gemüte geführt habe.

Das und eine sehr angenehme Offenheit und Experimentierfreude der Verantwortlichen, was Genre-kreuzungen angeht, beispielsweise mit Krimi- oder Horrorelementen, etwas, das ich heute irgendwie zunehmend vermisse, macht eine erstaunlich große Anzahl der Vertreter des Italo-Western-Genres für mich zu zeitlosen Lieblingen.

Da bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, schade, dass es heute keine wirklich ernstzunehmenden Versuche mehr gibt, dieses Genre wieder etwas aufleben zu lassen.
Oder vielleicht auch nicht, vermutlich käme es dabei ohnehin nur zum filmischen Äquivalent der Leichenschändung.

Es müsste einfach mal wieder ein paar junge Sergio Leones, Ennio Morricones, Clint Eastwoods, Sergio Corbuccis und Franco Neros geben.
Aber das ist vermutlich zu viel auf einmal verlangt.

Zum Abschluss noch ein grandioses Beispiel für die fabelhaften Soundtracks von Morricone und ein kleiner Auszug aus… naja… „Zwei“ gloreiche Halunken.
*shudder
Ihr wisst schon.

Besonders toll ab 1:30.

’nuff said.

Über die faulen Ouzo-säufer „da unten“ Montag, Mai 10 2010 

Ich muss erst einmal schon von vornherein sagen, ich bin im Großen und Ganzen entsetzt von der Berichterstattung der deutschen Medien über die Geschehnisse in Griechenland.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie leichtgläubig und gedankenlos diese Berichterstattung von den Meisten akzeptiert und unreflektiert übernommen wird.
Genau so entsetzt wie ich darüber bin, wie unsere werte Frau Merkel es genießt, Druck auszuüben und zu welchen absurden Sparmaßnahmen wir die Griechen genötigt haben.

Wo wir es doch auf der anderen Seite lieben, astronomische Summen zu verschleudern, die im Nichts verpuffen und ihren Zweck vollkommen verfehlen, weil keinerlei Konsequenzen aus vergangenen Fehlern gezogen werden.
Ich kenne den genauen Betrag nicht, mein letzter Stand ist, dass der Staat den Banken inzwischen um die 400 Milliarden Euro in den Arsch geblasen hat.
Weil sie „systemrelevant“ sind. (Was eine Unzahl an Analysten und Wirtschaftsexperten als absurd zurückweist.)
Weil das ein „alternativloser Sachzwang“ ist, etwas, dass man nun mal einfach tun MUSS. (Was ich persönlich für eine dreiste Lüge halte. Alternativen gibt es immer, Alternativen hätte es auch damals gegeben.)
Zumal ich es einfach zum Kotzen finde, wie schnell diejenigen Vertreter aus der Wirtschaft, die sich zu Zeiten des Aufschwungs jede staatliche Einmischung strengstens verbieten, angerannt kommen und um Staatshilfe betteln, wenn die Kacke am Dampfen ist. Und sogar in der Situation bleiben sie zumeist arrogant und überheblich.
Und nicht zuletzt hätte es doch viel mehr dem Prinzip der freien Marktwirtschaft entsprochen, marode Banken, die sich pauschal gesagt durch schlechtes Wirtschaften und hirnrissige Spekulationen selbst in die Scheiße geritten haben, dem zu überlassen, was das System nun einmal für solche Unternehmen vorsieht: Konkurs.
Es gibt lauter werdende Stimmen, die die berechtigte Meinung äußern, dass andere Banken und das System, für dass diese „Bankster“ (toller Neologismus!) ach so relevant sind, deren Untergang relativ gut überstanden hätten, der Schaden wäre überschaubar gewesen, die übrigen Banken hätten vermutlich expandiert, Lücken gefüllt.
Damit wären eigentlich genau diejenigen, die diesen Schwachsinn verschuldet haben, vom System selbst bestraft worden.
…Oder auch nicht, denn ihr Gehalt haben sie ja so oder so sicher, am Arsch sind nur die, die weiter unten stehen.
Und irgendwie frage ich mich, wie viel ein System wert sein kann, dass von solchen Leuten abhängt.

