Wir Spinner und Verschwörungstheoretiker Samstag, Jul 9 2011 

Nerds, Freaks, Weirdos, Außenseiter, Soziopathen, Zweifler und Zyniker kommt herbei! Versammelt euch um das virtuelle Feuer und wärmt eure Hände am Monitor, denn der alte, bärtige Eden will euch eine Geschichte erzählen.

Es ist eine zeitlose Geschichte, eine Geschichte vermutlich so alt wie die Menschheit selbst (Und wenn sich hier Kreationisten tummeln, nein, ich schreibe jetzt nicht über Adam und Eva – Und verpisst euch.) Eine Geschichte voller Hass, Wut, Trauer, Einsamkeit und Leid. Voller Ungerechtigkeit, zerschmetterter Hoffnung und gebrochenem Idealismus.
Eine Geschichte, bei der ich den Pathos jetzt lieber mal ein paar Stufen zurückdrehe und zum Punkt komme.

Nun – Seht mal aus dem Fenster. Da draußen seht ihr einen kleinen Ausschnitt dieser sehr seltsamen Welt, in der wir leben.
In dieser sehr seltsamen Welt gibt es sehr seltsame Menschen. Sehr seltsame Menschen, die seltsamerweise uns für sehr seltsam halten.
Und als wäre das alles noch nicht seltsam genug, sind diese sehr seltsamen Menschen seltsamerweise kolossal in der Mehrheit.
Ja, so ist das. Und das schon seit Langem. Vermutlich war es auf die eine oder andere Art schon immer so.
Wir sind eine Minderheit – zumindest zähle ich mich zu dieser, ob das bei euch auch der Fall ist, bleibt euch überlassen. Eine Minderheit, weil es uns nicht genug ist, „einfach nur unser Leben zu leben“, weil es uns nicht reicht, mit all den diversen Möglichkeiten, die die moderne Gesellschaft uns bietet, so viel Spaß und Glück wie möglich aus unserer kleinen, wertlosen Existenz zu pressen auf diesem Rennen mit der furchterregenden Ziellinie, die keiner zuerst überschreiten will. Weil wir nicht zu der überwältigenden Masse gehören, die vor sich hin lamentiert darüber, dass es doch sinnlos ist, sich über all das aufzuregen, was schief läuft auf dieser Welt, weil man „als Einzelner doch sowieso nichts erreicht“. Die sich mit etwas Zeit auch an jede noch so große Frechheit gewöhnt, die ihnen aufgebürdet wird.
Und, letzten Endes und vor allem, weil wir zweifeln.
Zweifeln an unserer Gesellschaft, zweifeln an all den Normen und Werten, die sie propagiert, zweifeln an dem Kurs, den sie nimmt. Und in meinem Fall, vermutlich auch in eurem, weil wir zweifeln an unseren Politikern und unseren Medien, an all den offiziellen Versionen, die wir da tagtäglich vorgesetzt bekommen.
Genau deshalb sind wir Wenige.

Ich habe es in meinem Artikel über die Ermordung Bin Ladens bereits angeschnitten; Allzuschnell werden Menschen wie wir, die kein Vertrauen mehr in die Massenmedien und die Glaubwürdigkeit von Politikern (Es tut schon fast weh, das überhaupt zu schreiben) haben, die offen sind für andere Erklärungen und Versionen, in denen „gut“ und „böse“ bei Weitem nicht so eindeutig verteilt sind wie in den offiziellen Nachrichten, mit dem Begriff Verschwörungstheoretiker abgetan, besonders von etablierten und sogenannten seriösen Medien. Die Intention ist für mich relativ klar – Am Ende stehen wir damit zusammen in einer Ecke mit Leuten, die behaupten, Elvis oder Michael Jackson seien noch am Leben oder irgendwelche extraterrestrischen Lebensformen hätten sich für ihren Darminhalt interessiert. Das macht uns lächerlich, das beraubt uns unserer Glaubwürdigkeit, das bringt am Ende doch noch eine große Mehrheit aller Menschen dazu, nur grinsend mit dem Kopf zu schütteln, wenn wir unsere Versionen vorbringen. Das bringt uns wiederum letztlich um die Möglichkeit und das Recht, dass man sich auf der Basis einer möglichst objektiven Disskusion mit unseren Argumenten auseinandersetzt.

Besonders bei Theorien, die gar nicht so weit hergeholt sind und bei näherer Betrachtung jede Menge sehr verdächtiger Indizien als Grundlage haben, bringt mich das regelmäßig zum Kotzen.
Ja, ich spreche von Indizien, nicht von Beweisen. Denn das ist am Ende sowieso alles, was wir kriegen. Das gilt ebenso für die „offiziellen“ Versionen von Geschehnissen. Oft genug beruft sich die Berichterstattung der meisten etablierten Medien auf ein und die selbe Meldung aus ein und der selben Quelle, hinterfragt wird sie in einer Vielzahl von Fällen gar nicht.
Und das ist womöglich dann eine Meldung der entsprechenden Behöre, ein Statement, eine offizielle Version. Wir sollen glauben, dass es so war, auch bei brisanten Themen oft ohne jemals etwas anderes als den Text vor unserer Nase zu sehen. Welcher Personenkreis hätte bitteschön ein Interesse daran, etwas zu veröffentlichen, das dem eigenen Ansehen schaden könnte?
Wir haben gesehen, was passiert, wenn Organisationen wie Wikileaks in solchen Fällen nachhelfen.
Vielleicht wollen viele dieser sehr seltsamen Menschen es auch gar nicht wissen.

Also woher kommt die Sicherheit, dass diese Personenkreise immer um eine möglichst objektive Berichterstattung bemüht sind? Wo sind auch hier mehr als nur Indizien? Weil es etablierte, populäre Medienanstalten sind?

Die Wahrheit ist, als Konsumenten von Nachrichten können wir uns nie wirklich sicher sein, dass das, was wir da lesen, auch wirklich so stimmt, und zwar in keinem Fall außer demselben, das wir beim entsprechenden Ereignis selbst anwesend waren. Etwas, was wohl höchst selten vorkommen wird.

Als jemand, der sich sehr für Geschichte interessiert, fand ich es ja immer sehr interessant, wie viele Quellen wir in unseren Geschichtsbüchern haben, die uns erzählen, was hinter den Kulissen der Macht vor sich gegangen ist, wie all das verschleiert und als etwas vollkommen Anderes nach außen verkauft wurde und wie naiv das Volk in der überwältigenden Vielzahl der Fälle der eigenen Regierung gegenüber stand.
Wir wissen das heute. Wir lernen es in der Schule.
Und doch versäumen wir, die eine wirklich wichtige Lektion daraus mit zu nehmen, die wir in unserem späteren Leben tatsächlich gebrauchen könnten. Für irgendwelche besonderen Daten, Namen und Termine braucht man sich meines Erachtens bei Geschichte gar nicht so sehr zu interessieren, aber was wirklich bedeutsam ist, was aus all dem zu lernen ist, das ist wer wir sind, warum wir so sind und wie wir uns dazu entwickelt haben.
Und in punkto Regierungen ist es für mich vor allem diese Lektion;

Regierungen haben über die ganze Menschheitsgeschichte hinweg, mal mehr, mal weniger, ihr Volk manipuliert, die Wahrheit verdreht, beschönigt oder schlicht und ergreifend gelogen. Gebt euch nicht der Illusion hin, dass sich das mit der Moderne geändert hätte, sie tun dies auch heute noch – Sie werden es mit Sicherheit bis zu einem gewissen Grad bis zum Ende der Menschheit tun.
Nun will ich nicht sagen, dass das nicht hin und wieder sogar nötig wäre. Menschen anzuführen kann beizeiten eine sehr unspaßige, sogar verdammt hässliche Angelegenheit sein. Gibt es Situationen, in denen man diejenigen belügen muss, die einem folgen, zu ihrem eigenen Wohl?
Ich kann es mir zumindest vorstellen.

Der Unterschied ist jedoch, oft genug geschieht es nicht aus der so verstandenen Verpflichtung dem Volk gegenüber, es geschieht im eigenen Interesse, aus der Gier nach (persönlichem) Profit, aus dem Streben nach Popularität, dem Willen zur Macht.
Als Beispiel muss man sich nur die Nebeneinkünfte vieler unserer Abgeordneten zu Gemüte führen, die faszinierend großzügigen Summen, die sie für lächerliche Aufgaben erhalten, wie einen Sitz im Aufsichtsrat eines Unternehmens mit offensichtlichen wirtschaftlichen Interessen, wo sie schätzungsweise einmal im Jahr des Protokolls halber anwesend sind.
Wer mir noch sagen will, dass diese Leute nicht darum bemüht wären, ALLERMINDESTENS die Interessen ihrer Taschengeldgeber in ihre Politik mit einzubeziehen, wenn nicht sogar sie in verdeckter Weise vollständig zu ihrer eigenen Agenda zu machen, dem werfe ICH Realitätsverlust vor.
Denn, wir lernen es als Kinder, wenn man von seinen Eltern Taschengeld will, dann ist man besser brav und tut, was sie sagen.

Was nur eines von vielen Beispielen für verdächtige Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Medien ist.
Ich empfinde das als sehr brüchige Basis dafür, irgendeinem dieser Kreise noch Vertrauen entgegenzubringen.

Dennoch stehen Leute wie wir sehr schnell am Rand und gelten als Spinner, wenn wir gegen die offizielle Berichterstattung Einspruch erheben und eine andere Version auf Basis verschiedener Indizien und Rückschlüsse aufstellen, und das, obwohl breite Schichten der Bevölkerung längst immer mehr Vertrauen in die Politik verlieren.
Warum?
Vielleicht, weil es in der Berichterstattung einen Mangel an Alternativen gibt?
Wir sind es gewohnt, unsere Nachrichten von Fernsehen und Zeitung zu bekommen, bequem im eigenen trauten Heim, ohne viel dafür tun zu müssen, selbst im Internet frequentieren viele dann die Plattformen der etablierten Medienanstalten. Wo würden wir auch sonst unsere Nachrichten herbekommen? Meiner Meinung nach haben wir längst ein Stadium kritischen Mangels an weiter gestreuter, differenzierter Berichterstattung erreicht.
Wir sind in dieser Hinsicht sehr abhängig.

Eine Option mag vielleicht das Internet sein.
Denn das Fantastische ist ja, dass es jedermann eine Plattform bietet. (Zugegeben, wenn ich an Ausgeburten wie Facebook denke, mag das irgendwo auch ein Nachteil sein…) Und so können einfache Menschen, nicht nur etablierte, große Medienanstalten prinzipiell jeden erreichen. So erhält man die Möglichkeit der Berichterstattung aus den verschiedensten Blickwinkeln, kann sich diverse Sichtweisen zum selben Thema zu Gemüte führen, und wählen. So macht das ja auch der alte, bärtige Eden, wenn er euch Geschichten erzählt.
Natürlich muss man auch dafür mal über den Tellerrand hinausblicken und auch nach diesen leisen Stimmen in der Ferne suchen.
Das zugrunde liegende Problem bleibt am Ende eben immer das Gleiche – Auch von diesen Stimmen wird niemals irgendeine die absolute Objektivität erreichen. Ich selbst maße mir gar nicht erst an zu behaupten, dieser auch nur nahe zu kommen.
Der Punkt ist, perfekt neutrale Berichterstattung ist ein Ding der Unmöglichkeit. In keiner einzigen Zeitung, auch nicht in der ach so seriösen Tagesschau. Denn überall sitzen Menschen, die, in kleinen Dosen, manchmal unbewusst, manchmal durchaus auch mit einer gehörigen Portion Absicht, die Dinge etwas anders aussehen lassen. Mal ganz davon abgesehen, wer da grade im Rundfunkrat oder in einflussreichen Positionen sitzt und was dieser jemand so hören will und was nicht.
Um sich in so einer Medienwelt zurechtzufinden, muss man eines verinnerlichen, was viele unterschätzen: Die Macht der Sprache ist gewaltig. Man muss begreifen, dass sich solche Institutionen keiner plumpen Inszenierungen bedienen müssen, sie müssen nicht einmal lügen. Als passionierter Schreiber habe ich eine gewisse Ahnung davon, wie sehr nur ein paar leicht veränderte Formulierungen, ein paar ausgetauschte Synonyme, ein anderer Ton, die Wirkung einer Nachricht verändern können.
Man muss nicht lügen. Man muss nur die Kunst der Sprache beherrschen, wissen, was man herunterspielt und was überhöht, wie man etwas formuliert, was man vielleicht etwas beschönigt und welche kleinen Details, die das Gesamtbild ändern, man verschweigt.

Ein Beispiel.
Nehmen wir eine Meldung wie…

Experten zufolge ist der Wirtschaftsstandort Deutschland im Laufe der letzten Jahre für Unternehmen wesentlich attraktiver geworden, hauptsächlich infolge einer deutlichen Reduzierung der Lohnnebenkosten.

Klingt klasse, oder?
Ja, Unternehmen, die sich in Deutschland niederlassen, sind immer gut. Arbeitsplätze, steigende Steuereinnahmen, Einsparungen bei der Arbeitslosenversicherung, Aufschwung, Schuldenabbau, hooray.
Und dazu ist es noch schön formuliert, in einem seriösen, fachlichen Ton, unter Verwendung von Worten, die für gewöhnlich positive Assoziationen wecken.

Glaube ich aber so alles nicht.
Denn es ist bei näherer Analyse komplett aus dem Blickwinkel der Wirtschaft geschrieben.
Was sind denn Lohnnebenkosten? – Die Kosten, die einem Unternehmen für die Anstellung eines Arbeitnehmers zusätzlich zu dem anfallen, was der am Monatsende überhaupt so kriegt. Das sind hauptsächlich Abgaben wie Renten-, Arbeitslosen-, Unfallversicherung und dergleichen.
Was bedeutet es, wenn diese deutlich gesenkt werden? – Nicht unbedingt, dass sie allgemein gesenkt werden, nur, dass sie für die Unternehmen sinken. Entweder durch Subventionierung oder durch den Klassiker, die Umverteilung der Abgaben zulasten des Arbeitnehmers.
(Wir erinneren uns ans Herrn Röslers berüchtigte Reform, die den Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung „eingefroren“ hat – alle künftigen Kostensteigerungen müssen also letztlich durch höhere Arbeitnehmeranteile gedeckt werden – Oder durch den Griff in einen anderen Topf, den letztlich auch wir füllen müssen. Danke, du Arsch.)
Falls hier noch irgendjemand ist, der da nicht mitkommt – das ist für uns nicht gut. Zumindest nicht, solange wir nicht im Betriebsrat irgendeines Großkonzerns sitzen.

Aber wenn das Experten sagen, dann muss das ja wohl doch stimmen.
Die Frage ist, aus welchem Blickwinkel diese Experten das betrachten. Wenn wir es auf den Punkt bringen also – Wer diese Experten bezahlt.
Sehr viele dieser hochseriösen Akademiker stehen nämlich wiederum auf der Gehaltsliste von Arbeitgeberverbänden – Ihr werdet zum Beispiel feststellen, dass eine erschreckende Anzahl dieser Menschen, die so oft und zu so vielen Themen stellvertretend als Stimme der Fachleute einer ganzen Branche im Fernsehen zu Wort kommen, für die INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) arbeiten.
Schöner Name, was?
Klingt fast wie eine Hilfsorganisation oder eine Bewegung, die soziale Reformen anstrebt.

Jaaaaa. Klar.

Nicht so ganz.

So zerpflückt sieht die Meldung von oben nicht mehr ganz so positiv aus, nicht wahr?

Aber um hier endlich zum Ende zu kommen (Ich trete das hier schon wieder viel zu breit), was ich mir persönlich wünsche ist schlicht und ergreifend, dass die Menschen anfangen, Nachrichten mit einer anderen Mentalität zu konsumieren. Nicht nur die Nachrichten der gängigen Massenmedien, auch aus allen anderen Quellen. Auch das ganze Geschwalle, das ich euch hier entgegentexte.
Denn das ist eine Entscheidung, die man bewusst treffen kann, eine Wahl, die man dem eigenen Verstand lassen kann und meiner Meinung nach lassen sollte.
Wenn ihr euch also Nachrichten zu Gemüte führt, hakt das in eurem Gedächtnis niemals mit dem Gedanken „So ist das also.“ ab, nehmt vielmehr alles als „So könnte das also sein.“.
Das klingt billig, aber es ist auch nicht mehr und nicht weniger als das bewusste Vorbehalten der Möglichkeit, zu zweifeln. Wenn ihr für euch selbst die Möglichkeit anderer Erklärungen offen haltet, bleibt euer Verstand auch offener und sensibler dafür, solche Erklärungen zu finden und zu akzeptieren als wenn bereits etwas direkt Widersprechendes als Tatsache „verankert“ ist.
Es ist in dieser Hinsicht ein, man mag fast sagen, „Trick“, euer eigenes Unterbewusstsein aktiv und am Mitdenken zu halten.
Vielleicht würden nicht wenige mithilfe dieser Art des Denkens feststellen, dass Theorien, Erklärungen und Vermutungen, die sie als weit hergeholt, als Spinnerei oder Unfug abgetan hätten, doch so einiges für sich haben. Und dass die offiziellen Versionen von Geschehnissen im Lichte vorher unbekannter Fakten sehr viel unglaubwürdiger wirken können.

Dann gäb’s vielleicht auf einmal sehr viele Spinner und Verschwörungstheoretiker, wie ich manchmal als einer bezeichnet werde. (Oder Kommunist, das höre ich auch oft. Von Nazi ganz zu schweigen, aber das ist man bei Internetdisskusionen ja gewohnt.)

Behaltet euch die Möglichkeit des Zweifels vor, haltet euren Verstand scharf und sensibilisiert dafür, billige Manipulationsversuche zu durchschauen, und vor allem – Verlernt nicht, zu zweifeln.
Denn nicht zuletzt ist genau das meiner Meinung nach ein großer Teil dessen, was ein gewisser Herr Kant vor so langer Zeit mit dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu umschreiben suchte.

Etwas, dass ich auch heute noch nicht als vollbracht ansehe.
Denn natürlich ist das nicht einfach. Natürlich kann es sehr anstrengend sein, da es den Prozess der Meinungsbildung um so vieles komplizierter macht. Und natürlich nimmt das dem eigenen Leben am Ende auch sehr viel Sicherheit, wenn man sich daran gewöhnen muss, an jeder Version zu zweifeln.
Manchmal ist das in der Tat zum Ver-zweifeln.

Aber das ist eben der Preis.

Der Preis, den jemand zahlen muss, der in der ursprünglichsten, grundlegendsten Bedeutung des Begriffs ein frei denkender Mensch sein will.

Mass Effect 3. Fanboy-Orgasmus. Dienstag, Jun 7 2011 

Um den sonst so bleischwer ernsten Ton dieses Blogs (so ernst, wie das bei jemandem wie mir möglich ist, zumindest) mal etwas aufzulockern und, ja, auch, weil hier verdammt nochmal endlich wieder was passieren soll und ich in diesem Fall gar nicht viel zu tun brauche;

Ohgodohgodohgod! *jizz

Ja.
Es sollte hier ja auch mal um Videospiele und Filme gehen, so nebenher ein bisschen. Wann immer mich etwas in der Art eben beschäftigt. Dafür ist ein Blog ja da. Internetexhibitionismus und so.
Zumindest habe ich das irgendwann hier mal gesagt.

Vor langer Zeit.

Aber wie dem auch sei.
Ich werde jetzt meine Hosen wechseln gehen und mir diese knapp eineinhalb Minuten Awesomeness noch geschätzte tausend Mal reinziehen, bevor ich in einen durch sexuelle Erschöpfung induzierten, dreitägigen Tiefschlaf falle, was mir bei all den Nerd-Orgasmen bei jedem View wohl die Meisten hier bitteschön verzeihen würden.

Dann wiederhole ich sie delbe Prozedur von vorne, so ungefähr bis März kommenden Jahres.

Der Erzfeind ist tot, es lebe der Erzfeind. Mittwoch, Mai 4 2011 

Jah, alle reden sie zur Zeit davon, und überall in den Nachrichten hört man es, man kann der weltbewegenden Meldung kaum entkommen. Sender wie Phoenix, N24 und N-TV widmen ganze Tage der Berichterstattung darüber, immer mehr Details werden offen gelegt und der interessierte Staatsbürger sitzt staunend mit offenem Mund und glasigem Blick da, während er zu verarbeiten versucht, was ihm da so eingeprügelt wird.

Ist schon wirklich ne große Sache, so ne Hochzeit eines Adelshauses, eines Personenkreises, der per Geburtsrecht irgendwie was Besonders zu sein scheint.

Nein, war natürlich nur ein Witz.

Ich meinte selbstverständlich den DSDSD-Skandal um Fanpost, die einfach im Müll landet, err, um Beschuldigungen der Manipulation und Ausnutzung der Kandidaten (O RLY?!)… oder…

Ach, fangen wir nochmal an.

Also. Osama Bin Laden.

Krasse Sache, das. Wow. Ich bin überwältigt.
Beflügelt.
Voller Hoffnung bin ich.
Voll zittriger Erwartung eines besseren, friedlicheren Morgens.

Wie gerne wäre ich da auch im Situation Room des Weißen Hauses gesessen, neben Obama und all den anderen Terroristen Politikern, und hätte mir per Satellitenübertragung den Einsatz und die Ermordung Bin Ladens persönlich reingezogen.
Mit nem großen Eimer Popcorn, einer eiskalten Cola, so ein richtiger Actionkracher der alten Schule, den man sich mit guten Freunden reinzieht, wo die Statisten im Sekundentakt krepieren.
Schönes Trinkspiel dazu: Immer, wenn amerikanische Soldaten einen Unbewaffneten erschießen, müsst ihr nen Kurzen wegkippen.

DAS ist live, Leute! Qualitätsfernsehen vom Feinsten!

Danach ein bisschen Party, sich ein bisschen selbst beweihräuchern, dann die Meldung verkünden.
Und dann geht die Party ja erst richtig los. Zuhause, in den Büros, auf den Straßen. Jubelnde Menschen, Flaggen, Massenchöre, die immer wieder die berüchtigten drei Buchstaben in die Nacht hinausbrüllen.
America, fuck yeah.