Aber halt. Durchatmen. Konzentrieren, Eden. Nicht reinsteigern.
Denn es soll ja um die faulen, korrupten, arroganten, ignoranten und sowieso von Kopf bis Fuß BÖSEN Griechen gehen.
Und genau vor diesem Hintergrund finde ich es merkwürdig, nachdem wir jetzt einer Riege von faulen, korrupten, arroganten, ignoranten Idioten mit Handküsschen unzählige Milliarden geschenkt haben, und das verbunden mit lächerlichen Auflagen voller Hintertüren, damit sie auch ja weitermachen können wie bisher, bei den Griechen die Daumenschrauben anzulegen.

Tja, die sind eben nicht „systemrelevant“, hat es den Anschein.
Dumm gelaufen, Stavros.
Wobei es doch sehr fraglich ist, ob ein totaler Zusammenbruch Griechenlands nicht doch sehr interessante Folgen für die Währungsunion hätte.
Aber viel entzückender ist doch wieder einmal die Tatsache, dass die, die am wenigsten dafür können, am meisten von allen abbekommen.
Da wird in deutschen Medien munter von den faulen, arbeitsscheuen und korrupten Griechen berichtet, und in der Öffentlichkeit mokiert man sich, dass man diesen Faulpelzen, die doch eh den ganzen Tag nur Ouzo saufen, jetzt noch Geld in den Rachen schieben darf.
Und dann besitzen diese Schweine auch noch die Frechheit, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren und zu randalieren, wo man ihnen doch so großzügig hilft.

Wie können Sie nur?!
Wo es doch nur um IHR Leben und IHRE Existenz geht und darum, dass SIE genug Geld haben, um noch über die Runden zu kommen?
Aber natürlich verstehen Deutsche das nicht. Denn Deutsche lieben es ja anscheinend, lethargisch vor sich hin zu leben und Moos anzusetzen, während sie fortwährend in immer größerem und dreisterem Stil verarscht werden.
Wir würden ja erst auf die Straßen gehen, wenn man uns DSDS, Popstars und GNTM wegnimmt, wenn die Bild verboten und der Alkohol seinen Stand als gesellschaftlich akzeptierte Droge einbüßen würde.
Dann wäre hier rambazamba, aber gehörig.

Kopfpauschale im Gesundheitswesen? – Pfff.
Massenentlassungen trotz wirtschaftlichen Aufschwungs entgegen aller Versprechen à la „Wachstum bringt Arbeitsplätze!“ – Scheiß drauf, solang’s nicht ich bin.
Abbau des Sozialstaats und zunehmende Umverteilung von unten nach oben? – Egal, noch kann ich gut leben.

Aber wenn Dieter Bohlen, Heidi Klum und Detlef D!!! Soost inhaftiert würden, dann käm’s wohl zum Barrikadenkampf.

Und alle, denen zunehmende soziale Ungerechtigkeit nicht am Arsch vorbeigeht, spinnen doch sowieso und übertreiben maßlos.
Und die Griechen gleich sowieso und überhaupt!
Wenn ich da teilweise lese, sehe oder höre, was die deutschen Medien an hirnrissiger Scheiße verbreiten, wird mir schlecht.
Von wegen die Korruption, die durchweg in der ganzen griechischen Bevölkerung so normal ist wie die zwei Liter Ouzo zum Frühstück, rächt sich jetzt.
Seht euch mal um, ihr Pflaumen, was bei uns alles vonstatten geht. Welcher Politiker bei welchem Unternehmen für wie viel Kleingeld im Betriebs- oder Aufsichtsrat sitzt, wer für Interviews oder Vorträge wie viel bekommt, von welchen Instituten mit eindeutig wirtschaftlichen Interessen welcher Wissenschaftler samt seiner Studien „finanziert“ wird, um was zu sagen, wer die Öffentlich-Rechtlichen wirklich kontrolliert, welche Konzerne welchen „Volksvertreter“ schmieren, um an Aufträge von Vater Staat zu kommen, was da bei der Bankenkrise alles hinter den Kulissen abgegangen ist, wie hoch die Prämie ist, die ein Krankenhaus an einen Arzt zahlt, wenn dieser im Gegenzug einen Patienten dorthin überweist, ob der jetzt dort eine Behandlung braucht oder nicht und was die alle von Pharma-konzernen zugesteckt bekommen – und ihr wollt mir sagen, es ist die Korruption in der breiten Masse, die Griechenlands Finanzen in Schieflage gebracht hat?
So ein Schwachsinn – wenn überhaupt ist es die Korruption, die sehr viel weiter oben in der Hierarchie und in unvergleichlich größerem Maßstab stattfindet. Wenn überhaupt, dann ist es die soziale Ungerechtigkeit, eine bestenfalls schockierende Arbeitslosenversicherung, Politik, die nur noch im Namen von Lobbyisten geführt wird und ein Lohnniveau, dass die Leute am unteren Ende der Leiter praktisch ZWINGT, einer inoffiziellen Nebentätigkeit nachzugehen, um irgendwie über die Runden zu kommen, die Griechenland in die Scheiße geritten haben.