Bildschnitt.
Vidoaufnahmen aus einem arabischen Dorf, Menschen auf der Straße, dieselben Flaggen, diesmal brennend, das zertrümmerte Wrack eines Militärfahrzeugs, Leute, die mit Knüppeln und dergleichen auf bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen von US-Soldaten einschlagen.
Jubel. Freude. Siegesgeschrei.

Es ist doch schön, zu sehen, dass wir trotz aller kulturellen Differenzen scheinbar doch nicht sooo verschieden sind.
Wenn’s hart auf hart kommt, sind wir scheinbar so oder so einfach alle pietätlose, barbarische, gefühllose Bastarde.

Und so freuen wir uns, freuen uns, dass dieser ganze Schwachsinn, den man „Krieg gegen den Terror“ nennt, scheinbar doch noch einen Sinn hatte. Dass all die Soldaten aus den verschiedensten Ländern der Welt, arme Schweine, die von rückgratlosen Arschlöchern in den Tod geschickt werden, all die Zivilisten, die irgendwie doch geschützt und gerettet, deren Leben doch irgendwie hätten verbessert und sicherer gemacht werden sollen, die aber dummerweise eben einfach im Weg waren, dass all diese Leute nicht so ganze ohne Sinn verreckt sind.
Und Nachrichtensender stellen Fragen wie „Osama Bin Laden tot – Ist das das Ende des Terrors?“
Nachrichtenkonsumenten dagegen bekommen dabei Lust, den Fernseher vom Dach zu werfen.

Wirklich?
Denkt irgendjemand, das wäre so einfach? Denkt irgendjemand, die bösen bösen Terroristen, die uns so sehr hassen – und die, abgesehen von lächerlichem religiösem Fanatismus, übrigens gar nicht mal die abwegigsten Gründe dafür haben – denken sich jetzt „Tjo, Mist, der Osama ist hinüber. Lassen wir’s lieber erstmal bleiben, mit dem Terror und so.“? Denkt irgendjemand, die hätten sich nicht möglicherweise zeitig mal mit der Frage beschäftigt, was sie machen oder wer seinen Platz einnimmt, wenn der freundliche bärtige alte Mann weg ist – wo doch die Hälfte der Welt hinter ihm her war und so?
Von dem Terror, den wir produzieren, mal ganz abgesehen. Werden wir aufhören? Was denkt ihr? Wie lange halten wir noch zwei Länder besetzt, die uns rein gar nichts getan haben und riskieren dabei weiterhin jeden Tag Verluste, sowohl an Soldaten als auch an Zivilisten?
Und was dann?
Wann brauchen wir den nächsten Sündenbock für irgendwas – oder wann geht diese interessante Sache mit den Rohstoffen wohl wieder los?

Davon mal abgesehen. Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal, vor der Todesmeldung, in den Nachrichten was von Osamalein gehört? Vor Monaten, Jahren oder so? War ja ziemlich ruhig drum geworden, die Leute schienen es gerade irgendwie langsam zu vergessen. Und jetzt scheint es wieder, als wäre das alles erst gestern gewesen, all das Geschwafel um Terrorismus und internationale Sicherheit ist wieder da, und Obama kann sich feiern lassen, weil er was erreicht hat.
Weil am anderen Ende der Welt so ein Typ umgebracht wurde.
Dafür sind natürlich noch ne ganze Menge mehr andere Typen draufgegangen. Frauen auch. Zivilisten. Unschuldige. Kinder.
Da hat er wirklich was erreicht.

Ich halte mich an dieser Stelle mal fern von all den „Verschwörungstheorien und -szenarien“, die zu diesem Themenkomplex schon seit Jahren, und gerade jetzt wieder verstärkt, zirkulieren.
Solche Ideen wie, Osama sei schon seit Jahren tot und die ganze Sache nur inszeniert, ebenso wie die Ermordung vor einigen Tagen, womit die Grundlage für die Besetzung von Afghanistan wegfällt und man sich langsam mal von dort verziehen kann. Ist ja teuer das alles. Krieg und so. Auch finanziell. Und finanziell haben’s die USA gerade nicht so.
Gibt gar nicht mal wenige Indizien für dieses Szenario. Ich will es an dieser Stelle nicht als Tatsache vertreten, weil ich es am Ende eben doch einfach nicht wissen kann.
Ebenso habe ich allerdings jede Menge Zweifel an der offiziellen Version, und wer die Berichterstattung auch nur ein bisschen verfolgt hat, dem werden da ohnehin entsprechende Fragen in den Sinn kommen.
So oder so tendiere ich also dazu, dem Fall, wie er zur Zeit in den Massenmedien geschildert wird, wenig Glauben zu schenken.
Da scheinen mir sogar einige der Überlegungen, die man allgemein mit dem negativ behafteten und lächerlich wirkenden Begriff „Verschwörungstheorien“ abschmettert, damit irgendwie zusammen mit Ufo- und Elvis-Sichtungen in einen Topf wirft und jeder Glaubwürdigkeit beraubt, sehr viel stichhaltiger.

Aber nicht zuletzt ist es doch eine interessante Frage momentan… nicht, ob das hier den Terror beendet (Ahahaha…), nicht, ob man sich über den Tod eines solchen Mannes freuen „darf“… sondern, wo jetzt da groß der Unterschied ist, wenn ein Mann einen anderen aus welchen Gründen auch immer erschießt – Das nennen wir Mord. – , wenn Fanatiker US-Soldaten entführen und hinrichten – Das nennen wir Terrorismus. – oder bewaffnete Spezialeinheiten einen Unbewaffneten erschießen.

Das nennen wir den Sieg der Freiheit.

Einen Sieg in diesem ominösen Krieg gegen den Terror.

Schöne Name für etwas, das ich eigentlich am ehesten auch einfach nur als Terror bezeichnen würde.

Die Geschichte von Danny Ellsberg Dienstag, Dez 21 2010 

Nachdem ich den Kommentar von KenFm über WikiLeaks jetzt relativ lange unkommentiert habe stehen lassen, sehe ich mich doch gezwungen, mich mal zu der ganzen Geschichte um Herrn Assange und die Freiheit der Informationen zu äußern.
Prinzipiell wurde zu diesem Thema ja von verschiedenen Parteien beinahe schon alles gesagt, und wer mich kennt oder auch nur ab und zu liest, der wird die Position, die ich dazu vertrete, ohnehin schon vorausahnen können.

Zugegeben, der Videokommentar im letzten Artikel trieft ja geradezu vor Pathos und schießt gerade am Ende damit ziemlich über’s Ziel hinaus.
Das ändert aber nichts daran, dass er im Grunde eine meiner Meinung nach sehr unterstützenswerte Position vertritt.

Machen wir’s mal kurz und prägnant (So kurz und prägnant wie das bei einem Laberkopf wie mir möglich ist);
Ich denke, das demokratische System ist bei uns, wenn nicht gar bei einem Großteil der westlichen Zivilisationen, mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit untergraben und ausgehöhlt.
Das hat vielerlei Ursachen und ist eine Entwicklung, deren genauer Verlauf natürlich ganze Enzyklopädien füllen könnte, aber letzlich führe ich es auf eine Bevölkerung zurück, der es am Ende einfach egal ist.
Auf eine Bevölkerung, die so überfüttert ist mit banaler Information, dass sie nicht mehr dazu fähig ist, zu begreifen, was wirklich wichtig ist. Dass sie nicht mehr dazu in der Lage ist, alles, was ohne Bedeutung ist, weggleiten zu lassen. Auf eine Bevölkerung, die nach Mentalitäten lebt, die sich mit den Sätzen „Aber was kann ich als Einzelner schon tun?“ und „Es hilft doch sowieso nichts.“ einwandfrei zusammenfassen lässt, die aus Individuen besteht, die sich nicht darum scheren, solange sie persönlich nicht betroffen sind. Und die sich selbst in diesem Fall mit belangloser Scheiße ablenken und besänftigen lassen, die irgendwann das Interesse verliert, wenn man sie nur lange genug mit belanglosem Mist zumüllt.
Das gibt allen, die genug Macht und Verstand und zu wenig moralische Standfestigkeit haben, die Möglichkeit, sie nach Strich und Faden zu verarschen.
Als Resultat ist politische Korruption, ist Lobbyismus, ist Wählerverarschung in Deutschland schlicht und ergreifend Alltag. Als Resultat sind Verflechtungen zwischen Medien, Politik und Wirtschaft, die nach meinem persönlichen Verständnis mit Kriminalität gleichzusetzen sind, Realität. Als Resultat sind kartellartige Zustände, Politik im Namen der Wirtschaft und der Arbeitgeber, Medien, die gezielt Desinformation streuen und ihre selbst so hoch gepriesene Unabhängigkeit längst verloren haben, Normalzustand.
Für mich ist die Demokratie in diesem Land und in vielen anderen, die sich als freiheitlich, liberal, rechtsstaatlich ausgeben, längst derart ausgehöhlt, dass sie den Namen nicht mehr verdient.

Und ein nicht unwesentlicher, wenn nicht vielleicht sogar der ausschlaggebende Punkt daran ist, dass uns eine ganze Flut von Informationen vorenthalten wird, weil den Massenmedien bezüglich ihrer Pflicht, den Bürger umfassend und ausgewogen zu informieren, nur noch ein beschämendes totales Versagen attestiert werden kann.

Ich bin ja persönlich sehr an Geschichte interessiert, man könnte sagen, das ist eines meiner Lieblingsthemen.
Was ich dabei zu meiner Schulzeit irgendwie immer witzig und absurd fand ist die Naivität, mit der die breite Masse der Bevölkerung ihren Regierungen gegenüber steht.
In unseren Geschichtsbüchern haben wir Quellen und Dokumente als Beweisgrundlage, die zur damaligen Zeit völlig unbekannt waren, und die oft belegen, wie viel hinter den Kulissen geschah, wovon die Zeitgenossen außerhalb des entsprechenden Dunstkreises herzlich wenig Ahnung hatten. Wie viel im Endeffekt manipuliert und inszeniert wurde, um eine öffentliche Meinung zu erzeugen und zu erhalten, die den persönlichen Zielen diente. Diese Quellen reichen in einen Zeitraum bis vor wenigen Jahrzehnten, sie zeigen, dass solche Politik seit jeher Normalität war, und dass sich auch mit Machtwechseln oft genug nur der Personenkreis verändert hat, der sie verfolgt.
Und dennoch glaubt die überwältigende Mehrheit aller modernen Menschen, dass es heutzutage anders wäre. Denn wir sind ja fortschrittlich, wir haben eine humanitäre, soziale Verfassung, wir haben Kontrollinstitutionen, freie Medien und den ganzen Quatsch, von dem wir uns einbilden, dass er dem entgegenwirken würde.
Aber lasst euch sagen, auch diese Mechanismen lassen sich durch diverse Methoden derart effektiv aushebeln, dass ihre Existenz am Ende ohne Bedeutung ist. Die Verfassung lässt sich durch Wortspielerei und Haarspalterei umgehen, die Medien werden entweder von privaten, wirtschaftlichen oder politischen Interessen der Kapitalgeber korrumpiert, und die Politik ist heute nur noch der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dennoch glauben wir, dass etwas anders wäre als früher, dass unsere Regierungen heute ehrlicher und moralischer sind als die Beispiele von früher, über die wir in den Geschichtsbüchern lesen.
Mag es Optimismus sein, oder ein Schutzmechanismus, den wir uns selbst aufbauen, um unser Weltbild aufrecht zu erhalten. Aus Bequemlichkeit oder Angst. Weil wir sonst erkennen und akzeptieren müssten, dass die Guten nicht unbedingt bei uns in der Regierung sitzen und die Bösen da irgendwo ganz weit weg sind.