In diesem Bezug an der Stelle eine Mail von einer Betroffenen aus Griechenland, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Alles Schall und Rauch:

Hallo aus Hellas,

wo sich die Situation weit mehr zuspitzt, als in den deutschen Medien auch nur Ansatzweise berichtet wird.

Immer wieder lese ich beim Durchforsten der deutschen Berichterstattungen, dass „die Mehrheit der Griechen“ trotz aller Demonstrationen und trotz allen Widerstandes eben doch mit den Schritten der Regierung einverstanden sei. Das ist nicht einmal mehr eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge, wie ich sie selten gehört habe!!!

Viele kleine Geschäftsinhaber in den Städten geben auf, bevor sie zu weit in die roten Zahlen gerutscht sind, Ladenketten wie Lidl, Aldi, Praktiker und Media Markt können sich darüber freuen. Doch die Griechen sind bei den wahnsinnigen Einsparungen gezwungen, in Billigdiscounter zu gehen – wenn sie es auch gar nicht gern machen.

Einverstanden sind hier bestenfalls diejenigen, die von den Wahnsinnsschritten profitieren werden, das sind dann Geschäftsinhaber, die weniger Lohnkosten haben werden und die Oberschicht, die weder von den Steuererhöhungen (weil sie weiterhin ALLES werden absetzen können) noch von den erhöhten Lohnabzügen (weil sie davon nicht betroffen sein werden) profitieren werden.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Mein Mann ist Grundschullehrer im elften Dienstjahr. Wir haben ein 12-jähriges Kind. Bis einschliesslich April dieses Jahres hat mein Mann ein monatliches Nettoeinkommen von etwa 1.450 Euro gehabt, das meiste davon waren Beamtenzuschläge, das Lehrergrundgehalt ist sehr niedrig. Das enthaltene Kindergeld liegt bei um die 40 Euro, wenn ich mich nicht täusche, es ist sehr schwer, das alles aus der Gehaltsabrechnung herauszurechnen.

In diesem Monat nun wurden 140 Euro weniger überwiesen, denn die Lehrer müssen die seit Januar 2010 erhaltenen Zuschläge zurückzahlen. Dasselbe dann noch im Juni. Also liegt das Nettoeinkommen in diesen beiden Monaten bei etwa 1.310 Euro. Danach soll sich das monatliche Einkommen bei etwa 1.370 bis 1.400 Euro einpendeln, so wurden wir von der zuständigen Stelle informiert – aber ganz klar sei das im Moment noch nicht.

Ich selbst arbeite als Privatlehrerin für Deutsch als Fremdsprache, kann jedoch nicht offiziell arbeiten, da ein Gesetz verbietet, dass der Ehepartner eines staatlichen Lehrers im selben Landkreis, wo der Lehrer angestellt ist, als Privatlehrer tätig ist.

So haben wir also zwei Möglichkeiten: Entweder wir versuchen, uns bei den steigenden Lebenshaltungskosten und dem niedrigeren Einkommen meines Mannes irgendwie zu dritt durchzuwurschteln, oder aber ich arbeite ebenso, wie es die meisten Griechen machen …

Die Sicherheit des Einkommens, und sei es auch noch so niedrig, ist übrigens auch der Grund dafür, warum die meisten Griechen schon immer versucht haben, Beamte zu werden – und sei es auch durch Beziehungen. Denn hier gibt es kein Arbeitslosengeld, das auch nur mit Hartz V vergleichbar wäre – nach einem Jahr Arbeitslosigkeit hören die ohnehin schon niedrigen Zahlungen ganz einfach auf, das war hier schon immer so. Und dann … na ja, meistens springt die Familie ein und hilft, anders geht´s halt nicht.

Uns geht es jedoch noch verhältnismässig gut, wir werden sogar beneidet, denn zumindest kann ein Lehrer seinen Job nicht verlieren. Es gibt genug Griechen, die mit einem monatlichen Gehalt von um die 700 bis 1.000 Euro eine Familie durchzubringen haben, was schon jetzt kaum mehr machbar ist. Nicht wenige versuchen jetzt, mit ihren Familien bei den Eltern unterzukommen, damit sie sich wenigstens die Miete sparen.

Andere denken darüber nach, in eine der Grossstädte zu ziehen, weil sie sich dort eine bessere Arbeit erhoffen – ein Trugschluss, denn es gibt schlicht und einfach kaum Arbeit in Griechenland, das industriell kaum entwickelt ist. Also bleibt nur noch … die Schwarzarbeit. Und dabei geht es in den wenigsten Fällen um einen Zuverdienst, es geht wirklich nur ums nackte Überleben.

Und nun lese ich in deutschen Schmierenblättern, dass die Mehrheit der Griechen mit den Einsparungsplänen einverstanden sei!

Ein kleines bisschen logisches Denken müsste einem schon klarmachen, dass das nicht der Wahrheit entsprechen kann.

Klar, den Profiteuren der Sache ist alles Recht, aber der Durchschnittsgrieche ist langsam bereit, sein Überlebensrecht mit allen Mitteln zu verteidigen und von Zustimmung kann keine Rede sein.

Ausserdem hat die Erfahrung dieses Volk gelehrt, dass kein einziger Cent, der ins Land fliessen wird, auch nur irgendetwas ändern wird – die Korruption hat nach Meinung der meisten Griechen das zu erwartende Geld bereits unter ihren Kindern aufgeteilt und das, was TATSÄCHLICH in den Staatssäckel fliessen wird, ist ebenso schon verplant.

Der einfache Mensch auf der Strasse weiss also ganz genau, dass die wahnsinnigen finanziellen Mehrbelastungen, die ihn ja ohnehin bereits getroffen haben, noch weiter steigen werden, aber das nur, um „die Reichen und Einflussreichen“ noch ein Stück nach oben zu schieben – und er, der einfache Grieche, soll das finanzieren.

Von einer Zustimmung kann in meinen Augen in keinem Fall die Rede sein, denn dann wären die Griechen entweder komplett blöde oder ganz einfach alle Selbstmörder.

Ich denke, die Schwarzarbeit wird im selben Masse aufblühen, wie der Konsum zurückgehen und die Verschuldung des Einzelnen steigen wird.

Mit freundlichen Grüssen aus Hellas

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich keineswegs versuche, Ausbrüche von willkürlichem Vandalismus und Gewalt mit Verletzten und Toten zu rechtfertigen.
Soweit sollte es nie kommen, bei aller berechtigten Wut.
Aber ich kann das hier zugrunde liegende Gefühl eines breiten Teils der griechischen Bevölkerung nur zu gut verstehen, zumal wir uns bei aller sozialen Ungerechtigkeit, die auch hier bei uns zunehmend um sich greift, vermutlich nicht einmal annähernd vorstellen können, was Armut in Griechenland bedeutet.
Und weil alles Geld der Welt nichts hilft, wenn es irgendwo versickert, wo es nicht hin sollte – Die Änderung muss an anderer Stelle herbeigeführt werden, aber ohne jetzt die griechischen Verhältnisse allzu genau zu kennen, würde ich vermuten, dass ein bemerkenswerter Anteil der dortigen Machtelite aus vollkommen schleierhaften Gründen nicht sonderlich einverstanden damit wäre, wenn Korruption und Lobbyismus im großen Stil der Kampf angesagt wird.