Um nun den Bogen zu WikiLeaks zu schlagen – Tatsache ist, hier wird uns gezeigt, wohin uns diese Naivität, dieses ausufernde Desinteresse und die Gleichgültigkeit bringen.
Wer sich mit den Dokumenten beschäftigt, die veröffentlicht wurden, realisiert sehr schnell, dass heuzutage noch genau so fleißig vertuscht, inszeniert, gelogen und verleumdet wird wie vor einigen Jahrzehnten.
Und ich will damit sagen, wer sich WIRKLICH mit diesen Dokumenten beschäftigt. Wir alle haben über die Depeschen des US-Außenministeriums erfahren, wo viele unserer Politiker mit witzigen Begriffen bedacht und ein kleines Bisschen verspottet wurden.
Ja, toll, interessant, amüsant, unterhaltsam.

Und absolut unwichtig.

Aber wie ausgiebig wurde in den Massenmedien darüber berichtet, dass die Dokumente auch belegen, dass Hillary Clinton, US-Außenministerin, ihre Diplomaten beauftragt hat, UN-Abgeordnete auszuspionieren? Dass hier auch Informationen wie Fingerabdrücke, Iris-Scans und Kreditkartennummern angefordert wurden?
Quelle

Nicht mehr ganz so amüsant.

Hat davon jemand was in den einschlägigen Massenmedien gesehen?

Irgendwie nicht so wirklich, allenfalls am Rande.
Sagt das nicht eine Menge über den Zustand unserer Medien und unserer Definition von Pressefreiheit?

Wir lachen lieber über „Teflon-Merkel“.

Und genau das ist für mich der Punkt an WikiLeaks. Wo eine dem Papier nach freie Presse in ihrer Aufgabe, die Bürger zu informieren, vollkommen versagt, sich nicht mehr darum schert oder gar gezielt dagegen arbeitet, weil sie von diversen Interessen aus Politik und Wirtschaft beeinflusst ist, wird eine Organisation notwendig, die die eigentlich journalistische Arbeit übernimmt – nämlich die Bevölkerung über all das zu informieren, was von Bedeutung ist. Über all das, was Personenkreise, die in zweifelhafte Machenschaften verstrickt sind, lieber vom öffentlichen Interesse fernhalten wollen.
Diese Sache, die man investigativen Journalismus nennt, und die sich nicht mit einer Seite der Medaille, mit öffentlichen Statements zufrieden gibt.
Diese Sache, die eigentlich normal sein sollte.

Ich kann nur lachen über Argumentationen, die immer wieder vorgebracht werden, dass Veröffentlichungen von WikiLeaks die nationale Sicherheit von Staaten und das Leben von zahlreichen Menschen gefährden würden.
An dieser Stelle sei gesagt, dass beispielsweise dem Pentagon angeboten wurde, die Dokumente des US-Außenministeriums durchzusehen und entsprechende Stellen zu markieren, damit WikiLeaks diese berücksichtigen kann. Das Pentagon hat diese Möglichkeit ausgeschlagen.
Und – nur ein Gedankenanstoß – wer ist der Schuldige, der Verbrecher oder derjenige, der die Tat aufdeckt?
Jeden, der diese Argumentation vorbringt, fordere ich an dieser Stelle auf, mir Beweise vorzulegen, dass durch die veröffentlichten Dokumente Leben in Gefahr gebracht wurden.

Das einzige Leben, dem möglicherweise Gefahr droht, scheint ironischerweise das von Julian Assange, dem Sprecher von WikiLeaks zu sein;

Kruder Sinn für Humor.
Ich dachte immer, wir hier in der unfehlbaren westlichen Hemisphäre mögen keine Leute, die die Liquidation unliebsamer Personen und politischer Gegner für ein angemessenes Mittel der Politik halten.
Kommt wohl immer auf den Blickwinkel an.

In diesem Zusammenhang möchte ich nämlich, um dem Titel gerecht zu werden, auch einmal auf die bewegte Geschichte eines Mannes namens Danny Ellsberg hinweisen.
Ich vermute, dass den Allermeisten dieser Name nicht besonders viel sagen wird, aber das ist ja nicht schlimm – Wikipedia ist unser Freund;

Daniel „Dan“ Ellsberg (* 7. April 1931) ist ein US-amerikanischer Ökonom und ehemaliger Informant über rechtswidrige Handlungen des Pentagons und des Weißen Hauses. Durch die Veröffentlichung der von ihm an die Öffentlichkeit gebrachten Pentagon-Papiere deckte er einen Skandal im Umfeld des Vietnamkrieges auf.

Ein wunderschönes Beispiel dafür, dass solche Machenschaften mitnichten der Vergangenheit angehören, vielmehr auch heute noch gängige Praxis sind, von der der Großteil der Bevölkerung nicht das Geringste ahnt.
Und der springende Punkt daran ist NICHT, irgendeiner Nation zu schaden, diplomatische Beziehungen zu belasten oder Menschenleben zu gefährden. Es geht darum, dass wir ein Recht haben, solche Dinge zu erfahren, es geht um Transparenz, es geht darum, dass Staaten und ihre Behörden keine Allmachtsfantasien entwickeln. Es geht um die Idee eines transparenten Staates als Gegenmodell zum heute viel eher verfolgten transparenten Bürger. Denn Kontrolle bedingt Transparenz, bedingt die Information der Bürger und deren Reaktion auf inakzeptable Methoden der modernen Politik.
Ihr wisst schon, das, was die Medien eigentlich tun sollten, wenn sie ihrer gottverdammten Pflicht nachkommen würden.

Denn, um mal auf den Vorwurf des Datendiebstahls zurück zu kommen, der von Seiten der geschädigten Behörden vielfach vorgebracht wird;
Ich sehe das etwas anders. Ich denke nämlich, durch WikiLeaks fallen diese Dokumente überhaupt erstmal in die Hände derer, denen sie eigentlich gehören – unsere. Sie sind nicht alleiniger Besitz dieser Behörden, einzelner Personen oder des Staates. Ihre Erhebung erfolgte mit Mitteln aus dem staatlichen Haushalt, mit Steuergelden – letztlich mit einem Teil UNSERES Geldes, dem, was wir täglich erwirtschaften und verdienen und von dem wir einen Großteil abdrücken, damit der Staat seinen Verpflichtungen uns gegenüber nachkommen kann.
Ja, es ist eine Schande, dass WikiLeaks diese Dokumente im Geheimen zugespielt wurden, damit sie veröffentlicht werden.
Es ist eine verfluchte Schande, dass so etwas überhaupt notwendig ist, damit wir über das informiert werden, das zu wissen unser Recht ist.
Und es ist mehr als eine unaussprechliche Schande, ein Skandal und ein erbärmliches Beispiel dreister Verlogenheit, die nicht in Worte zu fassen sind, dass Regierungen, die sich vordergründig damit brüsten, Ideale wie Demokratie und Pressefreiheit global zu verteidigen, auf Unterstützer von WikiLeaks Druck ausüben, um ihre Aktivitäten zu behindern – Ich weise an dieser Stelle nur darauf hin, dass Konzerne wie PayPal und Amazon ihre Unterstützung auf massiven Druck der US-Regierung und aus Angst vor juristischen Konflikten mit dieser eingestellt haben.

Die Geschichte von WikiLeaks und Julian Assange, das ist für mich irgendwie auch die Geschichte von Daniel Ellsberg und seiner Tätigkeiten rund um die Pentagon-Papiere.
Wer daran Interesse hat, auf youtube lässt sich die gesamte Dokumentation „Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere“ finden, die den damaligen Ablauf der Geschehnisse schildert.

Für die ganz Faulen liste ich hier mal alle Teile auf:

Part 1
Part 2
Part 3
Part 4
Part 5
Part 6
Part 7
Part 8
Part 9

So was schlägt einem irgendwie auf den Magen.
Zumindest, wenn man noch ein kleines Bisschen auf Gerechtigkeit gibt.

Und was übrigens diese interessanten Vorwürfe aus Schweden angeht, mit denen sich Julian Assange derzeit konfrontiert sieht – die sind ja auch sehr amüsant und unterhaltsam, wenn man sich über die Hintergründe informiert.
Dazu möglicherweise im nächsten Artikel mehr, das hier soll für’s Erste reichen.

KenFm über Wiki Leaks Mittwoch, Dez 8 2010 

Etwas zu viel Pathos für meinen Geschmack, dennoch, ohne viel Einleitung, weil das Video für sich selbst spricht:

Meine Gedanken dazu in nächster Zeit.
Wenn ich mal wieder Zeit finde.
Ansonsten hör‘ ich einfach wieder mal für ein paar Tage auf, zu schlafen.
Meh.

Rauchen für die Umwelt! Dienstag, Okt 26 2010 

Ich muss hier und heute, vor der gewaltigen Schar der Eden Uncensored-Leserschaft und in der schonungslosen, nicht verzeihenden, niemals vergessenden Öffentlichkeit des Internets… ein Geständnis ablegen.
Manche mögen mich dafür verdammen und hassen, sie mögen mich verurteilen von der Warte ihrer unerreichbaren Perfektion aus, sie mögen sich abwenden und mich für ein Relikt aus einer vergangenen Zeit halten, dessen Existenzspanne abläuft, das allmählich aus dem alltäglichen Bild dieser Gesellschaft verschwinden wird. Eine Bestie der Vergangenheit, die von den Erkenntnissen der Moderne verdrängt wurde.

Wie die Sklaverei.
Kinderarbeit.
Religiöser Fanatismus.
Oder der Sozialstaat.
Haha.

Jedenfalls – haltet eure Perücken fest und holt euch Baldriantropfen;

Ich bin Raucher.
Ja.
Jetzt ist es raus.
Ich rauche, manchmal vielleicht eine Schachtel in der Woche, manchmal wie der Schlot einer Industriefabrik im London des späten neunzehnten Jahrhunderts.
Ich zelebriere einen Genuss, der uns alle umbringen wird, am liebsten in der Nähe von Grundschulen, Kindergärten oder Spielplätzen. Manchmal setze ich mich in den Sandkasten und ziehe eine kubanische Zigarre durch, manchmal lasse ich mich neben einer schwangere Frau nieder und blase ihr lachend den Rauch ins Gesicht, dann setze ich mir eine Spritze Heroin und deale am Schulhof mit Gras.

Denn ich bin Raucher.
Ich bin böse.
Und ich tue was für unsere Umwelt.