Aber die, die ihr jetzt in den Nachrichten demonstrieren und randalieren seht, das sind die, die ohnehin schon Probleme haben, ihre bloße Existenz zu finanzieren, das sind auch die, die von den rigorosen Sparmaßnahmen betroffen sein werden, die wir den Griechen abgepresst haben, und das sind vor allem die, die verdammt nochmal einfach die Fresse dick davon haben, von allen ständig verarscht zu werden.
Und jetzt sogar noch von uns, die wir so blind sind, nicht zu sehen, dass wir uns auf dem besten Weg befinden, ihnen zu folgen.

Aber tja, tut uns leid, wir haben schon alles Geld, das wir sowieso nicht haben, für unsere Banken verpulvert.
Ist ja auch naheliegend.
Immerhin scheinen einige Politiker ja richtig dicke mit denen zu sein.
Man kennt sich, man trifft sich, man hält zusammen, und wenn zum Beispiel Josef Ackermann das sechzigste Jubiläum seiner verhängnisvollen Geburt feiert, dann schmeißt Frau Merkel im Kanzleramt natürlich eine Sause auf Kosten des Steuerzahlers.
Nach den hunderten von Milliarden Euro macht das bisschen Kleingeld schließlich auch nichts mehr aus, nicht wahr?

Angesichts solcher Arroganz, Überheblichkeit und Selbstvergessenheit gepaart mit einem unfassbaren Mangel an moralischen Prinzipien bleibt mir nichts anders, als mich vor den betreffenden Vertretern in den Schaltzentralen der deutschen Wirtschaft, Politik und Medien zu verbeugen.
Gegen euch ist die Mafia ein Scheißdreck.

ZOMG SEX LULZ! Freitag, Mai 7 2010 

Nein, das ist keiner dieser erbärmlichen Versuche, die Infotainment- und Boulevardmagazine zuweilen unternehmen, durch offenen Umgang mit dem Thema menschlicher Reproduktion Zuschauer/Leser/Hörer/Idioten zu gewinnen, in dem sie voyeuristische Tendenzen ausnutzen.
Na gut, doch, ist es.
Zumindest ein bisschen.

Und ihr seid drauf reingefallen.
Ha, ihr Idioten schmutzigen Perverslinge. =>

Aber hauptsächlich geht es hier um etwas Anderes, was mich wieder mal ernsthaft zu der Frage geführt hat, ob Lachen oder Kotzen jetzt das Näherliegende wäre.
Einige werden vielleicht mitbekommen haben, dass vor Kurzem bei einem Erbgutvergleich festgestellt wurde, dass die DNS des modernen Menschen Erbgut des Neandertalers aufweist. Ich weiß nicht, ob man das als wissenschaftliche Sensation bezeichnen darf, auf jeden Fall ist es sehr interessant, zumal man bisher davon ausging, dass die Neandertaler vom Homo sapiens verdrängt wurden – sozusagen die ersten Opfer aggressiver menschlicher Expansion.
Haha.

Nun liegt vielmehr die Vermutung nahe, dass die Neandertaler ihrerzeit zumindest in einem gewissen Rahmen durch Fortpflanzung zwischen beiden Spezies im modernen Menschen aufgingen. Zahlenmäßig waren sie ohnehin kaum dominant, Schätzungen zufolge lebten zu Hochzeiten nur zwischen 10.000 und 15.000 Neandertaler in ganz Europa.
Durchaus möglich also, dass die Neandertaler gar nicht im radikalen Sinne ausgestorben sind, sondern sich ihr Erbgut vielmehr mit dem des Homo sapiens vermischt hat.
Zumindest, soweit ich das alles mit meinem mangelhaften Wissen auf diesem Gebiet interpretieren kann.

Das alles fand ich eigentlich sehr interessant, als ich es heute morgen in der Zeitung las.
Und habe bis eben nicht weiter darüber nachgedacht.
Und dann kommt man mittags nach Hause, wirft Windows Live an und überfliegt die MSN-News, die man – nur zu meiner Verteidigung – aktiviert hat, weil sie als herausragendes Beispiel von Boulevardjournalismus immer mal wieder für einen Lacher gut sind.

Da klingt diese wissenschaftliche Entdeckung dann nämlich zum Beispiel so:

„Neandertaler und Menschen hatten Sex miteinander!“

JA!
Das ist natürlich die große Bedeutung dieser Entdeckung!
DIE HABEN GEBUMST! LOLOLOL
So kommt das nämliche zustande, liebe Kinder, mit Fortpflanzung und so weiter. Zum Beispiel damals bei euch, als euer Vater zwischen dem zwanzigsten Bier und der zweiten Halbzeit des Fußballspiels grade eben noch genug Zeit fand, eure Mutter zu bespringen, die nörgelnd und zeternd damit beschäftigt war, seine Kotze vom Laminatboden zu wischen.
Und deswegen erzählen wir euch nämlich immer diese Scheiße mit den Störchen.

Zumal die Feststellung, dass eine Paarung beider Spezies zu wiederum fruchtbaren Nachkommen führt, in der Hinsicht vermutlich viel weniger faszinierend ist als einfach nur die Einsicht, dass es zwei verschiedene Spezies miteinander getrieben haben.
Und in ein paar hunderttausend Jahren wird die moderne Zentaurengesellschaft von der wissenschaftlichen Entdeckung erschüttert, wie ihre Entwicklung aus den Pferden, ihren nächsten Verwandten heraus, vonstatten gegangen ist – wenn Archäologen eine alte Festplatte mit Beastporn ausgraben.
„Mit DENEN sind wir verwandt?“

Was man daraus alles für wissenschaftliche Folgeschlüsse ziehen könnte, wage ich jetzt noch gar nicht zu vermuten.
Ich bin mir allerdings relativ sicher, dass ein Vergleich des Paarungsverhaltens zwischen Neanderthaler und Hauptschüler weitere Erkenntnisse zu Tage fördern würde, die diese These untermauern.

Natürlich ist das alles nicht halb so interessant wie zum Beispiel die neuesten Infos über Mehrzad und Menowin oder wie die aktuellsten Endprodukte der C-Prominenz-Schmiede DSDS nochmal heißen, oder ein Video von einer vermeintlichen UFO-sichtung über LA und damit nur als Lückenbüßer gut. Aber hey, immerhin bringen wir irgendwie irgendwo das Wort „Sex“ unter. Ziel erreicht, Publikum zufriedengestellt, Klappe zu, Hirn tot.
Den intellektuellen Anspruch von prägnanten Eye-catchern wie „Sie haben es doch getan.“ oder „Es geschah im Nahen Osten.“ zweifle ich jedenfalls massiv an.
Aus dem Nahen Osten ist noch nie was Gutes gekommen.
Beispiel Christentum.

Zumal ich sowieso nicht verstehe, warum Boulevardmagazine mit der Taktik Promiskuität, Exhibitionismus, Freizügigkeit und allem, was auch nur im Entferntesten interessante Körperteile ganz uninteressanter „Prominenter“ behandelt – oder anders formuliert: Titten, Titten, Schwänze, Titten – heutzutage noch so viel Erfolg haben.
Leute, wenn ihr in eurem kümmerlichen Leben schon keinen findet, der mit euch ficken will, dann versucht’s doch im Internet, das besteht sowieso zu neunzig Prozent aus Pornographie. Warum da ein Nippelblitzer oder halbnackte Tussen, die um den Titel des Wasserrutschenchampions kämpfen, noch interessant sein sollen, ist mir schleierhaft.
Aber es geht ja nur um den sportlichen Aspekt.
Ist klar.
Außerdem wäre eine politische Disskusion im Bikini auch einfach nur noch absurd.
Könnte aber wieder Interesse für Politik wecken.

Claudia Roth und Angela Merkel, anyone?

Rrrrrr.