Jaha.
Da schaut ihr. Ihr nämlich nicht, ihr gesunden, topfitten Nichtraucher mit euren sauberen Lungen und euren langen Lebenserwartungen.
Nicht nur, dass ich gewissenhaft dafür Sorge trage, meinen Mitmenschen tendenziell weniger lange mit meinem Gedöns auf die Nerven zu gehen, was ich alles scheiße finde, nein, ich gegenfinanziere auch die Mindereinnahmen durch die Ökosteuer, die unsere Regierung in Zukunft erwartet.

Falls ihr euch jetzt fragt, was ich hier für einen Unfug verzapfe;

Berlin – Die Konzerne behalten Privilegien, stattdessen werden Konsumenten, sprich: die Raucher, belastet. Die Ökosteuer wird aufgeweicht, die Tabaksteuer soll steigen. Das hat die Koalition auf ihrem Steuergipfel am Sonntag beschlossen.

Quelle

Na, das ist doch mal was.
Ich will ja nicht generell sagen, dass ich was dagegen hätte, etwas für die Umwelt zu tun. Auch wenn ich Raucher bin, und damit eigentlich böse. Aber abgesehen davon, dass die Ökosteuer ja gar nicht so eindeutig diesem Zweck zugeführt wird, wie man öfter mal hört, stört mich irgendwie die Begründung etwas. Lesen wir mal weiter…

Es sei „richtig und notwendig“, die Unternehmen, die günstigen Strom bräuchten, zu entlasten, sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) im SWR. „Sonst können sie in Deutschland nicht produzieren und dann gehen in Deutschland Arbeitsplätze verloren.“ Dass für die Entlastung der Unternehmen die Tabaksteuer erhöht werden soll, rechtfertigte Fuchs: „Rauchen ist nicht gesund, das weiß eigentlich jeder und schadet insgesamt dann auch der Volkswirtschaft.“

Ich finde ja, das ist sehr großzügig von mir, dass ich nicht nur für die Umwelt rauche, sondern auch noch, um die Steuerentlastung für energieintensive Unternehmen mitzutragen.
Seht euch das an! Nicht nur für die Umwelt, sondern auch noch für die Wirtschaft! Und für Arbeitsplätze in Deutschland! EURE Arbeitsplätze möglicherweise!
Vielleicht bin ich gar nicht so böse.

Aber immer noch böse genug, dass lieber ich daran glauben sollte als die Unternehmen, die, wir wissen es alle, nur das Beste für uns alle im Sinn haben.
Immerhin sind wir Raucher ja Feindbild Nummer zwei hinter den Terroristen.
Naja, vielleicht auch Nummer drei.
Ganz so von Natur aus böse und verdorben wie Kinderschänder sind wir dann ja doch nicht.

Und, auch wenn jetzt viele mit den Augen rollen und mir die übliche Leier attestieren, irgendwie hat das Ganze für mich doch den allzu bitteren Beigeschmack einer Umverteilung der Steuerlast von oben nach unten, wie das auch „oppositionelle“ Kräfte andeuten.
Ich finde ja, man könnte da durchaus auch an anderer Stelle ansetzen. Möglicherweise – Ich weiß nicht – gewisse kartellähnliche Zustände bei den deutschen Energiekonzernen mal einer näheren Überprüfung unterziehen und sich fragen, ob es nicht möglich wäre, auf anderem Wege dafür Sorge zu tragen, dass die armen gebeutelten Unternehmen nicht zu viel für ihren Strom bezahlen.
Aber halt – Ich schätze, auch damit würden wir nur erreichen, dass uns viele Arbeitsplätze bei genau diesen Konzernen verlorengehen, wenn sie sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert sehen, uns nicht mehr abzocken zu können und ihre von Vornherein so bedenklich schmale Gewinnspanne weiter einschrumpft.
Ich vergaß.

Da ist es doch besser, wir Raucher übernehmen das, weil Rauchen ist nicht gesund, das wissen wir alle.
Saufen übrigens auch nicht, oder sich irgendwo weit weg erschießen zu lassen bei dem Versuch, Andere zu erschießen, um „deutsche Interessen zu verteidigen“.
Hartz-IV-Empfänger zu sein anscheinend auch nicht, wenn man sich einige andere Sparmaßnahmen ansieht.

Irgendwie fühle ich mich bei solchen Begebenheiten immer unweigerlich etwas an einen Ausspruch erinnert, nach dem unsere Regierungsform in modernen Zeiten oft eher der Bezeichnung „Wirtschafts- oder Konzerndiktatur“ entspricht als einer Demokratie.
Ein Fünkchen Wahrheit kann ich diesem Gedanken nicht abstreiten, wobei oftmals die Frage entstehen dürfte, ob das, was gut für die Wirtschaft ist, auch zwangsläufig irgendwann dem Volk und dem einzelnen Bürger zu Gute kommt.
Aber so eine Frage zu stellen gilt ja in vielen Kreisen fast schon als Ketzerei.

Also wird schon was dran sein. Verlassen wir uns am besten darauf, dass all die Verantwortlichen wissen, was das Beste für uns ist, auch wenn das für uns, die wir eher unsere eigenen Interessen vertreten sehen wollen als die der Wirtschaft, oft keinen großen Sinn macht.

Demzufolge – Entschuldigt mich bitte, während ich mal kurz richtig böse bin und was für die Umwelt, die Wirtschaft und tausende Arbeitsplätze in Deutschland tue.

Einigkeit und Recht und Freiheit Sonntag, Okt 17 2010 

Kennt ihr diese wunderbaren, segensreichen Tage, an denen man aufsteht, die Vorhänge öffnet, der Welt einen fröhlichen Gruß entbietet und dafür einen Schlag in die Fresse bekommt?
Diese Tage, an denen man in einer Sphäre irgendwo zwischen dem Künstlerisch-Göttlichen, dem Idealismus, den ureigenen Träumen und Vorstellungen, wie die Welt sein KÖNNTE, und der grausam niederschmetternden, ernüchternden Erkenntnis, wie sie wirklich ist, schwebt, und sich weder dem Einen noch dem Anderen wirklich zugehörig fühlt?
Diese Tage, wo man sich von etwas Größerem inspiriert fühlt und von so ungreifbaren, schwer definierbaren, fernen Dingen wie Freiheit oder Gerechtigkeit träumt, während einen der Alltag mit all seinen banalen Belanglosigkeiten herunterdrückt, wo man in den Spiegel blickt und zum ungezählten Mal erkennt, dass alles nicht mehr ist als eben genau das?

Ein Traum?

Diese Tage, an denen einen die Welt einfach nur noch ankotzt?
Weil man unter die Oberfläche all dessen taucht, wofür sich unsere Gesellschaft hält und wofür sie zu stehen glaubt – Oder glaubt sie es überhaupt noch selbst?
Selbst die größten Arschlöcher und Flachwichser können sich selbst einreden, sie seien eigentlich ganz in Ordnung, um weiterhin Arschlöcher und Flachwichser bleiben zu können.
Ich habe des Gefühl, irgendwie so ist es oft auch mit dem, was wir unsere Gesellschaft oder Kultur nennen.
Wir wollen anderen weismachen, wir stünden für irgendwelche Ideale, drehen uns um und treten sie mit Füßen.
Wir reden davon, eine Sache zu verteidigen und spucken im nächsten Moment darauf.
Wir machen uns selbst vor, für die Menschen zu kämpfen – und kämpfen gegen sie.

Alles nur Lippenbekenntnisse, Populismus, Selbstbeschwichtigung. Die Titanic sinkt, die Kapelle spielt weiter.
Wir schminken ein Monster und reden uns ein, eine Schönheit vor uns zu haben.

Wir sprechen von Einigkeit, von Einheit, von Loyalität, wir diskutieren über Integration und sind selbst noch nicht einmal ein Volk. Wir sind entweder Westdeutsche oder Ostdeutsche, Bayern oder „Preußen“, Katholiken oder Protestanten, Arme oder Reiche.
Wir zerbrechen an Belanglosigkeiten und wollen anderen weismachen, sie sollten sich in ein Gesamtwesen integrieren, das nichts weiter als eine Illusion ist, aus nichts weiter als Gegensätzen und Konflikten besteht.

Wir sprechen von Recht und meinen Gesetz, wir sprechen von Moral und meinen Pflicht. Dabei ist unsere Gerechtigkeit nichts weiter als ein fahler, oberflächlicher Anstrich über den selben Makeln, die wir seit Jahrhunderten mit uns schleppen. Menschen stehlen etwas im Supermarkt und wir nennen es Ungerechtigkeit, Politiker beziehen Nebeneinkünfte von Unternehmen, in deren Namen sie denken, reden und handeln, und wir nennen es das System. Wir nennen es normal.
Unabänderlich.

Denn so läuft es nun mal, und was kann man als Einzelner schon dagegen tun.

Wir reden von Freiheit und meinen damit den kümmerlichen Rest von Möglichkeiten, die uns bleiben, wenn wir „sicher“ sein wollen. Wir machen uns vor, sie zu verteidigen, und schränken sie ein, um uns vor illusionären, ungreifbaren Gefahren zu schützen.
Wir führen einen Krieg gegen die Mächte, die die Fundamente unserer Wertvorstellungen bedrohen, und geben sie auf, um zu gewinnen.
Und unser großer Sieg wird sein wie alles andere an uns – eine Niederlage, wenn man nur unter die Oberfläche taucht.

So erheben wir sie, stellen sie auf ein Podest, unsere Ideale, lassen uns immer mal wieder von unseren Politikern erzählen, wie großartig wir sie verfolgen und verteidigen, wie viel wir für sie getan haben, fühlen uns dann geschmeichelt und stimmen ihnen zu, denn wir haben sie ja verdient, diese Lobgesänge.
Danach drehen wir uns um und treten sie weiter mit Füßen.

Denn heute kämpft jeder für sich, aber kaum jemand mehr für etwas darüber hinaus.
Wir wollen immer mehr und sehen nicht, dass wir immer weniger haben.

Und diejenigen, die sich bemühen, das Wenige zu erhalten, stehen viel zu oft auf verlorenem Posten.

Und was ist das Ende der Geschichte?
Gibt es eines?
Schreiben wir es gerade?
Ist es schon geschrieben und muss sich nur noch ereignen?

Denkt ihr, ihr bekommt jetzt am Ende dieses Eintrags einen Hoffnungsschimmer, eine Lösung, ein Happy End?

Negativ. So sieht’s nämlich aus.
Das ist der Stand der Dinge.

Und heute ist so einer dieser Tage, wo mich das richtig ankotzt.

Ende.

Die Jahrhundertreform! Donnerstag, Sep 23 2010 

Demokratie ist ja in der Theorie ein wirklich gutes Konzept.
Da scheint endlich eine Methode gefunden zu sein, Macht zuverlässig zu kontrollieren, politisches Versagen, gebrochene Versprechen und Missbrauch durch fallende Wählergunst abzustrafen und alle mit ausreichenden geistigen Kapazitäten an den Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen, deren Folgen ihr persönliches Leben betreffen.

Nur die Praxis macht einem eben irgendwie wie so oft einen Strich durch die Rechnung.
Denn theoretisch funktioniert auch der Kommunismus. Theoretisch könnten auch alle Utopien, die sich irgendwelche schlauen Köpfe ausgedacht haben, funktionieren.
Theoretisch sollte ich als erwachsener Mann in der Lage sein, etwas zu kochen, was über die Komplexität von Tiefkühlpommes hinausgeht.

Theoretisch.

In der Praxis schwankt das Ergebnis dann jedoch irgendwo zwischen vertretbar mit kleinen Mängeln, offensichtlichem Fehlschlag und – im Falle des letztgenannten Beispiels – einer mittelschweren Katastrophe, einer Küche, die man eigentlich mit einem Betonblock versiegeln müsste, um die Gefahren potenziell tödlicher austretender Strahlung zu mindern und knurrenden Mägen.
Vom Vergnügen, die Sauerei wieder zu beseitigen, ganz zu schweigen, das ist in jedem der genannten Beispiele einfach nur eine undankbare Scheißarbeit.

Denn in der Praxis hat es bis jetzt noch kein System gegeben, dass es geschafft hätte, die Natur des Menschen so zu berücksichtigen und für sich zu nutzen, dass es nicht zu Problemen kommt, die das Ganze irgendwie ad absurdum führen. Wie ginge das auch, ist diese Natur doch so ungreifbar komplex und zeigt sich bei so hoch entwickelten und differenzierten Wesen wie dem Menschen auf derart mannigfaltige, individuelle Weise, dass man sie kaum je kategorisieren wird können.
Die kapitalistische Marktwirtschaft hat das zum Beispiel versucht, indem sie sich den Egoismus des Menschen zunutze macht und versucht, Vorteile für das System als Ganzes wie auch für den Einzelnen durch Förderung des „freien Wettbewerbs“  herauszuholen.
Das Ergebnis ist… durchwachsen, und die Theorie scheint letztlich durch die neuen Anforderungen der kommenden Zeit auf eine harte Probe gestellt zu werden.
Um’s mal ganz nett zu formulieren.

Und so ist auch Demokratie in der Theorie eine wunderbare Sache, die sich aber durch mangelndes Kalkül, fehlende Kontrolle und nicht bedachte Faktoren oft genug in eine Sackgasse verrennen kann, die man eigentlich von Anfang an genau durch diese Theorie hatte verhindern wollen.

Nehmen mir etwas, was mich schon seit einiger Zeit beschäftigt und zu meinem Entsetzen eben doch nicht schon lange vom Tisch ist – Das leidige Thema Gesundheitsreform.
Ich muss ja schon seit ich zum ersten Mal von der Grundidee dieser Reform gehört habe, reflexartig kotzen, wenn mir irgendwo Philipp Röslers dämonische Fratze mit dem politisch korrekten Roboterlachen und der toten, seelenlose Leere in seinen Augen, bei der man unwillkürlich das Gefühl hat, durch zwei Fenster und das Vakuum im Inneren direkt seine hintere Schädelwand zu sehen, entgegenspringt.
Und ICH seltendämlicher Vollidiot war doch wirklich blöd genug zu denken, dass so eine hirnrissige Idee zum Scheitern verurteilt sei.
Ich bin eben ein unverbesserlicher Träumer.
Der ab und zu gerade dadurch, dass wir – Überraschung! – WIRKLICH blöd genug sind, solche hirnrissigen Ideen umzusetzen und durchzulassen, wieder in die grausame Realität hinabstürzt.

Aber nein, irgendwann kam sie wirklich, die Meldung, dass man sich in dieser so glorreich und grandios in absolut jedem denkbaren und zuvor noch undenkbaren Aspekt scheiternden Koalition über die Fragen dieser Gesundheitsreform geeinigt habe. Und ein strahlender Philipp Rösler mit blitzendem Roboterlächeln und dem leuchtenden Funkeln absolut bösartigen Wahnsinns in den Augen in die Runde der Kameras feixte und von einer „Jahrhundertreform“ sprach.
Ich habe zwischen den Schwallen von Erbrochenem noch nie so laut in meine Kloschüssel gelacht.
Man könnte ja meinen, das sei politische Selbstinszenierung, wie man das eben so macht, Selbstbewusstsein verkörpern, Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen – aber ich kann mir nicht helfen, ich habe das zwerchfellerschütternde Gefühl, dieser Mensch glaubt wirklich an das, was er sagt.

Muss ich noch erwähnen, dass sich mir persönlich diese Sache etwas anders darstellt?
Immerhin haben irgendwie schon mehrere Minister des Ressorts Gesundheit behauptet, das Thema der Finanzierung der Krankenkassen sei mit den Umstrukturierungen, die sie planen, mindestens für das nächste Jahrzehnt ad acta gelegt.
In der Realität stellen wir dabei immer wieder fest, dass es einer nach dem anderen nur robotisch lächelnd und selbstbewusst in die nächste Legislaturperiode schiebt.
Ist dann nicht mehr sein Problem. Nur noch unseres.
Ich wette, die meisten Spitzenpolitiker sind privatversichert.

Aber nochmal von vorne, ganz langsam.
Warum hasse ich Philipp Rösler so abgrundtief – davon abgesehen, dass er Politiker ist und damit schon von vornherein als nichtmenschliche, niedere Lebensform zu gelten hat, bis er mir das Gegenteil beweist?
Nun ja, weil er außerdem noch der FDP angehört.

Schlimm genug.

Und weil seine Jahrhundertreform im Gesundheitswesen der lächerlichste, dämlichste, asozialste Bullshit und das offensichtlichste und ekelerregendste Beispiel für politische Korruption und Lobbyismus ist, das seit Längerem zu beobachten war.
Nicht nur, dass der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung nach einer Anhebung um 0,3 Prozent am 1. Januar 2011 dann „eingefroren“ werden soll, das heißt, er wird nicht weiter erhöht, komme da auch die größte vorstellbare Kostenexplosion. Nicht nur, dass das im Umkehrschluss heißt, jede weitere Erhöhung der Beiträge geht damit allein zulasten des Arbeitnehmers. Nicht nur, dass das schwer nach Lobbyismus stinkt auf eine Art und Weise, die sogar aus der Alltagskorruption der deutschen Politik deutlich herauszuriechen ist.
Nein, der allergrößte Witz daran ist, dass Herr Rösler natürlich den in Agonie liegenden Sozialstaat noch ein bisschen weiter schändet, indem er uns weismachen will, es gäbe für Benachteiligte einen aus Steuern finanzierten Sozialausgleich.

Na dann.
Wenn das so ist.
Es ist ja nicht etwa so, dass die Steuern auch von irgendwem gezahlt werden müssen und unser Steuersystem nicht schon längst einer Umverteilung der Lasten von oben nach unten zum Opfer gefallen ist.
Anders formuliert – wer auch immer unsere Kohle jetzt bekommt, hergeben müssen wir sie früher oder später so oder so.
Fein.

Es wäre ja auch zu viel verlangt, Einsparpotenzial bei den Kassen zu suchen, das meiner bescheidenen Meinung nach durchaus vorhanden ist. Zumindest nicht, solange Philipp Rösler sich vor deren Vorständen bückt, die Hose runterlässt und sich genüsslich als unser aller Stellvertreter von hinten durchnehmen lässt.
Wenn er ihnen danach mit spermaverschmiertem Bukkake-Gesicht erklärt, dass ihre Gehälter allesamt gekürzt und der ganze Apparat verschlankt und vereinfacht werden müsste, um das System kosteneffizienter zu machen, nimmt ihn halt wirklich keiner mehr ernst, wahrscheinlich.

Ohnehin macht unser Gesundheitsminister ja allgemein den Eindruck, sich eher als Vertreter der Wirtschaft als des Volkes zu verstehen – Was sich schon zu Zeiten der Schweinegrippe-Hysterie zeigte, als jeder Todesfall, der eventuell irgendwie möglicherweise unter Umständen auf eine anrollende verheerende Epidemie hindeuten hätte können, in den Medien lang und breit zerkaut wurde, während in der selben Zeit deutlich mehr Leute an der normalen Influenza krepiert sein dürften.
Und nachdem unter Hochdruck ein Erlösung versprechender Impfstoff entwickelt worden war und in die Massenproduktion ging, ließ sich als einer der Ersten natürlich der werte Herr Rösler unter Anwesenheit zahlreicher Kamerateams medienwirksam in die Kameras lächelnd impfen.
Genau so gut hätte er auch zwischen mehreren Vertretern der Pharma-Industrie knien und deren Schwänze lutschen können.
Übrigens ist nach meinen Informationen gerade einmal ein Drittel des produzierten Impfstoffs verwendet worden – der Rest wurde entweder gekauft und nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt oder von Vater Staat bezahlt, aber nie geliefert, weil die Bestände noch gar nicht verbraucht waren.
Das Geld von den entsprechenden Konzernen kriegt man aber trotzdem nicht zurück.
So steht’s nämlich in einem Vertrag, der bereits einige Zeit vorher in weiser Voraussicht aufgesetzt worden war und indem sich von Seiten der Lieferanten genau gegen diesen Fall abgesichert worden war.
Seltsam.

Sehr seltsam in der Tat, was für eine ungemein liberale Auslegung des Wortes und des Konzeptes „Demokratie“ die Verantwortlichen inzwischen entwickelt haben.
Aber in der Theorie sieht ja alles besser aus als es in der Praxis wird.
Natürlich würde ich nur allzugern hoffen, dass es sich hier um Einzelfälle handelt, allerdings… mag ich vielleicht ein unverbesserlicher Träumer und Idealist sein, aber so bescheuert und blind bin ich dann doch nicht.

Und da wollen uns irgendwelche erhobenen Studien noch weismachen, dass Deutschland eines der Länder ist, in denen Korruption so selten ist wie nirgendwo sonst.
Sagten die Wissenschaftler und steckten das Geld ihrer Auftraggeber in die Tasche.

Wie dem auch sei.
Es bleibt mir also zum Abschluss kaum etwas Anderes, als Herrn Rösler von ganzem Herzen zu wünschen, dass er eines Tages sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen und die Wonne spendenden Folgen seiner Jahrhundertreform am eigenen Leib spüren muss.
Mit einer möglichst fiesen und ekligen Krankheit.
Irgendeiner dieser Manager hat sich ja bestimmt bei ner Nutte was eingefangen.

Aber bis dahin –

Mütter und andere minderwertige Wesen Donnerstag, Sep 2 2010 

Feminismus ist ja immer so eine Sache.
So eine Sache, über die sich oft keine abschließende oder allgemeine Meinung formulieren lässt, weil das, was unter dem Terminus „Feminismus“ zusammengefasst wird, inzwischen so komplex und unüberschaubar ist, dass man mit dem Hang, sich am Ende eine möglichst simple Meinung „zum Feminismus“ zurechtzulegen, immer irgendwo ungerecht pauschalisiert.

Jetzt mal abgesehen von den wirklichen Ultrafeministinnen – Wer schon einmal wie ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit entsprechenden Verfechterinnen zu diskutieren (und/oder den Fehler gemacht hat, zu erwähnen, dass ein Schwellkörper zwischen seinen Beinen hängt) wird wissen, dass man dabei oftmals dazwischen schwankt, lieber gleich vom Dach zu springen oder sich zu fragen, ob auf der anderen Seite nicht doch ein übergewichtiges, hornbrillentragendes Kellerkind mit langen fettigen Haaren sitzt, das einen nur verarschen will.
Solche Gespräche erinnern oft vielmehr an eine überzogene Parodie des Feminismus als an Kommunikation zwischen intelligenzbegabten Lebewesen.
Ich erinnere mich da zum Beispiel mit Schrecken an eine Begebenheit, als ich etwa eine Dreiviertelstunde lang von einer Kämpferin für modernes Amazonentum zugeschwallt wurde, was denn so alles falsch läuft in dieser Welt – und das ist viel mehr als wir alle glauben! Ihr wisst ja gar nicht, in welch banalen Dingen sich überall der männliche Sexismus wiederspiegelt!
Und wie von Natur aus böse und tyrannisch wir Männer in allem sind, was wir tun.
Was mich zu vielerlei verschiedenen Fragen geführt hat;

Warum erzählt die mir das, während ich neben ihr stehe, als ob ICH KEIN Mann wäre? Das kratzt irgendwie bis heute an meinem Selbstbewusstsein.
Warum sind Gerichte in Phallusform zwangsläufig Sexismus? Ich meine… Hot Dogs, Würstchen, sogar die meisten Nudeln, Baguettes? Alles nur, damit wir Frauen beim Essen zusehen und uns vorstellen können, das wären unsere Schwänze?
Seltsamerweise kam sie auf dieses ganze Geschwafel von Phallusformen, als ich mir eine Zigarette angezündet habe – Was wiederum andere Fragen aufwirft: Was will ich denn dann damit erreichen, dass ich an einer Phallusform „lutsche“? Bin ich etwa unterbewusst schwul? Sind alle männlichen Raucher in Wahrheit schwul? Oder versuche ich nur, Frauen in meiner Umgebung zum Rauchen zu animieren, um mich dann daran aufzugeilen, wie sie an der Zigarette ziehen? Und wenn es so wäre, was für ein krankes minderbemitteltes Selbstbewusstsein habe ich bitte, mir das bei einer ZIGARETTE vorzustellen?
Das ist ja eher eine Beleidigung als irgendwie erregend… so von der Größe her.
Und wie sollte denn eigentlich Essen in Vaginaform aussehen? Donots? Und wäre das dann nicht auch wieder sexistisch, wenn wir Männer genüsslich Vaginas verputzen?
Und, um eine Brücke zur Thematik zu schlagen – wusstet ihr, dass wir Männer auch die Sprache als eine Art der Unterdrückung über Jahrtausende kultiviert haben? Selbst die ist nämlich sexistisch.
Weil es zum Beispiel im Deutschen viel mehr Wörter mit maskulinem Genus gibt als mit femininem.
Ich weiß zwar nicht mal, ob diese Behauptung so stimmt, aber wenn das wahr ist – Skandal!
Da hätte sie mich ja fast überzeugt, wie sie selbst ab sofort so seltsame Worte wie „Fernseherin“ und „Salzstreuerin“ zu benutzen.

Und ich hoffe, ihr lacht jetzt darüber oder findet es wenigstens echt merkwürdig, dass jemand das wirklich tun sollte.
Und wenn ihr das tut – DANN HÖRT SOFORT AUF IHR SEXISTISCHEN SCHWEINE!

Jedenfalls wurde mir gerade etwas Interessantes zu der Thematik geschickt, ein Artikel der MSN-Nachrichten, die ja allgemein eher nicht zu meinen Informationsquellen gehören.
Denn scheinbar ist es wieder einmal an der Zeit, einen Vorstoß gegen derlei Sexismus und geschlechterspezifische Diskriminierung in der Sprache zu unternehmen.
Da heißt es nämlich unter anderem „Der in Straßburg tagende Rat empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Behörden eine „nicht sexistische Sprache“ zu verwenden. Die Darstellung von „Frauen zu Hause“ sei ein traditionelles Rollenbild, das die Gleichstellung der Geschlechter hemme, heißt es in einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Rates.“

In der Tat. Furchtbar.
Das erinnert mich an die Kataloge für Werkzeug und Zimmereibedarf, die hier bei uns oft im Büro herumliegen. Ich finde es ja schrecklich, dass da praktisch nur Männer auf der Baustelle abgebildet sind.
Findet ihr das in Ordnung?

Auf diese Idee gekommen ist übrigens ursprünglich eine Schweizerin. Weil Muslime diskriminieren geht klar, aber bei Frauen hört der Spaß auf:

Die sozialistische Schweizer Nationalrätin Doris Stump verlangte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wörtlich, dass Frauen nicht mehr „als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte“ dargestellt werden sollten.

Jetzt nehmen wir uns einen Moment Zeit und lassen uns dieses Zitat genüsslich auf der Zunge zergehen.
„Passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte.“
Finde den Begriff, der nicht dazupasst!

Denn genau das ist ein Punkt, den ich bei Vertretern des Feminismus irgendwie oft etwas seltsam finde. Jetzt mal ganz barsch formuliert, Mütter auf die Stufe von „passiven oder minderwertigen Wesen“ zu stellen, ist das eines der Ziele des Feminismus im Sinne von Gleichberechtigung?
Sollte das nicht irgendwie… ich weiß nicht, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber… vielmehr die Vertretung der Interessen von Frauen sein, die unterdrückt werden?
Oder andersrum: MUSS eine Frau sich für Studium, Karriere, finanziellen Erfolg und so fort entscheiden, um von diesen Feministinnen überhaupt als Frau, als emanzipiert anerkannt zu werden? Ist das Dasein als Mutter automatisch gleichzusetzen mit Unterdrückung oder Sich-freiwillig-unterdrücken-lassen?
Wenn ich daraus keine Wertigkeit ableite – Was ich als Ziel des Feminismus definieren würde – ist genau das die absolut falsche Einstellung. Die Rolle der Frau in einer Beziehung als minderwertig zu bewerten, weil der Mann arbeitet und sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, war nicht genau das einer der Gründe, die das Ganze ins Rollen gebracht haben?
So gesehen scheinen sich manche Vertreter geradezu ins Gegenteil verrannt zu haben.
Ich will ja nicht sagen, dass es so sein muss. Aber sofern eine Frau sich freiwillig dafür unterscheidet, würde, werde und kann ich zwischen ihr und einer arbeitenden Frau gar keinen unterschiedlichen Wert unterstellen.
Den man meiner Meinung nach ohnehin nicht unterstellen kann zwischen einem Menschen und einem anderen, aber das würde jetzt wirklich zu weit gehen.

Was die werte Frau Stump hieraus jedoch ableitet, bringt mich allerdings ehrlich gesagt noch mehr zum Kopfschütteln, was an meiner Tätigkeit als passioniertem Schreiber liegen mag.
Wenn es nach ihr geht, dann sollen die Staaten nämlich mit gutem Beispiel vorangehen und in der Öffentlichkeit grundsätzlich nur noch geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwenden – Angeblich ist die Schweiz in dieser Beziehung sogar Vorreiter.

Beispiele?

Buchhalterdiplom wird zu Buchhaltungsdiplom.
Fahrausweis statt Führerschein.
Nicht mehr Fußgänger-, sondern Flanierzone.
Das Lehrerzimmer heißt dann Pausenraum.
Die böse böse „Mann“ (!) – schaft bezeichnen wir besser als Team/Gruppe.
Und meine zwei persönlichen Favoriten:
Besucherparkplatz heißt dann Gästeparklatz. (BITTE?! Wo ist denn da jetzt der Unterschied?)
Und statt Mutter/Vater werden wir dann wohl tatsächlich „Elter“ sagen.

Also, wenn’s nach ihr geht.
Ich werde weder meine Mutter noch meinen Vater Elter nennen. Bevor das passiert, würdet ihr noch eher von mir hören, dass Dieter Bohlen einen wertvollen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft leistet.
Und sollte ich irgendwann ein Kind haben und nicht bei dessen Geburt schon seit acht Monaten nach Kuba geflohen sein, und es nennt mich „Elter“… dann gibt’s ein bisschen gute altmodische erzieherische Gewalt.

Hier der Artikel der MSN-News, wer es nachlesen will.

An dieser Stelle, falls sich hier einige Leser aus der Schweiz einfinden (von ein oder zweien weiß ich ja), muss ich einfach fragen – Sind die Behörden in eurem Land wirklich so geistesgestört, das umzusetzen?
Mein Beileid, falls es so ist.

Worum es mir allerdings eigentlich geht;
Ich bin doch wohl nicht der Einzige, der solcherlei Ansätze nicht nur für vollkommen schwachsinnig sondern auch für eine Vergewaltigung der Sprache hält, oder? Bitte, BITTE! Gebt mir ein bisschen Hoffnung und sagt mir, dass es nicht so ist.
Erstens brauche ich diesen ganzen Unfug von „geschlechtsneutraler Sprache“ nicht, wenn ich zwischen den Geschlechtern, wie weiter oben schon erwähnt, keinen unterschiedlichen Wert unterstelle. Und das ist eine Sache der gesellschaftlichen Mentalität – Wenn dieses Bewusstsein herausgebildet wird, und das muss durch eine humanitäre, moralische Bildung zum Beispiel durch die Schule geschehen, werden solche pseudogerechten Maßnahmen unnötig. Und wisst ihr was? Wenn das nicht passiert, wird DAS auch nichts ändern.
Und ein paar Idioten und Arschlöcher wird es sowieso immer geben, auf beiden Seiten der Hermaphroditengrenze.
Und zweitens geht mir das als eine Art sprachlicher Zensur sowieso gewaltig auf den Sack (Meine Fresse, was für eine böse sexistische Redensart das schon wieder ist!). Wie gesagt, das mag an meinen Tätigkeiten als Schreiber und Literaturliebhaber liegen, aber ich sehe nicht ein, warum sich unsere Sprachen von ihren Genus-Systemen verabschieden sollten, die über Jahrtausende kultiviert wurden. Wenn überhaupt, sollte das aus einem Wechsel der Mentalität heraus entstehen und nicht aufgrund staatlicher Initiative.
Das Genus eines Substantivs hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, wer ist denn auf diese absurde Idee gekommen?
Außerdem haben wir nun einmal, von Ausnahmen abgesehen, ein Geschlecht. Wir sind ja nicht alle Zwitter. Das Geschlecht ist auch ein grundsätzlicher Teil der Individualität und der Herausbildung einer Persönlichkeit – inwiefern bestimmte Geschlechterrollen durch kulturelle Prägung hervorgehen oder sogar zu einem gewissen Teil genetisch veranlagt sein mögen, ist sowieso eine andere Frage.
Und ich muss es an dieser Stelle noch einmal sagen – wenn ich aus unterschiedlichem Geschlecht nicht automatisch einen unterschiedlichen Wert ableite, ist all das ohnehin vollkommen unnötig.
Es gibt doch Unterschiede zwischen uns, nicht nur allein durch die Geschlechter, sondern individuell noch durch so viele andere Eigenschaften. Aber dass wir unterschiedlich sind, muss ja nicht heißen, dass der eine mehr wert ist als der andere.
DAS ist die Mentalität, die wir brauchen, die Mentalität, die gefördert werden muss – statt einfach zu versuchen, uns sozusagen mit dem Brecheisen alle „gleich“ zu MACHEN.

Für mich scheint das wieder mal eines der typischen Beispiele zu sein, wo die Verantwortlichen allesamt viel zu simpel und oberflächlich denken, vielleicht auch um des blanken Populismus willen – „Wir tun was dagegen.“

Ohnehin habe ich von diesem ganzen Unfug, wenn ich ehrlich sein darf, einfach die Fresse dick.
Wenn ich schon den Begriff „Geschlechterkampf“ höre, wird mir ganz anders. Als hätten wir nichts Besseres zu tun, als uns in billiger, fruchtloser und destruktiver Konkurrenz gegenüber zu stehen.
Ich habe da nämlich so eine kleine Sache im Biologieunterricht gelernt, wisst ihr.
Wollt ihr’s hören?
Ich sag’s euch.
Aber psssst, nicht weitersagen.

Wir sind gemacht, um uns zu ergänzen.
Und das sollten wir auch tun.

Also abgesehen von lustigen kleinen Extrembeispielen beider Geschlechter, die irgendwie das richtige Maß komplett vermissen lassen (siehe zum Beispiel hier, was zum Lachen für euch) sollten wir uns einfach mal wieder daran erinnern.
Was ja nicht heißt, dass wir nicht weiter fiese sexistische Witze machen dürfen.
Seltsam wird’s erst, wenn das über bloßen Humor hinausgeht.

Denn, um das Ganze abzuschließen, ein kleines Zitat aus einer unfertigen Geschichte von mir namens „Legion“:

Keine Reichen oder Bettler.
Keine Jungen oder Alten.
Keine Männer oder Frauen.
Keine Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hinduisten oder Atheisten.
Nur Menschen.

Einfach nur Menschen.

Der Preis der Freiheit Samstag, Aug 28 2010 

Eigentlich bringe ich ja ungern zwei Kurzgeschichten hintereinander auf dem Blog.

Nicht, weil ich nicht kreativ genug wäre, um so viele autoristische Ergüsse in Fließbandproduktion zu erschaffen, zeitlich.
Denn ich bin verflucht kreativ. Wirklich. Fragt meine Bastellehrerin aus der Grundschule.
So handwerklich gut gemachte Pappmaché-Penisse habt ihr in eurem ganzen Leben noch nicht gesehen.
Vielleicht sollte ich ja auf Dildofabrikation umsteigen, wo ich so darüber nachdenke. Individuell nach Kundenwünschen. Alles handgemacht, in jedem Exemplar Stunden von Handarbeit und gewaltiges Fachwissen.

Jedenfalls… was ich sagen wollte.
Eigentlich nutze ich die Kurzgeschichten hier ja im Regelfall eher als einen kleinen Spritzer von Unterhaltung zwischen den zynischen, bösen, ernüchternd hoffnungslosen Artikeln.
Oder irgendwie so denke ich mir das zumindest.

Aber momentan, nach dem angesprochenen Zeitraum von massivem Alkoholkonsum und gesellschaftlichen Festivitäten, mit denen ich mich mal zwei Wochen lang genau so von der grausamen Realität abgelenkt habe wie der große Rest… empfinde ich die grausame Realität in den letzten Tagen in der Tat als derart grausam, dass ich fast den Wunsch verspüre, gleich einfach so weiterzumachen und mich in ein möglichst frühes Grab zu rauchen, zu saufen, zu kiffen, zu kotzen, zu prügeln und was ich sonst noch so treibe.
Aber das geht ja nun auch nicht.
Zugegeben, es hätte wirklich eine ganze Menge Stil, wenn man es richtig macht.
Aber das erfährt ja keiner, wenn ich nicht mehr da bin, um es rauszuposaunen.
Auf der anderen Seite bin ich momentan einfach derart genervt, dass ich bei den entsprechenden Themen meistens einfach mit einer „Scheiß drauf.“-mentalität abwinke, ohne im Mindesten die Lust zu verspüren, noch zu erörtern, warum ich die Verantwortlichen alle zur Hölle wünsche.

Tja, ist irgendwie gerade so.
Ich schätze, die ganzen klugen Leute, die sich mit mir beschäftigen, würden mir da etwas wie einen „Rückfall“ attestieren.
Egal.

Jedenfalls bringe ich deswegen im Bruch mit der eingangs erwähnten Regel nochmal eine Kurzgeschichte, diesmal tippfrisch aus der verklebten Suppe in meinem Kopf.
„Inspiration“, wenn man es denn so nennen will, war ein einigermaßen ergiebiges Gespräch mit einem klugen Menschen über… nun, so lustige Themen wie Freiheit, Freidenkertum, Folter, totalitäre Herrschaftssysteme und vieles mehr.
Bei unzählbar vielen Gläsern Whisky, aber das nur so nebenbei.

Wie auch immer.

– –

Der Preis der Freiheit

„Was haben wir falsch gemacht?“
Er zog schweigend an seiner Zigarette und stieß eine Qualmfontäne zwischen seinen Lippen hervor. Einige Augenblicke lang beobachtete er, wie der leicht bläuliche Dunst in dem Raum zwischen ihnen aufstieg und sich spielerisch verlor, Kreise und Spiralen zog wie eine ätherische Tänzerin.
Dann sah er dem Mann in die Augen, der ihm gegenüber saß und ihn mit stumpfem, hoffnungslosem Blick anstarrte.
„Denkst du denn, dass wir etwas falsch gemacht haben?“
„Wir haben versagt.“
„Findest du?“
Der Andere stützte sich mit den Armen auf seine Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. Eine Weile blieb er regungslos so sitzen, und er fragte sich fast, ob er weinte. „Irgendetwas haben wir falsch gemacht. Irgendwann. Irgendwo. Sonst wären wir nicht hier.“
„Wir haben getan, was wir konnten. Was wir für richtig hielten. Für notwendig. Mehr steht nicht… stand nie in unserer Macht. Es gibt Dinge, die sich unserem Einfluss gänzlich entziehen. Letztlich … ist es einfach so, wie es ist.“
Er wandte den Blick ab und beobachtete wieder gedankenverloren den Tanz des Zigarettenrauchs in der Luft.
„Es kann doch nicht einfach… nicht einfach vorbei sein!“ Er hörte das leise Quietschen der schäbigen Pritsche neben ihm und dann das Geräusch von Schritten, die sich zu dem vergitterten Fenster entfernten, durch das sie in den Innenhof blicken konnten. „Ich meine… Ich… kann mich einfach nicht damit abfinden, dass wir nichts mehr tun können! Was passiert jetzt? Wer könnte jetzt noch Widerstand leisten? Wer könnte sich wehren? Sie haben alle erwischt! Alle sind entweder gefangen oder schon hingerichtet… Wir sind die Letzten.“
„So etwas wie die Letzten gibt es nicht. Es werden Neue kommen.“
„Wann? In Wochen, Monaten, Jahren? Nach Jahren der Unterdrückung, von Propaganda, Gehirnwäsche, Überwachung, von Mord und Terror, nach tausend Toten, hunderttausend vielleicht – oder noch später? Wann?“
„Wenn sie dazu bereit sind.“
„Verdammte Scheiße!“ Die Pritsche auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers erbebte scheppernd, als der Andere zornig dagegen trat. „Und was dann? Glaubst du, sie haben mehr Erfolg als wir? Oder werden sie wieder scheitern – und das Ganze geht von vorne los?“
„Das kann niemand sagen.“
„Ich versteh’ dich nicht.“ Es war dieser Satz, der ihn dazu brachte, seinen Blick wieder auf seinen Zellengenossen zu richten. Mit verschränkten Armen stand er in der Ecke des Zimmers und starrte ihn finster an. „Wie kannst du nur so gleichgültig sein? Du und ich, wir wissen beide, was das hier bedeutet. Das Ende des Widerstands. Das war’s! Jahrelang – dieses ewige Kämpfen, die ständige Angst, die vielen Toten, das ganze Geschwafel von Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Freiheit… für Nichts.“ Kopfschüttelnd lehnte er sich an die Wand und starrte niedergeschlagen zu Boden.
„Für Nichts? Denkst du das wirklich?“
„So ist es doch. Wir haben niemanden befreit. Wir haben keines unserer Ideale verwirklicht. Alles, was wir getan haben, hat nur zu noch mehr Leid… noch mehr Toten geführt.“
Einen Moment schwieg er, und dachte nach. Unwillkürlich spielte ein kleines Lächeln über seine Gesichtszüge. Ein kaltes, freudloses, trauriges Lächeln, wie das eines Sterbenden, der seine schönsten Erinnerungen noch einmal Revue passieren lässt.
„Ich denke, wir haben gewonnen“, sagte er dann leise. Er sah den Anderen lächelnd an, wie er verwirrt den Kopf hob und stirnrunzelnd zurückblickte. „Sind denn Ideale dazu da, Realität zu werden? Wenn es so wäre…“ Er zuckte mit den Schultern, als würde er nach den richtigen Worten suchen. „ Dann wären sie keine Ideale – Nichts in dieser Welt kann ideal oder perfekt sein. Sie geben uns nur eine Orientierung. Sie zeigen uns, welchen Weg wir gehen können. Ob wir uns nun für diesen oder für einen anderen entscheiden, das liegt bei uns.“ Er nahm noch einen letzten Zug und legte seine Zigarette fast liebevoll in die Kerbe des Aschenbechers, als er draußen auf dem Gang schwere Schritte hörte, die sich ihrer Zelle näherten. „Quäl dich nicht mit der Frage, wo wir gescheitert sind oder versagt haben. Denk stattdessen daran, was wir getan haben. Wir haben vielleicht nicht gewonnen – Vielleicht waren wir nicht einmal zu unseren besten Zeiten eine ernsthafte Bedrohung für sie. Aber wir haben ein Zeichen gesetzt. Wir wurden bemerkt. Sie haben es nicht geschafft, uns tot zu schweigen. Wir haben gezeigt, dass trotz allem, was sie tun, um genau das zu verhindern, es immer noch Widerstand gibt. Dass es immer noch Menschen gibt, die von Gerechtigkeit, Freiheit, von einer besseren Welt träumen, und dass sie bereit sind, dafür zu kämpfen. Dafür zu sterben. Wir haben den Gedanken am Leben gehalten und weitergetragen. Damit geben wir denen, die nach uns kommen, eine Chance. Und noch viel mehr – wir geben allen, die unter ihnen leiden… Hoffnung.“
Er sah den Anderen an, mit seinem kalten, traurigen Lächeln, und erhob sich, noch bevor der schwere Schlüssel im Schloss herumgedreht und die stählerne Tür aufgerissen wurde.
Kein einziges Wort fiel, als die beiden Männer den bewaffneten Soldaten folgten und ihre Zelle verließen, die leer und einsam zurückblieb. Niemand achtete auf die nicht einmal halb abgebrannte Zigarette im Aschenbecher, aus der der bläuliche Dunst spielerisch tanzend aufstieg. Der Widerhall ihrer Schritte verlor sich in der Ferne, irgendwo fiel eine schwere Tür ins Schloss.
Dann herrschte Stille.
Zwei Minuten und 37 Sekunden später, um exakt sechs Uhr morgens, krachte eine einzelne Gewehrsalve donnernd durch den Innenhof.
Genau in diesem Moment fiel auch der erste Sonnenstrahl durch das vergitterte Fenster und beschien die Zigarette, die verlassen vor sich hin glomm und den Rauch nährte, der lautlos in der kleinen Zelle tanzte.

– –

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